Der Kreuzzug der Barone in den Jahren von 1239 bis 1241 war ein von der Kirche geförderter Kriegszug in das heilige Land zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten im Kampf gegen die benachbarten Herrschaftsgebiete der Ayyubiden. Der Kreuzzug umfasste zwei Kreuzzugsunternehmen, den Kreuzzug Theobalds von Champagne und den Kreuzzug Richards von Cornwall.
Die Bezeichnung der beiden Unternehmungen als Kreuzzug der Barone rührt daher, dass daran eine große Anzahl von Adligen aus Frankreich und England teilnahmen, die nicht von einem Monarchen geführt wurden.Zu den bekannten Teilnehmern siehe auch: :Kategorie:Kreuzfahrer (Kreuzzug der Barone).
Obwohl am Ende der beiden Züge die größten Territorialgewinne für die christlichen Kreuzfahrerstaaten seit dem Ersten Kreuzzug (1099) standen, wird der Kreuzzug der Barone in der traditionellen Zählung der Kreuzzüge nicht berücksichtigt. Chronologisch ist er zwischen dem Fünften (1217–1229) und dem Sechsten Kreuzzug (1248–1250) einzuordnen. Ungewöhnlich an diesem Kreuzzug ist auch, dass sein positiver Ausgang weder auf spektakulären Schlachterfolgen noch geschickter Diplomatie beruhte, sondern hauptsächlich der Zerstrittenheit der muslimischen Führer geschuldet war.
Vorgeschichte Durch die Heirat der Thronerbin von Jerusalem Isabella von Brienne mit Kaiser Friedrich II. besaß Letzterer seit 1225 den Königstitel von Jerusalem. Bei seinem umstrittenen Kreuzzug hatte Friedrich 1229 mit dem Ayyubiden-Sultan von Ägypten und Syrien, al-Kamil Muhammad I., den Friedensvertrag von Jaffa geschlossen, durch den die Christen unter anderem kampflos in den Besitz der Stadt Jerusalem gelangten. Weil der Kaiser zum damaligen Zeitpunkt mit der Kirchenstrafe der Exkommunikation belegt war und der Papst seinen Kreuzzug verurteilte, wurde der Vertrag von Jaffa weder von der Kirche noch von den Baronen Outremers anerkannt. Erst als Papst Gregor IX. und Kaiser Friedrich II. im Juli 1230 ihre Streitigkeiten im zweiten Vertrag von San Germano vorübergehend beilegten und die Exkommunikation aufgehoben wurde, wurde das Abkommen für die Kreuzfahrerstaaten bindend und der darin verabredete 10-jährige Waffenstillstand anerkannt.
Aufruf und Vorbereitungen Die in Jaffa vereinbarte Waffenruhe sollte im August 1239 enden, so dass bereits absehbar war, dass das Königreich Jerusalem zu diesem Zeitpunkt militärische Unterstützung aus Europa gegen die Muslime benötigen würde. Im September 1234 rief Papst Gregor IX. deshalb mit einem Brief das Volk Englands zu einem neuen Kreuzzug ins Heilige Land auf. Im November 1234 folgte auch ein Kreuzzugsaufruf an das Volk Frankreichs. Der gesamte Klerus war gehalten, den Kreuzzug zu predigen. Wie schon beim Fünften Kreuzzug versprach der Papst nicht nur jenen einen Ablass, die am Kreuzzug teilnahmen, sondern auch denen, die sich an den Kosten beteiligten, ohne selbst mitzufahren.
Bei der Kreuzzugspredigt stützte sich der Papst besonders auf den Dominikanerorden, der direkt nach den römischen Direktiven und von lokalen Verhältnissen und Interessen weitgehend unabhängig agieren konnte, so dass eine zentrale Steuerung der Anwerbung möglich war. Ein organisatorisches Problem bestand allerdings darin, dass gleichzeitig auch für Kreuzzugsunternehmen im Lateinischen Kaiserreich von Konstantinopel, in Spanien und gegen die Prußen im Baltikum geworben werden sollte, so dass eine Aufteilung der Ressourcen erfolgen musste, was nicht immer reibungslos verlief, da nicht alle Unternehmen gleich attraktiv waren. Die Predigt für den Überseekreuzzug war indes so erfolgreich, dass der Papst im September 1235 den Prälaten Frankreichs befehlen musste, dafür zu sorgen, dass der Aufbruch nicht früher als im Juli 1239 erfolgte.
