LibreOffice [] (Abkürzungen LibO oder LO) ist eine freie Zusammenstellung typischer Standardsoftware für Bürotätigkeiten (Office-Paket). Zu LibreOffice gehören Programme für Textverarbeitung (Writer), Tabellenkalkulation (Calc), Präsentation (Impress) und zum Erstellen von Zeichnungen (Draw). Ein Datenbankmanagementsystem (Base) und ein Formeleditor (Math) sind ebenfalls enthalten.

LibreOffice spaltete sich Ende 2010 vom Office-Paket OpenOffice.org ab. Es wird seither unabhängig weiterentwickelt und gilt als die modernere Alternative.

Neben der Desktop-Variante für Linux, Windows und MacOS gibt es noch Versionen für Android- und iOS-Smartphones und -Tablets. Außerdem existiert unter der Bezeichnung LibreOffice Online und Collabora Online eine Webapp als Online-Office.

Geschichte

Die Geschichte von LibreOffice und der Document Foundation begann mit der Veröffentlichung der ersten Beta-Version des Office-Pakets am 28. September 2010. Die Ursachen für die Abspaltung vom OpenOffice.org-Projekt und damit die Vorgeschichte reichen jedoch bis in das Jahr 1999 zurück. LibreOffice sieht sich als eine legitime Fortführung von OpenOffice.org. Da OpenOffice.org seinerseits eine offizielle Abspaltung von StarOffice (zwischenzeitlich Oracle Open Office) darstellt, wird auch dessen Geschichte als Teil des LibreOffice-Projekts verstanden.

Vorgeschichte Nachdem 1999 das ursprüngliche Unternehmen hinter dem Projekt, Star Division, von Sun Microsystems übernommen worden war, wurden im darauf folgenden Jahr die Quellen des proprietären StarOffice freigegeben: OpenOffice.org entstand. Im Zuge dieser Freigabe regte Sun Microsystems bereits im Jahr 2000 die Gründung einer Stiftung an. Das Ziel hinter diesem Vorhaben hat sich mit der Gründung der Document Foundation nicht verändert: Die Entwicklung des Office-Pakets soll unabhängig von Firmeninteressen weitergeführt und die Freiheiten sowohl von Entwicklern als auch von Anwendern gestärkt werden.

Nachdem Sun Microsystems im Januar 2010 von Oracle übernommen worden und daraus folgend auch die Entwicklung von OpenOffice.org in deren Verantwortung übergegangen war, entstand innerhalb der OpenOffice.org-Gemeinschaft Unzufriedenheit. Kritisiert wurde insbesondere, dass Oracle die Zukunft von OpenOffice.org offenließ und die Unterstützung des Projektes immer spärlicher ausfiel. Im September 2010 entschieden sich schließlich führende Mitglieder der OpenOffice.org-Gemeinde, die Document Foundation zu gründen.

Kurz nach der Entstehung von LibreOffice hat sich Oracle aus dem OpenOffice.org-Projekt vollständig zurückgezogen und es an die Apache Software Foundation übergeben, die es in Apache OpenOffice umbenannte.

Abspaltung von Oracle Die Abspaltung und unabhängige Weiterführung des Office-Pakets wurde möglich, da OpenOffice.org als freie Software entwickelt wurde. Anders als bei der Software selbst besaß Oracle am Namen „OpenOffice.org“ das ausschließliche Verwendungsrecht. Die Weiterführung des Projekts unter dem Namen OpenOffice.org erforderte die Zustimmung von Oracle. Oracle entschied, die Namensrechte nicht an die neu gegründete Document Foundation zu übergeben, und strebte die Auflösung bestehender Verflechtungen beider Projekte an. Dies erzwang die Fortentwicklung unter dem neuen Namen LibreOffice. Dieser ist ein Hybridwort aus libre, dem spanischen und französischen Wort für frei und dem englischen Wort für Büro, office.

Am 16. Februar 2011 veröffentlichte die Document Foundation einen Spendenaufruf, um eine Stiftung nach deutschem Recht zu gründen. Das Ziel war es, der Document Foundation den Status einer juristischen Person zu geben. Die hierzu benötigten 50.000 Euro waren acht Tage nach Bekanntgabe des Aufrufs erreicht.

