mini|hochkant|Udo Voigt (2018) Udo Manfred Lothar Voigt (* 14. April 1952 in Viersen; † 17. Juli 2025) war ein deutscher rechtsextremer Politiker der Partei Die Heimat (ehemals NPD). Von 1996 bis 2011 war er Vorsitzender der Partei und von 2014 bis 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments. Von 2019 bis zu seinem Tod war er stellvertretender Vorsitzender der Partei.
Leben Herkunft und Familie Voigt wuchs als Einzelkind auf. Seit seiner Kindheit hatte sein im Jahr 2000 verstorbener Vater für ihn eine Vorbildfunktion. Dieser, ein vom Nationalsozialismus überzeugter Soldat, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus Mitglied der SA und später Stabsgefreiter der Wehrmacht. Nachdem er 1949 aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, arbeitete Voigts Vater als Fahrer für die britische Rheinarmee.
Der zuletzt in Berlin-Köpenick lebende Voigt war verheiratet und kinderlos.
Ausbildung und Beruf Nach der Fachoberschulreife, der Erlangung der allgemeinen Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg und einer dreijährigen Lehre von 1968 bis 1971 als Metallflugzeugbauer studierte Voigt zwei Semester Luft- und Raumfahrttechnik an der Fachhochschule Aachen.
Das Studium brach er jedoch 1972 wegen seiner Einberufung zur Bundeswehr ab, in der er bis 1984 als Zeitsoldat diente. Als Offizieranwärter der Luftwaffe wurde er an der Offizierschule der Luftwaffe in Neubiberg und der Raketenschule der Luftwaffe USA in El Paso, Texas, ausgebildet. Er war dann als Truppenoffizier in der Verwendung eines Sicherheitsoffiziers auf einem NATO-Schießplatz in Griechenland, als Feuerleitoffizier einer Flugabwehrraketenbatterie und Kampfführungsdienstoffizier bei einer Flugabwehrraketeneinheit in Freising eingesetzt. Zuletzt im Rang eines Hauptmanns, musste er auf Grundlage von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) die Bundeswehr verlassen, die ihn wegen seiner Weigerung, die aktive NPD-Mitgliedschaft zu beenden, nicht als Berufssoldat übernahm. Voigt klagte dagegen; die Klage wurde 1984 vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen.
Voigt, der kein wehrübender Reservist war, war seit seiner aktiven Bundeswehrzeit Mitglied des Deutschen Bundeswehrverbandes (DBwV), der Interessenvereinigung von Soldaten. Nachdem der amtierende Vorstand 2009 Kenntnis über seine NPD-Mitgliedschaft erlangt hatte, beschloss er wiederholt – mit Verweis auf die Unvereinbarkeit mit der Satzung – Voigts Vereinsausschluss, der allerdings von ihm, zuletzt Ende 2010, durch Anrufung des vereinsinternen Schiedsgerichts aus formalen Gründen erfolgreich angefochten wurde.Peter Blechschmidt: Sie werden ihn nicht los. In: Süddeutsche Zeitung, 30. November 2011.
Im Anschluss an seine Militärzeit studierte er von 1982 bis 1987 Politikwissenschaft an der Hochschule für Politik München (HfP). Er schloss das Studium als Diplom-Politologe (Dipl. sc. pol. Univ.) an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ab, die eine Kooperation mit der HfP hatte.
Voigt übte auch verschiedene Tätigkeiten als Kleinunternehmer aus, so als Inhaber einer Textilreinigung und einer Wohnmobilvermietung.
Partei Voigt trat 1968 der NPD bei und war zunächst von 1970 bis 1972 im Kreisvorstand Viersen (NRW) und von 1978 bis 1992 Kreisvorsitzender in Freising. 1984 wurde er Mitglied des Präsidiums des bayerischen Landesverbandes der NPD. Von 1986 bis 1993 leitete er das „Nationaldemokratische Bildungszentrum“ in Iseo in Oberitalien. Ebenfalls 1986 wurde er in den Bundesparteivorstand der NPD und 1992 zum Landesvorsitzenden der NPD in Bayern gewählt. Vier Jahre später kandidierte Voigt erfolgreich für den Posten des Bundesvorsitzenden seiner Partei. Beim NPD-Bundesparteitag, der im März 1996 in Bad Dürkheim stattfand, konnte er sich knapp mit 88 zu 83 Stimmen als Nachfolger des bisherigen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert durchsetzen.Eckhard Jesse (2005): Das Auf und Ab der NPD, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 42/2005 Letzterer war bereits im Herbst 1995 abgesetzt worden und verbüßte zum Zeitpunkt der Wahl eine Gefängnisstrafe wegen Volksverhetzung. Nachdem Deckert im Oktober 2000 seine Haftstrafe verbüßt hatte, versuchte er, den an Voigt verlorenen Parteivorsitz wieder zurückzuerlangen. Bei einem unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagenden Parteitag der NPD im März 2002 in Königslutter musste sich Deckert jedoch Voigt mit 42 zu 155 Stimmen geschlagen geben. Im Oktober 2004 wurde Voigt beim Bundesparteitag der NPD im thüringischen Leinefelde mit 87,8 Prozent der Stimmen (158 von 180) im Amt bestätigt.
