Die uruguayische Fußballnationalmannschaft repräsentiert Uruguay bei Fußballspielen auf internationaler Ebene. Sie war besonders in den frühen Tagen des professionellen Fußballs eine der weltweit stärksten Nationalmannschaften und ist es nach einigen weniger erfolgreichen Jahrzehnten heute wieder. Ebenso ist sie die Fußballnationalmannschaft mit den zweitmeisten internationalen Titeln.
Von 1924 bis 1930 gewann sie fünf große Titel in sechs Jahren: die olympischen Fußballturniere 1924 in Paris und 1928 in Amsterdam, 1930 die erste Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte im eigenen Land sowie 1924 und 1926 die Copa América. 1950 gewann sie in Brasilien ein zweites Mal die WM. 1954 und 1970 wurde sie jeweils WM-Vierter und qualifizierte sich anschließend mehrmals nicht für die WM oder kam nicht über das WM-Achtelfinale hinaus. Erst 2010 gelang es wieder, ins WM-Halbfinale einzuziehen und erneut WM-Vierter zu werden. Jedoch wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten mehrfach (1942, 1956, 1959, 1967, 1983, 1987, 1995, 2011) der Gewinn der Copa América durch die uruguayische Fußballnationalmannschaft als Erfolg verbucht. Mit insgesamt 15 Titeln war Uruguay bis 2015 Rekordsieger der Copa. Im Juni 2012 kletterte Uruguay auf Rang zwei der FIFA-Weltrangliste. Diese Platzierung war die bislang beste des Landes; sie wurde im Juli 2012 an Deutschland abgegeben.
Geschichte
Von den Anfängen bis 1930 Englische Arbeiter brachten das Spiel Ende des 19. Jahrhunderts nach Uruguay und bald entwickelte sich der Fußball zum Nationalsport. Den Uruguayern ist es maßgeblich zu verdanken, dass der englische Kick-and-rush-Stil zu Gunsten eines modernen Kombinations- und Dribbelspiels in den Hintergrund zu treten begann.
Das Team aus dem kleinen Uruguay gewann 1916, 1917, 1920, 1923, 1924, 1926 und 1935 die Copa América. 1919, 1922, 1927 belegte es den zweiten Platz. Bereits hier zeigte sich die Klasse des Fußballlandes Uruguay.
1924 führte der uruguayische Stil auch auf der Weltbühne zum überwältigenden Erfolg über die kontinentaleuropäischen Nationen: Die aus Metzgern, Schuhputzern und Gemüseverkäufern zusammengestellte Mannschaft reiste in der 3. Klasse zu den Olympischen Spielen nach Frankreich. Die Fahrt wurde durch Hypotheken und spontan angesetzte Freundschaftsspiele finanziert. Im ersten Spiel einer südamerikanischen Mannschaft in Europa vor etwa 3000 Zuschauern bezwangen die „Urus“ Jugoslawien mit 7:0, zum zweiten Spiel gegen die USA (3:0) kamen schon 10.455 Zuschauer und zum Viertelfinalspiel (5:1) gegen Gastgeber Frankreich 30.868 Zuschauer. Den 3:0-Erfolg im Finale gegen die Schweiz sahen schließlich 40.522 Zuschauer.
Wie überlegen der südamerikanische dem europäischen Stil war, zeigte sich wieder vier Jahre später bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam: Das Finale fand zwischen Uruguay und Argentinien statt. Erst im Wiederholungsspiel bezwang Uruguay nach einem Tor von Hector Scarone zum 2:1-Endstand die Nachbarn. Die FIFA erkannte 1950 die beiden Olympiasiege als Weltmeistertitel an.Olympia Siege, Bericht auf dailymail.co.uk vom 21. Juni 2014, Seite auf engl., abgerufen am 15. Juli 2018
Die Rivalen vom Río de la Plata trafen auch zwei Jahre später im Finale der ersten Weltmeisterschaft aufeinander. Im Estadio Centenario in Montevideo sahen 93.000 Zuschauer das 4:2 für den Gastgeber. Der Tag des Sieges wurde kurzerhand zum Feiertag erklärt.
