Burbach ist ein Stadtteil von Saarbrücken im Saarland im Stadtbezirk West. Hier leben rund 14.700 Menschen (31. Dezember 2014), während die Einwohnerzahl Ende 1991 noch rund 15.800 betragen hatte.Stadtteil-Dossier (PDF; 24 kB); abgerufen am 6. Juni 2015 Burbach gilt als Kulminationspunkt des Strukturwandels und ist von hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen betroffen. Er gilt als sozial, ökonomisch und städtebaulich benachteiligtStadtteilentwicklungskonzept Saarbrücken-Burbach (PDF; 8,7 MB); abgerufen am 6. Juni 2015.

Geografie mini|Burbach, Aufstauung des Burbaches zum Burbacher Waldweiher Burbach liegt im Westen der Landeshauptstadt Saarbrücken zwischen den Stadtteilen Malstatt und Altenkessel. Südliche Begrenzung ist die SaarTopografische Karte mit den Stadtteilgrenzen in der Stadtteiledokumentation Burbach, S. 56 (PDF; 8,3 MB), abgerufen am 7. Juni 2015. Der Ortsname rührt vom Burbach her, der hier in die Saar mündet. Der ursprüngliche Bachname Burbach gilt noch außerhalb der Gemarkung Burbach-Malstatt. Im Unterlauf wurde zwecks Dissimilation des Bach- und Siedlungsnamens der Bach in Weierbach umbenannt, da er den früheren Burbacher Dorfweiher speiste. Heute ist der Burbach zum Burbacher Waldweiher aufgestaut. Topografische Karten führen den Bachnamen als Burbach-Weierbach.Rolf Spang: Die Gewässernamen des Saarlandes, Saarbrücken 1982, S. 182. ISBN 3-921646-45-6

Burbach wird von der Stadt verwaltungstechnisch als Stadtteil 24 geführt und besteht aus den Distrikten 241 Hochstraße, 242 Ottstraße, 243 Füllengarten und 244 Von der Heydt.

Geschichte mini|Burbach von der Saar aus gesehen, von links nach rechts die Kirchtürme von Herz-Jesu, St. Eligius und der Matthäuskirche mini|Blick vom Burbacher Saarufer am Kleinen Staden flussabwärts zur Staustufe Luisenthal Mittelalter Ersterwähnung Das Dorf Burbach gehörte zum gräflichen Hof in Malstatt und wurde im Jahr 1313 erstmals urkundlich erwähnt. In diesem Jahr verlieh Graf Johann I. von Saarbrücken-Commercy dem Ritter Simont von Kastel ein Gut in Burbach unter der Bedingung, dass die Leute des Burbacher Gutes wie bisher zu den gräflichen Jahrgedingen nach Malstatt kommen sollten. Einen Teil seines Besitzes in Burbach behielt allerdings Graf Johann in eigener Verwaltung (Hochgericht, Wald- und Wegebußen u. a.). Die Familie von Kastel blieb bis zum Ende des 15. Jahrhunderts im Besitz des Burglehens in Burbach. Ihr Besitz gelangte im Erbgang an die von Heringen, die den Burbacher Besitz im Jahr 1520 an Graf Johann Ludwig verkauften. Weitere Adelige (von Kerpen, von Sötern, von Kronenburg), die in Burbach Besitzrechte hatten, verkauften diese nach und nach an das gräfliche Haus Saarbrücken, bis im Jahr 1663 ganz Burbach dem Saarbrücker Grafen gehörte.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 154–160, bes. S. 159–160.

Zerstörung Burbachs in der Fehde von 1471 Im Februar des Jahres 1471 wurden Malstatt und Burbach im Rahmen einer Fehde zwischen dem Saarbrücker Grafen Johann III. und dem Pfalzgrafen und Herzog Ludwig I., genannt der Schwarze, niedergebrannt, da Ludwig die Stadt St. Johann nicht erobern konnte.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 161.

