mini|hochkant|Helmut Richter (2008) Helmut Richter (* 30. November 1933 in Freudenthal, Tschechoslowakei; † 3. November 2019 in Leipzig)Über sieben Brücken: Helmut Richter ist gestorben, mdr.de, erschienen und abgerufen am 3. November 2019. war ein deutscher Lyriker, Schriftsteller und Textdichter. Besondere Bekanntheit erlangte er als Autor des Liedtextes Über sieben Brücken mußt du gehn, eines Titels, der vor allem mit der Gruppe Karat und mit Peter Maffay populär wurde.
Leben und Werk Am 30. November 1933 wurde Helmut Richter in Freudenthal (Nord-Mähren), jetzt Bruntál, Tschechien als Nachzügler und letztes von vier Kindern geboren. Sein Vater – ein Schneider – starb, als Richter sechs Jahre alt war. Mit elfeinhalb Jahren wurde er mit seiner Mutter am 11. Juni 1945 aus Freudenthal vertrieben und landete nach über sieben Wochen Umherirren zwischen Dahme (Mark) und Herzberg (Elster) schließlich in einem Dorf an der Elbe in Sachsen-Anhalt. Hier beendete er seinen achtjährigen Volksschulbesuch und begann als Landarbeiter, Gemeindesekretär und Traktorist zu arbeiten. Nach der Lehre als Maschinenschlosser in der Bleichert Transportanlagen Fabrik Sowjetische Aktien Gesellschaft (SAG) Leipzig N 22 machte er das Abitur an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) und studierte Physik an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Von 1958 bis 1961 arbeitete er als Prüfingenieur beim Amt für Meßwesen.FIGARO trifft: Helmut Richter - Rahel Gelhoff im Gespräch mit dem Schriftsteller Helmut Richter, Redaktion: Angelika Zapf, Sendung des MDR-Hörfunks vom 13. März 2002
Von 1961 bis 1964 war Richter Student am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ in Leipzig, wo er in der Person des Dichters Georg Maurer auf einen seine Lyrik prägenden Lehrer traf.
Der Komponist Hanns Eisler nahm sechs Zeilen aus dem 1962 veröffentlichten Gedicht Helmut Richters Erwartung – Eine Frau zum XXII. Parteitag als Textgrundlage für den 5. Gesang seines Zyklus Ernste Gesänge für Bariton und Streichorchester, ein Werk, das am 6. September 1963, ein Jahr nach Eislers Tod, mit der Staatskapelle Dresden (Solist: Günther Leib) unter Otmar Suitner seine Uraufführung erlebte. Eisler hatte die von ihm ausgewählten Zeilen aus Richters Gedicht abweichend mit XX. Parteitag getitelt, jenem mit Nikita Chruschtschows Geheimrede versuchten Beginn einer Entstalinisierung in der UdSSR und den Staaten ihres Herrschaftsbereiches. Vier der acht von Eisler für den Vorspruch und sieben Gesänge verwendeten Texte stammen von Friedrich Hölderlin, je einer von Berthold Viertel, Giacomo Leopardi, Stephan Hermlin und Helmut Richter.Hanns Eisler: Gespräche mit Hans Bunge - Fragen Sie mehr über Brecht, VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1975, S. 261 bis 266
Nach seinem Studium war Helmut Richter freiberuflich als Journalist und Schriftsteller tätig und wurde 1969 Mitglied im Schriftstellerverband der DDR. Ab 1970 leitete er mehrere Jahre das Lyrik-Seminar am Institut für Literatur Johannes R. Becher, Leipzig. Im Jahr 1975 schrieb er die deutsch-polnische Liebesgeschichte Über sieben Brücken mußt du gehn, und als sich für diesen Stoff ein Jahr später das Fernsehen der DDR zu interessieren begann, schrieb Richter auch das Szenarium für den am 30. April 1978 ausgestrahlten gleichnamigen Fernsehfilm.
Im Jahr 1982 gründete Helmut Richter den jeweils zur Frühjahrs- und Herbstmesse erscheinenden Kulturalmanach Leipziger Blätter, als deren Cheflektor er bis 1989 fungierte.
