Der St.-Paulus-Dom zu Münster in Westfalen verfügt über drei Orgeln: Die Hauptorgel befindet sich im Johanneschor. Sie ist verbunden mit einem Turmwerk (Auxiliarwerk), welches in einer Kapellenkammer im Nordturm untergebracht ist und insbesondere der Beschallung des rückwärtigen Kirchenraumes (Westwerkes) dient. Im Westchor befindet sich ein mobiles Orgelpositiv aus dem 17. Jahrhundert, das der Begleitung der gesungenen Vesper dient.
Geschichte der Orgeln mini|links|Orgelspieler (um 1250) in der Vorhalle des Münsteraner Domes
Die Geschichte der Orgeln im Dom zu Münster reicht zurück in das 12. Jahrhundert: In das Jahr 1181 fällt die erstmalige Erwähnung eines Organisten im „Alten Dom“, und um 1250 findet sich die Darstellung eines Orgelspielers im Rankenwerk der Vorhalle des Doms. Zunächst standen im Dom kleinere, tragbare Instrumente. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es wohl zwei Orgeln, die während der Wiedertäuferzeit zerstört wurden – die eine stand im Stephanuschor, die andere im Johanneschor.Rudolf Reuter: Orgeln in Westfalen. Inventar historischer Orgeln in Westfalen und Lippe. (Veröffentlichungen der Orgelwissenschaftlichen Forschungsstelle, Band 1), Kassel 1965, S. 261–265.
Im Jahre 1588 wurde durch Arndt Lampeler van Mill aus Herzogenbusch eine Orgel mit 28 Registern als Schwalbennestorgel am nördlichen Mittelpfeiler des Langhauses gegenüber der Kanzel erbaut und von seinen Söhnen Reinhard und Dietrich Lampeler vollendet.Vera Lüpkes: Die Orgellandschaft in Westfalen und angrenzenden Regionen im 16. Jh. auf der Website www.westfalen-regional.de Die dreimanualige Orgel besaß ein angehängtes Pedal. Ihren Namen „Katharinenorgel“ führte sie von ihrer Position gegenüber der Statue der heiligen Katharina.
I Hauptwerk Kontra F–a2 1. Praestant 24′ 2. Octav 12′ 3. Octav (Bass und Diskant) 6′ 4. Mixtur 5. Zimbel 6. Regal (Bass und Diskant) 6′ II Rückpositiv C–a2 7. Praestant 6′ 8. Gedackt 6′ 9. Hohlpfeife 3′ 10. Octav 3′ 11. Superoctav 2′ 12. Sifflöte ′ 13. Mixtur 14. Zimbel 15. Cornett 6′ 16. Schalmei 3′ III Oberwerk F–a2 17. Quintade 12′ 18. Hollpfeife 6′ 19. Octav 3′ 20. Offenflöte 3′ 21. Nasat 2′ 22. Gemshorn 2′ 23. Sifflöte ′ 24. Rauschzimbel 25. Trompete 6′ Koppeln: I/II, III/II Tremulant Vogelgeschrei Trommel 2 Zimbelsterne
Dieses Instrument wurde 1610–1612 durch den Kölner Orgelbauer Daniel Bader auf die im Alten Chor neu errichtete Orgelempore versetzt und dabei, wie der erhaltene Dispositionsentwurf ausweist, unter Übernahme des Pfeifenmaterials auf 43 Register erweitert.Hugo Wohnfurter: Die Orgelbauerfamilie Bader 1600–1742. (Veröffentlichungen der Orgelwissenschaftlichen Forschungsstelle. Band 2). Bärenreiter, Kassel 1967, S. 14–19.
I Hauptwerk FF–a21. Praestant 16′2. Octav 8′3. Superoctav 4′4. Quinte 3′5. Mixtur V–VI 6. Kleine Mixtur 7. Rauschzimbel8. Zimbel III 9. Trompete 8′10. Dulcian 8′11. Kinderbaß 4′ Rückpositiv C–a212. Bourdon/Großgedackt 16′13. Praestant 8′14. Hohlpfeife 8′15. Quintade 8′16. Schweizerpfeife 8′17. Octav 4′18. Quintade 4′19. Spitzflöte 4′20. Gemshorn 2′21. Quinte ′22. Quintflöte ′23. Sifflöte 1′24. Mixtur 25. Zimbel 26. Fagott 16′27. Bombart 16′28. Krummhorn 8′29. Schalmei 4′ Oberwerk C–a230. Bartpfeife 16′31. Praestant 8′32. Principal 8′33. Hohlpfeife 8′34. Octav 4′35. Gedackt 4′36. Flöte 4′37. Gemshorn 2′38. Quintflöte ′39. Sifflöte40. Sesquialtera 41. Zimbel 42. Cornett 16′43. Trompete 8′ Koppeln: I/II, III/II
Außerdem stand auf dem ehemaligen Lettner ein kleines Orgelpositiv, das als Generalbassinstrument für die Begleitung der Chöre bzw. Domkapelle diente, die von der Lettnerbühne aus musizierte. Dieses Instrument steht heute im Westchor.
