Das Château de Simiane-la-Rotonde liegt in der französischen Gemeinde Simiane-la-Rotonde im Département Alpes-de-Haute-Provence in der Région Provence-Alpes-Côte d’Azur auf der Spitze eines kegelförmigen Felssporns, dessen Spitze von der Ruine des Châteaus mit seiner Rotunde bekrönt wird. Simiane-la-Rotonde ist ein typisches Beispiel eines „village perché“ (Bergdorf), zu dessen Füßen sich eine weitläufige Ebene ausbreitet.

Die innere Struktur des Gebäudes der Rotunde mit seinem nicht ganz kreisrunden Kuppelgewölbe erinnert an die Sakralarchitektur damaliger Zeit (12. Jahrhundert). Das hat dazu geführt, dass man in jüngerer Vergangenheit in ihm zeitweise einen Kirchen- oder Memorialbau sehen wollte. Heute ist es allerdings unbestritten, dass es sich um einen wehrhaften Burgturm, einen Donjon, handelt. Es wird vermutet, dass das Erdgeschoss des Turms als Lagerraum genutzt wurde, während das obere Geschoss zu repräsentativen oder gar administrativen Zwecken gedient hat, wie etwa zur Versammlung der Vasallen des Burgherrn. Ein Vergleich mit den „Rittern der Tafelrunde“ liegt nahe. mini|hochkant=1.2|Ansicht des Dorfes von Südosten Der Donjon von Simiane ist das einzig bekannte Beispiel eines aristokratischen Wohnturms in Form einer Rotunde im Südfrankreich des 12. Jahrhunderts. Er ist wahrscheinlich ein enger Verwandter, wenn nicht sogar das Vorbild des Tour de Constance Ludwigs des Heiligen in Aigues-Mortes, der im 13. Jahrhundert errichtet wurde.

Geschichtliches Die Rotunde von Simiane ist keineswegs ein isoliert stehendes Baudenkmal, sondern Teil einer Gesamtanlage, einer der Burg eng benachbarten Ortschaft, dem „Castrum Simianae“ der mittelalterlichen Texte. Das älteste Dokument, das die Rotunde erwähnt, ist eine Akte aus dem Jahr 1031, die vom „Cartulaire de Saint-Victor de Marseille“ aufbewahrt wird.

Die Burg, von der im Wesentlichen die Rotunde und die nördliche und östliche Umfassungsmauer erhalten sind, wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts von den Herrschaften von Simiane errichtet, die schon damals im Gebiet des heutigen Départements Vaucluse ausgedehnte Besitztümer aufweisen konnten.

Die Südseite des Donjons lehnt sich gegen den Rest eines ehemaligen Rundturmes mit wesentlich geringerem Durchmesser an, dessen Erbauung in das 11. Jahrhundert datiert wird, der vielleicht zu einem nicht näher bekannten Vorgängerbauwerk gehörte.

Im frühen 13. Jahrhundert wurde die Südseite der Burg fast in ganzer Länge von dem Gebäude mit den Wohnräumen der Herrschaften abgeschlossen, dessen außenseitige Mauer gleichzeitig die Wehrmauer der Burg bildete. Diese wies ursprünglich nur schlitzartige Schießscharten auf, die später gegen Fenster ausgetauscht worden sind. Ob diese Bauten ältere ersetzten, geht aus den Quellen nicht hervor, ist aber nicht unwahrscheinlich.

Im 14. Jahrhundert wurden die östlichen und südlichen Wehrmauern der Burg zwischen den im Südwesten und Nordosten anschließenden Wehrmauern der Ortschaft mit einem zweiten Verteidigungssystem verstärkt. Die neue Wehrmauer wurde im Abstand von fünf bis zehn Metern gegenüber der ersten errichtet und der so entstandene Zwischenraum zu einem Trockengraben vertieft. Dieser Bereich diente auch als Turnierplatz der Ritter.

Im 16. Jahrhundert wurde der ursprüngliche Treppenaufgang zum Saal der Rotunde durch eine steinerne Spindeltreppe ersetzt, die in den engen Winkel zwischen der Rotunde und dem Herrschaftshaus eingefügt und von Wänden nahezu quadratisch umschlossen wurde. Dieses Treppenhaus erschloss seitdem gleichzeitig auch die Räume im Obergeschoss des Herrschaftshauses. mini|Donjon von N Im gleichen Jahrhundert erfolgten die Vergrößerungen der schlitzartigen Fenster der Südfassade des Herrenhauses mit Fenstern im Renaissance-Stil.

1637 wurde der alte Turm im Süden der Rotunde geschleift, weil man die Steine für diverse Ausbesserungen des Châteaus benötigte. Von ihm sind in der Umfassungswand des Donjons noch Spuren erhalten. mini|Wohngebäude und Donjon von O Bereits im Jahr 1843 wurde die Rotunde unter Denkmalschutz gestellt.

1875 wurde die ganze Fassade vom Architekten Henry Révoil rundum restauriert.

Im Zuge einer aktuellen Restaurierung in den Jahren 1986/1987 konnte die geschosstrennende Decke im Donjon wiederhergestellt werden.

Anlage des Châteaus mini|hochkant|Wohngebäude Außenseite und Hauptzugang von SO Der allgemein als „Rotunde“ bezeichnete Donjon des Châteaus liegt an der höchsten Stelle der Ortschaft Simiane. Er erscheint von außen als ein im Grundriss runder, massiver, grobschlächtiger und nicht besonders hoher Turm, an den sich im Nordosten eine mächtige Wehrmauer anlehnt. Der schmale, stellenweise abgetragene Ringwall umrundet im Norden und Osten etwa hälftig die Plattform des Burghofs in unregelmäßigen, kurvenförmig abgeschwenkten Abschnitten. Der südliche Abschnitt der Wehrmauer wird aus der Außenwand des Herrschaftsgebäudes gebildet, die am östlichen Ende zweifach abschwenkt und dann gegen das Ende des Ringwalls stößt.

Das Zentrum des Châteaus wird von einem nahezu rechteckigen Burghof gebildet, in seiner Mitte eine Zisterne. Ursprünglich gruppierten sich um ihn herum etliche Gebäude, von denen einige inzwischen verschwunden sind. Den Westen dominiert der zweigeschossige Rundbau oder Donjon, der sich ursprünglich an einen deutlich schlankeren und älteren Rundturm anlehnte. Im Nordosten schloss ehemals die Umfassungsmauer an. Eine heute nicht mehr bekannte Treppenanlage führte ehemals hinauf zu dem Wehrgang der Umfassungsmauer und gleichzeitig zu den Zugängen zum Saal und auf das Dach der Rotunde. Im östlichen Hofabschnitt, der heute von einer Terrasse überdacht ist, befanden sich ehedem Nutzbauten, Wirtschaftsgebäude und Stallungen. Davon waren noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts Spuren erhalten. Der südliche Rand des Plateaus wird von den zweigeschossigen Wohngebäuden des Herrensitzes abgeschlossen.

Das wenig bekannte Hauptgebäude im Südwesten des Herrenhauses ist wohl das interessanteste. Es besitzt auf Hofebene einen geräumigen, rechteckigen und tonnengewölbten Saal, der von Gurtbögen und Wandvorlagen in vier Joche unterteilt wird. Die hofseitigen Wände sind von schlitzartigen Fenstern mit nach innen aufgeweiteten Fenstern durchbrochen. Auch die Fenster der übrigen Räume sind ähnlich sparsam verteilt.

Das Hauptgebäude des Herrensitzes ist wohl, nach dem Mauerwerk, den Fensterprofilen und dem inneren Aufriss zu urteilen, ein Bau vom Beginn des 13. Jahrhunderts, also nur wenig später als der Donjon. Den geräumigen und gut geschützten Wohnraum hat man in der Folgezeit renoviert und vergrößert, vor allem im 16. Jahrhundert. Etwa zur gleichen Zeit wurden die großen Fenster mit Renaissance-Maßwerk im Obergeschoss der Südwand eingebaut. Erst zur gleichen Zeit wurden die Geschosse des Wohntraktes und der Saal des Obergeschosses der Rotunde mit einer neuen Spindeltreppe untereinander verbunden.

Im Norden wurde die Burg von dem steilen Abhang zum Talgrund hin natürlich geschützt. Im Westen, um den Donjon herum, führte ein trockener, in den Fels geschlagener Graben, der heute verschüttet ist, zusammen mit einem „vallum“ zu einem gehörigen Abstand. Im Süden und Osten trennt eine zweite Ringmauer mit einem Graben die Burg von der Ortschaft und schafft in ihrem Zwischenraum einen Turnierplatz.

Form und Abmessungen mini|hochkant=1.8 Ungefähre Maße

Château Gesamtausdehnung

ohne Graben und Turnierplatz auf der Süd- und Ostseite: Breite in Nord-Süd-Richtung, etwa in Mitte des Wohngebäudes und Hofes: 30,50 m Länge in West-Ost-Richtung etwa in Mitte des Donjons und Hofes: 58,00 m

Donjon Außenmaße

Durchmesser an der Basis: 17,00 m Gesamthöhe: 18,00 m Höhe des Erdgeschosses: 4,70 m Höhe des Obergeschosses: 10,50 m Durchmesser des kleinen Turms: 3,00 m Höhe dieses Turms: 2,80 m

