Der Kreuzzug des Prinzen Eduard (August 1270 bis April 1272) war die letzte von der römisch-katholischen Kirche sanktionierte „bewaffnete Pilgerfahrt“, die in das heilige Land zog. Angeführt wurde der Kreuzzug vom Kronprinzen Eduard Plantagenet, dem späteren König Eduard I. von England.
Prinz Eduard beabsichtigte ursprünglich am Kreuzzug des französischen Königs Ludwig IX. dem Heiligen (Siebter Kreuzzug) teilzunehmen. Nachdem dieser aber am 25. August 1270 bei der Belagerung von Tunis gestorben war und das französische Kreuzfahrerheer darauf zum Rückmarsch in seine Heimat aufbrach, führte Eduard sein englisches Kontingent weiter in die Levante. Besonders in der Geschichtsliteratur des deutschsprachigen Raums wird sein Kreuzzug daher häufig als ein Teil des siebten Kreuzzuges betrachtet. In der englischen und französischen Literatur wird er hingegen als separates Unternehmen geführt und hier als neunter KreuzzugDabei zählt der Kreuzzug von Damiette als separater fünfter, der Kreuzzug Friedrichs II. als separater sechster und die Kreuzzüge Ludwigs IX. als siebter und achter Kreuzzug. gezählt.
Ziel des Kreuzzuges war eine Entlastung der wenigen verbliebenen christlichen Kreuzfahrerstaaten, die sich seit 1263 unablässiger Angriffe seitens des ägyptisch-syrischen Mamelukensultans as-Zahir Baibars ausgesetzt sahen und schon mehrere Burgen und Städte, vor allem Antiochia (1268), an ihn verloren hatten. Sultan Baibars stand im Begriff, die letzten Überbleibsel der infolge des ersten Kreuzzugs (1099) begründeten christlichen Herrschaft im heiligen Land zu beseitigen.
Vorgeschichte Seit die Mameluken unter Baibars ab 1263 die christlichen Besitzungen in der Levante angriffen, hatte Papst Clemens IV. europaweit den Kreuzzug predigen lassen. Nachdem 1266 die Templerburg Safed gefallen und die Kreuzzugswerbungen nur auf geringe Resonanz gestoßen waren, beauftragte er im Herbst 1266 Ottobono Fieschi, den er zum päpstlichen Legaten für England ernannte, dort für einen neuen Kreuzzug zu predigen. Während aber im März 1267 der französische König Ludwig IX. mit seinen Söhnen ein Kreuzzugsgelübde ablegte, stieß Ottobonos Aufruf zu einem neuen Kreuzzug während des Parlaments in Bury St Edmunds zunächst auf Ablehnung. Das lag vor allem am langjährigen Zweiten Krieg der Barone, der Rebellion einer Adelsopposition gegen König Heinrich III., die erst 1267 endgültig beendet werden konnte. Schließlich konnte Ottobono am 24. Juni 1268 während eines weiteren Parlaments in Northampton den Thronfolger Eduard, seinen Bruder Edmund, Henry of Almain, Earl Warenne, den Earl of Gloucester, William de Valence und andere Barone überzeugen, ebenfalls ein Kreuzzugsgelübde abzulegen. Bereits 1250 hatte Eduards Vater Heinrich III. ein Kreuzzugsgelübde abgelegt, das er bislang nicht eingelöst hatte. Zwar hoffte der König noch 1268, dass er sein Gelübde noch erfüllen könne,Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 68. doch an seiner Stelle brachen schließlich mit Eduard und Edmund sogar seine beiden Söhne zum Kreuzzug auf, was angesichts der weiter angespannten Lage in England sogar der Papst kritisch sah.
Das englische Kreuzfahrerheer Nicht nur die Rekrutierung von Soldaten, sondern auch die Finanzierung des Kreuzzugs war in England, das sich noch nicht von den Folgen des Kriegs der Barone erholt hatte, nicht einfach. 1268 begann Heinrich III. Verhandlungen mit dem Parlament zur Finanzierung des Kreuzzugs. Erst nach langen Verhandlungen wurde 1270 die Steuer eines Zwanzigsten auf die beweglichen Güter bewilligt. In der Zwischenzeit musste sich Eduard beim französischen König etwa £ 17.500 für die Finanzierung des Kreuzzugs leihen. Obwohl auch eine Reihe schottischer Barone wie Robert de Brus an dem Kreuzzug teilnahmen, scheiterte der Versuch, auch in Schottland eine Steuer für den Kreuzzug zu erheben, am Widerstand von König Alexander III. Letztlich blieb das englische Kreuzfahrerheer nur klein. Es bestand aus mehreren Kontingenten, die mehrere hochadlige Führer gegen Entgelt rekrutierten. Den Kern des Heeres stellten die Ritter aus Eduards Haushalt. Im Juli 1270 schloss er Verträge mit 18 Baronen, die insgesamt 225 Ritter stellten. Edmund of Lancaster erhielt beispielsweise für sein Kontingent von 100 Rittern 10.000 Mark (über £ 6666) sowie die für die Überfahrt erforderlichen Schiffe, während William de Valence für 19 Ritter 2000 Mark (über £ 1333) erhielt. Wegen der verschiedenen Kontingente kann die Zahl der Kreuzfahrer nicht genau beziffert werden, doch war das Heer sicher nicht viel größer als 1000 Mann.Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 71.
