Regis-Breitingen ist eine Landstadt im Landkreis Leipzig in Sachsen. mini|Pleiße in Regis-Breitingen bei Hochwasser mini|Haselbacher See, im Hintergrund das Kraftwerk Lippendorf
Geographie Die südwestlich von Leipzig gelegene Landstadt an der Grenze zu Thüringen liegt an der Pleiße.
Geographische Lage Regis-Breitingen liegt knapp 40 km südlich von Leipzig, die nächsten Kreisstädte sind Borna (8 km im Nordosten) und Altenburg (in Thüringen, 13 km im Süden). Durch das Gemeindegebiet fließt die Pleiße. Der Haselbacher See, das Speicherbecken Borna-Adria, die Haselbacher Teiche und der Kirchteich befinden sich im bzw. in der Nähe des Stadtgebietes.
Stadtgliederung mini|Markt in Regis mit Halbfaßbrunnen mini|Kirche Ramsdorf mini|Hagenest, Wasserturm und Häuser ehemaliger Heuersdorfer Die Stadt Regis-Breitingen gliedert sich in zwei (früher drei) Ortsteile: Stadt Regis-Breitingen mit den Gemarkungen Regis, Regis-Flur und Breitingen Ortsteil Ramsdorf mit Hagenest und Wildenhain Bis zur Devastierung durch den Tagebau Vereinigtes Schleenhain (1. März 2009) gehörte Heuersdorf (mit Großhermsdorf) als Ortsteil zu Regis-Breitingen
Geschichte Im Jahre 929 nannte Robert Wolfram in seiner Ergänzung zur Chronik der Stadt Borna die Burg Regis. Regis lag zu der Zeit im Gau Plisni. Um 1100 wurde Regis eine der „vornehmsten Städte im Gau Plisni“ neben Altenburg, Zwickau, Leisnig, Colditz u. a. genannt. 1186 trat ein „Albertus de Riguz“ – Albert von Regis – in einer Urkunde des Bischofs Berthold II. als Zeuge auf. Auch im Heimatbuch „Das Altenburger Land“ wird in diesem Jahr Regis erstmals als Riguz erwähnt. 1208 wurde das Pleißner Land vom Hofgericht Altenburg verwaltet. Es erfasste auch Regis, wo die Sorben die erwähnte Burg erbaut hatten. In der Bulle des Papstes Gregor IX. von 1228 wurde ein „castrum et oppidum Riguz“, also Burg und Ort Regis genannt. 1265 wurde ein Kaufvertrag zwischen dem Landgrafen von Thüringen und dem Bischof von Merseburg in campo Bredingin, dem Gut Breitingen, abgeschlossen. Dies gilt als Datum der Ersterwähnung von Breitingen.
Bei dem Abschluss des Waffenstillstands nach der Schlacht bei Lucka im Jahre 1307 soll sich der römisch-deutsche König Albrecht von Habsburg auf der Burg Regis aufgehalten haben. 1355 wurde Breitingen an das Stift Naumburg-Zeitz verkauft. Das bischöfliche Amt Breitingen wurde erstmals 1369 erwähnt. Es umfasste den geringfügigen Besitz des Hochstifts im nördlichen Pleißenland.Das Amt Breitingen in der Datei „Germania Sacra“, S. 676 Dazu gehörten die drei Orte Regis, Breitingen und Blumroda. 1382 kam es zur Teilung der Gebiete der Markgrafschaft Meißen. Dadurch kamen Regis und Breitingen an das Osterland. 1404 kaufte der Naumburger Bischof für das Stift Wiesen in Regis, ebenso 1407 Wiesen, die einem Altenburger Priester gehörten. 1413 kaufte der Bischof auch Lehngüter und die Regiser Mühle. 1430 erwarb das Naumburger Stift schließlich die Hälfte des Dorfs Breitingen. Im Sächsischen Bruderkrieg wurden Regis und Breitingen 1450 von Bundesgenossen des Herzogs Wilhelm III. geplündert und niedergebrannt. Im Zuge der Einführung der Reformation kam das Amt Breitingen im Jahr 1536 zur Ephorie Zeitz. Ab 1542 waren Regis, Breitingen und Blumroda lutherisch. Nach dem Tod des letzten Naumburger Bischofs Julius von Pflug im Jahr 1564 ging das Hochstift mit seinen Ämtern an den albertinischen Kurfürsten August I. von Sachsen als Administrator über.Das Hochstift Naumburg in der Retrobibliothek 1564 wurde aus dem Stiftsbesitz um Zeitz das Amt ZeitzBeschreibung des Amts Zeitz auf Germania Sacra, S. 680ff. gebildet, dem in der Folgezeit auch das räumlich von diesem getrennte Amt Breitingen zugerechnet wurde. Obwohl der Name „Amt Breitingen“ weiterhin im Sprachgebrauch blieb, tauchte es als Rittergutsbezirk mit zugehörigen Orten in der Auflistung des Amts Zeitz auf.Das Rittergut Breitingen im Buch „Geographie für alle Stände“, S. 699
