mini|Titelblatt der Erstausgabe

Paradise Lost (deut. Das verlorene Paradies), veröffentlicht 1667, ist ein episches Gedicht in Blankversen des englischen Dichters John Milton. Es erzählt die Geschichte des Höllensturzes der gefallenen Engel, der Versuchung von Adam und Eva durch Satan, des Sündenfalls und der Vertreibung aus dem Garten Eden. Das Werk wird auch als Gleichnis auf die politische Situation Englands in der Mitte des 17. Jahrhunderts interpretiert: 1660 scheiterte die puritanische Revolution unter Führung von Oliver Cromwell, den der liberale Milton entschieden unterstützte, und der Stuart-König Charles II. bestieg nach der Wiederherstellung der Monarchie den Thron. Milton entging nur dank einer Generalamnestie dem Todesurteil.Katharina Maier: Vorwort, in: John Milton: Das Verlorene Paradies, Wiesbaden 2008, S. 10 abgerufen am 5. März 2019 Das Epos ist in zehn, später zwölf Bücher gegliedert, die jeweils zwischen 640 und 1200 Zeilen umfassen.

Inhalt mini|Satan, Stich von Gustave Doré, in John Miltons Paradise Lost

Überblick Milton besingt in zwölf Büchern die biblische Geschichte vom Sündenfall Adams und Evas sowie sehr ausführlich die Vorgeschichte vom Höllensturz Satans und seiner Gefolgsleute. Die Ereignisse des aus wenigen Kapiteln des Alten Testaments (1. Buch Mose, Kp. 1–3) entnommenen Fabel-Kerns hat der Autor um transzendentale Szenen nach Motiven aus den Prophezeiungen Jesajas (Kp. 14, V. 12–15) und Hesekiels (Kp. 28, V. 12–15) sowie aus der Apokalypse des Johannes (Kp. 12, V. 7–9) und um das neutestamentliche Gottesbild erweitert. Der Sohn Gottes besiegt im Auftrag des allwissenden Vaters mit den Engeln an seiner Seite den eifersüchtigen Satan und dessen Heer. Später opfert sich der Gottessohn, um die Menschheit vor dem Verderben zu bewahren. Dabei zitiert Milton immer wieder Mythen und Personen der griechischen und römischen Antike. Zentral ist ein langer Dialog zwischen dem Cherub Raphael und Adam (Buch 5 bis 8), in dem der Erzengel dem ersten Menschen nicht nur die Beweggründe Satans schildert, der aus Neid auf den Gottessohn handelt, und die Schlacht zwischen Gut und Böse beschreibt, sondern Adam auch über die Motive Gottes zur Schaffung des Paradieses und die Gefahren aufklärt, die dort lauern.

1. Satan versammelt nach dem Höllensturz seine Gefährten um sich, richtet sie wieder auf und beruft eine Ratsversammlung ein, um über einen abermaligen Aufstand zu debattieren. 2. In der Ratsversammlung findet sich keine Mehrheit für ein gewaltsames Vorgehen gegen Gott, wohl aber für eine List: Satan berichtet von der Erschaffung des Menschen und schlägt vor, über dessen Verderben nachzusinnen. 3. Gott sieht die Verführung von Adam und Eva voraus, sie sind als seine Geschöpfe wie auch die Engel mit einem freien Willen ausgestattet. Sein Sohn opfert sich, um den Untergang der Menschheit zu verhindern. Satan hat das Höllentor überwunden und fliegt auf der Suche nach der neu geschaffenen Erde durch das All. 4. Der von Selbstzweifeln gequälte Satan beobachtet vom Baum der Erkenntnis aus das glückliche Paar Adam und Eva im idyllischen Paradies. 5. Erzengel Raphael schildert Adam die Vorgeschichte des Paradieses: Satans Rebellion gegen Gott, 6. sein Kampf und die Niederlage gegen die Cherubinen des Gottessohnes sowie 7. die Schöpfung. 8. Adam erzählt von seinem Gespräch mit Gott, seinem Auftrag und der Erschaffung Evas. 9. Satan in Schlangengestalt verführt Eva mit Schmeicheleien, von der verbotenen Frucht zu essen. Aus Liebe zu Eva nimmt Adam ebenfalls von der Frucht, sie lieben sich und verlieren ihre Unschuld. 10. Gott richtet Satan und das Menschenpaar. 11. Cherub Michael lässt Adam in die Zukunft schauen und zeigt ihm den Untergang seiner sündhaften Nachkommen in der Sintflut und den Neubeginn. 12. Michael berichtet weiter vom Volk Israel und dem Weltgericht. Adam und Eva brechen Hand in Hand auf in die vor ihnen liegende Welt.

1. Gesang mini|Satans Palast Nach Anrufung der himmlischen Muse Urania wird von der Niederlage Satans und seiner Gefolgsleute berichtet, die nach ihrem Sturz aus dem Himmel neun Tage und Nächte reglos und zerschmettert im düsteren Abgrund der Hölle liegen. Dann erhebt sich Satan, um sein Heer wieder aufzurichten. Im Stil antiker Heldenepen, z. B. Vergils Aeneis, werden die dämonischen Anführer (Satan, Beelzebub, Moloch, Chemos, Mammon) und ihr Einfluss auf die heidnischen Kulte im Orient und in Griechenland vorgestellt. Nach der militärischen Niederlage wollen sie keine Sklaven des Himmels sein, sondern als Herren der lichtlosen und von Flammen ausgefüllten Unterwelt von ihrer prächtigen Hauptstadt Pandämonium aus mit List und Trug kämpfen: „[B]esser ist\ Der Hölle Herr zu sein, als des Himmels Sklave“.Zitat, wie auch die folgenden, in der Übersetzung von Adolf Böttger Den Plan des Allmächtigen, die Abtrünnigen nicht endgültig zu vernichten, sondern mit ihrer Hilfe aus Bösem Gutes entstehen zu lassen, wollen sie unterlaufen und umkehren.