Die meisten der Ritter, die an dem Kreuzzug teilnehmen wollten, hatten im Krieg der Barone auf der Seite des Königs gekämpft, und viele gehörten zu den Freunden oder Gefolgsleuten des Thronfolgers. Da den besiegten Anhängern der Rebellen von der siegreichen königlichen Partei hohe Strafzahlungen auferlegt worden waren, versuchten nur wenige ehemalige Rebellen, als Kreuzfahrer die Gunst des Thronfolgers zu gewinnen, darunter Nicholas Seagrave und John de Vescy. Nicht alle Barone jedoch, die ein Kreuzzugsgelübde abgelegt hatten, konnten oder wollten es erfüllen. Dazu gehörte Robert Burnell, der während der Abwesenheit des Thronfolgers zu den wichtigsten Mitgliedern der Regierung gehörte. Auch persönliche Konflikte hielten manche Barone ab. William de Munchensi lehnte es beispielsweise ab, zusammen mit dem William de Valence, seinem erbitterten Gegner während des Bürgerkriegs, ins Heilige Land zu ziehen. Munchensi war aber so von der Kreuzzugsidee überzeugt, dass er in seinem Testament die stattliche Summe von 1000 Marks (über £ 666) für das Heilige Land spendete. Andere hatten persönliche Gründe. Der Dichter Walter of Bibbesworth schreibt beispielsweise, dass Henry de Lacy, 3. Earl of Lincoln aus Liebe zu einer Dame nicht das Land verlassen wollte. Auch der mit Eduard zerstrittene mächtige Earl of Gloucester hatte ein Kreuzzugsgelübde abgelegt, zögerte nun jedoch, es zu erfüllen. Erst Richard von Cornwall konnte während des Parlaments zu Ostern 1270 erreichen, dass Gloucester zusagte, innerhalb von sechs Monaten Eduard zu folgen. Letztlich blieb er trotzdem in England und begründete dies mit walisischen Angriffen auf seine Besitzungen in den Welsh Marches. Neben den Rittern und Soldaten, die 1270 aufbrachen, gehörten auch einige Geistliche zu den Kreuzfahrern, darunter Antony Bek, der spätere Bischof von Durham. Zu den wenigen Frauen, die die Kreuzfahrer begleiteten, gehörte Eleanore von Kastilien, die Frau von Eduard. Die Kinder von ihr und Eduard blieben jedoch in England.Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 126. In Akkon traf Eduard den Italiener Tebaldo Visconti, der noch während seines Aufenthalts im Heiligen Land in Abwesenheit zum Papst gewählt wurde.Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 81.
Verlauf Die Reise ins Heilige Land Im August 1269 reiste Eduard nach Paris, um sich mit Ludwig IX. über die Organisation des Kreuzzuges zu beraten. Sie planten, dass sich im Sommer 1270 das englische Heer in Südfrankreich mit dem französischen Kreuzfahrerheer vereinen sollte. Als Eduard mit seinem Heer im Sommer 1270 schließlich aufbrach, setzte er über den Ärmelkanal, durchquerte Frankreich und erreichte Ende September 1270 Aigues-Mortes an der französischen Mittelmeerküste. Das französische Kreuzfahrerheer war jedoch bereits mehrere Monate zuvor nach Tunesien aufgebrochen. Eduard segelte mit seiner kleinen Flotte zunächst ebenfalls nach Tunis, doch dort erfuhr er, dass der französische König an Dysenterie gestorben war und dass sein Erbe ebenfalls erkrankt war. Karl von Anjou, der Bruder des Königs, hatte deshalb Verhandlungen mit Muhammad I. al-Mustansir, dem Emir von Tunis aufgenommen, die am 1. November zu einem Waffenstillstand führten. Eduard musste zu seiner Empörung akzeptieren, dass die Kreuzfahrer sich nach Sizilien zurückziehen sollten, wo Karl von Anjou seit einigen Jahren als König herrschte. Von dort wollten sie im Frühjahr 1271 weiter nach Palästina segeln. Die Franzosen waren nach dem Tod ihres Königs jedoch ihres Führers beraubt und brachen nach dem Rückzug nach Sizilien den Kreuzzug ab. Auch Eduard erwog während der Überwinterung auf Sizilien einen Abbruch. Er hatte erstmals nach seiner Abreise in einem auf den 6. Februar 1271 datierten Brief aus England die Nachricht von der ernsthaften Erkrankung seines Vaters erhalten. Deshalb war er gebeten worden, dringend nach England zurückzukehren. Eduard verwarf aber einen Abbruch seines Kreuzzuges und schickte lediglich seinen Cousin Henry of Almain auf die Heimreise,Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 74. der ihn auch beim Begräbnis von Ludwig IX. vertreten sollte. Auf der Reise durch Italien wurde Henry of Almain allerdings ermordet. Eduard stach dagegen im März 1271 mit einer angeheuerten Flotte von neun Schiffen und mit etwa 300 Rittern und 600 Infanteristen in Richtung Palästina in See. Anfang Mai landete er auf Zypern, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Nach kurzen Aufenthalt segelte er weiter und erreichte nach einer stürmischen Überfahrt am 9. Mai den Hafen von Akkon.
Kämpfe im Heiligen Land miniatur|300px|Die Kämpfe im Orient im Jahr 1271. Kreuzfahrer (grün), Mameluken (gelb) und Mongolen (rot).