Coldmirror (engl. , ‚kalter Spiegel‘) ist das Pseudonym der deutschen Medienkünstlerin und Drehbuchautorin Kathrin Fricke (* 13. Oktober 1984 bei Bremen). Sie betreibt diverse YouTube-Kanäle und mehrere Podcasts.

Leben Zu ihrem Pseudonym wurde sie durch das Lied Creatures That Kissed in Cold Mirrors der Dark-Metal-Band Cradle of Filth inspiriert.Eigendarstellung „what the FAQ?!“, YouTube-Upload 30. September 2009, abgerufen am 5. August 2011

Nach eigenen Angaben litt Fricke als Jugendliche unter Depressionen. In einem Interview auf dem YouTube-Kanal „clixoom“ erklärte sie, unter anderem habe die Harry-Potter-Reihe und das Verlangen, zu wissen, wie sich die Reihe fortsetze, ihr Kraft gegeben und sie vor dem Suizid bewahrt. Allerdings gibt sie an, dass es nicht allein die spannende Handlung war, die sie an den Büchern mochte, sondern eher „etwas zu haben, auf das man sich freuen kann.“Coldmirror im Interview mit Christoph Krachten von clixoom; abgerufen am 22. August 2011. Harry Potter bildet bis heute eines der Motive ihres künstlerischen und komödiantischen Schaffens und verschaffte ihr erste Aufmerksamkeit im Internet.

Fricke begann früh, gemeinsam mit einer Freundin Hörspiele aufzunehmen, die den Grundstein für ihr kreatives Schaffen legten. Im Jahr 2000 schloss sie sich als ehrenamtliche Redakteurin dem Team von MixX, einem Jugendmagazin im Offenen Kanal Bremer Umland (heute Bürgerfunk Bremer Umland), an. In dieser Zeit legte sie auch erste eigene Webpräsenzen an, wo sie zum Beispiel selbst gezeichnete Bilder mit Fantasy-Motiven veröffentlichte. Ihre Fan-Fictions mit den Figuren der Harry-Potter-Reihe (Kurzfilm-Reihe Normi Potter) wurden Teil ihrer Webpräsenz.

Fricke studierte an der Universität Bremen Kunstwissenschaft und im Nebenfach Philosophie.Clixoom-Interview, YouTube-Upload 21. Mai 2010; bei Einsfestival; Filmprojekt „Escape“, YouTube-Upload 19. März 2010; alle abgerufen am 5. August 2011.

2007 kam Frickes jüngere Schwester im Alter von 17 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Seit 2009 ist Fricke für die öffentlich-rechtlichen Medien tätig: Für den Jugendsender des Hessischen Rundfunks You FM produzierte sie zwischen 2009 und 2013 die Sendung Der YOU FM Game Check mit Coldmirror, in der sie Computerspiele testete. Von 2010 bis 2016 wurde eine von Fricke gestaltete Videoclip-Show unter dem Namen Coldmirror im ARD-Sender EinsFestival ausgestrahlt. Seit 2016 produziert sie für funk Videos und Podcasts.

Für ihre Produktionen übernimmt Fricke in der Regel mehrere kreative Rollen – vom Schreiben des Skripts über die Regie und Vertonung, Moderation, Animation und bis zum Schnitt.

Videokunst im YouTube-Kanal „Coldmirror“ Der YouTube-Kanal coldmirror ging am 2. Oktober 2006 ins Netz. Die ersten Videos bestanden noch aus Archivmaterial aus Frickes Tätigkeit bei der Redaktion des Bremer Bürgerfunk-Jugendmagazins MixX. Danach fertigte Fricke die Videos größtenteils allein an. mini | Kathrin Fricke alias Coldmirror bekommt einen Auftragsgutschein der Agentur Grey überreicht (2011) Der Kanal stieg ab 2008 in der Statistik der meistabonnierten deutschsprachigen Kanäle auf Platz 2 auf. Der erste Platz wurde hierbei jedoch vom Kanal Justin Timberlakes belegt, der irrtümlich in Deutschland registriert war. Nach der Korrektur dieses Fehlers war coldmirror von Februar bis Oktober 2009 auch offiziell der meistabonnierte deutschsprachige Kanal. vom Februar 2009 im Internet Archive Ihr Hauptkanal war noch bis August 2016 unter den 100 meistabonnierten Youtube-Kanälen Deutschlands vertreten.Top 100 deutsche YouTuber nach Abonnenten, abgerufen am 28. August 2016 Im Gegensatz zu den meisten „großen“ YouTube-Kanälen monetarisiert sie ihre Videos nicht. Seit September 2016 ist Fricke und der Kanal coldmirror Teil des Online-Content-Netzwerks funk der ARD und ZDF.

