mini|hochkant=1.6|(1) Blick von der Marienkirche auf das Rechtstädtische Rathaus und die Langgasse, (2) Blick von der Motława auf die Stadt, (3) Die Dame aus dem Fenster, (4) Neptunbrunnen, (5) Artushof mit Neptunbrunnen, (6) Papst-Johannes-Paul-II.-Brücke Danzig ( [] ,Edmund Gussmann: The phonology of Polish. Oxford University Press, 2007, S. 4. , ) ist eine Metropole in der Woiwodschaft Pommern in Polen, deren Hauptstadt sie ist. Die ehemalige Hansestadt ist ein bedeutender Handelsstandort mit dem größten Hafen des Landes und zahlreichen Werften.
Mit über 487.000 Einwohnern ist Danzig die sechstbevölkerungsreichste Stadt Polens. Zusammen mit der industriell geprägten Hafenstadt Gdynia (Gdingen) und dem Erholungsort Sopot (Zoppot) bildet Danzig das Zentrum der Metropolregion Dreistadt (Trójmiasto). Im gesamten städtisch geprägten Ballungsraum Danzig (aglomeracja gdańska) leben mehr als 1,2 Millionen Menschen.
Unter pommerellischer und polnischer Herrschaft im 10. bis 13. Jahrhundert, unter Oberherrschaft des Deutschen Ordens von 1308 bis 1454, freie Stadtrepublik unter Oberhoheit der polnischen Krone (1454–1793), preußisch ab 1793 und dem Völkerbund unterstehende Freie Stadt ab 1920 wurde Danzig zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in das Deutsche Reich inkorporiert (1939) und nach der Besetzung durch sowjetische Truppen (1945) Teil der Volksrepublik Polen. Die ursprünglich deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben. Am Kriegsende nahezu völlig zerstört, wurde das historische Stadtzentrum unter polnischer Führung wiederaufgebaut.
In den 1980er Jahren war Danzig das Zentrum der oppositionellen antikommunistischen Bewegung, die in der Gewerkschaft Solidarność unter der Führung von Lech Wałęsa ihren Mittelpunkt fand. Diese spielte eine wichtige Rolle bei der Beendigung der kommunistischen Herrschaft in Polen und beeinflusste den Niedergang der kommunistischen Regime des ganzen Ostblocks bis hin zum Fall der Berliner Mauer und der Auflösung der Sowjetunion.
Wichtige Institutionen in Danzig sind die Universität Danzig, die Technische Universität Danzig, das Nationalmuseum, das Shakespeare-Theater Danzig, das Museum des Zweiten Weltkrieges, die Baltische Philharmonie sowie das Europäische Zentrum der Solidarność.
Geographie Lage Die kreisfreie Stadt liegt am südlichen Ende der Danziger Bucht am Auslauf des Flusses Mottlau (Motława) und westlich der Weichselmündung in einer hügeligen Landschaft, die von großen Kiefernwäldern umgeben ist. 20 Kilometer nördlich befindet sich die Halbinsel Hel (Hela). Die Danziger Altstadt liegt am Fluss Motława (Mottlau). Im Westen Danzigs liegt die historische Region Kaschubei.staypoland.com Weiterhin ist die Gegend bekannt für das Vorkommen und die Bearbeitung von Bernstein.
Nachbargemeinden Im Nordwesten grenzt Danzig an das Ostseebad Sopot (Zoppot). Zusammen mit der weiter nördlich liegenden Stadt Gdynia (Gdingen) bilden diese drei Städte den Ballungsraum Trójmiasto mit knapp 750.000 Einwohnern. Im ganzen Ballungsraum (der Aglomeracja gdańska) leben etwa 1,25 Millionen Einwohner, einschließlich der Städte Dirschau (Tczew), Neustadt (Wejherowo) und Rahmel (Rumia). Im Norden grenzt die Stadt an die Danziger Bucht, im Osten an den Hauptstrom der Weichsel. Hier befinden sich lediglich kleinere Dörfer, die zur Landgemeinde Steegen (Stegna) gehören. Im Süden grenzen die Gemeinden des Danziger Landkreises (Powiat Gdański) an die Stadt, es sind von Ost nach West: Groß Zünder (Cedry Wielkie), die Landgemeinde Praust (Pruszcz Gdański), die Stadt Praust, wiederum deren eigenständige Landgemeinde und die Landgemeinde Kahlbude (Kolbudy). Im Westen grenzt Danzig an die Landgemeinde Zuckau (Żukowo) des Kreises Karthaus (Powiat Kartuski).
Stadtgliederung Die Stadt besteht seit März 2019 aus 35 administrativen Bezirken, die Zahl hatte sich durch Bezirksteilungen 2011 um vier und 2019 um einen Bezirk erhöht.Dzielnice – Gdańsk – oficjalny portal miasta – Offizielle Webportal der Stadt Danzig. Stand 12. Januar 2011. Abgerufen am 8. Juni 2019.
