Raimondo Pereda (* 29. September 1840 in Lugano; † 10. Oktober 1915 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer.

Leben Pereda besuchte zunächst die Zeichenschule in Lugano und studierte dann von 1857 bis 1861 an der Accademia di Brera in Mailand. Danach arbeitete er beim mailändischen Bildhauer Pietro Magni. Offenbar half er seinem Meister bei der Ausführung des Leonardo-da-Vinci-Denkmals.Giulio Foletti: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870-1920). Armando Dadò Seditore, Locarno 2001, S. 371–379. Ab 1870 nahm er rege an Ausstellungen teil. Um 1874 eröffnete er ein eigenes Atelier in Mailand und erhielt zahlreiche Aufträge für den dortigen Cimitero Monumentale und andere Friedhöfe in der Lombardei. Er spezialisierte sich in dieser Phase insbesondere auf gefällige, zumeist wenig originelle Genredarstellungen.

1874 zeigte er auf der Kunstausstellung in Berlin die Gruppe Verstellung und Zärtlichkeit, die ein Mädchen darstellt, das so tut, als würde es weinen, und damit seinen Bruder dazu anregt, es zu trösten. Bruno Meyer lobte das Werk als «das Anmuthigste, was die italienischen Bildhauer zu bieten vermögen». Die Detaillierung sei «wiewohl oberflächlich, doch nicht in der Weise abstoßend lüderlich wie an den meisten anderen italienischen Arbeiten».Bruno Meyer: Die Kunstausstellung in Berlin. In: Deutsche Rundschau. Band 1, 1874, S. 438–453, hier 452 (Digitalisat). 1876 begab sich Pereda zur Weltausstellung in Philadelphia, wo er sich persönlich darum kümmerte, dass seine eigenen Exponate und jene seiner Mailänder Kollegen würdevoll ausgestellt wurden. 1877 wurde er zum Ehrenmitglied der Accademia di Brera ernannt. mini|hochkant|links|Die Dusche (1883), Botanischer Garten Bern 1882 zog Vincenzo Vela Pereda zur Arbeit an der Kolossalstatue der Helvetia für den Festplatz des Eidgenössischen Schützenfests 1883 in Lugano bei.Eidgenössisches Schützenfest. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 359, 25. Dezember 1882, S. 1 (online). Die Arbeit war im Juli 1883 abgeschlossen.Schützenfest. In: Zuger Volksblatt. Band 23, Nr. 54, 7. Juli 1883, S. 2 (online). Zeitgleich präsentierte Pereda auf der Schweizerischen Landesausstellung 1883 in Zürich einen «nackten Schlingel, der im Bassin des großen Mittelsaales eine Spritze drückt und nun, da der Wasserstrahl ihm in’s Gesicht fällt, den Kopf auf die Seite dreht, um nicht naß zu werden».Die Kunst an der schweiz. Landesausstellung. In: Der Bund. Band 34, Nr. 174, 26. Juni 1883, S. 1 f. (online). Das Werk mit dem Titel Die Dusche (La Doccia) steht heute im Botanischen Garten Bern.

1885 bot Pereda dem Kanton Uri an, sein Modell einer lebensgrossen Statue Wilhelm Tells für 15'000 Franken auszuführen, die Behörden lehnten jedoch wegen Geldmangels ab.Uri. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Blatt. Nr. 159, 8. Juni 1885, S. 2 (online). Das Modell wurde im Februar 1892 bei einem Brand in Chiasso zerstört.Tessin. In: Tagblatt der Stadt Biel. Band 30, Nr. 46, 24. Februar 1892, S. 4 (online). Im April 1892 wurde ihm im Wettbewerb für das Telldenkmal in Altdorf der dritte Preis im Wert von 1000 Franken verliehen. Der erste Platz ging an Richard Kissling.Bulletin du jour. In: Le Confédéré. 6. April 1892, S. 1 (online).