mini|Udo Voigt (oben links) als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion auf dem „Pressefest der Deutschen Stimme“ am 5. August 2006 in Dresden-Pappritz. Neben ihm (v. l.) Stefan Rochow, Michael Schäfer, Bernd Rabehl und Arne Schimmer. mini|hochkant|Udo Voigt als Redner vor dem Konterfei des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß, bei einem Gedenkmarsch zu dessen Ehren mini|hochkant|Udo Voigt und David Duke, ehemaliger Grand Wizard des Ku-Klux-Klans Als Parteivorsitzender hob Voigt alle Unvereinbarkeitsbeschlüsse der NPD auf und öffnete sie so für Neonazis.Toralf Staud: Glatze mit Scheitel, Zeit Online, 16. Dezember 2004. Es gelang ihm, seine Partei aus der relativen Bedeutungslosigkeit der 1970er und 1980er Jahre herauszuführen. Insbesondere in Ostdeutschland knüpfte die NPD neue Netzwerke. Sie arbeitete dabei verstärkt mit parteiungebundenen Personen der rechtsextremen Jugendkultur und mit freien Kameradschaften zusammen. Darüber hinaus gelang es Voigt, die Beziehungen zu rechtsextremistischen Parteien und Gruppen im Ausland zu verbessern und zu vertiefen. So besuchte Voigt am 17. November 2004 Alessandra Mussolini im Europaparlament in Straßburg.
Vor dem Hintergrund des Bedeutungszuwachses der NPD und ihrer aggressiveren politischen Ausrichtung unter dem Parteivorsitzenden Voigt leiteten Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat im Jahr 2001 ein Verbotsverfahren gegen die Partei ein, das jedoch am 18. März 2003 aus formalen Gründen durch das Bundesverfassungsgericht eingestellt wurde. Voigt wertete dieses als Erfolg für sich und seine Partei. Er „bedankte“ sich daher beim damaligen Bundesinnenminister Otto Schily für die „Wahlkampfhilfe“.
Voigt beteiligte sich 2002 an einer Diskussionsrunde auf einer Veranstaltung der später vom Bundesministerium des Innern verbotenen Organisation Hizb ut-Tahrir. Voigt wollte damit das Bündnis zwischen Rechtsextremen und Islamisten voranbringen.
2004 gelang es der NPD in Sachsen, bei den Kommunalwahlen am 13. Juni und bei der Landtagswahl am 19. September hohe Wahlerfolge zu erringen. Mit 9,2 Prozent der Stimmen (einem Zuwachs von 7,8 Prozentpunkten) konnte die NPD mit zwölf Mandaten erstmals seit den späten 1960er Jahren wieder in ein deutsches Landesparlament einziehen. Voigt verkündete vor diesem Hintergrund auf dem einen Monat später veranstalteten NPD-Bundesparteitag in Leinefelde die Bildung einer „Volksfront von Rechts“. Zusammen mit der Deutschen Volksunion (DVU) wurde hierzu für die Bundestagswahl 2005 eine „gemeinsame Liste“ aufgestellt.
Tatsächlich kandidierten einige DVU-, DP-, REP-Mitglieder und parteifreie Bürger auf der Liste der NPD. Bei der Bundestagswahl 2005 errang die NPD 1,6 % (2002 0,4 %) der Zweitstimmen und 1,8 % der Erststimmen. Die NPD sah dieses Ergebnis als Erfolg an.
Für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 17. September 2006 trat Udo Voigt als Spitzenkandidat der NPD an, scheiterte jedoch mit seiner Partei an der Fünf-Prozent-Hürde. Bei der Wahl zur 55 Mitglieder zählenden Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Treptow-Köpenick am gleichen Tag gewann er eines von drei NPD-Mandaten und bekleidete dort bis 2011 das Amt des NPD-Fraktionsvorsitzenden.
