Rödgen ist ein Stadtteil der mittelhessischen Universitätsstadt Gießen.
Geographie Rödgen liegt 5,5 km nordöstlich Gießen im Busecker Tal. Im Ort treffen sich die Landesstraße 3126 und die Kreisstraße 31. Am nördlichen Ortsrand führt die Vogelsbergbahn vorbei.
Ortsgeschichte Mittelalter Die älteste gesicherte Erwähnung des Orts erfolgte im Jahr 1326 in einer hessischen Urkunde: „… zume Rode …“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 515, S. 352 f. Eine Urkunde aus dem Jahre 1017 nennt: „… in pago Logenahi im comitatu Gerlaci comitis Lantswindehusen, Gundissa, Roda …“, ist aber nicht eindeutig zuweisbar.MGH, Dipl. Heinrich II. Nr. 366. Dies gilt auch für eine Urkunde aus dem Jahre 1299 „… in villa que dicitur zuo deme Rade sita …“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 3. Nr. 1388, S. 365. (gelegen in dem Dorf, genannt zu dem Rode).
Ritter Eberwin von Trohe und seine Ehefrau Jutta gaben 1252 dem Kloster Arnsburg eine Hube Land zu Rödgen zum Seelgerät.Klosterarchive 7, Die oberhessischen Klöster 3,1, Nr. 192, S. 142.
Nach der historischen Namenskunde ist der Ortsname als „Rodungssiedlung“ zu deuten.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 308 f, S. 309. Der Rodungsname bezieht sich auf die mittelalterliche Rodungszeit und lässt auf eine Besiedlung im 13. und 14. Jahrhundert schließen.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 23 ff. Im 14. Jahrhundert wird der Ortsname mit nachgestellten Lageangaben versehen, um Verwechslungen mit anderen Orten zu vermeiden. So heißt es 1327: „… de bonis in villa Rade prope Trahe …“ (von Gütern nahe dem Dorf Rödgen bei Trahe)Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1 - 5. Band 1. Darmstadt 1860 - 1873. Nr. 520, S. 336. Hier wird die Siedlungsform als Dorf angegeben. Eine weitere erweiterte Ortsangabe begegnet uns 1370: „… yn deme dorfe zum Rodechyn by Drahe …“ Damals verkaufte das Kloster Schiffenberg dem Kloster Arnsburg die Abgaben einer Wiese bei Rödgen.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 990, Anm. S. 604. 1489 verkaufte das Kloster Arnsburg den Grünberger Antonitern seinen Besitz zu Rödgen. Die Ortsangabe in der Urkunde lautet „… Rodichen prope Buchseck …“(Rödgen bei Buseck)UB Gießen, Hs. 457 m, 2, fol. 32 v.
Einen Tausch tätigte 1494 die Witwe des Senand von Rodenhausen, als sie den Antonitern zu Grünberg ihr Gut Einartshausen, genannt das Rodenhäuser Gut, übergab. Hierfür erhielt sie einen Hof zu Rödgen bei Buseck.Eckhardt: Die oberhessischen Klöster 3, 1. Nr. 192, 652.
Eine Urkunde von 1500 kennt „… das halbteil zu Gruningen vnnd das dorff Roitgen …“Ludwig Baur: Hessische Urkunden Band 4. Nr. 278, S. 282.
