mini|Schmalenbachtal (Halver) Schmalenbach ist ein Ort in Halver im Märkischen Kreis im Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen (Deutschland).
Lage und Geografie Die Siedlung Schmalenbach liegt westlich der Stadt Halver. Der Hauptort liegt auf einer Höhe von 364 Meter über Normalnull an der Bundesstraße 229. Das ostwärts vom Hof gelegene Haus ist das Geburtshaus von Eugen Schmalenbach.
Geschichte Frühes Mittelalter – Vorgeschichte Wie andere Stifte auch, errichtete das Kölner Stift St. Gereon gegen Ende der Sachsenkriege (770 bis 800) im Grenzgebiet zwischen den Franken und Sachsen eine große Grundherrschaft. Dazu gehörten eine ganze Reihe von Fronhöfen, unter anderem die für die Siedlung Schmalenbach wichtige Curtis Eichhofen (=Stieneichhofen).Alfred Jung: Halver und Schalksmühle. Untersuchung und Gedanken zur Siedlungsgeschichte des Amtes Halver, eines alten Kirchspiels im sächsisch-fränkischen Grenzraum. Freunde der Burg Altena, Altena 1978 (Altenaer Beiträge. Arbeiten zur Geschichte und Heimatkunde der ehemaligen Grafschaft Mark 13, ). Es ist anzunehmen, dass die Hörigen vor allem Sachsen (Westfalen) waren, die unter die Grundherrschaft gezwungen wurden. Üblicherweise lebten alle der Grundherrschaft zugehörigen Personen auf den Fronhöfen und waren, als Teile der „Familia“, unfrei.
Hochmittelalter Nach 950 wurden abhängige Bauern aus dem Eickhof mit Land beliehen. Ein Bauer erhielt die Erlaubnis seine Sippe (curia = Gentilversammlung) am schmalen Bach anzusiedeln und Land zu roden.Die Entstehung des Hofes Schmalenbach geht auf eine Gründung des Kölner Stiftes St. Gereon zurück. Dafür spricht ein Eintrag im Urkundenbuch des Stiftes, das auf den Hof Schmalenbach als Unterhof (curia) des zum Stift gehörenden Oberhofes (curtis) Eichhofen (= Steineichhofen) hinweist. Siehe: „Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle – Untersuchungen und Gedanken zur Siedlungsgeschichte des Amtes Halver, eines alten Kirchspiels im sächsisch-fränkischen Grenzraum. 1. Auflage. Altena: Zeitungsverlag Altena GmbH, 1978 (Altenaer Beiträge, Band 13). – S. 230–231“ Für eine Gründung als Unterhof des Oberhofes Eichhofen während der ersten Rodungsperiode (900 bis 1300) spricht außerdem die Nähe zum Oberhof (ca. 2000 m), die günstige und für eine Besiedlung begehrte Quellmuldenlage sowie die übliche Namensgebung (Ortsnamen -berg, -bach, -feld, -becke) während der ersten mittelalterlichen Rodungsperiode. Dieser Bauer hatte genügend zu erwirtschaften, um nicht nur die eigene Familie, sondern zusätzlich (und in erster Linie) zum Erhalt der Grundherrschaft beizutragen.Hans-Werner Goetz: „>>Villikationen<< der Grundherren“ in: Das Mittelalter – Ein Lesebuch zur deutschen Geschichte 800 – 1500. – S. 34.Von besonderer Bedeutung für die Region ist, dass die sächsischen Bauern im Wesentlichen ihre Gentilverfassung beibehalten konnten. Das Rechtsgefüge dieser Verfassung, insbesondere das Anerbenrecht, wurde später in das märkische Recht übernommen. Die vorhandenen Freigüter fränkischer Kolonisten behielten ihr fränkisches Recht bei. Siehe auch: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle, … – S. 190. Trotz der Abspaltung der Grafschaft Altena von dem Grafschaft Berg im Jahre 1165 blieben die fränkischen Besitzungen und Freibauern weiterhin dem Grafen von Berg unterstellt. Siehe auch: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle … – S. 49.Mit Zunahme der Geldwirtschaft wurden die Verpflichtungen gegenüber der Grundherrschaft in Erbpachtverhältnisse mit festen Beträgen umgewandelt, die dank der Geldentwertung sich zugunsten der Vollbauern entwickelten. Im bergisch-märkischen Raum wird von Rentenherrschaft gesprochen.Siehe auch: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle … – S. 203. Es kam für die Vollbauern quasi zu der Entwicklung eines Untereigentums an ihren Höfen. Nicht erbberechtigte