In den Jahren 1752–1755 wurde die Katharinenorgel durch eine neue, größere Orgel ersetzt, die von Johann Patroclus Möller erbaut wurde. Die Möller-Orgel besaß 53 Register auf drei Manualen und Pedal.
Anlässlich der Fertigstellung der Münsteraner Domorgel verfasste der Hannoveraner Orgelbauer Christian Vater am 31. Oktober 1755 ein weitgehend ironisch gehaltenes Gutachten, wobei namentlich die Verwendung der inzwischen als altmodisch angesehenen Springlade anstelle der moderneren Form der Schleiflade (in betracht er vielleicht nie mahl Schleüffladen gesehen noch verfertiget, dahero auch den vorteil und nutzen nicht wißen kann), das Fehlen des Tremulanten (daß ein guter Dohm organiste den tremulanten an den fingern mit in die Kirchen bringen müste) oder die Größe der Blasebälge (solche ungeheüre Püsters so 12 fuß lang und 7 fuß breit sind mir noch nicht vorkommen) moniert wird.Ulrich Wulfhorst: Der westfälische Orgelbauer Johann Patroclus Möller. (Veröffentlichungen der Orgelwissenschaftlichen Forschungsstelle. Band 2). Bärenreiter, Kassel 1967, Teil 2: Die Quellen.
I Hauptwerk C–d31. Prinzipal 16′2. Rohrflöte 16′3. Octave 8′4. Quintadena 8′5. Gemshorn 8′6. Viola di Gamba 8′7. Quint 6′8. Flûte douce 4′9. Octave 4′10. Octave 2′11. Mixtur V12. Sesquialter III13. Zimbel IV14. Trompete 8′15. Trompete 4′ II Rückpositiv/Unterwerk C–d316. Großgedackt 16′17. Prinzipal 8′18. Rohrflöte 8′19. Flauto traverso 8′20. Octave 4′21. Rohlflöte 4′22. Quintflöte 3′23. Quinte 3′24. Superoctave 2′25. Mixtur IV26. Zimbel III27. Fagott 16′28. Vox Humana 8′ III Brustpositiv/Oberwerk C–d329. Gedackt 8′30. Salzional 8′31. Prinzipal 4′32. Nachthorn 4′33. Echo Salzional 4′34. Spitzflöte 2′35. Octave 2′36. Sifflöte ′37. Kornett III38. Sesquialter II 39. Mixtur IV40. Rankett 16′41. Krummhorn 8′ Pedalwerk C–d142. Prinzipal-Bass 16′43. Subbass 16′44. Octavbass 8′45. Quintbass 6′46. Octave 4′47. Flöte 1′48. Mixtur VII49. Contraposaune 32′50. Posaune 16′51. Trompete 8′52. Trompete 4′53. Schalmei 2′
Nach einer 1852 erfolgten ersten Reparatur der Möller-Orgel durch Caspar Melchior Kersting verlegte dieser sie 1859 bis 1862 in eine neu eingerichtete Orgelkammer über dem Kapitelsaal, d. h. oberhalb des Stephanschores im nördlichen Querschiff. Dabei wurde sie entschieden umgestaltet und um neue, zeittypische Register erweitert.Wolf Kalipp: Die westfälische Orgelbauerfamilie Vorenweg-Kersting (1784–1879). (Veröffentlichungen der orgelwissenschaftlichen Forschungsstelle im Musikwissenschaftlichen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität, Band 12). Bärenreiter, Kassel 1984, S. 129–150, ISBN 3-7618-0725-2 Im Zweiten Weltkrieg wurde das Instrument zerstört.
