Santi Nereo e Achilleo 300px|center|Santi Nereo e Achilleo Basisdaten Patrozinium: Hll. Nereus und Achilleus Kardinalpriester: Celestino Aós Braco OFMCap Pfarrgemeinde: Santa Maria in VallicellaDiözese Rom Anschrift: Viale delle Termedi Caracalla 28Piazzale Numa Pompilio00153 Rom
Santi Nereo e Achilleo (lat.: Sancti Nerei et Achillei) ist eine Kirche in Rom, die den heiligen Nereus und Achilleus geweiht ist. Der um 369 errichtete frühchristliche Vorgängerbau gehört zu den ältesten Titelkirchen Roms unter dem ursprünglichen Namen Titulus Fasciolae.
Lage und Patrozinium Die Kirche steht im XXI. römischen Rione San Saba am Piazzale Numa Pompilio mit der Fassade nach Nordwesten zur Viale delle Terme di Caracalla, etwa 100 Meter nordwestlich der Caracalla-Thermen.
Wegen des gleichen Namens besteht Verwechslungsgefahr mit der über den Domitilla-Katakomben außerhalb der Stadtmauern errichteten Basilika der heiligen Nereus und Achilleus, die auch als sogenannte Katakombenbasilika bekannt ist und im 5. oder 6. Jahrhundert errichtet worden war.
Nereus und Achilleus waren kaiserliche Soldaten, die um 295 unter Kaiser Diokletian wegen ihres Glaubens hingerichtet worden waren.Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Herder, Freiburg 2006, Band 7, Sp. 740. Ihre Gräber wurden im Verlauf des 6. Jahrhunderts von den Domitilla-Katakomben in die Stadtkirche Titulus Fasciolae verlegt, die in der Folgezeit umbenannt wurde in Titulus SS. Nerei e Achillei.Clemens Bombeck: Auch sie haben Rom geprägt. An den Gräbern der Heiligen und Seligen in der Ewigen Stadt. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1691-4, S. 152.
Das ursprüngliche Patrozinium Titulus Fasciolae geht auf eine frühchristliche Legende zurück, wonach Petrus bei seiner Flucht aus dem Mamertinischen Kerker an dieser Stelle die Wundbinde (lat. fasciola = Binde) verloren haben soll, die er an seinem durch die Kerkerketten verletzten Fuß getragen hatte.Anton Henze u. a.: Kunstführer Rom. Stuttgart 1994, S. 242.
In einer Grabinschrift aus dem Jahr 377, die auf dem Friedhof der Patriarchalbasilika Sankt Paul vor den Mauern gefunden wurde, wird des verstorbenen Cinnamius Opas gedacht, der Lektor in der Kirche Titulus Fasciolae gewesen war.Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert, Regensburg 2013, S. 145.
Baugeschichte Von der frühchristlichen Kirche Titulus Fasciolae, die um 369 unter Papst Damasus I. (366–384) errichtet worden war, haben sich keine Spuren erhalten; ihre architektonischen Formen sind nicht bekannt; sie wurde offenbar durch Überschwemmungen weitgehend zerstört.
Den heutigen Kirchenbau ließ Papst Leo III. um 814 an derselben Stelle, aber auf höherem Niveau errichten. Von dieser Kirche bestehen heute noch die Außenmauern sowie das Mosaik am Triumphbogen und Teile des Altarziboriums. Weil die Umgebung der Kirche im 13. Jahrhundert verödet und nicht mehr bewohnt war, verfiel die Kirche allmählich. Deshalb wurden im Jahr 1228 unter Papst Gregor IX. (1227–1241) die Reliquien der Märtyrer Nereus und Achilleus und anderer Heiliger in die Kirche Sant’Adriano auf dem Forum Romanum übertragen. Im „Katalog von Turin“ wird berichtet, dass die Titelkirche um 1320 keinen Pfarrer mehr hatte und offenbar aufgegeben wurde. Papst Sixtus IV. (1471–1484) ließ die Titelkirche anlässlich des Heiligen Jahres 1475 notdürftig wiederherstellen; dabei wurde das Langhaus etwas verkürzt und die Portikus abgetragen.
