Der Bizzarrini GT 5300 ist ein in geringen Stückzahlen produzierter Sportwagen des italienischen Automobilherstellers Automobili Bizzarrini, der historisch und technisch eng mit dem Iso Grifo des Mailänder Sportwagenherstellers Iso Rivolta verwandt ist. Das Auto war die Rennsportversion des Grifo und wurde anfänglich als Iso Grifo A3/C vermarktet. Nach dem Ende der geschäftlichen Beziehungen zwischen Bizzarrini und Iso Rivolta wurde es 1965 zu einem eigenständigen Modell. Bizzarrini bot den nun GT 5300 genannten Wagen in einer straßentauglichen Version und in einer überarbeiteten, für Motorsporteinsätze geeigneten Ausführung an. Der Produktionsumfang beider Versionen blieb hinter Bizzarrinis Erwartungen zurück. Auch im Motorsport konnte der GT 5300 nicht an die Erfolge anknüpfen, die 1964 und 1965 mit dem weitgehend baugleichen Iso A3/C erzielt worden waren.

Modellgeschichte mini|Bizzarrini GT Strada 5300 mini|hochkant=1|Zum Vergleich: Ein Iso A3/L Grifo mini|Schriftzug Iso Grifo Giotto Bizzarrini, seit 1962 Inhaber des toskanischen Unternehmens Automobili Bizzarrini,Der Betrieb hieß anfänglich Autostar; 1964 wurde er in Società Prototipi Bizzarrini umbenannt, und ein Jahr später erhielt er die Bezeichnung Automobili Bizzarrini. Vgl. zur Entwicklung des Namens Schrader, Amtmann: italienische Sportwagen, S. 88. hatte bereits 1962 in Auftragsarbeit das Chassis für den Iso Rivolta 300 entworfen. Ein Jahr später konstruierte Bizzarrini auch das Chassis für Isos zweites Modell, das als sportlicher Zweisitzer im Gran-Turismo-Stil angelegt war. Dieses Fahrzeug sollte wie schon der 300 einen Motor der Corvette mit einer von Giorgetto Giugiaro für Bertone entworfenen Karosserie verbinden. Es erhielt zunächst den Namen Iso A3/L, wobei das L für Lusso (Luxus) stand und signalisierte, dass es sich bei aller Sportlichkeit zugleich um ein komfortables Fahrzeug für den Straßenverkehr handelte. Dieser Iso A3/L wurde später als Iso Grifo weltbekannt.

Sportversion des Grifo Lange bevor 1965 die Serienfertigung des Iso Grifo anlief,Schrader, Amtmann: Italienische Sportwagen, S. 201. leitete Giotto Bizzarrini von dem A3/L eine wettbewerbstaugliche Version ab, die geeignet und dazu bestimmt war, im Rennsport eingesetzt zu werden. Die Initiative zu diesem Projekt ging von Bizzarrini aus: Er war der Ansicht, dass der Verkauf des Straßensportwagens A3/L durch Erfolge im Rennsport erheblich gefördert werden könne. Renzo Rivolta unterstützte das Anliegen, obwohl er selbst dem Autorennsport skeptisch gegenüberstand.Riedner: Show-Biz. In: Motor Klassik. 3/1989, S. 129.

Das Ergebnis von Bizzarrinis Arbeiten war der Iso A3/C (für Competizione). Der A3/C hatte eine eigenständige Karosserie, wies aber ein dem A3/L ähnliches Fahrwerk auf und entsprach diesem in der Antriebstechnik: Hier wie dort wurde ein 5,3 Liter großer Achtzylindermotor aus der Chevrolet Corvette eingesetzt. Die Öffentlichkeit sah das seinerzeit noch unlackierteHeseltine: One Vision. In: Classic & Sports Car, 9/2004. Auto erstmals auf dem Turiner Autosalon im Oktober 1963. Es war auf dem Stand von Iso Rivolta ausgestellt, während die Straßenversion, der A3/L „Grifo“, gleichzeitig auf dem Bertone-Stand präsentiert wurde.siehe Modellgeschichte bei

Ein halbes Jahr später erschien der A3/L erstmals bei einer Rennsportveranstaltung: Automobili Bizzarrini meldete mit Unterstützung von Iso Rivolta zwei als Iso bezeichnete Fahrzeuge für das 12-Stunden-Rennen von Sebring. Beide Fahrzeuge fielen mit technischem Defekt aus. In den folgenden zwei Jahren gab es einige weitere Rennteilnahmen, unter anderem am 24-Stunden-Rennen von Le Mans, die in unterschiedlichem Maße erfolgreich waren.

Ab 1965 wurde der A3/C in Kleinserie bei Bizzarrini in Livorno hergestellt; und zunächst noch über Iso Rivolta vertrieben.

