Kleinlinden ist ein Stadtteil der mittelhessischen Universitätsstadt Gießen. Geografisch zählt die ehemalige Gemarkung des Orts zum Hüttenberger Land.

Geographie Kleinlinden liegt südwestlich der Gießener Kernstadt. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3475, im Norden und Osten führen die Bundesstraße 49 und die Bundesautobahn 485 an Kleinlinden vorbei.

Kleinlinden liegt an der Verbindungskurve der Dillstrecke zur Main-Weser-Bahn nahe dem Bahnhof Gießen-Bergwald.

Geschichte mini|hochkant|Ev. Kirche

Ortsgeschichte Die ältesten schriftlichen Erwähnungen von Linden stammen aus den Jahren 790 und 792 und finden sich im Lorscher Codex. Dieser Kopiar wurde um die Zeit zwischen 1183 und 1195 im Kloster erstellt. Die vier Erwähnungen im Lorscher Codex unterscheiden noch nicht zwischen den Siedlungen, die später die Ortsnamen Großen-Linden, Lützellinden, Klein-Linden und das wüst gefallene Sichlingslinden, dessen Name sich 1302 in Langenlinden änderte,Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 306, S. 211. tragen.

790 heißt im Lorscher Codex „... in Lindere marca ...“Karl Glöckner: Codex Laureshamensis = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Darmstadt 1929. Band 3: Kopialbuch; Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Fotomechan. Nachdruck der Ausgabe von 1936, Darmstadt. Hessische Historische Kommission 1963. CL III, Nr. 3159=3710c. Im gleichen Jahr wird auch „... in uilla Linden ...“ genannt.CL III, Nr. 3159=3710c. Zwei Jahre später werden die Linder marca sowie Linden erneut genannt.CL III, Nr. 3160=3717a. Einzig die spätere Wüstung Sichelingeslinden besitzt bereits 790 einen Ortsnamen mit einem Differenzierungsglied: „... in villa Sichelingeslinden ...“CL III, Nr. 3148. Dieser Ortsname erscheint in einer Urkunde des gleichen Klosters aus dem Jahre 801 als „Sichelindeslinden“.CL III, Nr. 3722 c. In einer herrschaftlichen Urkunde werden 1065 „... VIII mansos ad Lindun ... in pago Lognahi ...“ (acht Mansen) erwähnt.Manfred Stimmig: Mainzer Urkundenbuch. Band 1 (bis 1137). Darmstadt 1932. Nr. 311, S. 200 f Im 18. Jahrhundert wurde der Ortsnamen Kleinlinden gebräuchlich: Kleinlindes, Kleinenlinden.Otto Schulte: Die Namen der Gemarkung Großen-Linden und Kleinlinden. In: Hessische Chronik 10 (1921). S. 41–43. In dieser Zeit erhielt der Ort erst seinen heutigen amtlichen Namen.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 236–238, S. 238. Zuvor wurde der als kleinere Siedlung in lateinischen Quellen genannt: So heißt es 1280: „... in minori villa dicta Lindes ...“ (in dem kleineren Dorf genannt Linden).StAD, Urkunden Oberhessen, Kleinlinden. Außerdem heißt es 1329: minus Linden, apud villam.Ludwig Baur, AUB. Nr. 606

Besiedelt wurde das Dorf als Waldsiedlung zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert. Um 1350 wurde eine Burg erbaut. Im Jahr 1866 wurde die Evangelische Kirche Kleinlinden fertiggestellt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Kleinlinden:

Nach dem Bombenangriff auf Gießen in der Nacht vom 6. zum 7. Dezember 1944 waren in Kleinlinden 108 Opfer zu beklagen.

Kleinlinden wurde am 1. April 1939, noch unter der Bezeichnung Klein-Linden, nach Gießen eingemeindetHessisches Regierungsblatt 1939, Nr. 2, S. 6 Digitalisat, was mit einer kleinen Unterbrechung so bis heute fortbesteht. Vom 1. Januar 1977 bis 31. Juli 1979 war Gießen und damit auch der Stadtteil Kleinlinden Teil der kreisfreien Stadt Lahn. Nach Auflösung der Stadt Lahn wurde Kleinlinden wieder Stadtteil der Stadt Gießen. Die Stadt Gießen erlangte jedoch ihre Kreisfreiheit nicht mehr zurück und ist damit Teil des Landkreises Gießen. Für die Stadtteile Allendorf, Kleinlinden, Lützellinden, Rödgen und Wieseck wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Kleinlinden angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Gießen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt GießenDie Zugehörigkeit des Amtes Gießen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Heuchelheim ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Ober-Hessen, Stadtamt Gießen ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Stadtamt Gießen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1939: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Stadtkreis Gießen, Stadt Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Stadt Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Stadt Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Stadt Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Lahn ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Gießen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen; Stadt Gießen

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Kleinlinden 4458 Einwohner. Darunter waren 249 (5,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 666 Einwohner unter 18 Jahren, 2067 zwischen 18 und 49, 873 zwischen 50 und 64 und 852 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2172 Haushalten. Davon waren 792 Singlehaushalte, 600 Paare ohne Kinder und 462 Paare mit Kindern, sowie 171 Alleinerziehende und 247 Wohngemeinschaften. In 423 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1554 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung mini|Evangelisches Kinder- und Familienzentrum Rote Schule in Kleinlinden

• 1669: 123 Seelen • 1742: ein Geistlicher/Beamter, 55 Untertanen, 17 Junge Mannschaften, 3 Beisassen/Juden • 1791: 305 Einwohner • 1800: 281 Einwohner • 1806: 329 Einwohner, 59 Häuser • 1829: 365 Einwohner, 65 Häuser • 1867: 626 Einwohner, 88 Häuser

Politik Ortsbeirat Für Kleinlinden besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Kleinlinden) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern.

Bei der Wahl des Ortsbeirats am 14. März 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung.Ergebnis der Ortsbeiratswahlen 2016 in Kleinlinden In: votemanager-gi.ekom21cdn.de Ortsbeirat – Kommunalwahlen 2021

Ortsvorsteher Ortsvorsteher des Gießener Stadtteils Kleinlinden ist Klaus-Dieter Greilich (FDP).

Persönlichkeiten Wolfgang Greilich (* 1954), hessischer Politiker (FDP), Landtagsvizepräsident Ludwig Lenz (1764–1833), hessischer Landtagsabgeordneter und Schultheiß in Kleinlinden Wilhelm Lenz (1897–1969), hessischer Landtagsabgeordneter Hermann Stein (1919–1995), Politiker (FDP), Landtagsvizepräsident Peter Moraw (1935–2013), Historiker und Professor der Justus-Liebig-Universität Gießen, starb in Kleinlinden

Literatur

Weblinks

Kleinlinden im Internetauftritt der Stadt Gießen.

Linneser Backschießer, das Dorfblättchen für Kleinlinden von 1987–2018

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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