Neuzeit Burbach im Ancien Régime Nach dem Bericht des fürstlichen Amtmannes und Rates Christian Lex aus dem Jahr 1756 waren zu dieser Zeit nahezu alle Einwohner Burbachs leibeigene Bauern der Nassau-Saarbrückischen Landesherrschaft. Burbach hatte 15 Häuser, von denen nur drei ganze und zwei halbe Hausdächer mit Ziegeln gedeckt und die übrigen Häuser strohgedeckt waren. Weiterhin gehörte das Dorf Burbach zur Meierei Malstatt. In den Malstatter Gewässern Saar, Fischbach, Alsbach und Weierbach (auch Burbach genannt) konnte man Fische fangen. Im Burbacher Weyerbach (Weiherbach) wurde auch Krebsfang betrieben. Als Tierschwemme wurde der Burbacher Weiher benutzt. Dieser Weiher, der nördlich der Straße nach Saarlouis lag, wurde nach dem Jahr 1756 trockengelegt.

Die meisten Bewohner waren lutherischer Konfession und nur eine Einwohnerin gehörte zur reformierten Konfession (Zuordnung zur reformierten Pfarrei Saarbrücken). Ein von der Malstatter Dorfgemeinschaft betriebenes Schulgebäude wurde von den Burbacher Kindern mitbenutzt, ebenso die Kirche auf dem Malstatter Kirchberg.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 173–181.

Burbach in der Französischen Revolution Mit dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen im Oktober 1792 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben. Im Sommer 1793 verbrannten französische Soldaten das gesamte Inventar der Malstatter Kirche. Im Jahr 1797 wurden Malstatt und Burbach wie das gesamte linke Rheinufer von Frankreich annektiert. Die Dörfer Malstatt und Burbach wurden verwaltungsmäßig dem Kanton Saarbrücken zugeordnet. Seit 1810 gehörten die beiden Dörfer zur Mairie Saarbrücken. Die Bevölkerung stieg wieder an: Im Jahr 1809 hatten Malstatt und der Ortsteil Rußhütte zusammen 450 Einwohner, Burbach 269. Im Jahr 1810 hatte Malstatt 499, Rußhütte 57 und Burbach 278 Einwohner.

Erster und Zweiter Pariser Frieden Im Ersten Pariser Frieden im Jahr 1814 blieben Malstatt und Burbach französisch und wurden erst im Zweiten Pariser Frieden 1815 mit Preußen vereinigt. Bei der Erstürmung St. Johanns durch bayerische Truppen am 23. Juni 1815 wurden Malstatt und Burbach wiederum vollständig ausgeplündert und die Einwohner mussten flüchten. Der durch die bayerischen Truppen entstandene Schaden wurde im Jahr 1820 durch französische Kriegsentschädigungen beglichen, die zur Erneuerung der Malstatter Kirche verwendet wurden. Nach der preußischen Besitznahme blieben die Ortschaften Burbach, Malstatt und Rußhütte in einer Bürgermeisterei mit St. Johann und Saarbrücken vereinigt. Die Verwaltung wurde durch den Bürgermeister von Saarbrücken geleitet, Malstatt hatte einen Gemeindevorsteher, Burbach und Rußhütte je einen Ortsvorsteher. Die männliche Einwohnerschaft Burbachs setzte sich weitgehend aus Bauern und Bergleuten zusammen.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 182.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 179–181.

Industrialisierung Bereits seit 1779 wurde auf der Gemarkung von Burbach Kohle gefördert. 1784 begann die Firma Heckel mit der maschinellen Produktion von Hanfseilen, 70 Jahre später wurden unter Johann Georg Heckel die ersten Stahlseile gefertigt. Unter Leitung von Ernst Heckel entstand hieraus die Gesellschaft für Förderanlagen Ernst Heckel Spätestens in den 1950er Jahren war Heckel unter der Leitung von Ernst Heckel Weltmarktführer.

Mit der Öffnung der Grube Von der Heydt 1852 und der Gründung der Burbacher Hütte 1856 setzte eine starke Bevölkerungszunahme ein. 1874/75 – Burbach hatte bereits über 12.500 Einwohner – vereinigten sich die Gemeinden Malstatt und Burbach und erhielten Stadtrechte;Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 187. 1905 überstieg die Einwohnerzahl der Stadt Malstatt-Burbach 38.000. 1909 vereinigten sich die drei Saarstädte Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach zur Großstadt Saarbrücken.