Trennung von Iso Rivolta Im Laufe des Jahres 1965 kam es zum Zerwürfnis zwischen Renzo Rivolta und Giotto Bizzarrini. Bizzarrini hatte einige der A3/C-Fahrzeuge mit seinem Markenemblem statt mit dem Iso Rivoltas versehen; von größerer Bedeutung war allerdings der Umstand, dass sich Bizzarrini die Modellbezeichnung „Grifo“ hatte schützen lassen.siehe Modellgeschichte bei

Rivolta und Bizzarrini vereinbarten zur Beilegung des Streits letztlich eine Aufteilung der Marktsegmente: Iso Rivolta erhielt den Markennamen Grifo zur exklusiven Verwendung und beschränkte sich künftig darauf, den Straßensportwagen A3/L unter der Bezeichnung Iso Grifo zu produzieren und zu vertreiben, während Giotto Bizzarrini ab Spätsommer 1965 die Sportversion A3/C unter eigenem Namen als Bizzarrini GT 5300 herstellte. Bizzarrini erhielt zudem von Iso Rivolta Fahrwerks- und Antriebsteile, die ausreichten, um etwa 50 weitere Fahrzeuge zu bauen.

Ab der zweiten Hälfte des Jahres 1965 stellte Bizzarrini in Livorno im eigenen Namen eine Reihe von Fahrzeugen her, die auf dem für Iso Rivolta entworfenen A3/C beruhten. Dabei entstanden unterschiedliche Versionen, die sich hinsichtlich der Technik und des Aufbaus unterschieden: Die straßentaugliche Version erhielt die Bezeichnung Bizzarrini GT Strada 5300. Eine Rennsportversion mit der Bezeichnung Bizzarrini GT Corsa 5300, die werksseitig bei Langstreckenrennen eingesetzt wurde. Auf Kundenwunsch wurden bei einigen Fahrzeugen auch Strada-Elemente mit denen des Corsa verbunden.Die Internet-Seite spricht insoweit von einigen „Crossover“-Modellen. In nur drei Exemplaren entstand außerdem ein Spyder.

Produktionsumfang und heutige Marktlage Bis zur Trennung von Renzo Rivolta produzierte Bizzarrini zwischen 20 und 30 A3/C-Fahrzeuge für Iso. Die Angaben sind im Einzelnen sehr uneinheitlich; teilweise ist von 22 komplettierten Autos die Rede, teilweise von 30. Sicher ist, dass ein 1965 hergestelltes Exemplar mit einer Kunststoffkarosserie versehen wurde.

Wie viele Exemplare des GT 5300 Bizzarrini nach der Trennung von Iso im eigenen Namen produzierte, ist ebenfalls sehr unklar. Die Angaben in der Literatur und in sonstigen Quellen gehen weit auseinander. Bis in die 1990er Jahre hinein wurde überwiegend davon ausgegangen, dass insgesamt 149 Exemplare der GT-5300-Reihe hergestellt wurden.zum Beispiel Oleski, Lehbrink: Seriensportwagen, S. 242. In der jüngeren Literatur wird diese Zahl mittlerweile als deutlich zu hoch angesehen.Blaube: Blaue Mauritius. In: Oldtimer Markt. 5/2006, S. 176.Bachelor, Robson, Poole: Das große Buch der Sportwagen, S. 84. Inzwischen nennen die meisten Quellen etwa 100 bis 110 komplettierte Fahrzeuge.siehe Modellgeschichte bei Andere nehmen dagegen für die Jahre 1964 bis 1966 eine Produktion von lediglich 78 Fahrzeugen an und gehen davon aus, dass in den Jahren 1967 und 1968 aufgrund einer Konzentration auf den Nachfolger Bizzarrini P 538 nur noch wenige weitere GT 5300 gebaut wurden.Schrader, Amtmann: Italienische Sportwagen. S. 88. Danach entstanden 1964 20, im folgenden Jahr 28 und 1966 schließlich 30 GT-5300-Fahrzeuge. In vielen Fällen ist zudem nicht deutlich, ob die Angaben die für Iso gebauten A3/C einschließen oder sich allein auf die Bizzarrini-Modelle beziehen. Einigkeit besteht allein darin, dass die Corsa-Versionen deutlich seltener sind als die Strada-Modelle. Die meisten Quellen gehen davon aus, dass insgesamt maximal 10 Exemplare des GT Corsa 5300 hergestellt wurden.

Giotto Bizzarrini selbst ist nicht in der Lage, den Produktionsumfang eindeutig zu bestimmen. Er behauptet, seinerzeit keine exakte Buchführung betrieben zu haben, da er sich allein um die technische Seite des Geschäfts gekümmert habe. Zudem wurden keine durchgängigen Fahrgestellnummern verwendet.

Heute sind die Bizzarrini GT 5300 sowohl in der Strada- als auch in der Corsa-Version gesuchte Oldtimer, die als Wertanlage fungieren und für die hohe bis sehr hohe Preise gezahlt werden. Ein GT Strada 5300 in gutem, aber nicht exzellentem Zustand wurde 2010 nach Classic Data mit einem Kaufpreis von etwa 250.000 Euro veranschlagt.Günter Zink: Oldtimer Katalog. Nr. 24 (2010), Heel, ISBN 978-3-86852-185-6. Bei Versteigerungen werden teilweise deutlich höhere Preise erzielt. Im Januar 2011 versteigerte das Auktionshaus Coys of Kensington in London einen der letzten GT Strada 5300 für knapp 280.000 Euro;.Classiccarsforsale – Internetseite: RM Auctions erzielte nur vier Monate später bei einer im Rahmen des Concorso D’Eleganza Villa D’Este in Cernobbio abgehaltenen Auktion für ein sehr ähnliches Auto einen Veräußerungserlös von 400.000 Euro.Motor Klassik, Heft 7/2011, S. 80. Doch Preise im mittleren sechsstelligen Bereich gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Auf der Artcurial Auktion im Februar 2015 erzielte ein GT Strada 5300 einen Versteigerungserlös in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Das war etwa das Doppelte des geforderten Mindestgebots.auto motor und sport: Oldtimer-Auktionen. Abgerufen am 27. Juli 2015.

Technik und Karosserie Fahrwerk Der Bizzarrini GT 5300 beruht – ebenso wie der weitgehend baugleiche Iso A3/C –, auf einem Halb-Monocoque aus Aluminiumblechen. Konstruktiv ähnelte es dem des Iso Grifo A3/L, allerdings war der Radstand um 50 Millimeter kürzer. Die hintere Radaufhängung mit einer starren De-Dion-Achsehttp://www.historicautopro.com/1966-bizzarrini-5300-gt-strada an vier Längslenkern und einem Wattgestänge entsprach der des Grifo A3/L, die vordere mit Kugelumlauflenkunghttp://www.supercars.net/blog/1965-bizzarrini-5300-gt-strada und einzeln an Doppelquerlenkern aufgehängten Rädern war dagegen eigenständig.

Eine Besonderheit des GT 5300 war die Lage seines Motors: Um sein Gewicht möglichst zentral im Fahrzeug zu lagern, setzte Bizzarrini ihn weit hinter die Vorderachse. Das führte dazu, dass einige Teile – unter anderem der Zündverteiler –, nur über die Fahrgastzelle zugänglich waren. Sie konnten über eine Klappe im Armaturenbrett erreicht werden.

Einer möglichst gleichmäßigen Gewichtsverteilung diente auch die Anordnung der insgesamt 140 Liter fassenden Tanks: Je ein Tank befand sich in den Seitenschwellern unterhalb der Türen, und ein dritter, größerer Tank war hinter den Sitzen installiert. Damit erreichte Bizzarrini eine Gewichtsverteilung von 52 vorn zu 48 hinten.

Motor Bei allen Modellen verwendete Bizzarrini einen 5,3 Liter Small-Block-Achtzylinder von GM, ähnlich dem der Chevrolet Corvette High Performance 340. Man bot ihn in unterschiedlichen Bearbeitungs- und Leistungsstufen an. Zu den regulären Tuningmaßnahmen gehörten geänderte Ein- und Auslasskanäle sowie eine modifizierte Kurbelwelle, zudem gab es unterschiedliche Vergasersysteme. Im Strada wurde üblicherweise ein Carter-, später ein Holley-Doppel-Registervergaser verwendet, während die Corsa-Modelle über vier Doppelvergaser von Eduardo Weber (Typ 42, später Typ 45 DCOE) versorgt wurden. In der Strada-Version erreichte der Motor etwa 365 bhp (272 kW), während für die Corsa-Modelle eine Leistung von etwa 400 bis 405 PS (294 bis 298 kW) angegeben wurde; andere Quellen sprechen von 420 PS.

Mindestens ein Bizzarrini GT wurde für Rennzwecke mit einem 7,0 Liter großen Achtzylindermotor von Ford ausgestattet, der 450 PS (331 kW),Woytal: Bizzarrini GT Strada 5300, S. 66. nach anderen Quellen sogar 550 PS (404 kW) leistete.Schrader, Amtmann: Italienische Sportwagen, S. 88. Dieses Fahrzeug erhielt später eine Karosserie von Neri e Bonacini versehen und wurde als Nembo 7 Litri verkauft.

Karosserie