2. Gesang Satan ruft seine Fürsten zur Ratsversammlung in der Unterwelt, die nach dem Vorbild des antiken Hades gestaltet ist – so ist von Styx, Acheron, Eisland usw. die Rede. Am höllischen Fürstenhof treffen sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander: machtbewusste, gewalttätige, kultivierte, feingeistig den schönen Künsten zugeneigte, über ethische Fragen philosophierende, argumentativ scharfsinnige und rhetorisch geschulte Dämonen. In der Strategiediskussion plädiert Moloch für den offenen Kampf aus Rache für die Verbannung. Ihre Situation der ewigen Höllenstrafen verschlechtere sich bei einer erneuten Niederlage nicht mehr, aber sie könnten den Allmächtigen herausfordern, sie zur totalen Auslöschung im Nichts zu verurteilen und sie damit vor ewiger Verzweiflung bewahren. Der listige, wortgewandte Belial widerspricht. Gott könne oder wolle das abgefallene Volk des Himmels nicht auslöschen, aber noch härtere Strafen seien denkbar. Sie sollten sich nach der unklugen Rebellion in ihr Schicksal fügen und die Situation nicht noch verschlechtern. Auch Mammon spricht sich gegen den erneuten Kampf aus. Er möchte jedoch keine Unterwürfigkeit zeigen, sondern rät, auf die eigenen Fähigkeiten zu setzen und ein stolzes Gegenreich zu gründen. Beelzebub, der zweitmächtigste, plädiert für die, zuvor mit Satan besprochene, Taktik, Gottes Plan zu durchkreuzen, auf der Erde Menschen nach seinem Ebenbild zu schaffen. Diesen Sterblichen sei man an Kräften überlegen und könne sie leicht verführen, sich von ihrem Schöpfer abzuwenden. Nach der Entmutigung und Schwächung des Menschen sei es vielleicht möglich, aus dem Kerker der Hölle zu entkommen und im Himmel die Macht zu ergreifen. Satan, der von allen akzeptierte Herrscher, übernimmt die Verantwortung für die gefährliche Aktion, um seiner herausragenden Rolle gerecht zu werden. Er bricht auf zum Höllentor und findet dort als Wächter die Sünde und den Tod vor. Die Sünde, die den Unterleib einer Schlange trägt, entsprang einst Satans Kopf, ist also seine Tochter, und zeugte mit ihm den Tod. Nach der Rebellion wurden sie in den Höllenschlund geworfen, aus der Paarung von Mutter und Sohn entstehen sich ständig vermehrende Höllenhunde. Satan verspricht Sünde und Tod den Einzug ins Paradies, überredet sie damit, das Tor zu öffnen und macht sich mit seinen Schwingen auf die gefährliche Reise durch den von Dunkelheit, Dampf, Sumpf und dem Kampf der Elemente erfüllten unermesslichen Raum bis an die Grenzen des Lichtreiches. Dem Beherrscher dieser Sphäre, Chaos, verspricht Satan ebenfalls Belohnung nach seinem endgültigen Sieg über den Himmel. Zum Dank weist ihm Chaos den Weg zur neu geschaffenen Erde. mini|Flug Satans durchs Universum

3. Gesang Milton vergleicht sich mit den Sängern und Sehern Thamyris, Maeonides, Teiresias und Phineus, die, wie er selbst, nach ihrer Erblindung niemals mehr das Tageslicht sahen. Ein Sarkasmus, setzt der Dichter doch gleichzeitig Gottvater mit dem Licht gleich. Der Himmelsherrscher rühmt, umgeben von seinem Sohn und den Engeln, seine Schöpfung, die Menschen, die seine Gnade finden. Der Gottessohn ist skeptisch und fragt, was die Menschen erwarte, wenn Satan sie erfolgreich verführe. Gott antwortet, dass er die Menschheit mit einem freien Willen ausgestattet habe, um deren Gehorsam zu prüfen. Sie müsse Eigenverantwortung übernehmen und werde für ihre Vergehen gerichtet und bestraft. Er sieht allwissend den Sündenfall Adams und Evas durch die List Satans voraus, wird aber aus Prinzip nicht eingreifen. Sein Sohn, der Mittler, hat Mitleid mit den göttlichen Lieblingsgeschöpfen und macht als einziger im himmlischen Rat dem Vater den Vorschlag, an Stelle der sündigen Menschen zu sterben, wenn auch nur in einem vorübergehenden irdischen Leben, da er unsterblich ist. Gott stimmt erfreut zu („Des Himmels Liebe tilgt der Hölle Hass“) und erhebt den Sohn zum Weltenrichter. Darauf preist die Engelsschar die beiden mit Lobgesängen.

Inzwischen ist Satan aus dem dunklen, leeren All ins lichtdurchflutete, hell glänzende Firmament der Sterne vorgedrungen. Als er den Engel Uriel erblickt, tarnt er sich als jugendlicher Cherub mit üppiger Lockenpracht und spielt ihm neugierige Bewunderung für die neuen Geschöpfe vor, welche die gefallenen Engel ersetzen sollen. Uriel lässt sich zunächst täuschen und weist ihm den Weg ins Paradies auf dem Planeten Erde, wird aber rasch misstrauisch, als er dem davonfliegenden Satan nachblickt.

4. Gesang mini|Satan schaut ins Paradies