mini|hochkant=1.6|Topographische Karte der Halbinsel Chalkidiki Die Chalkidiki, auch Halkidiki ( [], , ; zur Namensherkunft siehe Abschnitt Antike) ist eine Halbinsel auf dem Festland von Griechenland, in der Verwaltungsregion Zentralmakedonien, in Makedonien südöstlich von Thessaloniki auf der Balkanhalbinsel in Südost-Europa. Sie umfasst eine Fläche von 2918 km². Auf der Halbinsel liegt der Regionalbezirk gleichen Namens. Die Küste der Halbinsel ist 522 km lang.

mini|Satellitenbild der Halbinsel Chalkidiki

Lage und Geographie mini|Lage der Chalkidiki Die Chalkidiki liegt zwischen dem Thermaischen und dem Strymonischen Golf und ragt dort in drei fingerartigen Landzungen ins Ägäische Meer hinein: Kassandra (Pallene), Sithonia und Athos (Agion Oros). Zwischen diesen Landzungen befinden sich zwei große Buchten der Ägäis. Zwischen Kassandra und Sithonia erstreckt sich der Toronäische Golf (Golf von Kassandra) mit seiner Längsachse nach Nordwesten; ebenfalls in der gleichen Richtung der Singitische Golf (Golf von Agion Oros) zwischen Sithonia und Athos. An der Ostseite der Halbinsel Chalkidiki wird durch zwei kleinere Halbinseln der Golf von Ierissos vom Strymonischen Golf abgetrennt.

Aufgrund ihrer geographischen Form wird die Chalkidiki oft mit einer dreifingrigen Hand verglichen. In Griechenland bzw. im griechischen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung „Finger“ kaum gebräuchlich: hier werden die drei Halbinseln Kassandra, Sithonia und Athos anstelle von „Fingern“ mit „Füßen“ bezeichnet, wobei Kassandra der westliche Fuß bzw. Finger, Sithonia der mittlere und Athos der östliche Finger bzw. Fuß ist. Unter Rückgriff auf die antike griechische Mythologie wird die Chalkidiki auch oft als „Poseidons Dreizack“ bezeichnet.

Gliederung Zentralland mini|Blick über ein Bergtal im Cholomontas-Massiv mini|Blick auf den dichten Wald im Cholomondas-Massiv mini|Blick auf die Nordostküste der Chalkidiki mit der Ortschaft Olymbiada und dem antiken Stageira Im Westen ist das Land hügelig und fällt relativ flach zum thermaischen Golf ab. Diese Flächen werden landwirtschaftlich genutzt, an der Küste selbst herrscht mittlerweile der inländische und ausländische Tourismus vor. In der Mitte der Chalkidiki erhebt sich der zweithöchste Berg: Cholomondas (1.165 m Höhe, damit höchster Berg des Regionalbezirks Chalkidiki). Das Cholomondas-Massiv ist durchweg mit einem eher mitteleuropäisch anmutenden Mischwald bewachsen. Im südöstlichen Teil ist die Chalkidiki ebenfalls hügelig. Der dort ursprünglich vorhandene Wald aus Pinien und Kiefern ist teilweise Waldbränden zum Opfer gefallen, teilweise werden Ebenen zwischen den Hügeln landwirtschaftlich genutzt (Megali Panagia, Paleochori, Gomati). Im nordöstlichen Teil besteht ebenfalls durchgehend ein großes Mischwaldgebiet mit mittelgebirgsähnlichem Charakter. Es gibt wenige Flüsse, die im Sommer alle ausgetrocknet sind.

Kassandra Kassandra ist im Norden recht eben und wird landwirtschaftlich intensiv genutzt; nach Süden zur Spitze der Halbinsel hin etwas hügeliger. Die Waldbestände auf Kassandra wurden durch Waldbrände dezimiert, zuletzt erheblich 2006. Die Landwirtschaft und in Küstennähe der Tourismus bestimmen das Bild der Landschaft. Die höchste Erhebung auf Kassandra ist etwa 400 m hoch. Die Küste besteht überwiegend aus weitläufigen Sandstränden. Auch existieren felsige Küstenabschnitte, allerdings fallen die Klippen infolge der hügeligen Landschaftsstruktur eher weich in das Meer ab. Der antike Name der Halbinsel war Pallene oder auch Phlegra.

Sithonia

mini|Küstenlinie bei Vourvourou, Sithonia mini|Blick auf die Region Kriaritsi südlich von Sykia im Südosten von Sithonia. Sithonia ist im Vergleich zu Kassandra deutlich gebirgiger. Die Halbinsel wird von Nord nach Süd in der Mitte vom Gebirgszug Itamos-Gebirge durchzogen. Der höchste Gipfel ist der Itamos (). Der gesamte Gebirgszug ist bewaldet (Nadelwald), allerdings hat die Südspitze von Sithonia (ab Höhe Sarti/Sykia) den Wald durch Waldbrände verloren. Sithonias Küste ist vorwiegend eine Steilküste, welche aber an vielen Stellen Buchten aufweist; diese sind mitunter sehr abgeschieden und schwer zu erreichen. In größeren Tälern zum Meer hin befinden sich oftmals Ortschaften, darunter Sykia, Sarti und Toroni. An der Südwestspitze befindet sich mit Porto Koufo, „dem tauben Hafen“, ein großer Naturhafen.