Uruguay: Ballesteros; Mascheroni, Nasazzi; J. L. Andrade, Fernandez, Gestido; Dorado, Scarone, Castro, Cea, Iriarte. Argentinien: Botasso; Della Torre, Paternoster; J. Evaristo, Monti, Juarez; Peucelle, Varallo, Stabile, Ferreira, M. Evaristo. SR Langenus (Belgien). – Tore: 12. Dorado 1:0. 20. Peucelle 1:1. 22. Stabile 1:2. 57. Cea 2:2. 68. Iriarte 3:2. 89. Castro 4:2
Überragende Spieler dieser goldenen Periode des uruguayischen Fußballs war der charismatische José Nasazzi. Der Steinmetz war Spielführer und Spielmacher des Teams. Die „schwarze Perle“ José Leandro Andrade, der große Star des Turniers 1924, war sein kongenialer Partner im Mittelfeld. Ebenfalls nicht zu vergessen sind die Stürmer Hector Scarone und Héctor Castro, der trotz des Verlustes seiner rechten Hand weiterhin Tore für Uruguay erzielte.
Fußball-Weltmeisterschaften
Bilanz Mit zwei Titeln und dreimal Platz vier rangiert Uruguay unter den zehn besten Nationalmannschaften bei Fußball-Weltmeisterschaften. (PDF; 126 kB). FIFA
1930 in Uruguay Weltmeister Artikel 1934 in Italien nicht teilgenommen 1938 in Frankreich nicht teilgenommen 1950 in Brasilien Weltmeister Artikel 1954 in der Schweiz 4. Platz Artikel 1958 in Schweden nicht qualifiziert 1962 in Chile Vorrunde Artikel 1966 in England Viertelfinale Artikel 1970 in Mexiko 4. Platz Artikel 1974 in Deutschland Vorrunde Artikel 1978 in Argentinien nicht qualifiziert 1982 in Spanien nicht qualifiziert 1986 in Mexiko AchtelfinaleArtikel 1990 in Italien Achtelfinale Artikel 1994 in den USA nicht qualifiziert 1998 in Frankreich nicht qualifiziert 2002 in Südkorea/Japan Vorrunde Artikel 2006 in Deutschland nicht qualifiziert 2010 in Südafrika 4. Platz Artikel 2014 in Brasilien Achtelfinale Artikel 2018 in Russland Viertelfinale Artikel 2022 in Katar Vorrunde Artikel 2026 in Kanada/Mexiko/USA qualifiziert Artikel
Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen
1908 in London nicht teilgenommen, der Verband wurde erst 1923 in die FIFA aufgenommen 1912 in Stockholm nicht teilgenommen, der Verband wurde erst 1923 in die FIFA aufgenommen 1920 in Antwerpen nicht teilgenommen, der Verband wurde erst 1923 in die FIFA aufgenommen 1924 in Paris Olympiasieger 1928 in Amsterdam Olympiasieger 1936 in Berlin nicht teilgenommen 1948 in London nicht teilgenommen 1952 in Helsinki nicht teilgenommen
Die Amateur-, Olympia- bzw. U-20-Mannschaften qualifizierten sich zwischen 1956 und 2008 entweder nicht oder nahmen nicht teil. Erst für die Olympischen Spiele in London qualifizierten sich wieder eine uruguayische Mannschaft, die als U-23 antrat, in der sieben A-Nationalspieler standen, u. a. der derzeitige Rekordtorschütze Luis Suárez als Mannschaftskapitän und Edinson Cavani. Die Mannschaft schied in der Vorrunde aus, wobei Uruguay am 29. Juli 2012 gegen den Senegal erstmals ein Spiel bei einem olympischen Fußballturnier verlor.