Regis und Breitingen wurden zwischen 1585 und 1643 sechsmal von der Pest heimgesucht. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Orte mehrfach geplündert. Zwischen 1656/1657 und 1718 gehörten Regis und Breitingen als Teil des Amts Zeitz zum wettinischen Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Zeitz. Im Jahr 1676 besetzten brandenburgische Truppen die Orte. 1688 tobte in Regis der so genannte Bierkrieg. Während des Siebenjährigen Kriegs wurden 1755 die Orte von preußischen Truppen besetzt, und 1761 wurde Regis in Brand gesteckt. Schon 1806 lagerten wiederum Truppen in der Stadt, diesmal französische Einheiten. Im Jahr 1810 wurde nachweislich erstmals in der Gegend Braunkohle abgebaut, was über Jahrhunderte die Stadt beeinflusste. Im Jahr 1815 wurde durch den Wiener Kongress das Amt Zeitz an Preußen abgetreten. Das bisherige Amt Breitingen wurde zwar aufgelöst, blieb aber beim Königreich Sachsen. Regis, Breitingen und Blumroda kamen wie die Zeitzer Exklaven Nehmitz, Hagenest und Wildenhain zum Amt Borna. Am 19. Dezember 1855 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit des Ritterguts Breitingen über Regis, Breitingen und Blumroda aufgelöst. Die Gerichtsbarkeit übernahm das Königliche Landgericht Borna.Das Rittergut Breitingen im Landesarchiv Sachsen Seit 1875 gehörten Regis und Breitingen zur Amtshauptmannschaft Borna.
Im Jahr 1906 wurde die Brikettfabrik Regis gebaut, sie war bis 1993 in Betrieb.Chronik der Brikettfabrik Regis Im Jahr 1920 schlossen sich Regis und Breitingen zur neuen Stadt Regis-Breitingen zusammen. Ab 1909 eröffneten zahlreiche Tagebaue rund um den Ort. Im Osten waren dies die Tagebaue Neukirchen und Kraft I. Nördlich von Regis-Breitingen entstanden zwischen 1909 und 1954 die Tagebaue Regis I-IV und Blumroda. Nebenan verschlang das Südfeld des Tagebaus Borna-West zwischen 1939 und 1970 die Landschaft, darunter auch den Ort Blumroda. 1930 wurden die ersten Teile von Regis überbaggert. 1941 gab es Pläne, die Ortslage Regis zu überbaggern und „Neu-Regis“ zwischen Regis-Nord und Deutzen anzusiedeln, was jedoch 1944 verworfen wurde. 1955 begann der Aufschluss des Tagebaus Haselbach westlich von Breitingen, der bis 1977 in Betrieb war. Dieser überbaggerte 1960 einen Teil der Breitinger Flur Richtung Kammerforst.
Am 10. Februar 1976 ereignete sich gegen 13:42 Uhr in der Zentralwerkstatt Regis-Breitingen des VEB Instandsetzungskombinat Kohle eine Acetylen-Explosion ohne Folgebrand. Dabei starben fünf Mitarbeiter, elf weitere wurden schwer verletzt. Die Reparaturhalle II „E-Lok-Bau und Bahnmotorenaufbereitung“ wurde stark beschädigt. Ursache war ein unkontrollierter Gasaustritt aus einer durch Wartungsarbeiten beschädigten Acetylen-Leitung, die durch die Reparaturhalle verlief. Ein verantwortlicher Mitarbeiter wurde durch das Bezirksgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Zwei weitere wurden zunächst freigesprochen. Nach Protest durch die Staatsanwaltschaft gelangte die Angelegenheit vor das Oberste Gericht der DDR. Dieses hob die Freisprüche auf und verurteilte beide Angeklagten auf Bewährung und erhöhte die bereits ausgesprochene Freiheitsstrafe auf zwei Jahre und drei Monate.
Der VEB Zentralwerkstatt Regis war ab 1980 Stammbetrieb des VE Kombinat Anlagenbau Braunkohle Regis.
Im Jahr 1980 wurde der Gemeindeverband Regis-Breitingen gegründet.
Bis zum 1. Juli 2014 war die Stadt Verwaltungssitz der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft.