Athos

mini|Berg Athos, von Sithonia gesehen Athos ist im Norden eher mittelgebirgig-bewaldet. An der Südspitze erhebt sich die höchste Erhebung der Chalkidiki: Berg Athos (2033 m ü. NN). Aufgrund seines besonderen Status als autonome Mönchsrepublik ist Athos relativ unberührt. Allerdings haben auch hier Waldbrände größere Naturflächen vernichtet. In der Antike wurde die Halbinsel auch Akte genannt.

Inseln Auf dem Gebiet der Chalkidiki existieren mehrere Inseln. Nur eine weist eine Ortschaft auf und ist gesichert ständig bewohnt: Amouliani. Sie ist zugleich die größte der Inseln der Chalkidiki. Auf den Inseln in der Lagune von Vourvourou, vor allem auf der Insel Diaporos, existieren mittlerweile einige Häuser, von denen einige auch ganzjährig bewohnt sind. Die vor Neos Marmaras gelegene Insel Kelyfos, die südöstlich vor Ammouliani gelegene Insel Drenia, die an der Ostküste gelegenen Inseln Eleftheronisi und Kafkanas (Ostküste) sowie das südlich von Neos Marmaras gelegene Spalathronissa sind nicht ständig bewohnt.

Gewässer Das Wasser an den Küsten ist qualitativ gut (blaue Flagge der EU). Auf der Chalkidiki existieren einige Flüsse, welche im Sommer aber fast immer ausgetrocknet sind. Bei Olynthos/Agios Mamas mündet der Sandanos (Vathounia) und bei Ormylia der Chavrias, welcher auch der längste Fluss der Chalkidiki ist, ins Meer. Am Nordrand der Halbinsel befinden sich der Volvi-See und der Koronia-See. Außer diesen miteinander verbundenen Seen gibt es nur noch den kleinen Salzsee Aliki auf der Insel Amouliani.

Klima Das Klima der Chalkidiki gliedert sich in drei Vegetationsperioden: Regenzeit, Blüte- und Reifezeit und Trockenzeit. Während das Klima an den Küsten typisch mediterran geprägt ist, machen sich im Zentrum der Halbinsel eher kontinentale Einflüsse bemerkbar (die Halbinsel hat eine Ausdehnung von 101 km). Die winterliche Regenperiode (November bis Februar) ist sehr regenreich und empfindlich kühl. Gelegentlich fällt sogar Schnee, der in den Bergen bis März/April liegen bleiben kann. Die Temperaturen reichen von 13 bis 15 °C am Tag bis um den Gefrierpunkt in der Nacht.

Die Blüte- und Reifezeit beginnt im März. Dann werden selbst die Sandstrände mit einem Blütenteppich und kleinen Gewächsen überzogen. Die Temperaturen sind dem mitteleuropäischen Frühling ähnlich (10–22 °C).

Erst zur Sommerperiode, die im Juni beginnt, werden die Campingplätze geöffnet. Die Temperaturen betragen mittags nicht selten über 30 °C, und es besteht erhöhte Waldbrandgefahr. Diese Periode dauert bis hinein in den Oktober. Öfter als in anderen Regionen Griechenlands kommt es, bedingt durch die hohen Gebirgszüge und die Anbindung ans Festland, zu Schauern und Gewittern. Die Wassertemperaturen betragen je nach Küstenform 22–27 °C.

Flora und Fauna Aufgrund des Wasserreichtums der Halbinsel gibt es hier eine große Pflanzenvielfalt, die sich in drei Vegetationstypen gliedern lässt: Wälder, Macchia und einige Kulturpflanzen.

Aus der Rinde der Aleppo-Kiefer, mit der Pinie verwandt, wird Harz geerntet, das dem Retsina seinen Geschmack verleiht. Die Esskastanie ist vor allem in den höher gelegenen Gebieten zu finden. Gebrannte Maroni sind ein für die Gegend typisches Gericht. Auch Eukalyptusbäume, die ein erhebliches Waldbrandrisiko bergen, treten ebenso wie die für alle Mittelmeerregionen typischen Platanen und Zypressen auf.

Macchiabewuchs Die Macchie, ein immergrünes Gebüschareal, besteht auf der Chalkidiki vor allem aus der Kermeseiche, der Steineiche, dem Erdbeerbaum und dem Ginster. Weit verbreitet ist auch die Zistrose. Sie wächst auf dem harten Gestein und verströmt einen harzigen Geruch.

