mini|Esther Kinsky auf der Leipziger Buchmesse 2018 Esther Kinsky (* 12. September 1956 in Engelskirchen) ist eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin.

Leben Esther Kinsky wuchs im Rheinland auf und studierte in Bonn Slawistik. Nach Jahren in London lebt sie derzeit in Berlin. Kinsky war mit dem britischen Übersetzer Martin Chalmers (1948–2014) verheiratet.

Werk Kinsky arbeitet als literarische Übersetzerin aus dem Polnischen, Englischen und Russischen und ist Autorin von Prosa und Lyrik. Sie ist bekannt als Übersetzerin von Olga Tokarczuks Werken. Nach der Übersetzung von deren Roman Unrast 2009 entschied sie jedoch, keine weiteren Bücher der späteren Literaturnobelpreisträgerin zu übersetzen, da die literarische Sprache der Autorin sie nicht genug herausfordere. In einem Interview äußerte Kinsky die Vermutung, Tokarczuks Texte seien im Original mangelhaft lektoriert. Stilistische Fehler würden von der Literaturkritik dann den Übersetzungen vorgeworfen.

Ihr erster eigener Roman Sommerfrische wurde 2009 von Matthes & Seitz Berlin publiziert. Er spielt in Üdülö, einer Feriensiedlung am Fluss, einem Ort „der Sehnsucht, der Träume von Liebe und Freiheit weckt.“ 2018 erschien ihr Roman Hain: Geländeroman, worin sie den Blick eines trauernden Menschen auf die Welt beschreibt, im selben Verlag.„Tröstliche Landschaften“, Hain von Esther Kinsky vorgestellt von Andrea Gerk, ndr.de am 1. März 2018 In der Sendereihe Essay und Diskurs des Deutschlandfunks grenzte sie ihren Text von der literarischen Form des nature writing ab. Der Roman gewann den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 in der Kategorie „Belletristik“. 2019 hielt Kinsky die Hildesheimer Poetikvorlesung im Literaturhaus St. Jakobi. Zitat

Auszeichnungen und Stipendien Sowohl für ihre übersetzerische als auch für ihre schriftstellerische Arbeit wurde Kinsky mehrfach ausgezeichnet. 2015 erhielt sie u. a. den Kranichsteiner Literaturpreis sowie den Preis der SWR-Bestenliste für Am Fluss (2014). Wiederkehrende Themen ihrer Arbeit sind die Erfassbarkeit der Wahrnehmung durch Sprache und die damit verbundenen Erinnerungsprozesse, vor allem im Kontext von Fremde. 2016 übernahm Kinsky die einjährige Thomas Kling-Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Germanistisches Seminar, Bonn, abgerufen am 7. Oktober 2016 und 2017/2018 die August-Wilhelm-von Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin.Esther Kinsky wird August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessorin für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin. Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, Berlin, abgerufen am 17. Oktober 2018Esther Kinsky: Weiße Räume – Lichtes Maß. Unsagbar und Ungesagt in der Übersetzung. In: Sinn und Form 5/2018, S. 686–696. (Antrittsvorlesung zur August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung vom 1. November 2017 im Collegium Hungaricum in Berlin.) Ende 2019 wurde Kinsky in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. 2000: Arbeitsstipendium des Deutschen Übersetzerfonds für Olga Tokarczuks Taghaus, Nachthaus 2002: Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis (mit Olga Tokarczuk) für Taghaus Nachthaus 2002: Arbeitsstipendium des Deutschen Übersetzerfonds für Zygmunt Haupts Der Ring aus Papier 2005: Grenzgängerstipendium der Robert Bosch Stiftung 2005: Arbeitsstipendium des Deutschen Übersetzerfonds für Zygmunt Haupts Vorhut 2006: Aufenthaltsstipendium des Deutschen Übersetzerfonds in Visby 2008: Arbeitsstipendium des Deutschen Übersetzerfonds für Olga Tokarczuks Unrast 2009: Paul-Celan-Preis 2010: Arbeitsstipendium Literatur des Berliner Senats 2010: Ehrengaststipendium Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop 2011: Karl-Dedecius-Preis für deutsch-slawische Übersetzungen (in beide Richtungen), zugleich mit Ryszard Turczyn 2014: Longlist für Deutscher Buchpreis mit Am Fluss 2014: Franz-Hessel-Preis 2015: Kranichsteiner Literaturpreis, insbesondere für Am Fluss 2015: Preis der SWR-Bestenliste für Am Fluss 2016: Adelbert-von-Chamisso-Preis, gemeinsam mit Uljana Wolf 2016: Calwer Hermann-Hesse-Stipendium 2016: Thomas Kling-Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn 2017: August-Wilhelm-von Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung, Freie Universität Berlin im Wintersemester/2018 2018: Düsseldorfer Literaturpreis für Hain: GeländeromanHubert Winkels: Die kaum spürbare Umarmung der Toten. Laudatio zum Düsseldorfer Literaturpreis für Esther Kinsky. In: Sinn und Form 5/2018, S. 699–703. 2018: Internationaler Hermann-Hesse-Preis (als Übersetzerin), zusammen mit Joanna Bator 2018: Preis der Leipziger Buchmesse (Belletristik) für Hain: Geländeroman 2019: einjähriges Stipendium der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Meldung auf Buchmarkt.de vom 26. November 2019, abgerufen am 30. November 2019. 2019: Poet in Residence an der Universität Duisburg-Essen 2020: Christian-Wagner-Preis für das lyrische Gesamtwerk und insbesondere den Gedichtband Schiefern 2020: Erich-Fried-Preis (benannt von Maja Haderlap) 2020: W.-G.-Sebald-Literaturpreis für den Text KalksteinW.-G.-Sebald-Literaturpreis geht an die Autorin Esther Kinsky, buchmarkt.de, erschienen und abgerufen am 22. Juli 2020. 2020: Deutscher Preis für Nature Writing, gemeinsam mit Ulrike DraesnerDeutscher Preis für Nature Writing, Börsenblatt vom 17. August 2020, abgerufen am 17. August 2020. 2022: Kleist-Preis 2022: Longlist zum Deutschen Buchpreis mit Rombo 2024: Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung

Werke Als Übersetzerin (Auswahl) Anka Grupińska: Im Kreis. Gespräche mit jüdischen Kämpfern. Neue Kritik, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-8015-0266-X. Joseph O’Connor: Inishowen Blues. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 978-3-10-054010-2. Olga Tokarczuk: Taghaus, Nachthaus. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2004, ISBN 3-423-13166-7. Olga Tokarczuk: Letzte Geschichten (Ostatnie historie). Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2006, ISBN 3-421-05902-0. Olga Tokarczuk: Unrast. Schöffling, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-89561-465-1. Zyta Rudzka: Doktor Josefs Schönste. Ammann Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-250-60124-1. Magdalena Tulli: Dieses Mal (Skaza). Schöffling, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-89561-461-3. Piotr Szewc: Das Buch eines Tages. Zamość, Juli 1934 (Zagłada). Roman. Edition FotoTapeta, Berlin 2011, ISBN 978-3-940524-15-7. Joanna Bator: Sandberg (Piaskowa Góra). Suhrkamp Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42222-9. Joanna Bator: Wolkenfern (Chmurdalia). Suhrkamp Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-42405-6. Henry David Thoreau: Lob der Wildnis. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2014, ISBN 978-3-88221-076-7. James Leslie Mitchell: Szenen aus Schottland. Guggolz Verlag 2016, ISBN 978-3-945370-06-3. John Clare: Reise aus Essex und autobiografische Fragmente. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2017, ISBN 978-3-95757-327-8. Iain Sinclair: Der Rand des Orizonts. Auf den Spuren von John Clares „Reise aus Essex“. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2017, ISBN 978-3-95757-326-1. Lewis Grassic Gibbon: Lied vom Abendrot. Guggolz Verlag 2018, ISBN 978-3-945370-15-5. John Clare: Raunen des Winds und bebende Distel. Skizzen aus seinem Leben. Golden Luft Verlag, Mainz 2020, ISBN 978-3-9818555-8-6. Lewis Grassic Gibbon: Wind und Wolkenlicht. Guggolz Verlag 2021, ISBN 978-3-945370-32-2. Iain Galbraith: Aus dem kleinen Zimmer. Kurze Prosa. Golden Luft Verlag, Mainz 2024, ISBN 978-3-9822844-6-0.

