Thioridazin ist ein als Sedativum und Antipsychotikum eingesetzter Arzneistoff aus der Gruppe der Neuroleptika.

Die chemische Verbindung gehört zu den Phenothiazinen und wird in Form des Racemats verwendet.

Pharmakologische Eigenschaften Thioridazin zeigt eine starke Blockade von α1-Adrenozeptoren

und jeweils eine mäßige Blockade von Dopamin-D2- Serotonin-5-HT2A- Histamin-H1- und muskarinischen M1-Acetylcholin-Rezeptoren.Harald Schmidt (Hrsg.), begründet von Claus-Jürgen Estler: Pharmakologie und Toxikologie. 6. Auflage. Schattauer, Stuttgart / New York 2007, S. 225.

Wegen seiner schwachen neuroleptischen Potenz wurde es bevorzugt zur Sedierung angewandt.

Ein ähnliches Wirkspektrum wie Thioridazin besitzt Quetiapin.

Thioridazin wirkt zudem als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).

Zulassung Thioridazin wurde 1958 von Sandoz unter dem Handelsnamen Melleril in den Handel gebracht. Der Arzneistoff wird vorwiegend als besser wasserlösliches Hydrochlorid oder Tartrat eingesetzt.

Wegen QTc-Verlängerung (siehe QT-Syndrom) hatte der größte Hersteller Novartis Melleril in den USA und in Europa aus dem Handel genommen.Thioridazine – Withdrawn due to poor benefit/risk profile. WHO Pharmaceuticals Newsletter, 2005, No. 01; abgerufen am 20. November 2016.

In Indien wurde Thioridazin neuerdings erfolgreich in mehreren kleinen Studien gegen extrem resistente Stämme von Mycobacterium tuberculosis (XDR-TB) eingesetzt. Größere klinische Studien sind geplant.Z. F. Udwadia, T. Sen, L. M. Pinto: Safety and efficacy of thioridazine as salvage therapy in Indian patients with XDR-TB. In: Recent patents on anti-infective drug discovery, Mai 2011, Band 6, Nummer 2, S. 88–91; PMID 21631417.M. J. Boeree: Global clinical trials for the treatment of TB with thioridazine. In: Recent patents on anti-infective drug discovery, Mai 2011, Band 6, Nummer 2, S. 99–103; PMID 21548879.

Unerwünschte Wirkungen Nebenwirkungen zeigen sich wie bei anderen Neuroleptika unter anderem durch anticholinerge Effekte.Torsten Kratz, Albert Diefenbacher: Psychopharmakotherapie im Alter. Vermeidung von Arzneimittelinteraktionen und Polypharmazie. In: Deutsches Ärzteblatt, (22. Juli) 2019, Band 116, Heft 29 f. S. 508–517, S. 511.

Handelsnamen Mellaril, Mellaril-S (USA), Melleril, Melleretten (D, A, CH)

Siehe auch Liste von Antipsychotika

Literatur Ernst Mutschler: Arzneimittelwirkungen. 7. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1996, S. 143–149.

Einzelnachweise

Kategorie:Phenothiazin Kategorie:N-Alkylpiperidin Kategorie:Thioether Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Antipsychotikum Kategorie:Psychotroper Wirkstoff Kategorie:Synthetische psychotrope Substanz