Ackerbau Auf flachen Hügeln und sonnenreichen Tälern wird die Baumwollpflanze angebaut und Mitte September geerntet. Auch die Kulturpflanzen Feige und Granatapfel sind zu finden. Tabak wird auf der Chalkidiki auf großen Feldern gepflanzt und weiterverarbeitet. Daran sind inzwischen viele albanische Gastarbeiter beteiligt. Die wichtigste Kulturpflanze ist der Ölbaum. Geerntet werden die Oliven vom Oktober bis Dezember. Sie werden meist zu Öl verarbeitet und exportiert.

Geschichte

Frühzeit mini|Einflusszonen auf der Chalkidiki vor der makedonischen Eroberung: Chalkidischer Bund (rot), Makedonen (gelbbraun), dorisches Potidaia (grün) mini|Karte des Makedonischen Königreiches einschließlich der Chalkidiki zur Zeit Philipp II.

In der Tropfsteinhöhle von Petralona wurden 200.000 Jahre alte Überreste des Homo heidelbergensis gefunden. In derselben Höhle wurden auch Aschereste eines Feuers vorgefunden, welches ca. 1 Million Jahre alt ist. Ob dieses Feuer durch Menschenhand entstand oder zufällig, ist unklar. Die frühesten neolithischen Funde stammen aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Pfahlbauten stammen aus der frühen Bronzezeit. Überreste thrakischer Siedlungen sind unter anderem aus Olynthos, Galatista, Vassilika, Sani, Afytos und Toroni bekannt.

Antike mini|Antikes Stagira, Festungsmauer Der Name Chalkidiki kommt von den zahlreichen Städten, die von Bewohnern der griechischen Inselwelt, insbesondere von Euböa und Andros, seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. unter Führung der Stadt Chalkis angelegt worden sind. Neben den Menschen aus Euboä siedelten auch Bottiäer zwischen Olynthos und dem heutigen Nea Kallikrateia (Westküste). Im 5. Jahrhundert vor Christus wies die Chalkidiki bereits mehrere Städte und Ortschaften auf: Dikaia, Aineia, Smila (in der Crusis), Skapsa, Gigonos, Aisa, Vrea, Lipaxos, Potidaia, Sane (Sani) auf Kassandra, Mende (Griechenland), Skione, Therambos, Afytis (Afytos), Mekyberna (Mekyverna), Sermyle (Ormylia), Galepsos (Gale), Torone, Sarte (Sarti), Singos, Pyloros, Assa, Sane auf Athos, Thyssos, Kleonai auf der Chalkidiki, Akrothooi, Dion, Akanthos, Stagira, Arethoussa, Arnae und Anthemous (Anthemoundas).

Die bedeutendsten Städte waren Olynthos und Potidaia, die einzige dorische Kolonie auf der Halbinsel. Nach den Perserkriegen in der Mitte des fünften Jahrhunderts vor Christus schloss sich die ganze Landschaft dem Attischen Seebund an. 432 v. Chr. entwickelte sich ein Konflikt zwischen Athen und Korinth, beziehungsweise Sparta um die Autonomie der Stadt Potidaia, welcher als Mitauslöser des Peloponnesischen Krieges angesehen wird. Potidaia trat 431 v. Chr. aus dem attischen Seebund aus und wurde nachfolgend im Rahmen des Peloponnesischen Krieges von Athen belagert und anschließend eingenommen.

Der Chalkidische Bund existierte an der Nordwestküste der Ägäis seit ca. 430 v. Chr. Mit der Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg 404 v. Chr. löste sich auch der attische Seebund auf.

Philipp II. von Makedonien eroberte die Kolonien der griechischen Stadtstaaten auf der Halbinsel im Zweiten Olynthischen Krieg, und Chalkidiki wurde nach Zerschlagung des Chalkidischen Bundes 348 v. Chr. endgültig Teil des Makedonischen Königreichs.

Mit der Eroberung von Makedonien 146 v. Chr. kam auch die Chalkidiki unter die Herrschaft des römischen Imperiums. Mit der Reichsteilung in West- und Ostrom fiel die Chalkidiki an Ostrom, dem späteren byzantinischen Reich.

Neuzeit 1821 beteiligte sich die Chalkidiki an den Kämpfen im Rahmen des Griechischen Unabhängigkeitskrieges, konnte aber nicht die Herrschaft des Osmanischen Reiches abschütteln. Dies gelang erst im Rahmen des 2. Balkankrieges 1913. Sie wurde anschließend Bestandteil des griechischen Staates.

Von 1941 bis 1944 war die Chalkidiki während des Zweiten Weltkrieges von den Deutschen besetzt.

Auf einem EU-Gipfeltreffen 2003 in der Hotelanlage Porto Carras wurde der erste Entwurf einer europäischen Verfassung vorgestellt.