Da sich LibreOffice als Nachfolger von OpenOffice.org verstand, wurde die Versionsnummerierung von OpenOffice.org fortgeführt. Die Versionsnummer der ersten stabilen Veröffentlichung vom 25. Januar 2011 lautete daher 3.3.0, als Nachfolger von OpenOffice.org 3.2.1. Im Januar 2015 wurde mit der Version 4.4 das neunte Major-Release des Projekts veröffentlicht. Anfang 2024 wurde dieses Schema aufgegeben und eine neue Nummerierung nach Erscheinungsjahr eingeführt.

Die Förderung und Koordination des Projekts wird von der gemeinnützigen Stiftung The Document Foundation getragen, die ihrerseits von ehemals führenden Mitgliedern der OpenOffice.org-Gemeinschaft gegründet wurde.

Oracles Rückzug Im April 2011 erklärte Oracle, dass das OpenOffice.org-Projekt der Open-Source-Community bzw. der Apache Software Foundation übergeben werden solle. Da die Community bereits nahezu vollständig zu LibreOffice abgewandert war, kam dies einer Einstellung von OpenOffice.org gleich. Die Document Foundation betonte, dass sie einer Wiedervereinigung der Projekte positiv gegenüberstehe und jederzeit neue Mitglieder aufnehmen würde. Die Lizenzierung des OpenOffice.org-Projekts unter der Apache-Lizenz würde neue Möglichkeiten des Codeaustauschs zwischen beiden Projekten eröffnen. Trotzdem empfahl die Free Software Foundation nur wenig später, auf LibreOffice und nicht auf OpenOffice.org zu setzen.

Verbreitung Nutzer im Zeitverlauf

Die Abbildung zeigt die weltweite Anzahl der LibreOffice-Nutzer von 2011 bis 2018 in Millionen. Einzelnachweise sind im Text vorhanden.

2011: LibreOffice wurde nach Angaben der Document Foundation in der ersten Woche nach Start des Projekts 350.000 Mal heruntergeladen. Sechs Monate nach Start des Projekts stieg die Zahl der Downloads auf 1,3 Millionen, Downloads über andere Webseiten und die Paketverwaltung von Linux-Distributionen nicht mitgezählt. Zum ersten „Geburtstag“ von LibreOffice im September 2011 konnte das Projekt bereits über 6 Millionen Downloads verzeichnen. Allein im September 2011 wurde das Office-Paket 900.000 Mal heruntergeladen, wofür 81 Spiegelserver zur Verfügung standen. Hinzu kommen geschätzte 1,5 Millionen Downloads über andere Webseiten. Die Document Foundation schätzte 2011, dass weltweit 10 Millionen Menschen LibreOffice aktiv verwendeten und über Downloads oder CDs bezogen hatten. Hinzu kamen geschätzte 15 Millionen Nutzer, die LibreOffice über die Paketverwaltung ihrer Linux-Distribution bezogen. Die Stiftung plante 2011, die Zahl von 25 Millionen Nutzern bis Ende 2019 auf über 200 Millionen Nutzer zu steigern.

2013: Im September 2013, nach zwei Jahren, belief sich die geschätzte Anzahl der LibreOffice-Nutzer auf 75 Millionen.

2015: Im Jahr 2015 wurde LibreOffice von 100 Millionen Nutzern und 18 Regierungen verwendet.

2016: Im August 2016 wurde die Anzahl der LibreOffice-Nutzer auf 120 Millionen geschätzt.

2018: Die Document Foundation schätzte 2018, dass es weltweit 200 Millionen aktive LibreOffice-Nutzer gab. Etwa 25 % davon seien Studenten und 10 % Linux-Nutzer (die LibreOffice automatisch durch ihre Distribution erhalten). Im Vergleich dazu wurde Microsoft Office im Jahr 2018 von 1,2 Milliarden Nutzern verwendet.

Marktanteil OpenOffice, der Vorläufer von LibreOffice, und Derivate davon hatten laut einer Studie von Webmasterpro.de im Jahr 2010 einen Marktanteil unter deutschsprachigen Internetnutzern von über 20 Prozent. In der EU betrug dieser Wert zwischen 9 Prozent (Großbritannien) und 22 Prozent (Polen); für die USA wurde in dieser Studie ein Marktanteil von 9 Prozent ermittelt.