1886 schuf er eine Büste des Luganer Architekten, Politikers und Dichters Antonio De Filippis (1817–1885) für dessen Grabmal auf dem Friedhof Lugano. 1889, anlässlich des Todes der jungen Amelia De Filippis, ergänzte er das Monument mit einer weiblichen betenden Figur, einem Symbol für die Seele, die sich in den Himmel emporschwingt.Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 9783037972748, S. 33 f. mini|hochkant|Gefangene der Liebe (1888), Haupttreppe der Villa Ciani, Lugano 1889 wurde Pereda an der Grossen Internationalen Ausstellung in Paris für seine Gruppe Gefangene der Liebe (Prigioniera d’amore) mit einer Goldmedaille prämiert. Das Werk ist heute im Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano aufbewahrt.

1893 kehrte Pereda nach Lugano zurück und arbeitete hier als Zeichenlehrer. Von 1891 bis 1896 und von 1898 bis 1900 gehörte er als erster Tessiner der Eidgenössischen Kunstkommission an. 1898 gewann er den Wettbewerb für das Elias-Landolt-Denkmal in Zürich, das am 20. August 1899 feierlich eingeweiht wurde.Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Abendblatt. Nr. 231, 21. August 1899, S. 2 (online). mini|hochkant|links|Grabmal von Clelia Cometti (1906), Friedhof Lugano In den 1900er Jahren schuf er einige herausragende Grabmäler auf dem Friedhof von Lugano. 1902 fertigte er die allegorische Frauenfigur Bewachung (Custodia) für das Grab Pietro Primavesis. Die Bronzestatue, die sich durch Einfachheit und Natürlichkeit der Formen auszeichnet, ruht auf einem Sarg aus dunklem Castione-Gestein und verteidigt ihn gegen jedwede Profanierung. Im Juni 1903 folgte eines von Peredas Hauptwerken, die kolossale Bronzeplastik am Grab Emilio Cabiatis. Die realistisch gestaltete Frauenfigur ist in Mediation und Gebet versunken und lehnt sich an einen massiven Steinblock. Sie ist von den Mailänder Grabmalen Enrico Buttis inspiriert. 1906 gestaltete Pereda das Grabmal der 34-jährig verstorbenen Clelia Cometti. Auf einem hohen Postament erhebt sich eine weibliche Gestalt, die die Seele der Toten verkörpert. Zu ihrer Linken steht der Engel der Auferstehung mit der Trompete, mit der er das Jüngste Gericht verkündet, in der rechten Hand. Um 1909 schuf Pereda das Grabmal der Familie Pedrini auf dem Friedhof von Faido.

Pereda starb am 10. Oktober 1915 im Alter von 75 Jahren in Lugano. Er wurde am 14. Oktober auf dem Friedhof von Lugano beigesetzt.Raimondo Pereda. In: Gazzetta Ticinese. 13. Oktober 1915, S. 3. An seinem Grab steht ein Selbstporträt aus dem Jahr 1913.

Werk Zu seinen Lebzeiten war Pereda einer der bekanntesten und erfolgreichsten Bildhauer aus dem Tessin. Nach seinem Tod geriet er jedoch fast vollständig in Vergessenheit. Seine Genreskulpturen, welche stark vom italienischen Verismus geprägt sind, fanden in der bürgerlichen Gesellschaft grossen Anklang, trugen aber wenig zur Kunstentwicklung bei. Peredas häufigste Motive waren Frauen- und Kindergruppen mit ausgeprägter, fast schon karikaturhafter Mimik. Sein Interesse für den Symbolismus ist durch viele Friedhofsskulpturen belegt.

Grabmale

Büsten

Literatur

Giulio Foletti: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870-1920). Armando Dadò Editore, Locarno 2001, S. 371–379. L’affermazione di un’identità, 1870-1914. Ausstellungskatalog, Lugano 2002. Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 9783037972748.

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