Erst unter Cesare Baronio, der 1596 zum Kardinalpriester von SS. Nereo e Achilleo ernannt worden war, erfolgte eine durchgreifende Restaurierung unter weitgehender Beibehaltung der älteren Innenausstattung: Öffnung der heutigen Lichtgaden und Erneuerung des Daches, Bau eines neuen Campanile, Wiederherstellung von Hochaltar und Ziborium, Bau einer Confessio und Aufstellung des Bischofsthrons (Kathedra), Restaurierung des Mosaiks über dem Triumphbogen und Ersatz des beschädigten Apsismosaiks durch eine Freskomalerei gleichen Themas. 1597 erhielt Kardinal Baronio die päpstliche Erlaubnis, die im Jahr 1228 nach Sant’Adriano übertragenen Reliquien der Märtyrer Nereo und Achilleo und anderer Heiliger wieder in seine Titelkirche zurückzuholen, was in feierlicher Prozession geschah. In dieser Zeit wurde die Kirche wieder in das kirchliche Leben der Stadt eingebunden; sie wurde außerdem zu einem Rastplatz für die Wallfahrer zu den sieben Pilgerkirchen Roms.Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart, Band 3, Wien 1974, S. 354ff.
Äußeres mini|Fassade der Basilika Santi Nereo e Achilleo Bei dem Neubau von 814 im Stil der Karolingischen Renaissance handelt es sich um eine dreischiffige Pfeilerbasilika ohne Querhaus (ca. 23 × 18 m) mit je sechs Jochen, halbrunder Apsis im Südwesten und Narthex im Nordosten. Neben der Apsis befanden sich ursprünglich zwei rechteckige Türme, für die es in Rom keine weiteren Beispiele gibt.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. Freiburg, 2. Auflage 2017, S. 161ff. mit Grundriss. An der Apsis sind heute drei vermauerte Rundbogenfenster zu sehen; der umlaufende Marmor-Architrav sowie die dort verwendeten Steine mit Blättern, Blüten und einer Maske stammen aus den benachbarten Caracalla-Thermen. Fast schmucklos ist die Fassade, verziert nur mit einem Ädikulaportal, an dessen Säulen nach toskanischer Ordnung heute die Wappenschilder des jeweils amtierenden Papstes und des Kardinalpriesters der Titularkirche angebracht sind. Ein mit durchbrochenem Segmentgiebel gerahmtes Fenster bildet den einzigen Schmuck der oberen Fassadenhälfte. Die Fassade enthält heute noch Malereireste verschiedener Jahrhunderte.
Inneres und Ausstattung mini|Blick in das Mittelschiff zu Hochaltar und Apsis Die Kirche lässt die karolingische Gestaltung einer dreischiffigen Basilika auch im Inneren erkennen. Die Seitenschiffe schließen flach ab mit einem Durchgang zu den ehemaligen Türmen neben der Apsis. Die achteckigen Pfeiler mit Kapitellen datieren von den Restaurierungsarbeiten des 16. Jahrhunderts.
Die spätmanieristischen Fresken an den Hochwänden des Kirchenschiffs zeigen Szenen aus Leben und Martyrium der Heiligen Domitilla, Nereus und Achilleus; sie entstammen den legendären Mitteilungen in den jeweiligen Märtyrerakten.Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart, Band 3, Wien 1974, S. 361ff. Diese Fresken wurden bis in die Gegenwart „il Pomarancio“ zugeschrieben und für ein Werk von Niccolò Circignani gehaltenEs gibt drei verschiedene Maler, die als Pomarancio bekannt sind. – die Zuschreibung wird aber mittlerweile in Frage gestellt und ist „in Diskussion“. auf der Website der Gemeinde von Santa Maria in Vallicella (italienisch; zuletzt abgerufen am 11. Februar 2019). Bezüglich der Fresken mit dem Martyrium von Domitilla, Nereus und Achilleus im eigentlichen Kirchenschiff heißt es da: „La loro attribuzione“ (d. h. die Zuschreibung der Fresken; Anm. d. Ü.) „è discussa. Per molto tempo si è parlato del Pomarancio.“ (im Abschnitt „Gli affreschi ed i mosaici“).Santi Nereo e Achilleo auf „romanchurches“ (englisch; zuletzt abgerufen am 11. Februar 2019). In diesem Text heißt es über die Fresken im Kirchenschiff (nicht die Seitenschiffe): „The fresco cycle along the central side walls of the nave, commissioned by Cardinal Baronius, have long been attributed to Niccolò Circignani nicknamed Il Pomarancio. It is now considered that this attribution is uncertain, and the work is best described as ‚in the style of‘.“ Fragwürdig ist die Zuschreibung allein aufgrund der für diesen Maler sehr späten Entstehungszeit nach 1596, da er bereits zwischen Ende 1597 und 1599 starb, und zuletzt gar nicht in Rom lebte. (abgerufen am 11. Februar 2019). Darüber hinaus erwähnt Cordaro zwar viele Werke von Circignani – auch verlorene und nur zugeschriebene –, aber nicht den Märtyrerzyklus in Santi Nereo e Achilleo. Die Malereien sind stilistisch außerdem bereits deutlich klassizistisch beeinflusst, stehen also schon im Übergang zum frühen Barock.Auch dies entspricht nicht dem Stil von Niccolò Circignani. Darunter zwischen den Arkaden befinden sich Fresken von Engeln, die durch besondere Eleganz und Anmut auffallenMario Moriconi: Brevi notizie storiche e artistiche della Basilica dei SS. Nereo e Achilleo, (offizieller Kirchenführer; italienisch) o. O., 1970, S. 21. und möglicherweise von einem anderen Künstler stammen.