Obwohl die Anzahl der Freiwilligen groß war und der einige Zeit zuvor beendete Kreuzzug gegen die Ketzerbewegung der Albingenser in Südfrankreich keine Mittel mehr band, blieb allerdings die Finanzierung problematisch. Die Kirche erhob deshalb spezielle Sondersteuern und Kollekten. Einzelnen Diözesen wurde je ein kreuzfahrender Ritter zugewiesen, für dessen Ausstattung gesammelt werden musste.
Theobalds Kreuzzug Aufbruch Während sich die Monarchen Frankreichs und Englands aus politischen Gründen nicht bereitfanden, den Kreuzzug zu führen, zeigte sich der Adel in beiden Ländern für den Kreuzzugsgedanken weiterhin sehr empfänglich. Obwohl im Pontifikat Gregors IX. zahlreiche andere Kreuzzugsunternehmen kirchenrechtlich der Jerusalemfahrt ganz oder teilweise gleichgestellt wurden, galt der Zug ins heilige Land bei den Adressaten weiterhin als besonders attraktiv. Besonders in Frankreich fühlte sich eine große Anzahl Barone zu einer „bewaffneten Pilgerfahrt“ motiviert. Einige der Barone, die das Kreuz nahmen, waren in den vorangegangenen Jahren in einen gescheiterten Aufstand gegen die Regentschaft der Königinmutter, Blanka von Kastilien, verwickelt und wurden vom französischen Klerus zur Bußleistung in Form der Kreuzzugsteilnahme gedrängt.
Im Juli 1239 versammelte sich in Lyon ein großes Heer, bestehend aus französischen Rittern unter der Führung bedeutender Barone, darunter Peter Mauclerc, des ehemaligen Herzogs der Bretagne, Graf Theobald IV. von Champagne, der seit 1234 als Theobald I. auch König von Navarra war, Herzog Hugo IV. von Burgund, Graf Amalrich VII. von Montfort, der auch Connétable von Frankreich war, Graf Heinrich II. von Bar und viele andere.
Die Franzosen planten zunächst, nach Apulien zu ziehen und von Brindisi aus Richtung Outremer in See zu stechen. Allerdings hatte sich in den Sommermonaten die politische Lage in Italien gewandelt, nachdem Kaiser Friedrich II. im Mai 1239 erneut gebannt worden war und sich der Dauerkonflikt mit dem Papst wieder zuspitzte. Die auf päpstlicher wie auf kaiserlicher Seite laufenden Vorbereitungen für bevorstehende Kämpfe verhinderten eine wirksame Unterstützung für den Kreuzzug in Italien. Der Kaiser sperrte die von ihm kontrollierten Häfen für eine Überfahrt in die Levante und der Papst hielt wichtige finanzielle Mittel zurück. In dieser Lage schaltete sich der junge König Ludwig IX. von Frankreich ein, der für eine ausreichende finanzielle Unterstützung des Unternehmens sorgte und den noch nicht ausgebauten Mittelmeerhafen Aigues-Mortes für die Kreuzfahrer öffnete. Die Mehrheit der Teilnehmer schiffte sich letztlich trotzdem in Marseille ein, obwohl dieser Hafen zum Reichsgebiet gehörte. Die Passage gestaltete sich problematisch, da sich die Flotte in einem Sturm zerstreute und einige Schiffe nach Sizilien abgedrängt wurden. Theobald von Navarra-Champagne erreichte am 1. September 1239 Akkon, wo in den folgenden Tagen auch der große Rest der Flotte eintraf.
Kreuzzugskonzil und politische Situation in Outremer Die Entscheidung, in Akkon und nicht in Tyrus an Land zu gehen, erfolgte aus politischen Motiven. Der rechtmäßige König von Jerusalem war zu dieser Zeit der Kindkönig Konrad II., für den sein Vater Kaiser Friedrich II. die nominelle Regentschaft beanspruchte. Der Adel und der Klerus von Jerusalem, vertreten in der Haute Cour, standen allerdings seit Jahren in erbitterter Opposition zum Kaiser (Lombardenkrieg) und sprachen ihm das Recht auf die Regentschaft ab. Sie hatten in Akkon ihre eigene Regierung errichtet, während sich der kaiserliche Statthalter Richard Filangieri lediglich in Tyrus halten konnte. Da sie schon bei ihrem Aufbruch in Europa vom Kaiser behindert wurden, entschieden sich die Kreuzfahrer bewusst, nach Akkon zu segeln, da sie nur von den dortigen Baronen eine ernsthafte Unterstützung erwarten konnten.