Eine Aufteilung in administrative Bezirke gab es in Danzig vor 1939 bzw. 1945 nicht. Zahlreiche Orte, die heute zur Stadt und deren Bezirken gehören, waren in die KreiseUmbenannt in Landkreise zur Zeit der Freien Stadt Danzig (1920–1939). Danziger Höhe und Danziger Niederung eingegliedert. Bis 1973 hatte sich das Stadtgebiet durch Eingemeindungen beträchtlich vergrößert.
Die aktuellen und die historischen Bezirks- bzw. Ortsteilgrenzen sind nicht immer deckungsgleich.
Bezirksnamedeutscher Orts-oder Ortsteilname Fläche in km² Bevölkerung Bevölkerungs-dichte (Ew./km²)Karte VII Dwór Pelonken (VII. Hof) 3,0115 3.820 1.268 150px|VII Dwór Aniołki Aller Engel 2,3079 4.922 2.133 150px|Aniołki Brętowo Brentau 7,0843 7.643 1.079 150px|Brętowo Brzeźno Brösen 2,7409 13.457 4.910 150px|Brzeźno Chełm Stolzenberg 3,89 32.242 8.288 150px|Chełm (vor der Teilung) Jasień Nenkau 11,4833 8.157 710 150px|Jasień Kokoszki Kokoschken 19,8447 7.465 376 150px|Kokoszki Krakowiec-Górki Zachodnie Krakau und Westlich Neufähr 8,3796 1.994 238 150px|Krakowiec-Górki Zachodnie Letnica Lauenthal/Lauental 4,029 1.333 331 150px|Letnica Matarnia Mattern 14,4268 5.787 401 150px|Matarnia Młyniska Schellmühl 4,1813 3.404 814 150px|Młyniska Nowy Port Neufahrwasser 2,2786 10.684 4.689 150px|Nowy Port Oliwa Oliva 18,3997 17.728 963 150px|Oliwa Olszynka Groß und Klein Walddorf 7,9696 3.209 403 150px|Olszynka Orunia-Św. Wojciech-Lipce Ohra, St. Albrecht und Guteherberge 19,634 15.867 808 150px|Orunia-Św. Wojciech-Lipce Orunia Górna-Gdańsk Południe Borgfeld, Matzkau(„Hoch-Ohra und Danzig-Süd“) 7,2 19.807 2.751 150px|Orunia Górna-Gdańsk Południe Osowa Espenkrug 14,1338 13.245 937 150px|Osowa Piecki-Migowo Pietzkendorf und Müggau 4,3165 22.852 5.294 150px|Piecki-Migowo Przeróbka Troyl 7,0978 4.816 679 150px|Przeróbka Przymorze Małe KonradshammerKlein-Meernähe 2,3274 15.348 6.594 150px|Przymorze Małe Przymorze Wielkie KonradshammerGroß-Meernähe 3,117 30.346 9.736 150px|Przymorze Wielkie Rudniki Bürgerwiesen 14,1853 1.452 102 150px|Rudniki Siedlce Schidlitz 2,6429 14.359 5.433 150px|Siedlce Stogi Heubude 10,9634 12.128 1.106 150px|Stogi Strzyża Hochstrieß 1,0863 5.759 5.301 150px|Strzyża Suchanino Zigankenberg 1,4011 11.234 8.018 150px|Suchanino ŚródmieścieStadtmitte ehemals: Rechtstadt, Altstadt, Neugarten, Hagelsberg, Bischofsberg, Vorstadt, Speicherinsel, Bleihof, Langgarten, Niederstadt, Strohdeich 5,6245 30.648 5.449 150px|Stadtmitte Ujeścisko-Łostowice Wonneberg und Schönfeld 7,7945 17.797 2.283 150px|Ujeścisko-Łostowice Wrzeszcz Dolny Langfuhr(„Nieder-Langfuhr“) 3,5219 25.817 7.330 150px|Wrzeszcz Dolny Wrzeszcz Górny Langfuhr(„Hoch-Langfuhr“) 6,4572 24.298 3.763 150px|Wrzeszcz Górny Wyspa Sobieszewska „Bohnsacker Insel“ 35,7897 3.443 96 150px|Wyspa Sobieszewska Wzgórze Mickiewicza Neuwonneberg 0,5277 2.570 4.870 150px|Wzgórze Mickiewicza Zaspa-Młyniec Saspe (Mühlenhof) 1,2322 14.295 11.601 150px|Zaspa-Młyniec Zaspa-Rozstaje Saspe (Eckhof) 2,0322 12.794 6.296 150px|Zaspa-Rozstaje Żabianka-Wejhera-Jelitkowo-Tysiąclecia Poggenkrug,„Weiher“,Glettkau,„Jahrtausend“ 2,3336 18.546 7.947 150px|Żabianka-Wejhera-Jelitkowo-Tysiąclecia
Klima Danzig liegt in der Gemäßigten Zone im Übergangsbereich zwischen ozeanischem Klima (Cfb)Weatherbase.com – Gdansk Abgerufen am 14. Februar 2018. und Kontinentalklima (Dfb)Vergleiche World map of Köppen-Geiger Climate Classification auf Wikimedia Commons (siehe auch Köppen-Geiger-Klassifikation); Quelle: Hier sind vorwiegend kalte Winter- sowie milde Sommertemperaturen vorzufinden. Der heißesten Monate sind Juli und August, die jeweils eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 22,2 °C aufweisen. Die niederschlagsreichsten Tage sind ebenfalls im Sommer vorzufinden, was ein Indikator für Kontinentalität ist. Die Gesamtniederschlagsmenge ist mit 569,1 mm pro Jahr recht niedrig.
