Fawlty Towers (deutsche Alternativtitel: Fawltys Hotel, Zimmer frei, Ein verrücktes Hotel oder Das verrückte Hotel – Fawlty Towers) ist eine britische Sitcom-Fernsehserie aus den 1970er Jahren, die von John Cleese und seiner damaligen Ehefrau Connie Booth entwickelt wurde. Sie zählt zu den Klassikern der Britcom, erreichte Platz 1 der BFI TV 100 und wird wegen ihrer großen Beliebtheit regelmäßig wiederholt.
John Cleese spielt darin den cholerischen und misanthropischen Besitzer eines kleinen englischen Hotels, Basil Fawlty. Dieser steht vollkommen unter dem Pantoffel seiner resoluten Frau Sybil (Prunella Scales), lässt seinen Hass auf das Leben an Mitarbeitern und Gästen aus und scheitert mit jedem seiner Vorhaben grandios, wofür er stets lautstark anderen die Schuld gibt, selbst Gegenständen wie seinem Auto.
Unter der Regie von John Howard Davies und Bob Spiers entstanden zwei Staffeln mit insgesamt zwölf Folgen. Sie wurden vom 19. September bis 24. Oktober 1975 (Folgen 1–6) und vom 19. Februar bis 25. Oktober 1979 (Folgen 7–12) auf BBC Two ausgestrahlt.
Hintergrund Während der Außenaufnahmen für die zweite Staffel von Monty Python’s Flying Circus in Torquay war die gleichnamige Komikergruppe im Mai 1970 im Gleneagles Hotel in Torquay untergebracht, das von einem gewissen Donald Sinclair betrieben wurde.Graham McCann: Fawlty Towers. The Story of the Sitcom. Hodder and Stoughton, London 2007 Sinclair wurde von Cleese als „der ungehobeltste Mensch, der mir je über den Weg gelaufen ist (the rudest man I’ve ever met)“, beschrieben und lieferte ihm die Grundidee zu Fawlty Towers.
Beispielsweise mokierte sich Sinclair über Terry Gilliam. Den Tischsitten in dessen Geburtsland USA entsprechend, zerteilte er das Fleisch zunächst vollständig auf dem Teller, um es dann mit der Gabel ohne Zuhilfenahme des Messers zu essen. Der Hotelier kommentierte dies mit dem Ausspruch: „We don’t eat like this in this country!“ („So essen wir hierzulande nicht!“)
Eric Idle vermisste einmal die Tasche mit seiner Squash-Ausrüstung, die er vor dem Hoteleingang abgestellt hatte, und fragte Sinclair nach deren Verbleib. Der Hotelier erklärte ihm, er habe sie hinter eine siebzig Meter entfernte Gartenmauer gebracht, weil er sie für eine Bombe hielt und eine Explosion befürchtete. In Idles Tasche hatte sich ein tickender Wecker befunden.
Michael Palin holte sich eine grobe Abfuhr, als er Sinclair bat, ihn um 6:45 Uhr telefonisch zu wecken. Ein anderes Mal warf Sinclair einem seiner Gäste, der ihn nach den Busabfahrtszeiten gefragt hatte, den hoteleigenen Fahrplan hinterher.
Alle bis auf John Cleese zogen bald in das wesentlich gastfreundlichere Imperial Hotel um. Cleese blieb und lud sogar seine Frau Connie Booth dazu ein, den „garstigsten Hotelier der Welt“ zu studieren.
Realisierung
Als Cleese nach drei Jahren die Monty-Python-Gruppe verließ, war die BBC sehr an einer Serie mit ihm interessiert. Cleese schlug dem damaligen Unterhaltungschef Jimmy Gilbert eine Reihe für sich und seine Frau vor, und so entstand Fawlty Towers.
Cleese schrieb zunächst die Dialoge der männlichen Darsteller und Booth die der Frauen. Im Laufe der Zeit arbeiteten die beiden immer besser zusammen und schrieben später alle Dialoge gemeinsam. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Serie, in der die Dialoge zunehmend flüssiger und besser aufeinander abgestimmt wirken.
Die Innenaufnahmen entstanden in den BBC-Studios, während für die Außenaufnahmen der Wooburn Green Country Club in Bourne End, Buckinghamshire, genutzt wurde. Das Gebäude wurde Jahre später abgerissen, nachdem es im März 1991 durch ein Feuer zerstört worden war.
Die Serie errang 1975 den British Academy Award als beste Comedyserie. 1976 erhielt Cleese für Fawlty Towers den Programme Award der Royal Television Society.
Bis 1978 wurde die Serie an 45 Fernsehsender in 17 Ländern verkauft.