1924 und 1928 trat Uruguay in den drei Finalspielen mit folgenden Spielern an: Tor: Mazzali Verteidiger: Arispe, Nasazzi Läufer: Andrade, Fernández (nur 1928 im 1. Finale), Gestido (nur 1928), Ghierra (nur 1924), Plirz (nur 1928 im 2. Finale), Vidal (nur 1924) Sturm: Arremún (nur 1928 im 2. Finale), Borjas (nur 1928 im 2. Finale), Campolo (nur 1928 im 1. Finale), Castro (nur 1928 im 1. Finale), Cea, Figueroa (nur 1928 im 2. Finale), Petrone (1928 nur im 1. Finale), Romano (nur 1924), Scarone (1928 nur im 2. Finale), Urdinarán (1928 nur im 1. Finale)
(Fett gedruckte Spieler standen 1930 auch im WM-Finale)
Bilanz bei der Copa América
Teilnahme am Konföderationen-Pokal Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzter Gegner ErgebnisLaut All-time Ranking 1992–2009 (PDF; 1,8 MB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1992 Saudi-Arabien nicht qualifiziert 1995 Saudi-Arabien nicht qualifiziert 1997 Saudi-Arabien Spiel um Platz 3 Tschechien Vierter Víctor Púa Halbfinalniederlage gegen Australien durch Golden Goal 1999 Mexiko nicht qualifiziert 2001 Südkorea/Japan nicht qualifiziert 2003 Frankreich nicht qualifiziert 2005 Deutschland nicht qualifiziert 2009 Südafrika nicht qualifiziert 2013 Brasilien Spiel um Platz 3 Italien Vierter Óscar Tabárez Beim 8:0 im letzten Gruppenspiel gegen Tahiti steigerte Uruguay die eigene Bestmarke für südamerikanische Mannschaften gegen ozeanische Mannschaft um ein TorNiederlage im Spiel um Platz 3 im Elfmeterschießen 2017 Russland nicht qualifiziert
Weitere Erfolge Mundialito (1980): Sieger Panamerikanische Spiele 1983 und 2015: Goldmedaille (2015 nur mit Spielern unter 22 Jahren) Copa Lipton (11×): 1905, 1910, 1911, 1912, 1919, 1922, 1923, 1924, 1927, 1929 und 1973. Copa Newton (10×): 1912, 1913, 1915, 1917, 1919, 1920, 1922, 1929, 1930 und 1968. Copa Río Branco (4×): 1940, 1946, 1948 und 1967 (geteilt). Copa Juan Pinto Durán (6×): 1963, 1965, 1975, 1977, 1981, 1988. Copa José G. Artigas (6×): 1965, 1966, 1975,Titel geteilt mit Paraguay 1977, 1983 und 1985. Copa Miami (2×): 1986 und 1990. Copa Banco República (1×): 2010
Junioren U-20
Campeonato Sudamericano Sub-20 (7): 1954, 1958, 1964, 1975, 1977, 1979, 1981 U-20-Fußball-Weltmeisterschaft 2013: Vizeweltmeister Junioren-Fußballweltmeisterschaft 1997: Vizeweltmeister Junioren-Fußballweltmeisterschaft 1977: 4. Platz
U-17 Südamerikameisterschaft: Vizesüdamerikameister 1991, 2005 und 2011 Weltmeisterschaft: Vizeweltmeister 2011
U-15 Vizesüdamerikameister: 2007 und 2015
Rekordspieler Rekordinternationale Noch in der Nationalmannschaft aktive Spieler sind fett gedruckt. Stand: 24. September 2026 # Name Zeitraum Spiele Tore 1 Diego Godín 2005–2022 161 8 2 Luis Suárez 2007–2024 143 69 3 Fernando Muslera 2009–2022, 2026 137 0 4 Edinson Cavani 2008–2022 136 58 5 Maxi Pereira 2005–2018 125 3 6 Martín Cáceres 2007–2022 116 4 7 Diego Forlán 2002–2014 112 36 8 Cristian Rodríguez 2003–2018 110 11 9 José María Giménez 2013–aktiv 100 8 10 Diego Lugano 2003–2014 95 9 11 Egidio Arévalo Ríos 2006–2017 90 0 12 Diego Pérez 2001–2014 89 2 13 Alvaro Pereira 2008–2016 83 7 14 Rodrigo Bentancur 2017–aktiv 78 3 Rodolfo Rodríguez 1976–1986 78 016 Federico Valverde 2017–aktiv 76 9 17 Fabián Carini 1999–2009 74 018 Nahitan Nandez 2015–aktiv 73 0
Rekordtorschützen # Spieler Zeitraum Tore Spiele Schnitt 1 Luis Suárez 2007–2024 69 143 0,48 2 Edinson Cavani 2008–2022 58 136 0,43 3 Diego Forlán 2002–2014 36 112 0,32 4 Héctor Scarone 1917–1930 31 52 0,60 5 Ángel Romano 1911–1927 28 69 0,41 6 Omar Oscar Míguez 1950–1958 27 39 0,69 7 Sebastián Abreu 1996–2012 26 70 0,37 8 Pedro Petrone 1923–1930 24 29 0,83 9 Carlos Aguilera 1982–1997 22 64 0,34 Fernando Morena 1971–1983 22 53 0,42 11 José Piendibene 1909–1921 20 40 0,50 12 Severino Varela 1935–1942 19 24 0,79 --> (Stand: 31. März 2026)
Aktueller Kader
Weitere bekannte Spieler
Trainergeschichte (Quelle: Histórico de Entrenadores, auf.org.uy)
Länderspiele gegen deutschsprachige Fußballnationalmannschaften Datum Ort Heimmannschaft Resultat Gastmannschaft Anlass 1. 9. Juni 1924 Paris () Uruguay 3:0 Olympia Finale 2. 3. Juni 1928 Amsterdam () Uruguay 4:1 Olympia Viertelfinale 3. 23. Mai 1954 Lausanne 3:3 Uruguay 4. 5. Juni 1954 Saarbrücken 1:7 Uruguay 5. 3. Juli 1954 Zürich () 3:1 Uruguay WM-Spiel um Platz 3 6. 11. April 1962 Hamburg 3:0 Uruguay 7. 14. Mai 1964 Wien 0:2 Uruguay 8. 2. Januar 1965 Montevideo Uruguay 0:2 9. 23. Juli 1966 Sheffield () Uruguay 0:4 WM-Viertelfinale 10. 20. Juni 1970 Mexiko-Stadt () 1:0 Uruguay WM-Spiel um Platz 3 11. 10. Februar 1971 Montevideo Uruguay 0:3 12. 15. Februar 1971 Montevideo Uruguay 1:1 13. 27. Mai 1972 Leipzig 1:0 Uruguay 14. 31. Mai 1972 Rostock 0:0 Uruguay 15. 8. Juni 1977 Montevideo Uruguay 0:2 16. 18. Dezember 1980 Montevideo Uruguay 4:0 17. 29. Januar 1985 Montevideo Uruguay 3:0 18. 4. Juni 1986 Santiago de Querétaro () Uruguay 1:1 WM-Gruppenspiel 19. 25. April 1990 Stuttgart 3:3 Uruguay 20. 20. Dezember 1992 Montevideo Uruguay 1:4 21. 13. Oktober 1993 Karlsruhe 5:0 Uruguay 22. 3. März 2010 St. Gallen 1:3 Uruguay 23. 10. Juli 2010 Port Elizabeth () Uruguay 2:3 WM-Spiel um Platz 3 24. 29. Mai 2011 Sinsheim 2:1 Uruguay 25. 5. März 2014 Klagenfurt 1:1 Uruguay
Spiele gegen Deutschland