Bad Karlshafen (bis 1977 Karlshafen, ) ist eine Kurstadt im Landkreis Kassel sowie die nördlichste Gemeinde Hessens.

Im Stadtgebiet, das sich auf 14,85 km² Fläche ausbreitet, leben 3778 Einwohner, davon 2300 im Stadtteil Bad Karlshafen und 1600 im Stadtteil Helmarshausen (Luftkurort, selbständige Gemeinde bis 1972).

Seit 1977 trägt Karlshafen als staatlich anerkanntes Heilbad den Zusatz Bad im Namen und wird auch als Barockstadt beworben.

Das historische Weserhafenbecken wurde in den 1920er Jahren von der Weser abgeschnitten. Seit 2018 ist es wieder für Wasserfahrzeuge erreichbar. Eine Schleuse in der Zufahrt hält den Wasserstand im Hafen konstant.Elsemarie Maletzke: Die Zeit der Schwäne ist vorbei. FAZ.net, 21. Juli 2018, abgerufen am 8. März 2024.

Geographie Lage Das nordhessische Bad Karlshafen liegt zwischen dem Solling im Norden und dem Reinhardswald im Süden am hessisch-niedersächsisch-nordrhein-westfälischen Dreiländereck, das sich bei den direkt nordwestlich der Stadt gelegenen Hannoverschen Klippen befindet. Die Stadt breitet sich unmittelbar an der auf gelegenen Mündung der von Süden kommenden Diemel in die von Osten heran fließende Weser aus. Südwestlich in Höhe der Einmündung liegen die Hessischen Klippen.

Stadtteile Stadtteile von Bad Karlshafen sind die gleichnamige Kernstadt und der 1,3 km (Luftlinie) südlich gelegene ältere, bis 1972 selbständige Ort Helmarshausen. Zwischen beiden Stadtteilen sind auf der ehemaligen Bundesstraße 83 entlang einer Diemelschleife etwa 3,2 km zurückzulegen; etwa auf halber Strecke liegt an dieser Straße die Karlshafener Kolonie Nollendorf/Diemelhöhe.

Nachbargemeinden Bad Karlshafen grenzt im Norden an das gemeindefreie Gebiet Solling, im Nordosten an den Flecken Bodenfelde (beide im Landkreis Northeim in Niedersachsen), im Osten an das gemeindefreie Gebiet Gutsbezirk Reinhardswald, im Süden an die Stadt Trendelburg (beide im Landkreis Kassel) sowie im Westen an die Stadt Beverungen (Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen).

Geschichte mini|Die Hessischen Klippen. Stahlstich nach Robert Batty mini|Carlshafen: Stahlstich von Johann Heinrich Martens nach Fink (um 1840) miniatur|Hafenbecken während des Umbaus 2014 Karlshafen wurde 1699 als Sieburg (Syburg) von Landgraf Karl als Exulantenstadt von Hessen-Kassel zur Ansiedlung von Hugenotten, protestantischen Glaubensflüchtlingen aus Frankreich, gegründet. Der Name leitete sich von der 274 m hohen Erhebung Sieburg im nördlichen Reinhardswald ab. Landgraf Karl ordnete den Aufbau einer neuen Fabrik- und Handelsstadt an, und sein Ingenieur und Baumeister Friedrich Conradi begann die Planungen dazu. Im Zusammenhang mit den ehrgeizigen Plänen, den Landgraf-Carl-Kanal zu graben, wollte der Landgraf die Zölle (Stapelrecht) von Hannoversch Münden umgehen und eine neue Wasserstraße bis in die Residenzstadt Kassel bauen lassen. Diese Pläne konnten jedoch nur teilweise realisiert werden, ebenso wie die weiteren Ausbaupläne für die Stadt. 1704 wurde das Invalidenhaus errichtet. Es diente bis 1918 der lebenslangen Unterbringung und Versorgung invalider hessischer Soldaten und ihrer Familien. 1717 wurde der Ort von Hofbaumeister Paul du Ry zu Ehren von Carl Landgraf zu Hessen in Carlshaven umbenannt. Die ersten Einwohner der neuen barocken Stadt waren Hugenotten und Waldenser. Gegenüber der Altstadt auf der anderen Weserseite liegt die Gartenstadt, die später erbaut wurde, um weiteren Wohnraum zu schaffen. Nach dem Tod des Stadtgründers 1730 wurde der erst auf 17 km Länge fertiggestellte Kanalbau eingestellt.