Als Autorin Mali. Bilderbuch. Gildenstern, Bad Honnef 1987, ISBN 3-926589-00-0. Unser fremdes Land: Tansanisches Reisebilderbuch. Gildenstern, Bad Honnef 1987, ISBN 3-926589-02-7. Wer hat hier Angst vor Hexen? Kinderbuch. Gildenstern, Bad Honnef 1989, ISBN 3-926589-07-8. Sommerfrische. Roman. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2009, ISBN 978-3-88221-722-3. Die ungerührte Schrift des Jahrs. Lyrikband. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2010, ISBN 978-3-88221-535-9. Banatsko. Roman. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2011, ISBN 978-3-88221-723-0. Eines Abends im Winter. Kinderbuch. Illustriert von Sarah Fricke. Jacoby & Stuart, Berlin 2011, ISBN 978-3-941787-44-5. Mit einer CD mit Lesung der Autorin und Musik. Aufbruch nach Patagonien. Lyrikband. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2012, ISBN 978-3-88221-585-4. Der Käptn und die Mimi Kätt. Kinderbuch. Illustriert von Gerda Raidt. Jacoby & Stuart, Berlin 2012, ISBN 978-3-941787-85-8. Fremdsprechen: Gedanken zum Übersetzen. Essay. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2013, ISBN 978-3-88221-038-5. Naturschutzgebiet. Lyrikband, mit Fotografien der Autorin. Matthes & Seitz, Berlin 2013, ISBN 978-3-88221-073-6. Am Fluss. Roman. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2014, ISBN 978-3-95757-056-7. Polnisch Poetisch. Hg. Lisa Palmes, Konzeption E. K.- Anthologie, mit Jacek Gutorow, Marta Podgórnik, Dariusz Sośnicki, Adam Wiedemann, Jakobe Mansztajn, Katarzyna Fetlińska. Übers. Lisa Palmes, VdÜ. Buch|Bund, Berlin 2015, ISBN 978-3-00-048086-7.Zuerst eine Veranstaltungsreihe in der Buchhandlung buch/bund, Berlin-Neukölln. Moderation der Lesungen E. K. Ausgewählte Gedichte wurden zweisprachig vorgetragen und sind hier abgedruckt, dazu Gespräche mit den Dichtern. mit Martin Chalmers: Karadag Oktober 13: Aufzeichnungen von der kalten Krim. Reisebericht. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2015, ISBN 978-3-95757-143-4. Opos Reise. Kinderbuch. Illustriert von Falk Nordmann. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-95757-238-7. Am kalten Hang: viagg' invernal. Lyrikband. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-95757-222-6. Irrgast. Umwege zur Umbenennung der Welt. Antrittsvorlesung zur Thomas Kling-Poetikdozentur, Bonn, 28. April 2016, in: Schreibheft, 87, 2016, S. 215–223 Hain: Geländeroman. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-42789-7. kő növény kökény. Lyrikband. Thanhäuser, Ottensheim 2018, ISBN 978-3-900986-93-3. Schiefern, Gedichte. Suhrkamp, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-42921-1. Rombo, Roman, Suhrkamp, Berlin 2022, ISBN 978-3-518-43057-6.Vgl. hierzu die Rezension von Christiane Pöhlmann in der FAZ vom 31. März 2022. Sie kritisierte: „Auf metaphorischer Ebene gibt der Roman einiges her, eine Geschichte erzählt er nicht. Schon gar keine vielschichtige.“ An dem Roman bleibe „alles blass“. Gedankenspiele über die Hoffnung. Droschl, Graz 2023, ISBN 978-3-99059-132-1. Weiter Sehen. Von der unwiderstehlichen Magie des Kinos. Suhrkamp, Berlin 2023, ISBN 978-3-518-22544-8. FlussLand Tagliamento. Illustriert von Christian Thanhäuser. Friedenauer Presse, Berlin 2023, ISBN 978-3-7518-8003-9. Störungen. Residenz, Wien 2023, ISBN 978-3-7017-3573-0. Heim.Statt. Suhrkamp, Berlin 2025, ISBN 978-3-518-43229-7.

Als Herausgeberin 21 Grad Blau. Mein Balkan. Reise-Erzählungen von ihr selbst, weitere Texte von Béla Hamvas, Jonas Mekas, David Albahari, Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau u. a. Schreibheft, 75. Rigodon, Essen 2010, ISBN 3-924071-31-4. Inhalt

Literatur Stefanie Heine: Lithische Heimsuchungen in Esther Kinskys Schiefern. In: Karen Leeder, Lisa Memmeler, Jutta Müller-Tamm, Lea Schneider (Hgg.): Enter the Ghosts. Formen des Nachlebens in der Lyrik der Gegenwart. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2026, ISBN 978-3-8498-2154-8.

Weblinks

Kinsky, Esther in: Polnische Personendatenbank. von Kinsky gelesener Ausschnitt aus Sommerfrische. Pressemitteilung der Robert Bosch Stiftung zum Chamisso-Preis 2016 Kinsky: Laudatio, Paul-Celan-Preis an Rosemarie Tietze. Übersetzen, H. 1, 2011, S. 5; im Dossier Russische Literatur Rezension zu „Am Fluss“, Die Zeit, 18. September 2014, von Susanne Mayer Wegbereiter der Dichter. Radegundis Stolze über die Verleihung des Karl-Dedecius-Preises 2011, mit Aussagen zum Preis und zu den beiden Preisträgern. ReLÜ, Rezensionszeitschrift für Übersetzungen, Nr. 12, 2011