Eine Umfrage von Spiceworks im September 2017 unter 1.168 IT-Experten in den Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien fand einen Anteil von 16 % Open-Source-Textverarbeitungsprogrammen wie LibreOffice und OpenOffice. Dabei wurden die Open-Source-Textverarbeitungsprogramme in der Kategorie „Kosteneffizienz“ als am besten bewertet, in allen anderen Kategorien hingegen als fast durchgehend zweitschlechtestes (vor Apple iWork).

Laut einer Studie von Marktforschern der Nielsen Company besitzt LibreOffice 2020 bei Firmen in Europa einen Marktanteil von 2 %, die Marktführer MS Office und Google Docs hingegen 85 % und 9 %. In den USA besitzt LibreOffice bei Firmen einen Marktanteil von 1 %, MS Office und Google Docs 80 % und 14 %. Für die Studie wurden über 1.000 Nutzer in deutschen Unternehmen mit 50 bis 50.000 Angestellte befragt.

Die FAZ bezeichnete LibreOffice in einem Kommentar im August 2021 als „so leistungsfähig wie das kostenpflichtige Microsoft-Pendant“ und schrieb, dass das Microsoft-Office-Paket „mehr fürs Auge und das schickere Design biete[t]“ und daher LibreOffice trotz „bestechende[r] Vorzüge“ ein eher „unbekannte[s] Produkt“ ist.

Nutzung in Unternehmen Auch die ersten größeren Unternehmen erklärten ihre Absicht, künftig auf LibreOffice zu setzen. So wechselten beispielsweise die Kopenhagener Krankenhäuser und das dänische Verkehrsministerium zu LibreOffice. Die Verwaltung der französischen Region Île-de-France gab im Oktober 2011 bekannt, 800.000 USB-Sticks, die LibreOffice und andere freie Software beinhalten sollen, an Studenten verschenken zu wollen.

Nutzung in Behörden Bis Herbst 2025 sollen die Behörden im Bundesland Schleswig-Holstein von Microsoft Office zu LibreOffice wechseln. Als Gründe dafür werden hohe Lizenzkosten und die große Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Konzernen genannt.

Im September 2025 wurde der Wechsel von Microsoft Office zu LibreOffice beim Österreichischen Bundesheer abgeschlossen. Die Migration begann 2020, als sich abzeichnete, dass Microsoft seine Office-Suite in die Cloud umziehen werde. Man will über eine unabhängige IT-Infrastruktur verfügen. Seit 2023 gab es ein internes E-Learning-Programm zur Schulung für LibreOffice, um den Umstieg einzuleiten. Anpassungen, die für den Einsatz in der Wehrverwaltung programmiert werden müssen, werden unter Freier Lizenz an das LibreOffice-Projekt übergeben.

The Document Foundation

mini|Teilnehmer der LibreOffice Conference 2014 in Bern, mit vielen Mitgliedern des Vorstands, des Mitglieder-Komitees, des Mitglieder-Kuratoriums und Mitarbeitern der Document Foundation Die maßgebliche Entwicklung und Pflege von LibreOffice leistet die am 28. September 2010 gegründete gemeinnützige Organisation The Document Foundation (Abkürzung: TDF). Sie fördert und koordiniert die Weiterentwicklung des Office-Pakets und beteiligt sich an der Weiterentwicklung des offenen Dateiformatstandards OpenDocument bei der OASIS. Die Document Foundation bekennt sich dabei zu freier Software und bewirbt so auch keine proprietären Zusatzmodule oder ähnliches. Sie ist meritokratisch organisiert und verpflichtet sich zur vollkommenen Transparenz. Sie möchte auf die zehnjährige Geschichte des OpenOffice.org-Projekts in der Überzeugung aufbauen, dass nur eine unabhängige Stiftung sowohl den Entwicklern die bestmöglichen Voraussetzungen als auch den Benutzern ein exzellentes Produkt bieten könne. Bis 2012 war The Document Foundation keine rechtsgültig gegründete Stiftung. Vielmehr wurde die „Foundation“ bis zur Gründung einer Stiftung nach deutschem Recht von Mitgliedern des Vereins Freies Office Deutschland e. V. getragen.