In Carlshafen wurden 1730 von dem hugenottischen Apotheker Jacques Galland Solequellen entdeckt. Es begann der Handel mit Salz. 1763 wurde eine Saline, bestehend aus Pumpwerk und drei Gradierwerken, aufgebaut.

Carlshafen war im Königreich Westphalen Sitz des Kantons Karlshafen, in Kurhessen von 1814 bis 1821 des Amtes Carlshafen, ab 1821 des Justizamtes Karlshafen und nach der Annexion Kurhessens durch Preußen (ab 1867) Sitz des Amtsgerichts Karlshafen.

Nach der Gründung des Preußisch-Hessischen Zollvereins wurde zum Schutz der norddeutschen Solevorkommen die Salzgewinnung eingestellt. 1838 wurde in dem Ort das erste Badehaus errichtet, in dem die Sole zur Behandlung von Kurgästen eingesetzt wurde. 1903 wurde am rechten Weserufer eine Saline gebaut; diese wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört. 1935 wurde Carlshafen in Karlshafen umbenannt. 1955 wurde es als Sole-Heilbad anerkannt.

Am 16./17. Juli 1965 richtete die Heinrichsflut im Bereich der barocken Altstadt schwere Verwüstungen an. Am 25. September 1966 wurde der Reisezugverkehr der Carlsbahn (Bahnstrecke Kassel–Warburg; Friedrich-Wilhelms-Nordbahn) eingestellt und am 27. September 1986 auch der Güterzugverkehr.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde kraft Landesgesetz die Stadt Helmarshausen, der historisch viel ältere Ort, zum 1. August 1972 mit der Stadt Karlshafen zur neuen Stadt Karlshafen zusammengeschlossen.

1973 wurde ein neues Kurzentrum eröffnet. Am 27. Mai 1977 wurde der Stadt Karlshafen der Titel Bad Karlshafen verliehen. 1986 wurde ein neues Gradierwerk errichtet. 2004 wurde eine neue Solequelle in 1150 Metern Tiefe erschlossen und im Dezember 2004 die Kristalltherme Weserbergland, heute Weser-Therme, eröffnet.

2017 begannen Bauarbeiten zur Sanierung und Neugestaltung des historischen Hafenbeckens vor dem Rathaus. Diese wurden 2019 abgeschlossen. Am 11. Mai konnte die Neueröffnung und Wiederanbindung an die Weser gefeiert werden., abgerufen am 17. Mai 2019.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Bad Karlshafen von 1773 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle mini|Hafenbecken mit Rathaus und – im Hintergrund – Hugenottenturm (1995) Jahr Einwohner zusammen mit Helmarshausen 1773 713 1412 1819 1203 2254 1849 1781 3127 1885 1600 2901 1895 1724 3038 1910 1908 3220 1919 1746 3003 1925 1869 3216 1933 2124 3495 1939 2224 3565 1946 3687 5606 1958 3135 4829 06.06.1961 3118 4763 27.05.1970 2910 4674 31.12.2002 4278 31.12.2006 4047 31.12.2008 3926 31.12.2009 3830 31.12.2010 3794 31.12.2012 3561 31.12.2013 3534 31.12.2015 3718 31.12.2017 3641 31.12.2021 2202 3612

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bad Karlshafen erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Bad Karlshafen 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2026

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 35,4 6 35,7 6 38,2 6 39,2 8 29,0 7 22,2 5 24,5 4 28,2 5 21,4 4 27,3 5 28,5 6 27,7 6 40,0 7 27,5 4 26,5 5 33,5 6 42,4 10 50,0 12 – – 4,6 1 14,0 2 – – – – – – – – 4,1 1 – – – – – – – – Gesamt 100,0 17 100,0 17 100,0 17 100,0 19 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 48,9 44,6 51,9 61,7 53,0 57,3

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Bad Karlshafen neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sechs weitere Stadträte angehören.Der Magistrat der Stadt Bad Karlshafen Bürgermeister ist seit dem 16. Januar 2018 Marcus Dittrich, der in der Kommunalpolitik bis dahin Stadtverordnetenvorsteher war. Er wurde als Nachfolger von Ulrich Otto, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidiert hatte, am 21. Mai 2017 in einer Stichwahl mit denkbar knappem Ausgang, die im Stadtteil Helmarshausen am 5. November 2017 wiederholt werden musste, bei 76,49 Prozent Wahlbeteiligung mit letztlich 52,34 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterstichwahl Stadt Bad Karlshafen 2017 Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im Oktober 2023.Votemanager: Bürgermeisterwahl Stadt Bad Karlshafen 2023