Etymologie Eine sichere Herleitung des Stadtnamens ist nicht möglich. Die älteste überlieferte Form des Namens, Gyddanyzc, ist in dem lateinischen Text der um 1000 verfassten Adalbert-Biographie enthalten, die traditionell dem römischen Benediktinermönch Canaparius zugeschrieben wird.„Ipse vero (Adalbertus) adiit primo urbem Gyddanyzc, quam ducis (Palamiorum Bolizlavi) latissima regna dirimentem maris confinia tangunt.“ Zitiert nach: Kazimierz Lucyan Ignacy Römer: Beiträge zur Beantwortung der Frage nach der Nationalität des Nicolaus Copernicus. Priebatsch, Breslau 1872, S. 17 (; ) Der Biograf des Missionars Adalbert soll in seiner „böhmischen Mundart“ den Ortsnamen Gidanie von Gythonium abgeleitet haben,Gotthilf Löschin: Geschichte Danzigs von der ältesten bis zur neuesten Zeit – Mit beständiger Rücksicht auf Cultur der Sitten, Wissenschaften, Künste, Gewerbe und Handelszweige. Band 1, 2. Auflage, F. W. Ewert, Danzig 1828, S. 9. (books.google.de) und in Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts heißt sie Gdanczk, Gdansk, Gdanz oder Gedanc.Gotthilf Löschin: Danzig und seine Umgebungen. 3. Auflage. Anmuth, Danzig 1853, S. 1–2. (books.google.de) Auf dem Grabstein des 1411 ermordeten Bürgermeisters Letzkau wird sie Danske genannt.Gotthilf Löschin: Danzig und seine Umgebungen. ebenda, S. 70. (books.google.de) Es gilt als nicht unwahrscheinlich, dass dem Stadtnamen ursprünglich der Name für einen besonderen Ort zugrunde lag, dem die Bezeichnung dänisch anhaftete, wofür z. B. eine Brücke, eine Zollstation oder ein Siedlungsflecken infrage kämen.Karl Lohmeyer: Ueber den Namen der Stadt Danzig. In: Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins. Heft VI, Bertling, Danzig 1882, S. 149–154. (books.google.de) Zwar waren Burg und Ortschaft Danzig 1210 unter die Lehenshoheit der dänischen Krone gezwungen und erst 1227 von Herzog Swantopolk II. zurückerobert worden,Christian Friedrich Wutstrack: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogthume Vor- und Hinter-Pommern. Maurer, Berlin/Stettin 1793, S. 46. (books.google.de) doch kämen für eine plausible Herleitung nur mindestens 200 Jahre weiter zurückliegende dänische Einflüsse in Betracht. Im Zusammenhang mit der etymologischen Frage ist auch der Name einer gotischen Festungsanlage (Gothorum castellum), Gothiscanzia (Gotenschanze), die hier einmal vorhanden gewesen sein soll, in die Waagschale geworfen worden.Johannes Voigt: Geschichte Preussens, von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des deutschen Ordens. Band 1: Die Zeit des Heidenthums. Bornträger, Königsberg 1827, S. 98. (books.google.de)
Geschichte
mini|130px|Altes Wappen von Danzig im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig
Goten und Wikingerzeit im 1.–10. Jahrhundert An der Weichselmündung siedelten etwa seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. Goten, es sind allerdings keine archäologischen Funde im Stadtgebiet von Danzig selbst aus dieser Zeit bekannt.
Der Geschichtsschreiber Jordanes erwähnte im 6. Jahrhundert n. Chr. ein Gebiet namens Gothiscandza (Gotische Küste), mit dem er wahrscheinlich das Gebiet der Weichselmündung meinte.Daniel Gralath: Versuch einer Geschichte Danzigs aus zuverlässigen Quellen und Handschriften. Erster Band. Hartung, Königsberg 1789, S. 10. books.google.de vermutete einen sprachlichen Zusammenhang, nach ihm auch andere Sprachwissenschaftler und Historiker