Neusynchronisationen der Harry-Potter-Filmreihe An Bekanntheit gewann der Kanal zunächst durch die Neusynchronisationen der Harry-Potter-Filme. Ab Herbst 2006 synchronisierte Fricke folgende Filme neu und lud sie auf YouTube hoch: Harry Potter und der Stein der Weisen (bei Coldmirror: Harry Potter und ein Stein), Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Harry Potter und der geheime Pornokeller) und Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter und der Plastikpokal). Diese erschienen in unregelmäßigen Abständen in Teilen mit jeweils knapp zehn Minuten Länge, wobei in der Regel zehn Teile ihrer Synchronisation einen Film abdecken. Die Filme wurden nicht durchgängig neuvertont, einzelne Szenen wurden ausgelassen, umgeschnitten oder durch eingebundene Bilder oder Videosequenzen ersetzt.

Frickes Synchronisationsstil ließ die Protagonisten der Filme tabuisierte Themen ansprechen und Anspielungen aus der Pop- und Internetkultur aufgreifen. Sie setzte Vulgärsprache und Fäkalsprache ein, deutete viele Szenen der Filme völlig neu und entstellte deren ursprünglichen Sinn. So wurde beispielsweise eine Szene aus Harry Potter und die Kammer des Schreckens, in der Severus Snape den Protagonisten Harry und Ron verärgert einen Zeitungsartikel über einen durch sie verschuldeten Aufruhr in der nichtmagischen Welt vorliest und sie anschließend rügt, so neuinterpretiert, dass Snape sich über ein schwieriges Kreuzworträtsel beklagt und die beiden Schüler nach einem umgangssprachlichen, sechsbuchstabigen Wort für das männliche Geschlechtsorgan fragt. Auch durchbrechen die Figuren teilweise die vierte Wand und erkennen andere Charaktere als Statisten oder machen ironische Anspielungen auf die ursprüngliche Handlung. Die einzelnen Synchronisationsteile sind durchgehend schlüssig. Die Charaktere haben in allen Folgen dieselben Eigenschaften. Allerdings weichen die Figuren beträchtlich von ihren im Originalfilm dargestellten Verhaltensweisen ab; insbesondere schrieb Fricke beinahe jedem Charakter spezielle sexuelle Präferenzen wie Homosexualität, Pädophilie, Zoophilie oder ähnliche zu. Auch wird im Gegensatz zum Original eine erhebliche Anzahl an Beleidigungen ausgetauscht. Einige Elemente sind aus Barry Trotter übernommen.

Fricke sprach die meisten Charaktere selbst, indem sie für jede Figur eine andere Stimmlage und -technik verwendet. In Einzelfällen wirkten auch Bekannte von ihr mit: Seit einem gemeinsamen Battle-Rap-Song der Figur Fresh Dumbledore gegen MC VoldemortYouTube: Fresh D vs. MCV; abgerufen am 9. Oktober 2010. sprach die YouTube-Userin Sk3pn4 (früher „aequitaS“) Voldemorts Stimme in den Synchronisationen. Ferner übernahm sie die Rolle der Figur Viktor Krum.

Im November 2008 wurde das Benutzerkonto von YouTube zeitweise deaktiviert, da der Rechteinhaber an den Harry-Potter-Filmen, Warner Bros., in den Parodien mögliche Urheberrechtsverletzungen sah.Warner lässt den Account von Deutschlands bekanntester Youtuberin Coldmirror löschen. In: gulli.com, 27. November 2008; abgerufen am 26. September 2010. Nach Angaben von YouTube Deutschland war die Deaktivierung jedoch ein Systemfehler, denn es hätte lediglich zu einer Verwarnung wegen Verletzung von Urheberrechten kommen sollen. Nach der Reaktivierung ihres Kanals musste Fricke aufgrund der Androhung einer permanenten Sperre alle Neusynchronisationen löschen, da diese fremdes Videomaterial enthielten.YouTube – Statement Frickes zur Reaktivierung ihres Kanals coldmirror; abgerufen am 4. Oktober 2010.

