mini|280px|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2010 Hilfikon (schweizerdeutsch: ) ist ein Dorf im Kanton Aargau in der Schweiz. Bis Ende 2009 war Hilfikon eine eigenständige Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten, seither gehört das Dorf zur Gemeinde Villmergen. Von der Einwohnerzahl her war Hilfikon zum Zeitpunkt der Fusion die kleinste Gemeinde des Bezirks und die zehntkleinste des Kantons.

Geographie Das Dorf liegt am östlichen Fuss des Rietenbergs, einem bewaldeten Ausläufer des Lindenbergs, der das untere Bünztal vom Seetal trennt. Hilfikon wird von Süd nach Nord durch den Erusbach entwässert. Dieser nimmt nördlich des Dorfes den Hinterbach auf, wird im weiteren Verlauf Holzbach genannt und mündet in der Nähe von Dottikon in die Bünz. Während die westliche Talseite steil zum Rietenberg ansteigt, geht die östliche Talseite in die Hochebene am Fusse des Lindenbergs über. Auf einem vorspringenden Hügel befindet sich das Schloss Hilfikon, das Wahrzeichen des Dorfes, das ansonsten über einen ausgeprägt ländlichen Charakter verfügt.Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo

Die Fläche der ehemaligen Gemeinde betrug 172 Hektaren, davon waren 44 Hektaren mit Wald bedeckt und 25 Hektaren überbaut.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 14–17. Der höchste Punkt lag auf 640 Metern, die tiefste Stelle auf 455 Metern. Nachbargemeinden sind Villmergen im Norden, Büttikon im Osten, Sarmenstorf im Süden und Seengen im Westen.

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung von Hilfikon findet man unter dem Namen Hilfiniswilare in einem "Verzeichnis der zum Hof Zürich gehörigen Zinse..." datiert 7. Mai 893, in welchem Atto, Sigepold und Madalger zinspflichtig sind. Der Ortsname lässt sich vom althochdeutschen Helfineswilari ableiten, was «Hofgut des Helfini» bedeutet. Die Endung «-wil» deutet darauf hin, dass das Dorf während der zweiten alemannischen Besiedlungsphase im 8. oder 9. Jahrhundert entstanden ist. 1261 wird das Dorf als Hilfinchon erwähnt, 1281 erstmals als Hilfikon und in anderen Variationen z. B. Hilffickonn. Der Wechsel der Endung ist auf den Einfluss umliegender Dörfer zurückzuführen.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 15. 1290 ging die Grund- und Niedergerichtsherrschaft an die Herren von Hilfikon über, ein Ministerialengeschlecht im Dienste der Habsburger. Sie erbauten einen Wohnturm um die Strasse zwischen Luzern und Brugg zu kontrollieren. Ausserdem liessen sie die zugehörigen Gebiete bewirtschaften und zogen die Abgaben der übrigen Höfe der kleinen Herrschaft ein. Einzelne Höfe waren in den Dorfverband Villmergen integriert und unterstanden dem dortigen Amtsgericht.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 18, 29.

1415 eroberten die Luzerner die Dörfer Hilfikon, Büttikon, Sarmenstorf, Uezwil und Villmergen, doch 1425 mussten sie das Gebiet an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Hilfikon lag fortan im Amt Villmergen in den Freien Ämtern, einer gemeinen Herrschaft. 1472 kommt das Schloss vorübergehend in den Besitz von Berchtold Schwend aus Zürich. Melchior zur Gilgen aus Luzern vereinigte 1514 die Herrschaft Hilfikon mit der Vogtei Sarmenstorf. 1547 wollten die eidgenössischen Orte die Burg erwerben und sie zur Residenz des Landvogts machen, doch die Verhandlungen scheiterten an der Höhe des Kaufpreises.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 30–31.

Die Erste Schlacht von Villmergen am 24. Januar 1656 fand zum Teil auf dem Gemeindegebiet von Hilfikon statt und forderte mehrere hundert Tote. Vor der Zweiten Schlacht von Villmergen am 25. Juli 1712 diente das Schloss als Hauptquartier der Truppen der katholischen Orte der Eidgenossenschaft. Im Vierten Landfrieden vereinbarten die Kriegsparteien, dass in den unteren Freien Ämtern, also auch in Hilfikon, nur noch die reformierten Orte Bern, Zürich und Glarus regierten.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 33–34. Die Franzosen nahmen im März 1798 die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus, was gleichbedeutend mit dem Ende der alten Herrschaftsordnung war. Hilfikon bildete zusammen mit Büttikon eine Agentschaft im Distrikt Sarmenstorf des kurzlebigen Kantons Baden. Bei der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 wurde Büttikon wieder abgetrennt.