Bevor die Kreuzfahrer und die Ritter des Königreichs Jerusalem den Kampf gegen die Ayyubiden aufnahmen, verhandelte man in einem gemeinsamen Konzil zunächst über die Organisation und Planung der Kriegsführung. Theobald von Champagne wurde zum Anführer des Kreuzzuges gewählt, da er als König von Navarra der ranghöchste der Kreuzfahrer war. In den Verhandlungen konnte auch die militärische Unterstützung der drei großen Ritterorden gewonnen werden.
Weitaus schwieriger gestaltete sich aufgrund der komplexen politischen Verhältnisse innerhalb der Ayyubidendynastie die Auswahl eines geeigneten Angriffsziels. Seit dem Tod des Sultans al-Kamil Muhammad I. im März 1238 herrschte zwischen seinen Familienangehörigen ein ständiger Bruderkrieg um die Macht in Ägypten und in Syrien. Aktuell regierte in Kairo der Sultan al-Adil Abu Bakr II., dessen Statthalter in Damaskus aber mit dessen Halbbruder as-Salih Ayyub sympathisierte. Dieser hatte mit seinem Heer in den Wochen zuvor Jerusalem überfallen und lagerte nun in der Nähe von Nablus, weshalb die Kreuzfahrer ihn als gefährlichsten Gegner ansahen. Zwei weitere wichtige Gegner waren der Herr von Karak, an-Nasir Dawud, und der Herr von Baalbek, as-Salih Ismail. Außerdem gab es Ayyubiden-Emire in Homs, Aleppo und Hama, die jeweils eigene politische Interessen verfolgten.
Noch in den Septembertagen veränderte sich die Situation, als as-Salih Ayyub nach einem Verrat innerhalb seines Heeres an an-Nasir Dawud in Karak ausgeliefert und eingekerkert wurde. Dies nutzte as-Salih Ismail umgehend aus und bemächtigte sich der Stadt Damaskus. Da an-Nasir Dawud selbst die Herrschaft in Damaskus angestrebt hatte, verbündete er sich nun mit al-Adil Abu Bakr II., um gegen as-Salih Ismail vorzugehen.
Das Konzil der Kreuzfahrer war unentschlossen, verbrachte den ganzen September und Oktober mit fruchtlosen Debatten, und entschloss sich endlich am 2. November 1239 dazu, entlang der Küste Richtung Süden zu marschieren, um die Zitadelle von Askalon neu zu errichten. Das Kreuzfahrerheer umfasste zu diesem Zeitpunkt etwa 4000 Ritter, von denen etwa die Hälfte von den französischen Baronen, die andere Hälfte von den Baronen Outremers sowie den Ritterorden aufgeboten wurde. Die Festung Askalon sollte der Grafschaft Jaffa Deckung gegenüber Angriffen aus Ägypten bieten. Die Kreuzfahrer beabsichtigten, nach der Sicherung der Südflanke bei Askalon Damaskus anzugreifen.
Militärischer Misserfolg Während des Marschs in den Süden offenbarte sich Theobalds mangelnde Autorität als militärischer Führer sowie eine allgemeine Disziplinlosigkeit innerhalb des Heeres. Auf dem Weg setzte sich Peter Mauclerc mit einer Truppe ab, um eine nach Damaskus ziehende Karawane zu überfallen, wobei er nach hartem Kampf reiche Beute machte. Ihn zum Vorbild nahmen sich die Grafen von Bar, Montfort und Jaffa, sowie einige andere Führer, nachdem sie in Jaffa von dem bei Gaza lagernden Heer des Sultans von Ägypten erfahren hatten. Entgegen den ausdrücklichen Befehlen Theobalds, der beabsichtigte das Heer zunächst geschlossen nach Askalon zu führen, setzte sich eine Truppe von etwa 400 Rittern ab, um sofort gegen die Ägypter zu ziehen. In der folgenden Schlacht von Gaza (13. November) erlitten sie eine vernichtende Niederlage, der Graf von Bar fiel, eine große Anzahl Ritter geriet in Gefangenschaft und nur wenigen gelang die Flucht. Als der zu Hilfe gerufene Theobald mit dem Hauptheer das Schlachtfeld erreichte, zogen sich die Ägypter nach Gaza zurück. Er beabsichtigte dem Feind nachzusetzen, wurde aber von den Großmeistern der Ritterorden zurückgehalten, die um das Leben der in Gefangenschaft geratenen Ritter besorgt waren. Theobald zog daraufhin mit dem Hauptheer nach Askalon, wo er sein Lager aufschlug. Wenige Tage später marschierten die Kreuzfahrer entlang der Küste nach Jaffa und kehrten dann nach Akkon zurück. Einziger Erfolg dieses Zugs war der Rückzug des muslimischen Heeres nach Ägypten, was ein Eingreifen des Sultans in Syrien ausschloss.