Neuzeit Seit 1646 sind in Rödgen Juden nachweisbar.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über das Busecker Tal:
sowie über Rödgen:
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Die bis dahin selbständige Gemeinde Rödgen wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 1. Oktober 1971 in die Stadt Gießen eingegliedert. Ebenfalls durch die Gebietsreform wurde die neue Stadt Lahn am 1. Januar 1977 aus den Städten Gießen und Wetzlar sowie mehreren Umlandgemeinden gegründet. Dies hatte zur Folge, dass Rödgen dem Stadtbezirk Gießen zugeordnet wurde und damit auch neuer Ortsteil der „Lahnstadt“ mit mehr als 156.000 Einwohnern wurde. Durch die am 1. August 1979 erfolgte Wiederauflösung der Stadt Lahn kam es zum erneuten Anschluss an die Stadt Gießen. Für die Stadtteile Gießen-Allendorf, Gießen-Kleinlinden, Gießen-Lützellinden, Gießen-Rödgen und Gießen-Wieseck werden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rödgen angehört(e):
1508 und später: Heiliges Römisches Reich, Gericht Busecker Tal (Ganerbschaft des „Busecker Tals“ der Freiherren zu Buseck) vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Busecker Tal (die gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Landeshoheit endeten erst 1726) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Busecker Tal 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Busecker Tal ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Landamt Gießen, Gericht Busecker Tal ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als Vorläufer des Deutschen Reichs., Provinz Oberhessen, Landamt Gießen, Gericht Busecker Tal ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen; 1827 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren zu Buseck an das Landgericht über) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied., Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Stadt GießenAm 1. Oktober 1971 wurde Allendorf als Stadtteil in das damals noch kreisfreie Gießen eingegliedert. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt LahnAm 1. Januar 1977 wurde die Stadt Gießen mit dem Stadtteil Rödgen der neu gegründeten Stadt Lahn eingegliedert. ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt GießenAm 1. August 1979 wurde die Stadt Lahn aufgelöst und die Stadt Gießen unter anderem mit den Stadtteilen Gießen und Rödgen wieder hergestellt. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen; Stadt Gießen
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Rödgen das „Patrimonialgericht der Freiherren zu Buseck“ in Großen-Buseck zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen, aber erst ab 1827 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit durch das „Landgericht Gießen“ im Namen der Freiherren ausgeübt. Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rödgen 1890 Einwohner. Darunter waren 96 (5,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 303 Einwohner unter 18 Jahren, 810 zwischen 18 und 49, 393 zwischen 50 und 64 und 384 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 903 Haushalten. Davon waren 312 Singlehaushalte, 270 Paare ohne Kinder und 204 Paare mit Kindern, sowie 84 Alleinerziehende und 33 Wohngemeinschaften. In 180 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 324 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1577: 22 Hausgesesse • 1630: 1 dreispännige, 9 zweispännige, 3 ein-spänn. Ackerleute, 31 Witwen, 9 Vormundschaften • 1669: 152 Seelen • 1742: 2 Geistl./Beamte, 47 Untertanen, 6 Junge Mannschaften, 1 Beisasse/Jude • 1806: 300 Einwohner, 59 Häuser • 1829: 399 Einwohner, 72 Häuser • 1867: 528 Einwohner, 86 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 390 evangelische, 9 jüdische Einwohner • 1961: 1083 evangelische, 262 katholische Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 137 Land- und Forstwirtschaft, 289 Prod. Gewerbe, 102 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 148 Dienstleistungen und Sonstiges.
Politik Für Rödgen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Rödgen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern.
Bei der Wahl zum Ortsbeirat 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:Ergebnis der Ortsbeiratswahlen 2021 in Gießen-Rödgen In: votemanager-gi.ekom21cdn.de Parteien und Wählergemeinschaften Anteil in % Sitze CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands11,541 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen9,891 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands14,181 FW Freie Wähler31,633 RGG Rödgen gemeinsam gestalten32,763gesamt100,09
Ortsvorsteherin ist Elke Victor (FW).
Sehenswürdigkeiten Naturdenkmäler Alte Eiche bei Rödgen mit einem Brusthöhenumfang von 6,23 m (2014).
Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen Auf dem Gelände des ehemaligen US-Depots in der Rödgener Straße befindet sich die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen. Diese ist für die Aufnahme von Geflüchteten zuständig.. In: rp-giessen.hessen.de, abgerufen am 16. Juni 2021
Literatur
Weblinks
Rödgen In: Webauftritt der Stadt Gießen.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Gießen) Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Geschichte (Gießen)