mini|hochkant=1.2|Blick vom Schorenberg Rieden ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Mendig an. Der in einem alten Vulkankessel (Caldera) gelegene Ort wird auch als Steinmetzdorf bezeichnet. Rund um den Ort wird der Riedener Tuff, ein vulkanischer Tuff, abgebaut. Rieden ist auch ein Passionsspielort.

Lage Der Ort Rieden liegt ca. 40 km nordwestlich der Stadt Koblenz und ca. 13 km nördlich der Stadt Mayen.

Die Landschaft der vulkanischen Osteifel ist geprägt durch die Schlackenkegel der ehemaligen Vulkane und tief eingeschnittene Täler, die in der letzten Eiszeit entstanden sind. Die Ortschaft liegt in einer Höhe zwischen (Riedener Mühlen) und annähernd (Anhöhe Eselsmorgen). Der Ortskern im Verlauf der Kirchstraße liegt bei einer Höhe von 380 m. Der Ort selbst liegt in einem Talkessel, der durch Vulkanismus entstanden ist. Er breitet sich dort überwiegend auf der Talsohle mit teilweiser Hangbebauung in West-Ost-Richtung aus. Auf der Fläche der Gemeinde existieren neun Schlackenkegel, wobei der Burgberg () der größte von ihnen ist. Die Entstehung des Riedener Kessels ist vergleichbar mit der des Laacher Sees. Ähnlich wie beim Vulkan des Laacher Sees hat im Kessel lange Zeit zwischen den Eruptionen ein See existiert.

Die Gemarkung ist 907 Hektar groß. Mit einer Einwohnerzahl von 1247 (Stand 31. Dezember 2013) entspricht dies einer Bevölkerungsdichte von 137 Einwohnern pro km².

Die Gemeinde wird vom Rehbach durchflossen, der das Tal entwässert. Nach etwa 1 km mündet er zunächst in den Waldsee Rieden. Nach seinem Auslauf aus dem See verläuft der Bach einen weiteren Kilometer durch das Riedener Tal, um im Ortsteil Riedener Mühlen in die Nette zu münden.

Rieden verfügt über ein großes Grundwasservorkommen, was auf das Tuffgestein im Untergrund zurückzuführen ist, da dieses Gestein wie ein Schwamm wirkt und das Regenwasser speichert. Neben der Eigenversorgung mit Trinkwasser stellen die Quellen auch die Versorgung der umliegenden Städte und Gemeinden (z. B. die Kreisstadt Mayen) sicher. Sichtbares Zeichen des hohen Grundwasservorkommens sind einige kleine offene Quellen an Hanglagen rund um den Talkessel sowie der Sauerbrunnen im westlichen Ortsteil. Dessen stark eisenhaltiges Wasser in Trinkwasserqualität tritt durch den Sohledruck ohne Hilfsmittel in einem befestigten Brunnenareal aus der Erde und ist ohne Auflagen genießbar.

Gliederung Der etwa 2 km südwestlich liegende Luftkurort Riedener Mühlen gehört zum Teil zu Rieden. Durch den Ort laufen die Gemeindegrenzen der Ortsgemeinden Kirchwald, Volkesfeld und Rieden; somit ist Riedener Mühlen aus gemeindeverwaltungstechnischer Sicht faktisch dreigeteilt.

Geschichte und Etymologie Der Ortsname Rieden geht auf die Bezeichnung Riden(as) sartus zurück, die in den ältesten Dokumenten verzeichnet ist. Weitere Namen waren Reithe, Reyde, Reide, Rede, Ride oder Riden. Die Bezeichnung Ridenas ist verwandt mit dem althochdeutschen ruit, ruiten was so viel wie urbar machen oder urbar gemachtes Stück Land bedeutet. Experten vermuten, dass der Ort auf eine Rodung aus Karolingerzeit zurückzuführen ist. Weitere, mundartliche Wortformen wie reut, rod, ried oder rath unterstützen diese These. Flurnamen, wie zum Beispiel die Fluren Rottheck, Finkenroth oder Brandeich erinnern an diese Form der Gründung.