In kirchlicher Hinsicht gehörte Hilfikon seit jeher zur Pfarrei Villmergen. 1510 entstand die Schlosskapelle, die 1750 vollständig neu erbaut wurde. 1832 kaufte die Gemeinde die von einem Kaplan betreute Kapelle und überliess sie 1947 einem privaten Kapellenverein.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 35–39. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts baute der Kanton die bislang schlecht unterhaltene Landstrasse durch Hilfikon zu einem modernen Verkehrsweg aus. Die Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft und nebenbei vom Handwerk. Von einiger Bedeutung war die Heimarbeit für die Freiämter Strohgeflechtindustrie.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 62–66. 1904 erhielt Hilfikon sein erstes Wasserreservoir, ein Jahr später folgte der Anschluss ans Elektrizitätsnetz.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 97. Die am 18. Dezember 1916 eröffnete Wohlen-Meisterschwanden-Bahn ersetzte die seit 1853 zwischen Wohlen und Fahrwangen verkehrende Postkutsche. An der Station Hilfikon hielten die Züge stets nur auf Verlangen.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 77–78. Am 31. Mai 1997 wurde der Bahnbetrieb eingestellt.

mini|links|Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer zwischen 1918 und 1937 1923 liess der damalige Schlossbesitzer Hermann Nabholz auf der Brunnmatte einen Flugplatz mit Hangar einrichten, ab 1925 nutzte ihn auch das Militär. Der Flugplatz war allerdings unrentabel und zehrte am Vermögen des Schlossherrn. Die Selbstversorgungsdoktrin im Zweiten Weltkrieg führte zur Umpflügung der Piste, der ungenutzte Hangar wurde 1948 demontiert und in Spreitenbach auf dem damaligen Flugplatz wieder aufgebaut. 1944/45 nutzte die Schweizerische Flüchtlingshilfe das Schloss als Berufsschulheim für über drei Dutzend Flüchtlinge; die jungen Frauen stammten überwiegend aus Osteuropa.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 54–59. Seit 1956 finden in Hilfikon im Frühling Motocross-Rennen statt, die Veranstaltung ist allerdings unter dem Namen «Motocross Wohlen» bekannt. 1958 wurde erstmals eine Europameisterschaft ausgetragen. Die Zuschauerzahlen stiegen kontinuierlich an und erreichten 1973 mit 36'530 Besuchern einen Höhepunkt. Es folgte ein allmählicher Niedergang aufgrund der wachsenden Konkurrenz anderer Freizeitangebote. Mittlerweile haben sich die Zuschauerzahlen zwischen 4'000 und 6'000 eingependelt.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 114–115.

Die Einwohnerzahl ist bis heute nur unwesentlich gewachsen und das Dorf konnte seinen ländlichen Charakter bewahren. Am 15. Juni 2007 genehmigten die Gemeindeversammlungen von Hilfikon und Villmergen die Fusion beider Gemeinden. Diese wurde in der Urnenabstimmung vom 25. November 2007 in beiden Gemeinden bestätigt. Am 1. Januar 2010 endete die Selbständigkeit Hilfikons. +Zeit / JahrEreignis8.–9. Jh.Siedlung Hilfikon im Zuge der zweiten alemannischen Landnahme924Erste urkundliche Erwähnung als Hilfiniswilare13. Jh.Dörflicher Verbandes unter habsburgischer Grund- und Niedergerichtsherrschaft.1415Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen; Hilfikon wird Teil der Untertanengebiete, damals "Wagenthal" genannt, später Freie Ämter.1435Hilfikon wird Teil des Amtes VillmergenMittelalter – 18. Jh.Kirchliche Zugehörigkeit zur Pfarrei Villmergen; Schulische Unterweisung erfolgt – soweit nachweisbar – unter kirchlicher Aufsicht.1528Einführung der Reformation im bernischen Herrschaftsgebiet; Hilfikon bleibt katholisch.1656Erster Villmergerkrieg.1706Hilfikon musste als Untertanen der Eidgenossen Truppen stellen (das sechste Rott)1712Zweiter Villmergerkrieg.1712 (Vierter Landfrieden)Die Landvögte über Hilfikon sind neu reformierte Berner, Zürcher oder Glarner.18. JahrhundertKonsolidierung der Verhältnisse in der Schulbildung; regelmässigerer elementarer Schulunterricht (Lesen, Schreiben, Katechismus) möglich.1770Gründung der Kaplanei Hilfikon und Einsetzen eines Priesters mit Wohnung auf dem Schloss1798Napoleons Truppen überrennen die damalige Schweiz und rufen die "Helvetische Republik" aus. Hilfikon wird zusammen mit Büttikon Teil des Kantons Baden.1803Gründung des Kantons Aargau; Hilfikon wird selbständige politische Gemeinde. Übergang zur staatlichen Schulaufsicht.1805Aargauer Schulgesetz: Einführung der allgemeinen Schulpflicht für Knaben und Mädchen; Verpflichtung der Gemeinden zum Schulbetrieb.ca. 1830Übergang der Schlosskapelle an die Einwohnergemeinde Hilfikon1904–1905Einführung von Elektrizität und Wasserversorgung; Verbesserung der infrastrukturellen Voraussetzungen für Schule und Gemeinde.1916Eröffnung Bahnlinie Wohlen–Meisterschwanden, Haltestelle Hilfikon1996Neubau eines Schulhauses für die Primarstufe in Hilfikon.2007Zustimmung der Stimmberechtigten zur Fusion mit Villmergen.1. Januar 2010Auflösung der politischen Gemeinde Hilfikon; vollständige Eingliederung in die Gemeinde Villmergen.