Im Jahr 1980 ging Richter zurück ans Literatur-Institut, wo er als Dozent tätig und im Februar 1990 in Nachfolge von Hans Pfeiffer zum Direktor gewählt und zum Professor ernannt wurde. Unterstützt von Interventionen und Solidaritätsbekundungen solcher renommierten Autorinnen wie Elfriede Jelinek oder Peter Turrini gelang es Helmut Richter, den Studenten und auswärtigen Mitstreitern, die sächsischen Regierung von ihrem Beschluss vom 11. Dezember 1990 zur kompletten Auflösung und Abwicklung des Literarturinstitutes dahingehend abzubringen, dass eine Fortexistenz einer Hochschulausbildung für angehende Autoren innerhalb eines relativ selbstständigen Institutes der Universität Leipzig zugesichert wurde. mini|hochkant|Grabstätte Helmut Richter Nachdem der österreichische Lyriker und Action-Künstler Christian Ide Hintze an Sommerkursen des Literaturinstituts Leipzig teilgenommen hatte, gründete er gemeinsam mit Sonja Moor, Christian Loidl, Christine Huber und Gertraud Marinelli-König 1991 die Schule für Dichtung in Wien und bat Direktor Richter um einen Gastvortrag zur Geschichte und Arbeitsweise der Leipziger Autorenausbildung (siehe Zitate). Seinen bis Jahresende 1993 laufenden Vertrag kündigte Richter vorfristig zum 31. Dezember 1992. In dem diesbezüglichen Schreiben an den sächsischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst begründete Richter diesen Schritt mit „Voreingenommenheiten, Diskriminierungen, Denunziationen und Rufmordkampagnen“ gegen das Institut, die Kollegen Dozenten und seine Person. Ab Januar 1993 arbeitete er wieder freiberuflich als Schriftsteller.
Unter den vielen Gedichten, Erzählungen, Hörspielen und Fernsehfilmen aus seiner Feder wurde das von Ed Swillms komponierte und von Herbert Dreilich zusammen mit der Gruppe Karat interpretierte Lied der Titelmusik seines Filmes Über sieben Brücken musst du gehen zu einem internationalen Erfolg, der von zahlreichen namhaften Pop-Sängern gecovert wurde, darunter u. a. von Peter Maffay (1980), Vicky Leandros (1982), Erkan Aki & Xavier Naidoo (2001), Drafi Deutscher (2002), Josep Carreras mit Herbert Dreilich und Peter Maffay (2002), Puhdys (2003), Helene Fischer (2010), Matthias Reim (2013) oder Roland Kaiser (2016). Liesbeth List sang das Lied 1982 auf Niederländisch, Chris de Burgh veröffentlichte 2011 die englischsprachige Version Seven Bridges.
Helmut Richter lebte und arbeitete seit 1950 in Leipzig. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Leipzig-Gohlis, Viertelsweg, wo am 11. Dezember 2019 die Beisetzung erfolgte.
Werke
Buch-Veröffentlichungen 1964: Erwartung – Eine Frau zum XXII. Parteitag der KPdSU (Gedicht, 1962) in: Mutterliebe – Mutter und Kind im Spiegel deutscher Dichtung aus acht Jahrhunderten, Herausgeberin: Barbara Neubauer, Verlag der Nation, Berlin 1967: Land fährt vorbei, Gedichte, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1969: Bragullas Heimkehr, Erzählung, in: Manuskripte – Almanach mit neuer Prosa und Lyrik, Mitteldeutscher Verlag Halle, Seite 506–525 1969: Ballade von den Städtegründern in: Spiegel unseres Werdens – Mensch und Arbeit in der deutschen Dichtung von Goethe bis Brecht, Herausgeber: René Schwachhofer und Wilhelm Tkaczyk, Verlag der Nation, Berlin 1969: Schnee auf dem Schornstein, literarische Reportagen, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1971: Scheidungsprozess, Roman, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1971: Kleine Gärten – große Leute, Komödie, gemeinsam mit Peter Gosse, Christoph Hamm, Joachim Nowotny und Hans Pfeiffer 1972: Der alte Zigeuner sowie Trompetensolo in: Das Wort Mensch – Ein Bild vom Menschen in deutschsprachigen Gedichten aus drei Jahrhunderten, Herausgeber: Bernd Jentzsch, Mitteldeutscher Verlag Halle 1973: Kommst du mit nach Madras, Komödie, Bühnenstück, Uraufführung: Städtische Bühnen Leipzig 1973: Die Frau aus dem anderen Haus in: Der Weltkutscher, Herausgeber: Fank Beer, Hinstorff, Rostock 1974: Leipziger Briefe in: Sachsen – Ein Reiseverführer, Herausgeben, Klaus Walther, Greifenverlag Rudolstadt, Seite 261 1974: Zwischenruf in: Welt im sozialistischen Gedicht – Poeten, Methoden, Aufbau-Verlag, Berlin, Seite 342 1974: Über sieben Brücken mußt du gehn, Erzählung, in: Hier und Heute, Paul List Verlag, Seite 89–116 1975: Der Schlüssel zur Welt, Erzählungen, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1975: Chile – Gesang und Bericht, Anthologie, Mitherausgeber gemeinsam mit Thomas Billhardt, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1976: Mein anderes Land: Zwei Reisen nach Vietnam, gemeinsam mit Rolf Floß, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1976: Schornsteinbauer in: Die merkwürdige Verwandlung der Jenny K. – Hörspiele, Herausgeber: Peter Gugisch, Henschelverlag Berlin 1977: Zwischenlandung in: Vor meinen Augen, hinter sieben Bergen – Gedichte vom Reisen, Herausgeber: Ulrich Berkes und Wulf Kirsten, Edition Neue Texte, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1978: Zwischenlandung in: Sieh, das ist unsere Zeit! – Lyrik für sozialistische. Festtage und Feierstunden, Herausgeber: Helmut Preißler, Verlag Tribüne 1978, Seite 621 1979: Kamenz – Die Lessing-Legende, mit Foto von Renate und Roger Rössing, Brockhausminiaturen, Edition Leipzig 1983: Über sieben Brücken mußt du gehn, Literarische Landschaften, Anthologie, Mitteldeutscher Verlag Leipzig und Halle/Saale 1986: Selbstermutigung in: Selbstermutigung : Erwägungen ums Schreiben Herausgeber: Rudolf Gehrke und Lothar Zschuckelt, Offizin Andersen Nexö, Leipzig 1986: Schichtwechsel in: Jetzt – 50 Geschichten vom Alltag, Herausgeber: Gerhard Rothbauer; Reclam-Verlag, Leipzig, Seite 29 1988: Das Auge der Schlange: Unwirkliche Geschichten, Mitherausgeber, gemeinsam mit Lothar Zschuckelt und Peter Gosse, Grafiken von Bernhard Heisig, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 1989: Banascheks Bilder in: Mein Ort – Erinnerungen, Entdeckungen, Sehnsüchte, Herausgeber: Walter Nowojski, Verlag Neues Leben, Berlin 1990: In memoriam Trude Richter in: Trude Richter, Totgesagt – Erinnerungen, Mitteldeutscher Verlag Halle 1993: Die kleinste Hochschule der Welt – Ein fiktiver Disput mit Friedrich Nietzsche über dessen These „daß Reden und Schreiben Künste sind, die nicht ohne sorgsame Anleitung und mühevollsten Lehrjahre erworben werden können“, Vortrag gehalten an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, in: Über die Lehr- und Lernbarkeit von Literatur, Herausgeber: Christian Ide Hintze und Dagmar Travner, Passagen Verlag Wien 1998: Wiedersehn nach Jahr und Tag, Erzählungen und Gedichte, mit acht Reproduktionen nach Rötelzeichnungen von Frank Ruddigkeit, Verlag Faber & Faber, Leipzig 2000: Nachgelassene Papiere in: Was ist das Bleibende? – Zwanzig Einmischungen von Schriftstellern und Literaturwissenschaftlern, Herausgeber: Peter Gosse, Roland Opitz und Klaus Werner, Edition Ost, Berlin, Seite 17 2001: Der Mann und sein Name – Von der Erzählung zum Film in: Anna Seghers – Studien und Diskussionsbeiträge, Redaktion: Alfred Klein, Horst Nalewski, Klaus Pezold, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2002: Wie die Blätter an den Baum kamen: Eine kleine Schöpfungsgeschichte. Der Gründer der Leipziger Blätter erzählt von den Anfangsjahren in: Leipziger Blätter, 2002, Nr. 40: Seiten I–VII 2004: Antigone anno jetzt in: Mythos Antigone – Texte von Sophokles bis Hochhuth, Herausgeber: Lutz Walther und Martina Hayo, Reclam Leipzig, Seite 98 2004: Ich-Gewinn, Welt-Gewinn in: Nachdenken über Leipzig, Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Seite 76 2005: In der Deutschen Bücherei in: Mit einem Reh kommt Ilka ins Merkur – Leipziger Gedichte, Herausgeber: Frauke Hampel und Peter Hinke, Illustrationen: Thomas M. Müller, Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig 2006: Gerhard Kurt Müller: Malerei, Skulpturen, Zeichnungen, Holzschnitte Vorwort, Verlag Faber & Faber, Leipzig 2008: Was soll nur werden, wenn ich nicht mehr bin?, Hundert Gedichte, Verlag Faber & Faber, Leipzig 2010: Die Beharrlichkeit des guten Geschmacks: Zum Zwanzigsten von Faber & Faber, in: Leipziger Blätter, 2010, Nr. 57, Seite 58–59 2013: Wer die Fuge liebt, der beweibt sich, Hundert Limericks, Mit Illustrationen von Egbert Herfurth, Verlag Faber & Faber, Leipzig 2016: In der Deutschen Bücherei zu Leipzig in: Bibliotheken der Dichter – Eine Auswahl deutschsprachiger Bibliotheksgedichte vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Herausgeber: Raymond Dittrich, Engelsdorfer Verlag, Leipzig
Feature und Hörspiele 1969: Thierbach bei Belowo, Feature mit Hannjo Hasse und Hans Siewers, Regie: Karl-Heinz Drechsel, Rundfunk der DDR