Innenmaße

Durchmesser: 10,00 m Wanddicke Erdgeschoss: 4,40 m

Donjon (Rotunde) mini|hochkant|Donjon von NW

Äußeres Von Westen, bis Norden und Süden aus erscheint der Donjon wie eine reizlose „Stein-Kasematte“ ohne erkennbare Unterteilung in Geschosse. Der mächtige, zusammengeballte, mit dem Felsuntergrund verwachsene Bau folgt einem unregelmäßigen Plan. Die gerundeten Wände steigen, nach oben leicht konisch zulaufend, zu einem Kegelstumpf an und sind mit unregelmäßigem, überwiegend dunklem grauem Bruchsteinmauerwerk gemauert. Aus angemessener Entfernung und Höhe erkennt man hinter dem oberen Mauerrand ein flach geneigtes Kegeldach, das mit Steinplatten eingedeckt ist. Das Mauerwerk reichte ursprünglich noch etwas höher und bildete eine Wehrattika, wahrscheinlich auch mit eingearbeiteten Zinnen. Auf dem Zentrum des Daches ragt noch ein kleines sechseckiges Türmchen gut zwei Meter hoch auf, das den kreisrunden Oculus des Kuppelgewölbes einfasst. Auf der Westseite sind in Nähe des oberen Randes des Mauerwerks zwei kleine rechteckige Fensteröffnungen ausgespart. Sie gehören zu Licht- und Luftschächten, die etwa vier Meter tief in den unteren Bereich des Kuppelgewölbes hinunterreichen und sich dort in Gewölbesegmenten öffnen.

Die östliche Fassade, zwischen dem ehemaligen alten Rundturm im Süden des Donjons und dem nordöstlichen Anschluss der Umfassungsmauer der Burg, weist mit einer besonderen Gestaltung zum östlich gelegenen Burghof. mini|Burghof und Donjon von SO Das bis auf die rundbogige Zugangstür geschlossene Erdgeschoss in Form eines steil geneigten, etwa 3,20 Meter hohen Kegelstumpfes tritt gegenüber dem Obergeschoss etwas vor und zeigt ein Mauerwerk ähnlich der Westseite des Donjons. Rechts von der Tür bis zum ehemaligen Anschluss der Wehrmauer reicht das Sockelmauerwerk noch gut 1,50 Meter höher hinauf. Ein gutes Stück nördlich der Tür war die Umfassungsmauer der Burg ursprünglich mit dem Donjon eng verbunden. Sie schloss etwa unmittelbar neben der Nordkante der großen Nische an, die weiter vorstehend als unfertige vierte Seite des Pyramidenstumpfes bezeichnet wird. Die heute sichtbare Bresche in der Wehrmauer ist erst in der Neuzeit entstanden. mini|hochkant|Treppenhaus und Hauptportal zum Saal Über dem Sockelgeschoss beginnt ein steil geneigter Pyramidenstumpf, der zur Hofseite hin vier Seitenflächen zeigt, die von drei Graten getrennt werden. Die vierte Seite des Pyramidenstumpfes scheint nicht vollendet worden zu sein. In diesem Abschnitt findet sich eine weit hinauf reichende Nische im Bruchsteinmauerwerk, die mit ihren unregelmäßigen Begrenzungen und ihrem Hintergrund alle Anzeichen der Unfertigkeit verleiht. Das Ganze sieht danach aus, als ob man beabsichtigt hatte, hier noch eine weitere Pyramidenstumpfseite anzuordnen, aber nicht mehr dazu gekommen ist. Das Bruchsteinmauerwerk oberhalb der Nische könnte darauf hindeuten, dass der Donjon ursprünglich rundum aus diesem Mauerwerk bestand und das die „edle“ Werksteinfassade zum Hof erst nachträglich entstanden ist (?). mini|Donjon, unfertige Seite von NO, Geheimtreppe Diese Fassade ist aus überwiegend hellem, glattem großformatigem Werkstein sauber gefügt. In gut drei Vierteln der Pyramidenstumpfhöhe treten die Stumpfseiten deutlich zurück, um dann noch weiter aufzuragen. Heute entspricht deren Höhe dem äußeren Rand der Bruchsteinmauer des Donjons, der wahrscheinlich auch mit Zinnen bekrönt war. Hinter ihnen konnten die Verteidiger gegen Angriffe Deckung finden.

In der Achse der zweiten Stumpfseite von links ist das Portal zum Saal der Rotunde ausgespart. In den anderen Flächen ist jeweils eine hohe, stark vertiefte Blendarkade eingelassen, die links vom Portal ist rundbogig, aber leicht angespitzt, die rechts davon ist spitzbogig, die ganz rechts außen ist wohl unvollendet geblieben. Diese Arkadennischen sollen die Wände stabilisieren, gleichzeitig aber erleichtern. Die Nischenhintergründe bestehen aus regelmäßigem Schichtenmauerwerk aus winkelrecht zugerichteten Werksteinen mit leicht bossierten Sichtflächen.