Beim Bundesparteitag in Neuruppin wurde Voigt am 13. November 2011 von Holger Apfel als Parteivorsitzender abgelöst. Apfel erhielt bei der Wahl 126 Delegiertenstimmen gegenüber 85 für Voigt.spiegel.de
Anfang 2012 engagierte die NPD Voigt als Berater gegen ein drohendes erneutes Parteiverbotsverfahren,"Willkommen in unserer national befreiten Zone" das aber im Januar 2017 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen wurde.
Der NPD-Bundesparteitag am 18. Januar 2014 in Kirchheim bestimmte Voigt zum Spitzenkandidaten für die Europawahl 2014. Dabei setzte er sich mit 93 Stimmen gegen den amtierenden Parteivorsitzenden Udo Pastörs durch, der 71 Stimmen erhielt.spiegel.de Bei der Europawahl in Deutschland 2014 gelang es Voigt erstmals in der Geschichte der NPD, einen Sitz bei einer bundesweiten Wahl zu gewinnen.Tierlose Landwirtschaft, Elterngehalt, Faulenquote Im Europäischen Parlament wurde Voigt Mitglied im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres.Stephan J. Kramer: Ein Neonazi hütet Bürgerrechte? Das ist ekelhaft!
Von 2019 bis zu seinem Tod im Jahr 2025 war Voigt stellvertretender Bundesvorsitzender der Heimat.
EU-Parlament Als Europaabgeordneter gehörte er keiner Fraktion an und vertrat durchweg EU-skeptische Positionen. Gemeinsam mit den ehemaligen Europaabgeordneten Nick Griffin und Roberto Fiore war er federführend an der Gründung der Europapartei Alliance for Peace and Freedom beteiligt. Außenpolitisch vertrat Voigt eine Politik der Annäherung an Russland und sprach sich in mehreren Redebeiträgen für ein Ende der europäischen Sanktionspolitik aus. Er machte sich mehrmals für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stark und reiste 2015 als erster EU-Parlamentarier auf Einladung der syrischen Regierung direkt ins Kriegsgebiet. Deutliche Kritik erntete Voigt 2019 für ein Treffen mit Führungskräften der libanesischen Hisbollah, auf dem er die gefallenen Hisbollah-Kämpfer im Kampf gegen den Islamischen Staat lobend hervorhob. Voigt war Mitglied der EU-Delegation für die Beziehungen zum Iran. 2018 reiste er ins iranische Mashhad und forderte eine atomwaffenfreie Zone im gesamten Nahen Osten. Dort traf er sich auch mit dem Vordenker der russischen Rechten, Alexander Dugin. 2018 demonstrierte er im marokkanischen Marrakesch gegen die Unterzeichnung des globalen Migrationspaktes, indem er ein Transparent mit auf den Kongress schmuggelte.
Als EZB-Bankenaufseher schlug er den Sozialdemokraten Thilo Sarrazin vor.Konrad Litschko: NPD vor der Europawahl: Das lange Sterben der NPD. www.taz.de, 22. Mai 2019 Voigt war ebenso Mitglied des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres. Dort forderte er u. a. die Freilassung des inhaftierten RAF-Gründers und Holocaustleugners Horst Mahler. Insbesondere wegen des Einzuges von Udo Voigt in das Europäische Parlament beschloss dieses eine europaweit gültige Sperrklausel einzuführen. Nachdem die Partei bei der Europawahl in Deutschland 2019 lediglich 0,3 % erreicht hatte, verlor auch Voigt seinen Sitz im Europaparlament. Voigt verfasste das Buch Einer für Deutschland über seine Zeit als Abgeordneter in Brüssel.
Strafverfahren Das Landgericht Stralsund rollte im März 2003 ein älteres Gerichtsverfahren gegen Voigt neu auf. Ihm wurde vorgeworfen, bei einem Auftritt im Wahlkampf im August 1998 im vorpommerschen Greifswald Jugendliche zum bewaffneten Kampf gegen das politische System in Deutschland aufgerufen zu haben. Am 25. August 2005 wurde er wegen Volksverhetzung zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. In der Revision wurde der Prozess jedoch wegen „überlanger Verfahrensdauer“ eingestellt.
Nach den Landtagswahlen 2004 in Sachsen und Brandenburg veröffentlichte die als rechtskonservativ geltende Zeitung Junge Freiheit unter der Schlagzeile Ziel ist, die BRD abzuwickeln ein Interview mit Voigt, in welchem er Hitler einen „großen deutschen Staatsmann“ und die BRD ein „illegitimes System“ nannte. Die Staatsanwaltschaft Berlin leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole ein.