Figuren Basil Fawlty Basil ist Mitte 40, Besitzer und (offiziell) Geschäftsführer des Hotels. Er wird von John Cleese gespielt. In der Leitung eines Hotels sieht er seinen Weg, in höhere gesellschaftliche Schichten aufzusteigen, doch er scheitert immer wieder daran, dass er die meisten Menschen verabscheut, sie das auch deutlich spüren lässt und sich damit selbst permanent im Wege steht. Basil wird von seiner Frau Sybil dominiert, gegen die er zwar immer wieder aufbegehrt, aber letztlich nachgibt. Seinen Frust lässt er an Gästen und Personal aus, womit er mitunter ein heilloses Chaos anrichtet. Oft hat er den Verdacht, von Gästen hintergangen zu werden, und spioniert ihnen mit absurdesten Methoden nach, was ihn ein ums andere Mal in peinliche Situationen bringt, aus denen ihn die anderen herausholen müssen.
Sybil Fawlty Sybil ist Basils Frau und die eigentliche Leiterin des Hotels. Sie wird von Prunella Scales gespielt. Sybil begegnet Gästen mit professioneller Freundlichkeit, neigt aber dazu, sich festzuquatschen, um sich vor wirklicher Arbeit zu drücken. Das gilt auch für stundenlange Telefonate mit Audrey, ihrer besten Freundin. Ihren Mann verachtet sie insgeheim, da sie seine Spielchen durchschaut, und schießt auf seine ätzenden Bemerkungen mit gleichem Sarkasmus zurück. Der einzige Grund dafür, dass sie sich nicht von ihm trennt, scheint ihre Position in seinem Hotel zu sein. Sybil achtet sehr auf ihr Äußeres und fällt besonders durch ihre turmhohen Frisuren auf. Ein weiteres Markenzeichen ist ihr lautes meckernd-schlürfendes Lachen, das Basil in den Wahnsinn treiben kann.
Polly Sherman Polly ist Kunststudentin und arbeitet in Teilzeit als Kellnerin im Hotel. Sie wird von Cleeses damaliger Ehefrau Connie Booth dargestellt. Polly ist selbstbewusst, behält auch in hektischen Situationen die Ruhe und steckt Basils Spötteleien mit kühlen Antworten weg (Basil: „Wofür bezahlen wir dich?“ – Polly: „Dafür, dass ich’s hier aushalte?“). Gästen gegenüber ist sie freundlich, kann aber auf Unverschämtheiten auch sehr spitz reagieren. Oft gelingt es ihren blitzschnellen Reaktionen, zwischen Basils Fettnäpfchen-Aktionen, dem dadurch überforderten Personal und ungeduldigen Gästen zu vermitteln.
Manuel Manuel ist der spanische Kellner, dargestellt von Andrew Sachs. Er spricht nur gebrochen Englisch und versteht vor allem wiederholt englische Redewendungen falsch, womit er auch peinliche Situationen erzeugt. Er ist eifrig bemüht, seine Englischkenntnisse und seine Kellnerfähigkeiten zu verbessern, scheitert aber an seiner ausgesprochenen Tollpatschigkeit. Mit seiner naiv-gutmütigen Art ist er Basils Attacken, der ihn als kompletten Idioten betrachtet, praktisch wehrlos ausgesetzt, was dieser auch weidlich ausnutzt, worauf Polly immer wieder Partei für Manuel ergreift.
Terry Terry ist in der zweiten Staffel Chefkoch des Hotels und wird von Brian Hall dargestellt. Terry ist schlau, kultiviert und ein talentierter Koch, der sein Handwerk auf einer Hotelfachschule gelernt hat. Er hat aber Angewohnheiten, die Basil zur Weißglut treiben: Selbst in brenzligsten Situationen bleibt er gelassen und sorglos, er achtet weder auf Haltbarkeitszeiten seiner Vorräte noch auf den hygienischen Zustand der Küche. Die letzten zwei Punkte führen in der Episode „Basil the Rat“ zu einer langen Mängelliste des Gesundheitsamtes, die Terry mit der jovialen Bemerkung „je besser eine Küche, desto verdreckter ist sie“ beiseite wischt. Terry hasst es, wenn andere Menschen in seiner Küche kochen; mit Manuel, mit dem er sonst freundlich umgeht, kommt es deshalb sogar einmal zu einer Schlägerei.
Dauergäste Major Gowen „The Major“ ist der einzige Mensch, dem Basil mit Wertschätzung begegnet, da er als Offizier gesellschaftlich über ihm steht. Er wird von Ballard Berkeley dargestellt. Der ehemalige Offizier verbringt seinen Lebensabend im Hotel. Seinem Stand entsprechend redet er Basil nur mit Nachnamen „Fawlty“ an, ohne „Mister“. Seine beginnende Senilität zeigt sich in einer deutlichen Zerstreutheit; anvertrautes Geld findet er schon im nächsten Moment nicht mehr wieder. Wenn Basil das gelegentlich ausnutzt, scheint er es gar nicht zu bemerken. Miss Tibbs und Miss Gatsby Zwei alte, offenbar sehr wohlhabende Jungfern, die immer gemeinsam auftreten und auch immer dasselbe sagen. Sie betrachten mehr oder weniger alle Männer als ihre zu bemutternden Schützlinge, vor allem den Major, um den sie sich schnell Sorgen machen.
Die erste Staffel
Epi-sode BBC-Erst-ausstrahlung Titel Original (BBC) DFF RTL Sat.1119. Sep. 1975A Touch of ClassEin Hauch von AdelDie besseren KreiseEin Hauch von Klasse226. Sep. 1975The BuildersDie verschwundene TürHandwerkerBaumaßnahmen33. Okt. 1975The Wedding PartyUnmoralDie gute MoralDie Hochzeitsfeier410. Okt. 1975The Hotel InspectorsBasils beste SeiteHotelinspektionDie Hotel-Tester517. Okt. 1975Gourmet NightEin Feinschmecker-AbendFeinschmecker-ParadiesGourmet-Abend624. Okt. 1975The Germans—Die Deutschen kommen!Die Deutschen
Die erste Folge A Touch of Class wurde auf BBC2 am Freitag, dem 19. September 1975 um 21 Uhr ausgestrahlt. Die ersten Reaktionen von Presse und Zuschauern waren durchwachsen, von der heutigen Begeisterung für die Serie war noch nichts zu spüren. Während der Erstausstrahlung schaffte es keine Folge in die Top Ten der Einschaltquoten. Allerdings nahm die Beliebtheit der Serie von Folge zu Folge stark zu. Zum Ende der ersten Staffel waren die Zuschauer regelrecht begeistert. Dies führte bei der BBC zu der Entscheidung, die sechs Folgen sogleich nochmals auszustrahlen. Die zweite Ausstrahlung erzielte höhere Einschaltquoten als die erste, ein Phänomen, welches auch etwa von der Fernsehserie Raumschiff Enterprise bekannt ist, deren Erstausstrahlung ein Flop war.
Die wohl bekannteste Episode ist The Germans, die sich satirisch mit der Neigung vieler Briten auseinandersetzt, mit Deutschland vor allem das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg in Verbindung zu bringen. Das Hotel erwartet eine deutsche Besuchergruppe, während Sybil im Krankenhaus liegt und Basil das Hotel allein zu leiten versucht, was schon vor der Ankunft der Gäste ins Chaos führt. Der Running Gag dieser Folge besteht darin, dass Basil wiederholt seinen Mitarbeitern einschärft, den deutschen Gästen gegenüber bloß nicht den Krieg zu erwähnen, während ihm selbst im Gespräch mit den Deutschen ständig Versprecher unterlaufen, die auf die Zeit des Nationalsozialismus anspielen. Basils Mahnung „Don’t mention the war!“ ist seither zum geflügelten Wort geworden. Es wurde u. a. von der deutschen Botschaft in London im Rahmen einer Essay-Competition unter Mitwirkung von John Cleese anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 aufgegriffen. Ein Buch über die deutsch-britischen Beziehungen trägt diesen Titel.John Ramsden: Don't mention the War. The British and the Germans since 1890. Little Brown, London 2006, ISBN 978-0-316-86122-9. Während des WM-Turniers 2010 wandelte das britische Boulevardblatt The Sun den Satz zu „Don't mention the four!“ ab, in Anspielung auf die vier Gegentore Englands im Achtelfinalspiel gegen Deutschland.
Die Folge wurde im Juni 2020 im Zuge der Proteste nach dem Tod von George Floyd nach Rassismusvorwürfen vorläufig aus dem Streamingangebot der BBC-Tochter UKTV genommen.Nach Rassismusvorwürfen: BBC nimmt Folge von "Fawlty Towers" aus dem Programm, Sueddeutsche.de vom 12. Juni 2020, abgerufen am 13. Juni 2020
Die zweite Staffel
Epi-sode BBC-Erst-ausstrahlung Titel Original (BBC) DFF RTL Sat.1719. Feb. 1979Communication ProblemsKleine MißverständnisseEin Dieb geht um!Kommunikationsprobleme826. Feb. 1979The PsychiatristStudienmaterial für den PsychiaterBasil geht fremd!?Der Psychiater95. Mrz. 1979Waldorf SaladDer WaldorfsalatDie AmerikanerWaldorfsalat1012. Mrz. 1979The Kipper and the CorpseWohin mit der Leiche?Ein Toter im HotelRäucherhering und eine Leiche1126. Mrz. 1979The AnniversaryDie fremde Frau im BettHochzeitstagDer Hochzeitstag1224. Okt. 1979Basil the Rat—Die RattenBasil, die Ratte