Frühzeit bis 15. Jahrhundert In der Frühzeit lebten in der Region Kelten und Germanen, die im Zuge der Völkerwanderung von Franken verdrängt wurden. Unter Chlodwig I. breitete sich die Römisch-katholische Kirche in der Region aus. 895 wurde Rieden erstmals in einer Schenkungsurkunde der adeligen Witwe und Nonne Berctrudis an die Abtei Echternach erwähnt. Sie übertrug ihre Heiratsgüter aus dem Mayengau – bestehend unter anderem aus einer Siedlung und einem Herrenhof in der Rodung Ridenas – an das Kloster. Damit wollte Berctrudis zum einen dem Kloster danken, dass ihr dort Schutz gewährt wurde und zum anderen die Erinnerungen an ihren einzigen Sohn aufrechterhalten. Bislang ist nicht bekannt, wie lange die Abtei im Besitz der Schenkung war. Erst mit der Gründung der Abtei Maria Laach durch den Pfalzgrafen Heinrich II. von Laach erschien Rheide in einer Stiftungsurkunde als eines von weiteren neuen Besitztümern der Abtei. Aus den folgenden Jahrzehnten sind weitere Überlieferungen bekannt, beispielsweise eine Bestätigung durch Papst Innozenz II. aus dem Jahr 1131 oder durch den Erzbischof Arnold I. von Köln im Jahr 1144. 1263 übereignete Friedrich von Virneburg den Hof Langenbahn bei Rieden der Abtei Rommersdorf. Die Pfarrkirche St. Hubertus erschien erstmals 1330 in der Taxa generalis: Jakob von Koblenz verpflichtete darin die Kirche zur Zahlung von zwei Pfennig und zwei Heller. Eine weitere Erwähnung des Sakralbaus findet sich in einer Visitation, die der Archidiakon Johann von Finstingen im Jahr 1475 durchführte. 1473 ging Rieden – und damit auch das Kirchenpatronat – an Gerlach von Breitbach, der zur Herrschaft Bürresheim (landläufig Bürresheimer Ländchen) gehörte.

16. bis 18. Jahrhundert 1570 erweiterte sich die Pfarrei innerhalb des Bistums Trier um die Filialen Hausten mit Morswiesen und Wabern. Die Herren von Bürresheim übten neben dem Kirchenpatronat auch die weltliche Gewalt aus. Sie errichteten als Zeichen ihrer Macht beispielsweise je einen Galgen auf einer Anhöhe auf der Hochley bei Rieden sowie zwischen Waldesch und Nitz. Sie bestimmten die Schöffen sowie den Schultheiß, der die Bewohner der vier Dörfer anhielt, ihren Verpflichtungen gegenüber derer von Bürresheim nachzukommen. Aus dieser Zeit ist in den Jahren 1602 bis 1651 allerdings auch die Hexenverfolgung von 35 Personen überliefert. 1614 kam es zu einer Massenverurteilung von elf Opfern, die alle hingerichtet wurden. 1647 ließ Johannes Möden in seiner Funktion als Hexenrichter weitere sieben Prozesse anstrengen, denen auch Einwohner aus Rieden zum Opfer fielen. Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sind Zeugnisse überliefert, nach denen der Schneider Meid im Jahr 1750 nebenberuflich als Lehrer eingestellt wurde. 1757 wurde das romanische Kirchenschiff zurückgebaut und das Bauwerk erweitert. 1774 errichtete die Gemeinde ein erstes Schulgebäude bestehend aus einem Schulsaal und einer Lehrerwohnung, das bis 1895 genutzt wurde. Das Gebäude wird im 21. Jahrhundert von einer Fleischerei belegt. Die Herrschaft derer von Bürresheim bestand bis Ende des 18. Jahrhunderts und der Eroberung des Linken Rheinufers durch Frankreich im Ersten Koalitionskrieg. 1794 teilten sie die Region in vier Departements auf, wobei Rieden zur Mairie Kempenich gelangte.

19. Jahrhundert mini|Marienkapelle Mit der Übernahme des Rheinlands durch das Königreich Preußen geriet Rieden 1815 unter dessen Verwaltung und wurde der Bürgermeisterei St. Johann (später Niedermendig) zugeordnet. In diese Zeit fiel auch der Wechsel der Pfarrei, die von 1802 bis 1824 zur französischen Diözese Aachen gehörte und danach wieder von Trier aus verwaltet wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts stellten Steinmetze einen Kreuzweg beginnend von der Kirche bis zum westlichen Ortsausgang auf. Aufgrund des Wasserreichtums waren im Bereich der Gemeinde zwei Mühlen in Betrieb. Die Trennhäuser Mühle im Bereich des Sauerbrunnens und die Hackenbruchsmühle aus dem 18. Jahrhundert. Sie ging 1837 in den Besitz von Johannes und Mathias Hakenbruch über. 1858 erweiterte die Kirchengemeinde die Saalkirche zu einem dreischiffigen Bau. Das Jahr 1876 gilt als das Gründungsjahr des Katholischen Junggesellenvereins, dessen Geschäftsbücher aus den ersten Jahrzehnten jedoch nicht mehr vorhanden sind. Die Wirtschaft erlebte durch den Abbau des Riedener Tuffs einen Aufschwung, der zu einem gewissen Wohlstand in der Bevölkerung führte. Die Anzahl der Einwohner stieg an und damit auch die der Kinder, die ab 1880 in einer zweiklassigen, ab 1891 in einer dreiklassigen Schule unterrichtet wurden. 1894 errichtete die Gemeinde ein neues, zweigeschossiges Schulgebäude. 1882 entstand die Marienkapelle im Stil der Neuromanik.

20. und 21. Jahrhundert Im Jahr 1900 ließen sich Ordensschwestern in Rieden nieder und gründeten eine ambulante Krankenpflege, die bis in das Jahr 1978 aktiv war. Von 1907 bis 1908 errichteten Handwerker eine der ersten Wasserleitungen im Gebiet des Oberen Nettetals und versorgten einen großen Teil der Wohnhäuser mit Frischwasser. Es stammte aus einem Stollen und wurde über eine Entfernung von rund 600 Metern zu einer Pumpstation im Wiesental und von dort mit Pelton-Turbinen auf einen Hochbehälter auf den Geisenberg gepumpt. In etwa zur gleichen Zeit gründeten sich 1910 der Männergesangsverein Frohsinn sowie ein katholischer Jünglings-Verein, der wiederum die Anregung gab, einen Spielmannszug ins Leben zu rufen. Diese Pläne wurden jedoch durch den einsetzenden Ersten Weltkrieg nicht realisiert. 1913 erhielt die Gemeinde den Anschluss an das elektrische Stromnetz. Im selben Jahr gründete sich ein Turnverein, der ein Jahr später bereits ein Turnfest organisierte. Im Ersten Weltkrieg starben 55 Riedener als Soldaten. Gleichzeitig stagnierte die Arbeit in den Steinbrüchen rund um die Gemeinde und führte bis in die späten 1920er-Jahre zu einer hohen Arbeitslosigkeit. 1923 bauten Handwerker nach Plänen des Architekten Rohé den Kirchturm an die Kirche an. 1926 gründete sich ein Schützenverein. In der Zeit des Nationalsozialismus führte die hohe Bautätigkeit an Kasernen und Autobahnbrücken zur Vollbeschäftigung der Riedener Steinmetze. Sie arbeiteten beispielsweise am Bau des Olympiastadions in Berlin ebenso mit wie bei den Bauten für die Reichsparteitage in Nürnberg. Der Aufschwung fand mit dem Zweiten Weltkrieg jedoch ein ebenso jähes Ende. 1926 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr, die die Idee zur Gründung eines Spielmannszuges wiederaufnahm. 1934 kam ein Karnevalsverein hinzu. Im Mai 1944 und im Februar 1945 gingen in der Nähe des Dorfes zwei Bomben nieder. In diesem Krieg starben 93 Soldaten an der Front bzw. in Folge von Kriegsverletzungen; weitere 24 Menschen gelten seither als vermisst. Nach dem Ende des Krieges war die Arbeit der Steinmetze wieder gefragt: Mehr als 100 Steinmetze aus Rieden arbeiteten beispielsweise am Aufbau der Kirchen in Köln mit, darunter auch der Kölner Dom. Dies führte dazu, dass viele Männer werktags nicht im Ort waren und so beispielsweise der Spielmannszug 1955 zunächst aufgelöst wurde, der 1959 erneut gegründet wurde. Ein ähnlicher Werdegang weist die Möhnengesellschaft Rieden auf, die 1949 auf Wunsch der Riedener Männer gegründet, ein Jahr später wieder aufgelöst und wiederum ein Jahr später erneut ins Leben gerufen wurde.

1965 gründete sich ein Fremdenverkehrs-Zweckverband, dem es mit Wirkung zum 7. Juli 1973 gelang, den Bereich der Riedener Mühlen (Gemeinde Rieden, Volkesfeld und Kirchwald) zum ersten Luftkurort im Kreis Mayen-Koblenz anerkennen zu lassen. Dazu wurden im Vorfeld von 1966 an bis 1968 umfangreiche klimatische Beobachtungen und Messungen der Luftreinheit durchgeführt. 1968 errichtete die Gemeinde direkt neben der alten Schule ein neues Gebäude, das im Folgejahr bezogen wurde; das bestehende Gebäude wurde abgerissen. Aus der Volksschule wurde in den kommenden Jahren eine Grundschule, was dazu führte, dass die Kinder der fünften bis neunten Klasse ab 1972 weiterführende Schulen in Mendig und Mayen besuchten. 1969 gründete sich der Angler-Club „Früh Auf“.

Seit 1970 gehört Rieden der Verbandsgemeinde Mendig im Landkreis Mayen-Koblenz an. 1971 gründete sich ein Vogelschutz- und -zuchtverein, die Vogelfreunde Rieden. Sie stellten unter anderem im Jahr 1980 Informationstafel zur heimischen Vogelwelt an markanten Punkten im Ort auf. Im gleichen Jahr erfolgte der Spatenstich, um den Waldsee Rieden als künstliches Gewässer anzulegen. Es wurde zwei Jahre später abgeschlossen. Zuvor kam im Jahr 1979 der Tennisclub Wiesengrund zum mittlerweile umfangreichen Vereinswesen der Gemeinde hinzu.