Sehenswürdigkeiten

mini|Schloss Hilfikon mini|Ehemaliger Gasthof z. Elephant neben dem Schloss Hilfikon. Die Entwicklung des Dorfes war immer stark vom Schloss Hilfikon geprägt. Im 13. Jahrhundert als Wohnturm errichtet und später zum Schloss umgebaut, erlebte es mehrere Besitzerwechsel und wurde nach dem Tod der letzten Besitzerin Louise Schellenberg in die Stiftung "Schloss Hilfikon" überführt. Beim Schloss handelt es sich um ein rechteckiges, in den Jahren 1650/60 umfangreich erweiterten Gebäudekomplex mit Mauer und mittelalterlichem Bergfried. Die Schlosskapelle besitzt eine Rokoko-Innenausstattung mit einem Altar von Johann Baptist Babel und Deckengemälde von Franz Anton Rebsamen.

Das Geschichtenhaus (Gschichte Huus) ist ein Ortsmuseum der Gemeinden Villmergen, Dintikon und Hilfikon. Zeitzeugen der Industrialisierung und Landwirtschaft sind ausgestellt und einige davon werden regelmässig betrieben. Das Geschichtenhaus wurde 2010 eröffnet und steht unter dem Patronat des Feuerwehrvereins Rietenberg. Es ist untergebracht im ehemaligen Gemeindehaus von Hilfikon und zeigt nebst Alltagsgegenständen und Werkzeugen aus dem 20. Jahrhundert auch Feuerwehrwagen und Ausrüstung aus der damaligen Zeit. Alle Ausstellungsstücke stammen aus der Region und sind verknüpft mit Anekdoten rund um ihren Gebrauch. Das Geschichtenhaus ist öffentlich zugänglich und mehrmals jährlich wird altes Handwerk mit altem Gerät wieder lebendig gemacht, z. B. Mosten oder Holzen. mini|Altes Schild des Gasthofes zum Elephanten in Hilfikon. mini|Altar der Schlosskapelle Hilfikon mit Chorgemälde von Franz Anton Rebsamen.

Wappen Die Blasonierung des ehemaligen Gemeinde- und heutigen Dorfwappens lautet: «In Weiss gelb bewehrter schwarzer Elefant mit gelbem Gurt und rotem Turm.» Ab 1811 nutzte die Gemeinde ein einfaches Siegel mit dem Gemeindenamen, später fügte man das Aargauer Wappen hinzu. 1915 schlug der Historiker Walther Merz vor, das seit dem 16. Jahrhundert bekannte Wappen der Herren von Hilfikon zu verwenden. Nachdem verschiedene Vereine diesem Vorschlag gefolgt waren, zog der Gemeinderat 1953 nach. Bis 2002 waren die Klauen weiss, wurden dann jedoch in Übereinstimmung mit den heraldischen Regeln gelb gefärbt (Hörner, Klauen, Zähne usw. müssen stets die gleiche Farbe aufweisen). Die Herkunft des ungewöhnlichen Motivs ist nicht bekannt, doch wies der Schriftsteller Charles Tschopp auf die Ähnlichkeit zwischen dem mittelhochdeutschen Wort für Elefant (helfant) und der frühen Ortsnamensform Helfini hin.Kuhn: Hilfikon – Geschichte von Dorf und Schloss am Rietenberg. S. 18.

Bevölkerung Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt: