Das Gefecht von Jumonville Glen ereignete sich am Morgen des 28. Mai 1754 etwa 50 km südlich des heutigen Pittsburgh zwischen einem französischen Trupp und Milizen der britischen Kolonie Virginia und deren indianischen Hilfstruppen. Die britischen Milizen wurden von dem jungen Offizier George Washington geführt, später erster Präsident der Vereinigten Staaten; Kommandeur der französischen Einheit war Joseph de Jumonville, nach dem der Ort der Schlacht benannt ist. Das Gefecht war Mitauslöser und zugleich die erste Kampfhandlung des Siebenjährigen Krieges in Nordamerika. mini|hochkant=2|Jumonville Glen, der Ort der Schlacht heute
Ein rund 40 Mann starker Zug von Milizen der britischen Kolonie Virginia unter dem Kommando Washingtons, begleitet von vierzehn Indianern, überrumpelte in einem Waldgelände nahe der heutigen Stadt Uniontown (PA) einen 35 Mann starken französischen Trupp unter der Führung von Jumonville. Im oder nach dem Gefecht wurden Jumonville selbst sowie neun bis dreizehn weitere Franzosen getötet, die Überlebenden gefangen genommen; bei den Briten beliefen sich die Verluste auf nur einen Toten und wenige Verletzte. Dem Gefecht folgte eine Vergeltungsexpedition der Franzosen im Juni, die mit der Kapitulation des von Washington kommandierten Fort Necessity und dem vorübergehenden Rückzug aller britischen Truppen aus dem Tal des Ohio endete. Das Gefecht gilt gelegentlich auch als erste Schlacht des Konflikts, der sich mit der Umkehrung der Allianzen 1756 zum Siebenjährigen Krieg auswuchs. In diesem Zusammenhang wird oft ein Ausspruch Horace Walpoles kolportiert: „Diese Salve, abgefeuert von einem jungen Virginier im hintersten Winkel Amerikas, setzte die Welt in Brand“.„The volley fired by a young Virginian in the backwoods of America set the world on fire“; in den gedruckten Werken Walpoles findet sich das Zitat indes nicht.
Über den Hergang des Gefechts existieren nur wenige und widersprüchliche Berichte. Insbesondere die Rolle Washingtons in den Geschehnissen wurde in den folgenden Jahren von der französischen Kriegspropaganda aufgegriffen und ist bis heute Gegenstand einer wissenschaftlichen Kontroverse. Nach der französischen Darstellung war Jumonville in friedlicher Absicht als Emissär zu Washington unterwegs; dieser habe dessen ungeachtet und ohne Vorwarnung das Feuer auf die Franzosen eröffnen lassen und Jumonville mithin kaltblütig ermordet. Nach der britischen Version, die sich auf Washingtons Rapport stützt und später von amerikanischen Historikern wie Francis Parkman und Lawrence Henry Gipson fortgeschrieben wurde, war Jumonville ein Spion, der einen Angriff auf die Briten vorbereitete, und somit ein Kombattant. Die heutige Forschung geht aufgrund jüngerer Archivfunde hingegen davon aus, dass Jumonville nicht im Gefecht selbst starb, sondern nach seiner Kapitulation von dem mit den Briten verbündeten Irokesen Tanaghrisson erschlagen wurde, während Washington tatenlos zusah oder zusehen musste.
Vorgeschichte Um das Jahr 1750 verschärfte sich der Konflikt zwischen Großbritannien und Frankreich um die Herrschaft über das obere Ohiotal (Ohio Country). Die britischen Kolonien Pennsylvania und Virginia erhoben auf dieses Gebiet ebenso Anspruch wie Frankreich, für das gerade der Ohio als schiffbare Verbindung zwischen den französischen Siedlungen in Kanada und jenen am Mittel- und Unterlauf des Mississippi von höchster strategischer Bedeutung war. Zu dieser Zeit hatten sich indes noch keine europäischen Siedler in dem Gebiet niedergelassen; die einzigen Bewohner des Tals waren Indianer, namentlich Shawnee und Delawaren sowie Mingo, die ihrerseits Jahrzehnte zuvor von der Irokesenliga im Norden des heutigen Bundesstaats New York unterworfen worden waren. Die Irokesen übten ihre Herrschaft über die Stämme des Ohiotals über irokesische Dorfvorsteher, sogenannte „Halbkönige“ (half-kings) aus, deren Autorität jedoch seit den 1730er Jahren zunehmend in Frage gestellt wurde. In dem sich zuspitzenden Streit der europäischen Großmächte zeichnete sich bald ab, dass auch dieser innerindianische Konflikt eskalieren würde und die Shawnee und Delawaren versuchen würden, sich aus der irokesischen Herrschaft zu lösen. Vor allem für die Ondondaga war klar, dass etwa die Mingo kein Ratsfeuer besaßen und damit auch keinen designierten Sprecher, der in der Sprache der Zeit als king bezeichnet wurde. Daher behalfen sich die Amerikaner mit der Bezeichnung half-kings. Als der örtliche Halbkönig Geschenke der Siedler annahm, etablierte sich damit ein Ratsfeuer, also ein anerkannter Versammlungsort, bei Logstown (Ambridge, Pennsylvania, auch Chiningué). Hier wurde Tanaghrisson ab 1748 Halbkönig.
Ab 1749 wagten sich immer mehr englische Händler und Landspekulanten der Ohio Company in das Ohiotal und begannen bald mit dem Bau von Handelswegen und Lagerhäusern. Im Frühjahr 1752 vereinbarte einer der umtriebigsten der englischen Händler im Tal, George Croghan, im Auftrag der Ohio Company mit Tanaghrisson in Logstown den Bau eines befestigten Lagerhauses auf der strategisch wichtigen Landzunge am Zusammenfluss des Monongahela und des Allegheny (den Forks of the Ohio). Tanaghrisson, von Geburt möglicherweise ein Catawba, in jedem Falle ein Angehöriger der Seneca, die zu den Irokesen gehörten, gab mit diesem Schritt effektiv die seit Jahrzehnten währende Neutralitätspolitik der Irokesenliga auf und machte sich zum Verbündeten der Engländer, mit deren Hilfe er seine zuletzt labiler werdende Machtposition über die Shawnee und Delawaren wieder zu festigen hoffte. Zudem war er zum Herrn eines Ratsfeuers geworden, das zumindest von Croghan anerkannt wurde. Erst dies berechtigte ihn, Land abzutreten.
mini|hochkant=2|Französische (blau) und britische (rot) Vorstöße ins Ohiotal, 1753–1754
Frankreich reagierte auf die englischen Vorstöße ab 1753 mit dem Bau einer Kette von Forts entlang der nördlichen Zuflüsse des Ohio. Die Delawaren und Shawnee protestierten dagegen ebenso wie Tanaghrisson, dessen Forderung nach Abzug am 3. September vom französischen Kommandanten Paul Marin de La Malgue abgelehnt wurde. Gleichzeitig gingen Delegationen der Irokesen, Delawaren, Shawnee, Huronen und Miami nach Winchester und Carlisle, Pennsylvania, und forderten Hilfe gegen die Franzosen. Sie betonten, dass sie nicht für die Irokesen, sondern für die Indianer im Ohiogebiet eintraten. Tanaghrisson forderte die englischen Händler auf, das Gebiet zu verlassen.
Robert Dinwiddie, der stellvertretende Gouverneur Virginias, verfasste eine förmliche Aufforderung an die französischen Kommandanten, unverzüglich das von den Briten beanspruchte Territorium zu verlassen. Zum Überbringer dieser Botschaft bestimmte er den einundzwanzigjährigen George Washington, einen Major der virginischen Miliz. Washington, unter anderem begleitet von Tanaghrisson, erreichte das französische Fort LeBœuf am 11. Dezember 1753. Der französische Kommandant wies Washingtons und Tanaghrissons Anliegen jedoch ab und ließ sie wissen, dass er nicht die Absicht habe, das Ohiotal zu räumen. Einen Monat später erreichte Washington mit dieser ernüchternden Nachricht Williamsburg, die Hauptstadt Virginias. Dinwiddie entschloss sich daraufhin zu einer militärischen Antwort und ordnete an, das Lagerhaus der Ohio Company an den Forks of the Ohio zu einem Fort der virginischen Miliz auszubauen. Da Dinwiddie selbst Anteile an der Ohio Company hielt, lag dieses Vorgehen auch in seinem persönlichen finanziellen Interesse.
Tanaghrisson kehrte am 15. Januar 1754 nach Logstown zurück, wobei er von einer französischen Einheit unter Leitung von Michel Maray de La Chauvignerie eskortiert wurde. De La Chauvignerie versuchte vergebens, Tanaghrissons Freundschaft zu erringen. Die Einheit errichtete ein kleines, vorläufiges Fort.Joseph L. Peyser: Jacques Legardeur de Saint-Pierre: Officer, Gentleman, Entrepreneur, Michigan State University Press 1996, S. 213.
Zur ersten Konfrontation zwischen französischen und britischen Verbänden kam es im März 1754. Die virginischen Milizen hatten noch kaum begonnen, das Fort an den Forks of the Ohio zu errichten, da mussten sie beim Anrücken einer französischen Übermacht schon kampflos kapitulieren und nach Virginia zurückkehren. Die Franzosen errichteten an dieser Stelle das Fort Duquesne, neben Fort Detroit und Fort Niagara die mächtigste Festungsanlage im amerikanischen Binnenland. Für Tanaghrisson, der die Virginier beim Bau des Forts unterstützt hatte, bedeutete diese Machtdemonstration der Franzosen den endgültigen Verlust seiner Autorität; er selbst musste sein Dorf mit einigen wenigen Getreuen (zumeist wohl Mingo) verlassen und kampierte mit ihnen in den umliegenden Wäldern.
Dinwiddie hatte unterdessen Washington zum lieutenant colonel (Oberstleutnant) befördert und die Aushebung eines 200 Mann starken Regiments befohlen, das den Franzosen im Westen entgegentreten sollte. Tatsächlich gelang es jedoch nur, 160 Mann zu rekrutieren, die – wie Washington selbst – zudem kaum oder keine militärische Erfahrung hatten. Die angeforderte Verstärkung durch Milizen aus den anderen britischen Kolonien in Nordamerika blieb aus, ebenso die erhoffte Verstärkung durch verbündete Indianerstämme wie der Cherokee und der Catawba. Trotz dieser ungünstigen Bedingungen führte Washington im Mai 1754 sein schlecht ausgerüstetes Regiment von Wills Creek in Maryland westwärts ins Ohiotal. Zunächst wollte er seine Truppen zu einem befestigten Lagerhaus der Ohio Company am Red Stone Creek führen, einem Zufluss des Monongahela, ließ jedoch schließlich nach halber Strecke am 24. Mai ein Lager auf einer Great Meadows genannten Flusswiese aufschlagen, die er für einen vielversprechenden Standort zur Errichtung eines Forts hielt.
Verlauf mini|Die Marschrouten Washingtons und Jumonvilles im Mai 1754 Der alles andere als geräuschlose Vormarsch der Briten, die sich mit Äxten und Sägen einen Weg durch den dichten Wald bahnten, blieb den indianischen Spähern der Franzosen nicht lange verborgen, auch wenn diese deren Truppenstärke überschätzten und dem Kommandanten des Fort Duquesne, Claude-Pierre Pécaudy, seigneur de Contrecœur, berichteten, dass das britische Heer mehrere hundert Mann stark sei. Contrecœur entschloss sich, Washington eine diplomatische Note mit der Aufforderung zu überbringen, die Ländereien des Königs von Frankreich unverzüglich zu verlassen. Zum Überbringer der Note ernannte er Joseph Coulon de Jumonville, Spross einer traditionsreichen frankokanadischen Militärfamilie; als Eskorte stellte er ihm 34 Mann zur Verfügung. Am Morgen des 27. Mai, als Washingtons Regiment gerade erst mit dem Palisadenbau auf den Great Meadows begonnen hatte, ritt Christopher Gist, einer der wenigen englischen Händler in der Region, mit der Nachricht ins Lager, dass sich ein französischer Verband auf die Briten zubewege. Washington beorderte daraufhin 75 seiner 160 Mann nach Westen zum Monongahela, um die Franzosen abzufangen. In der folgenden Nacht berichteten ihm jedoch indianische Späher Tanaghrissons, dass die Franzosen nicht im Westen, sondern sieben Meilen nördlich der Great Meadows ihr Lager aufgeschlagen hatten. Washington, der also die Hälfte seiner Truppen in die falsche Richtung geschickt hatte, entschloss sich, umgehend die Initiative zu ergreifen. Mit 47 Mann marschierte er durch den stockfinsteren Wald zunächst zum Lager Tanaghrissons, der sich mit seinen dreizehn Kriegern dem britischen Vorstoß anschloss, und schließlich auf das französische Lager zu.
Über den Verlauf des darauf folgenden Gefechts gibt es nur wenige kurze und widersprüchliche zeitgenössische Berichte, die bis heute Gegenstand einer wissenschaftlichen Kontroverse sind.Donald Jackson (Hrsg.): The Diaries of George Washington. Band 1. S. 195.
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