Kanalkonzept Fricke folgt in ihren Videos für den Kanal coldmirror einem lockeren Konzept. Regelmäßige Formate werden oft durch längere Pausen unterbrochen, teilweise abgebrochen, neu gestaltet und wechseln sich mit einzelnen Videos zu anderen Themen ab.

Der Kanal beinhaltet vorrangig Sketche mit Fricke allein oder Freunden. Harry Potter ist inzwischen nicht mehr das Hauptmotiv, findet sich aber noch in Patzer (fehlerhafte oder witzige Zeitungsausschnitte zu den Filmen und Büchern satirisch kommentiert), 5 Minuten Harry Podcast und der Kunstfigur des Fresh D, die an Albus Dumbledore angelehnt ist.

Es finden sich auf dem Kanal zahlreiche durch Fricke selbst geschaffene Animationsvideos. Ihre erste Animationsserie, Japanoschlampen, die Animes parodiert, erschien auf dem Kanal zwischen 2011 und 2021.YouTube: Videos des Formats Japanoschlampen abgerufen am 7. Januar 2016 Von September 2016 bis Dezember 2020 produzierte sie für funk auf ihrem Kanal die wöchentliche Animationsserie StarStarSpace, welche Elemente aus Science-Fiction-Werken enthält und parodiert. Weitere Animationsvideos, die sie auf coldmirror veröffentlicht, wurden ursprünglich für das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu aufklärerischen Zwecken produziert, darunter vorrangig politische Themen.

Andere Formate, die in ihrer Funktion für das Fernsehen geschaffen wurden, sind teilweise auf dem Kanal coldmirror hochgeladen worden.

Neben dem Hauptkanal coldmirror werden Videos auf PlzDontSueColdmirror hochgeladen. Diese Videos enthalten oft Material aus geschützten Filmen und Serien, das durch Fricke satirisch abgewandelt wurde. So finden sich hier nach dem Stile ihrer Harry-Potter-Synchronisation weitere Synchronisationen.YouTube: Zweitkanal PlzDontSueColdmirror Kathrin Frickes abgerufen am 7. Januar 2016 Der Kanal entstand infolge der fehlerhaften und inzwischen aufgehobenen Sperrung ihres Hauptkanals.

Ihr Kanal coldmirrorgames lag für einige Zeit brach. Auf ihm finden sich Videokritiken und Spielszenen zu Videospielen, die unter anderem für You FM produziert worden sind.YouTube: Drittkanal + coldmirrorgames + Kathrin Frickes abgerufen am 7. Januar 2016

Fernsehsendung

Beginnend mit dem 7. Oktober 2010 strahlte der Fernsehsender Einsfestival unter dem Titel coldmirror eine Sendung mit Kathrin Fricke aus. Die 15-minütige Sendung wurde monatlich am ersten Donnerstag um 20:45 Uhr im Abendprogramm gezeigt., abgerufen am 6. August 2011. Die letzte reguläre Folge erschien am 5. November 2015, eine Spezialfolge in Form eines Animationsfilms folgte am 3. März 2016.

Die Sendung definierte sich selbst als trimedial: Produziert durch den Radiosender You FM für Fernsehen und Internet. Inhaltlich orientierte sich die Sendung an Frickes Produktionen im Netz. Sie bestand aus einzelnen Segmenten wie Videospiele-Kritiken oder Werbeparodien, die teilweise bereits zuvor im Internet zu sehen waren und für das Fernsehen nur technisch verbessert wurden. Ferner wurden Synchronisationen gezeigt, die mit ARD-Material entstanden: In der Regel wurden Politikerauftritte gezeigt, die Fricke mit eigenem Text unterlegte. Eine eigene Kategorie des Fernsehformates war in den ersten Staffeln die Netmob Challenge, bei der Zuschauern eine Aufgabe gestellt wurde (z. B. ein ungetoastetes Toastbrot in weniger als einer Minute essen oder sich dreißig Sekunden im Kreis drehen und dann auf die Kamera zugehen). Die erfüllten und auf Video festgehaltenen Aufgaben der Zuschauer wurden in der Folgesendung in Zusammenschnitten gezeigt.