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BreitingenDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. Oktober 1920 Zusammenschluss mit Regis zu Regis-Breitingen Großhermsdorf 1. April 1935 Eingemeindung nach Heuersdorf HagenestGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt 1. August 1973 Eingemeindung nach Ramsdorf HeuersdorfStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 19991. Oktober 20001. Oktober 2004 Eingemeindung nach Regis-BreitingenRückgängigmachung der Eingemeindung nach Regis-BreitingenEingemeindung nach Regis-Breitingen Regis 1. Oktober 1920 Zusammenschluss mit Breitingen zu Regis-Breitingen Ramsdorf 1. Januar 1999 WildenhainVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Hagenest
Politik 2023 fand in Regis-Breitingen ein Bürgerentscheid mit der Fragestellung „Soll die Stadt Regis-Breitingen ihre Schulträgerschaft für die Oberschule Regis-Breitingen an die Gemeinde Neukieritzsch zugunsten eines dreizügigen Schulneubaus im Ortsteil Deutzen aufgeben?“ statt. Der Entscheidungsvorschlag erhielt keine Mehrheit und scheiterte auch am Quorum.
mini|Rathaus Regis-Breitingen Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: Freie Wähler Regis-Breitingen: 4 Sitze CDU: 4 Sitze AfD: 3 Sitze Wählervereinigung Hagenest, Ramsdorf, Wildenhain (WV HRW): 2 Sitze Siedler Verein: 1 Sitz SPD: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD326,8––––CDU425,1213,5318,4Freie Wähler Regis-Breitingen421,5319,0––Wählervereinigung Hagenest, Ramsdorf, Wildenhain212,4318,4321,3SPD17,1210,7317,4Siedler Verein14,1211,1––Grüne–1,8–2,5––FDP–1,2316,3425,7Linke––18,5317,3Wahlbeteiligung68,6 %58,2 %48,1 %
Bürgermeister
1833–1849 Johann Gottfried Teich 1849–1855 Gottfried Reichenbach 1855–1860 Friedrich Wilhelm Bernstein 1860–1868 Wilhelm Roland 1869–1906 Franz Louis Winter 1906–1912 Otto Friedrich Rüger 1912–1932 Gustav Arno Vogel 1932–1938 Kurt Kühnert 1938–1945 Kurt Spranger 1945 in Regis Kurt Kühnert, in Breitingen Paul Heckert 1945–1947 Carl Borchert 1990–1994 Werner Frommhold (DBD/CDU) 1994–2004 Reinhard Mäder (SPD) 2004–2013 Thomas Kratzsch (CDU) 2013–2020 Wolfram Lenk (Die LINKE) seit 2020 Jörg Zetzsche (Freie Wähler)
Die Aufzählung listet bis zur Zusammenlegung mit Breitingen 1920 die Bürgermeister von Regis.
+letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2020Jörg ZetzscheFW Regis-Breitingen54,42013Wolfram LenkLinke58,52006Thomas KratzschCDU59,02001Reinhard MäderSPD57,7
Städtepartnerschaften Spaichingen (Baden-Württemberg)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Kirche in Regis mini|Wehr des Hochwasserrückhaltebeckens Regis-Serbitz Hochwasserrückhaltebecken Regis-Serbitz Halbfaß-BrunnenDieter Kluge: Die Geschichte des Halbfaßbrunnens. auf www.heimatverein-regis.de Stadtkirche St. Georg in Regis Martin-Luther-Kirche in Breitingen Bahnstrecke Regis-Breitingen–Meuselwitz (Museumsbahn) Haselbacher See Haselbacher Teiche Pleiße-Radweg
Naturschutz
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Jugendstrafvollzugsanstalt Verkehr Regis-Breitingen liegt an der am 19. September 1842 eröffneten Bahnstrecke Leipzig–Hof der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn. Seit 1960 wird der Abschnitt Leipzig–Altenburg elektrisch betrieben. Der Bahnhof Regis-Breitingen wird stündlich von der Linie S5 Halle–Leipzig–Zwickau der S-Bahn Mitteldeutschland bedient.
Öffentliche Einrichtungen Nördlich der Stadt befindet sich die Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Armin Hase (1873–nach 1930), Heimatdichter des Erzgebirges, in Großhermsdorf geboren Joachim Göschel (1931–2022), Sprachwissenschaftler Christoph Hülsenberg (1941–2012), Gebrauchsgrafiker Ulla Heise (* 1946), Autorin, Publizistin und Lektorin Wolf-Peter Hannig (* 1956), Lehrer und Politiker, Abgeordneter in der letzten Volkskammer der DDR
Persönlichkeiten mit Verbindung zur Stadt Albertus von Riguz (12. Jahrhundert), ersterwähnter Ahnherr des Geschlechts Rex, wohl Herr der Burg Regis Karl Poser (1870–1916), Architekt, schuf das Neue Rathaus in Regis-Breitingen