In einem ganz anderen Stil, der noch ganz dem Manierismus römischer Prägung entspricht, sind die Fresken der Seitenschiffe gehalten; sie zeigen die brutalen Martyrien diverser anderer Heiliger und gelten als Werk der „römischen Schule vom Ende des 16. Jahrhunderts“. auf der Website der Gemeinde von S. Maria in Vallicella (italienisch; zuletzt abgerufen am 11. Februar 2019). "Alle pareti, affreschi di scuola romana della fine del Cinquecento rappresentanti scene di martiri."; im Abschnitt "Le navate laterali". In jedem der Seitenschiffe befindet sich außerdem je ein Altar, die Darstellung der Heiligen Nereus, Achilleus und Domitilla auf dem linken Altar ist ein Werk von Cristoforo Roncalli, auf der Website der Gemeinde von S. Maria in Vallicella (italienisch; zuletzt abgerufen am 11. Februar 2019); im Abschnitt "Le navate laterali". der genau wie der erwähnte Circignani als „il Pomarancio“ bekannt ist. Auf dem rechten Altar sieht man eine Madonna mit Engeln von Durante Alberti.
Die Reliquien von Nereus, Achileus und Flavia Domitilla ruhen in der von Kardinal Baronio geschaffenen gewölbten Confessio unter dem Hochaltar. Flavia Domitilla, die aus dem Geschlecht der Flavier stammte, ist Ende des 1. Jahrhunderts als Märtyrerin gestorben.
Von der Ausstattung sind außerdem zu erwähnen: Die beiden Ambonen aus karolingischer Zeit stammen aus der römischen Kirche San Silvestro in Capite. Die Chorschranken, Teile des Fußbodens im Presbyterium, der Hochaltar und der Bischofsthron sind Kosmatenarbeiten des 12. und 13. Jahrhunderts, ebenso die vier Marmorsäulen des Altarziboriums. Den großen Osterleuchter des 15. Jahrhunderts hat Kardinal Baronio eigens für seine Titelkirche erworben.
Von besonderem kunstgeschichtlichem Interesse ist das Mosaik auf dem Apsisbogen aus der Zeit um 815, das im Gegensatz zu dem gleichzeitig entstandenen Mosaik in der Apsiskonche erhalten geblieben ist. Am Apsisbogen wird die Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor dargestellt: In der Mitte steht Jesus als lux vera („wahres Licht“) mit segnender Gebärde in einer Mandorla, daneben Elia (mit Bart) und Mose (mit Schriftrolle) sowie die Apostel Petrus, Johannes und Jakobus, die sich vor der verklärten Erscheinung zu Boden geworfen haben und ihre Augen mit ihren Umhängen vor der Blendung schützen. Vereinzelt wird auch die Meinung vertreten, die Apostel seien in der Haltung der Proskynese dargestellt, einer aus dem byzantinischen Hofzeremoniell übernommene Geste der Anbetung und Unterwerfung.Marco Bussagli: Rom – Kunst & Architektur, Köln 1999, S. 315. Auf den Gewändern der Apostel steht jeweils das Monogramm in roten Buchstaben: P und I H (die Initiale für Jakobus ging offenbar bei der letzten Restaurierung verloren). An den Rändern ist links eine Verkündigungsszene und rechts die Theotokos neben einem Engel zu sehen. Alle Gestalten – außer der rot gekleideten Maria auf dem goldenen Thronsessel – tragen blendend weiße Gewänder; außer Elia und Mose haben alle einen Nimbus.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. Freiburg 2. Auflage 2017, S. 163 mit Abb.