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: Einzelergebnisse sind nicht archiviertBad Karlshafen: Bürgermeister Otto will nicht mehr antreten. HNA, 14. September 2016, mit Aufzählung seiner Amtsvorgänger 2018–2030 Marcus Dittrich (von FWG und CDU unterstützt)Bad Karlshafens Bürgermeister Marcus Dittrich ist 100 Tage im Amt. HNA, 27. April 2018, abgerufen am 8. März 2024. 2005–2018 Ulrich Otto. hessenschau.de, 28. Juni 2017. Die Amtsgeschäfte leitete bis dahin der bisherige Bürgermeister Ulrich Otto. 1999–2005 Rolf Schließmann (SPD) 1975–1999 Hans Christian Wehmeier (FWG) 1960–1975 Karl Heinz Hansen (FWG)

Wappen und Flagge mini|100px

Wappen links|100px

Blasonierung: „Der durch einen silbernen Zinnenkranz von Blau und Grün geteilte Schild zeigt oben den wachsenden hessischen Löwen, unten eine aufgehende, goldene Sonne.“

Das Wappen der Stadt am 22. März 1974 vom Hessischen Innenminister genehmigt, gestaltet wurde es von dem Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.

Flagge

Die Flagge wurde der Gemeinde am 26. Juni 1981 vom Hessischen Innenminister genehmigt und wird wie folgt beschrieben:

Flaggenbeschreibung: „Die Flagge der Stadt Karlshafen zeigt auf zwei gleichbreiten Flaggenbahnen von Grün und Gold in der oberen Hälfte das Wappen der Stadt.“ 

Städtepartnerschaften mini|hochkant|Pegelhaus an der Einfahrt zum historischen Hafenbecken Bad Karlshafen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu ’s-Gravenzande in den Niederlanden seit 1961 und Bad Suderode in Sachsen-Anhalt seit 1990.

Wirtschaft und Infrastruktur Gesundheitswesen Carolinum – Dr.-Ebel-Fachklinik für Orthopädie, Neurologie, Geriatrie und Rehabilitation Vor Ort sind mehrere Fachärzte verschiedener Fachrichtungen tätig.

Verkehr mini|Blick auf die Hannoverschen Klippen von einem Weserschiff mini|Blick von den Hannoverschen Klippen nach Bad Karlshafen

Straßen In Bad Karlshafen beginnt die Bundesstraße 80, die von der B 83 nach Osten die Weser flussaufwärts begleitend abzweigt. Auf der B 80 und der davon abzweigenden B 496 kann man durch Hann. Münden zur 50 Straßenkilometer entfernten Anschlussstelle Hann. Münden/Lutterberg der Bundesautobahn 7 im Südsüdosten fahren. Auf den Bundesstraßen 83, 241 und 252 ist die 41,5 Straßenkilometer entfernte Anschlussstelle Warburg der A 44 im Südwesten zu erreichen.

Von dort aus besteht auf der A 44 Verbindung zum nahe der Anschlussstelle Büren liegenden Flughafen Paderborn-Lippstadt im Westen. Auf der B 83, ab Grebenstein auf der Kreisstraße 50 und schließlich auf der B 7 kann man zum Flughafen Kassel-Calden im Süden fahren. In der Kernstadt zweigt von der B 80 die K 77 ab, die nordwestwärts auf der Weserbrücke (Brüderstraße) zum jenseits der Weser gelegenen Bahnhof Bad Karlshafen führt; die Brücke wird seit 2017 durch einen Neubau ersetzt, der bis Sommer 2019 fertiggestellt sein soll.

Fahrradverkehr Der Hessische Radfernweg R1 (Fuldaradweg) und der Hessische Radfernweg R4 von Hirschhorn enden in Bad Karlshafen. Daneben gibt es den Weserradweg (R99) von Hann. Münden bis Cuxhaven, den Diemelradweg von Usseln bis Bad Karlshafen sowie die D-Route 9 (Weser-Romantische Straße).

Eisenbahn Der 27,92 km lange Abschnitt der Carlsbahn vom Bahnhof Grebenstein über Hümme nach Bad Karlshafen, welcher am 30. März 1848 eröffnet wurde, war die erste Eisenbahn in Kurhessen und führte vom Bahnhof Karlshafen LU (linkes [Weser-]Ufer) über Hümme nach Kassel. Der Personenverkehr bis Hümme wurde 1966 eingestellt, ebenso der Güterverkehr zwischen Trendelburg und Bad Karlshafen. Endgültig wurde die Strecke bis Hümme im Jahr 1986 stillgelegt.