Sportgeschichte In der industriell geprägten Zeit waren auch die Sportvereine sehr erfolgreich: 1927 stiegen die Sportfreunde 05 Saarbrücken, die in den 1960er Jahren von Jupp Derwall trainiert wurden, in die Erste Klasse auf. Auch der 1. FC Saarbrücken, der 1907 als „FV Malstatt-Burbach“ gegründet wurde, steht in der Tradition der Arbeiterfußballvereine.

mini|Auf der Burbacher Walzstraße 1963 hergestellte Eisenbahnschiene mini|Auf dem Standort der ehemaligen Saarbrücker Stahlgusswerke AG entsteht seit 2000 der IT-Park Saarland Die Hütte hieß jetzt „Acieries Reunies de Burbach, Eich et Dudelange (ARBED)“. (PDF; 41 kB)

Zweiter Weltkrieg Im Oktober 1944 wurden Großteile der Bevölkerung wegen anhaltender Luftangriffe in den Raum Würzburg evakuiert. Wegen der kriegswichtigen Großindustrie hatte Burbach Flächenbombardements zu erleiden.

Nachkriegszeit Bereits kurz nach dem Krieg pulsierte im Stadtteil wieder das Leben: In Burbach gab es über 80 Kneipen und Restaurants sowie drei Kinos, namentlich die Volkshaus-Lichtspiele mit 800 Plätzen, das Metropol-Theater Burbach mit 517 Plätzen und das Rex mit 350 Plätzen. Das älteste der Kinos, das Metropol, eröffnete seinen Betrieb bereits 1910.

Am 7. Februar 1962 ereignete sich im zur Grube Luisenthal gehörenden, unter Burbach verlaufenden Alsbachschacht das Grubenunglück von Luisenthal, welches mit 299 Toten als zweitschwerstes Grubenunglück in Deutschland gilt.

Stahlkrise Als Folge der Stahlkrise schlossen 1977 die Hochöfen von Burbach. Bereits wenige Jahre später hatte die Hälfte der Geschäfte und Gaststätten sowie alle drei Kinos aufgegeben und ihren Betrieb eingestellt. 1988 schloss auch das Stahlwerk bis auf die Drahtzieherei. Bis zum Beginn der 1990er Jahre reduzierte sich die Beschäftigtenzahl im Stahlsektor am Standort Burbach auf unter 600. Waren 1975 bei der Burbacher Hütte noch über 23.000 Mitarbeiter beschäftigt, sank diese Zahl mit der Schließung der Hochöfen und der Hütte (1988) auf nur noch 591 im Jahr 1993. Auf dem Höhepunkt der Strukturkrise gab es im Jahr 1987 32,4 % Sozialhilfeempfänger, die Arbeitslosenquote lag bei 23 %, die Abwanderungsquote der letzten 10 Jahre lag bei 16 %, 23 % der Einwohner bezogen Wohngeld. Auch im Bildungsbereich sprachen die Zahlen 1987 für sich: 12 % beendeten die Schule ohne Abschluss, 81 % erreichten einen Hauptschulabschluss, 6,5 % einen mittleren Schulabschluss und 0,5 % Abitur. Noch heute zählt der Stadtteil (gemeinsam mit dem benachbarten Malstatt) trotz eingeleiteter Maßnahmen zur wirtschaftlichen Aufwertung zu den Regionen mit der höchsten Arbeitslosenquote im südwestdeutschen Raum.

Wirtschaftlicher Strukturwandel mini|Burbacher Hütte mit Saarterrassen-Gelände Zu Beginn der 1990er Jahre begann die städtische Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung mbH (GIU) die Einleitung eines Strukturwandels: Auf dem mehr als dreieinhalb Hektar großen ehemaligen Areal des Hüttengeländes entstehen seit 2002 die sogenannten Saarterrassen, ein Dienstleistungsstandort, der in erster Linie die Neuen Medien anspricht. Eine der ersten ansiedelnden Firmen ist die Orbis AG. Zudem befinden sich auf den Saarterrassen mehrere großflächige Einzelhandelsunternehmen (u. a. mehrere Möbelhäuser und ein Baumarkt) und die Veranstaltungshalle E-Werk. Weitere Konversionsprojekte auf ehemaligen Industriegeländen sind der IT-Park Saarland auf dem Areal eines früheren Drahtseilwerks sowie das aw saarbrücken-burbach auf dem Areal des früheren Bahnausbesserungswerks.

Pascal-Prozess