Mitglieder der Familie wurden soweit möglich mit Unterstellen/KottenSiehe auch: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle … – S. 123. versorgt oder in eine ungewisse Zukunft entlassen.Die Geldwirtschaft, die Landflucht und die Entwicklung eines landwirtschaftlichen Marktes (in Halver) führten zur Lockerung der herrschaftlichen Beziehungen zwischen der (Voll-)Bauernschaft und der Herrschaft. Die Bauernschaft von St. Gereon und somit auch der Hof der Schmalenbach gehörten politisch nicht zum Kirchspiel HalverSiehe: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle … – S. 249–252. und wurden durch einen durch die Bauernschaft gewählten Schulten geführt. Für das Schultenamt des Oberhofes Eichhofen ist 1410 ein Gerlach von Schmalenbach nachweisbar.Siehe: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle … – S. 230. Zu dessen Aufgaben gehörten das Einziehen der Verpflichtungen der Hörigen und die niedere Gerichtsbarkeit. Es kann davon ausgegangen werden, dass dieses Amt in der Praxis verbrieft oder erblich und an den Hof gebunden war.Siehe auch: „Grundherrschaft und Dorf“ in: Propyläen – Geschichte Deutschlands 1250 bis 1490. – Berlin 1985. – S. 84.
Reformation – Dreißigjähriger Krieg Nach dem Reichstag zu Worms (1521) begannen die Sturmjahre der Reformation. Auch im Kirchspiel Halver kam es, wie auch an vielen anderen Orten Deutschlands, vermutlich zu tumultartigen Vorgängen. Die Vorgänge um Halver wurden rund zweihundert Jahre später so beschrieben, dass „ein … streifendes Volk, Böcke genannt, parteiweise hier ins Land eingefallen“ ist „und fast alle die besten Häuser, besonders die an der großen Landstraße und gemeinen Passagen situiert gewesen, in Brand gesteckt“.Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle, … – S. 279–280. „In den Jahren von 1560 bis 1570 versucht der Pastor Johann Piepenstock in Halver zu Gunsten der Reformation zu wirken. 1583 nimmt er die ev.-lutherische Religion an und von da an ist die Kirche zu Halver evangelisch.“Erich Halverscheid, „Halverscheider als tätige Kirchmeister“. – http://www.halverscheid.org/website/web10/10-1.html"Und in der „Grafschaft Mark“ (Gebiete am Hellweg, an der Ruhr und im Sauerland) mussten die evangelischen Gemeinden für die Leitung ihrer Kirche selbst sorgen, da der Landesherr sie zwar weitgehend gewähren ließ, sich selbst aber der Reformation versagte." in >>Kirchengeschichte (westfälisch)<<. – Am 9. September 1588 wurde Eichhofen an den märkischen Ritter Hermann v. Edelkirchen„Auch 1570 wird das Geschlecht von Edelkirchen im märkischen Ritterschaftsverzeichnis erwähnt“ Siehe: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle. – … S. 153.zweite Erwähnung von Hermann v. Edelkirchen Siehe: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle. – … S. 171. für 2000 Taler verkauft.Siehe auch den Aktenhinweis auf das Stift St. Gereon in: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle, … – S. 154. Damit endete das Lehensverhältnis des Stiftes St. Gereon über Eichhofen. Der Hof Schmalenbach ging damit in das Lehnsverhältnis der v. Edelkirch über.Offensichtlich handelt es sich bei dem Verkauf von Eichhofen um den Verkauf einer Grundherrschaft. Damit ging das Lehnsverhältnis des Hofes Schmalenbach auf die v. Edelkirchen über. Die Vermutung wird auch dadurch gestützt, dass nach dem Dreißigjährigen Krieg direkte Verwandtschaft der Schmalenbachs in Edelkirchen nachweisbar ist. „Hermann zur Schmalenbach“ Geburt ca. 1635, Tod 1704 im Alter von 69 Jahren in Halver/Edelkirchen in Thurck Ahnenforschung Da die v. Edelkirch zu diesem Zeitpunkt schon evangelisch waren,„1583 treten die v. Edelkirchen zum ev. Glauben über“ in Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle. – S. 154. kann man davon ausgehen, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt die Schmalenbachs ev.-luth. wurden. Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt trat die Bauernschaft von Eichhofen und damit auch die Schmalenbachs in das Kirchspiel Halver über.Siehe auch: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle, … – S. 250. 1598 begann für die Schmalenbachs, wie auch für viele andere in der Region, das Vorspiel des Dreißigjährigen Krieges. In diesem Jahr nahmen die Spanier unter Admiral Francisco de Mendoza, um eine Besetzung durch die Niederländer zuvorzukommen, in der Grafschaft Mark ihr Winterquartier. „Den ganzen langen Winter hatte Volk und Land unter dem harten Druck dieser Besatzung Entsetzliches zu leiden.“Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle, … – S. 281. Aufgrund dieses Besatzungsregimes wurde in diesem Winter der Hof Schmalenbach von seinen Bewohner aufgeben.Für die Jahre 1599, 1645 und 1654 wird der Hof bei der Kirche als verschuldet geführt. Für die Jahre 1599 bis 1633 liegt eine Nachrichtenlücke vor. Der Hof Schmalenbach soll infolge des spanisch-niederländischen Krieges (etwa 1568 bis 1648) aufgeben worden sein. Im Jahr 1599 besetzte Admiral Mendoza mit seinen Truppen die Region und hat die Bevölkerung sehr „bedrückt“. Siehe: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle, … – S. 285–286. Wahrscheinlich fanden sich die Reste der schmalenbachschen Sippe neben anderen Flüchtlingen auf dem Freigut Edelkirchen ein und suchten dort Schutzin der Genealogie der Familie lassen sich für diese Zeit Schmalenbachs auf Edelkirchen nachweisen.Dass Adelshäuser als relativ sichere Rückzugsräume genutzt wurden, lässt sich durch nachfolgende Quelle nachweisen. „So konnte in den Jahren 1630–1640 der Gottesdienst (im Kirchspiel Halver) des >>insolenten<< Kriegswesens und der >>militia<< nur sehr unregelmäßig gehalten werden. Da man größere Zusammenkünfte mied, versammelte man sich von Zeit zu Zeit in Adelshäusern oder in Wäldern.“ Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle, … – S. 284. Der Ritter Christian von Edelkirchen zu Hersfeld (wie auch eine Reihe anderer Ritter der Umgebung) kündigte dem Herzog Johann Wilhelm (Jülich-Kleve-Berg) die Gefolgschaft und erachtete es als wichtiger seinen Leuten in dieser Gefahr den notwendigen Schutz zu bieten.Siehe auch: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle, … – S. 283.Diese Schutzgemeinschaft war offensichtlich so effektiv, dass der Rottmeister der späteren Halveraner Schützenkompanien aus Edelkirchen kam. Siehe auch: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle. – S. 154. 1632 verfügte der Markgraf von Brandenburg Georg Wilhelm (Brandenburg), dass die ordentliche Landpflege auf die Schützen übergeht. In den Kirchspielen des Amtes Altena wurden Schützenkompanien gebildet.1609 fiel die Grafschaft Mark bei der Teilung der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg provisorisch, 1666 beim Erbvergleich dann definitiv an Brandenburg. Die brandenburgische Seite konnte zunächst ihre Herrschaft nur dort behaupten, wo holländische Besatzungen verblieben waren. „Mit der Verpflichtung des niederländischen Obersten Gent durch den brandenburgischen Statthalter Schwarzenberg 1624 begann“ Brandenburg „seine jungen Westprovinzen militärisch eigenständig zu verteidigen“. Siehe auch: Stefan Ehrenpreis „Der Dreißigjährige Krieg im Herzogtum Berg und in seinen Nachbarregionen“. – Verlagsdruckerei Schmidt GmbH, Neustadt an der Aisch (2002). – S. 78 und: Jung, Alfred: Halver und Schalksmühle. – S. 154. Für die Halveraner bedeutet dieses vor allem Anerkennung ihres bisherigen WiderstandesEin Beispiel für bäuerlichen Widerstand aus dem Westerwald ist bei Marco von Müller „Das Leben eines Söldners im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648)“ https://userpage.fu-berlin.de/~telehist/MvM/magisterarbeit(1.2.2005).pdf. – S. 40–41 zu finden. Prinzipiell könnte der bäuerliche Widerstand in der Region um Halver ähnlich ausgesehen haben. und Legitimität.