I Hauptwerk C–f31. Prinzipal 16′2. Bordun/Rohrflaut 16′3. Untersatz 32′4. Prinzipal I / Praestant 8′5. Prinzipal II 8′6. Gamba/Nachthorn 8′7. Gemshorn 8′8. Quintatön 8′9. Quinta 6′10. Flaut dolce/Gemsflaut 4′11. Superoctav 4′12. Octavin/Octaviant 4′13. Tertia major ′14. Sesquialter III 3′15. Mixtur V 2′16. Cymbal IV ′17. Trompet 8′18. Trompet 4′19. Trombone 16′ II Positiv/Volksorgel C–f320. Bourdon/Großgedackt 16′21. Prinzipal 8′22. Rohrflaut 8′23. Flaut Recordor 8′24. Viola da Gamba 8′25. Octave 4′26. Rohrflaut 4′27. Quinta 3′28. Quintaflaut 3′29. Octav 2′30. Sesquialter II31. Mixtur IV32. Cymbal III33. Dulcian 16′34. Vox Humana 8′ III Gregorianum/Chororgel C–f335. Dolce major (Bourdon) 16′36. Geigenprinzipal 8′37. Praestant 4′38. Salcional 8′39. Pastorita 4′40. Cornet d’Echo 4′41. Octav 2′42. Spitzflaut 2′43. Sifflaut ′43. Cornett II–III44. Sesquialter II 45. Mixtur IV46. Rankett 16′47. Crummorn 8′ Pedal I / Hauptpedal / Volksorgel C–d148. Untersatz 32′49. Prinzipal-Bass 16′50. Subbass 16′50. Principal 8′51. Bordun 8′52. Octav 4′53. Quinta 6′54. Flaut 1′55. Posaune 32′56. Posaune 16′57. Trompet 8′58. Clairon 4′59. Clarin 2′ Pedal II / Chororgel C–d160. Dulcean 16′61. Violon 8′62. Ophicleide 16′63. Basson 8′ Koppeln: II/I, III/I, I/P Pedal-Octav-Koppel Kollektivzüge für Pedal I, Rohrwerke/Pedal I, Pedal II Crescendo Chororgel Chorforte Volksorgel
Hauptorgel mini|Orgelprospekt
Die Hauptorgel steht im südlichen Querhaus. Sie geht zurück auf ein Instrument, welches im Jahre 1956 von dem Orgelbauer Hans Klais (Bonn) erbaut wurde. Bis 1987 war die Orgel im Stephanuschor untergebracht; das Instrument befand sich in einer zum Chor- und Altarraum offenen Orgelnische über dem Kapitelsaal.
Im Zuge der Renovierung des Doms im Jahre 1987 wurde das Instrument von der Orgelbaufirma Klais (Bonn) in einem neuen Gehäuse vor dem Südfenster des östlichen Querschiffs, im Johanneschor, auf einem Steinpodest mit Treppenstufen aufgestellt. Das Gehäuse war von den Kölner Bildhauern Elmar Hillebrand und Theo Heiermann entworfen worden, es setzt in seiner Form einen Kontrast zum dahinter eingesetzten Spitzbogenfenster und exponiert an den Schleierbrettern eine Blumenmotivik. Während der Pfeifenbestand weitgehend unverändert in die neue Orgel übernommen wurde (Disposition: Ekkehard Stier und Hans Gerd Klais), hat man die gesamte Spieltechnik neu angefertigt. Die kupfernen Prospektpfeifen wurden für den neuen Standort in einem speziellen Verfahren mit Zinn plattiert. In den äußeren Pfeifentürmen und an der Rückwand des Instruments sind die Pedalpfeifen untergebracht. Im dreitürmigen Mittelbau befindet sich oben das Hauptwerk, und darunter das Positiv. Zwischen den Pedaltürmen und dem Mittelbau sind das Recit (rechts) und das Schwellwerk (links) untergebracht. Die Spielanlage befindet sich im Fuß des Orgelgehäuses – der Organist sitzt mit dem Rücken zum Altarraum. In Anlehnung an Orgeln des Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll wurden die Register- und Koppelzüge des Spieltisches terrassenartig im Halbrund angeordnet. Von einem kleinen, fahrbaren Spieltisch mit elektronischen Trakturen lässt sich das Positiv (1. Manualwerk) ansteuern.
Im Jahre 2002 wurde die Orgel renoviert und deren Disposition geringfügig modifiziert und ergänzt. Außerdem hat man die zehn Glocken der Astronomischen Uhr (Tonfolge des1–f2) vom 1. Manual aus spielbar gemacht; bis dato waren sie über eine behelfsmäßige elektronische Anlage auf einem separaten kleinen Keyboard anspielbar. Die Registerzüge des Auxiliarwerks im Westwerk wurden auf einem separaten Registertableau links des Spieltisches untergebracht.
Im Sommer 2014 hat man die Orgel grundlegend gereinigt und neuintoniert. Anlässlich der Erweiterung des Auxiliarwerkes im Nordturm des Domes wurde der Spieltisch der Hauptorgel reorganisiert, wobei die Registerzüge des jetzigen Turmwerkes in die Anlage am Spieltisch einbezogen werden. Die bisherigen Manubrien wurden durch Registerwippen ersetzt. Das Schleifladen-Instrument hat 74 Register (5.889 Pfeifen) auf vier Manualen (zwei Schwellwerke) und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.
I Positiv C–a31. Praestant (Pr.) 8′ (N)2. Koppelflöte 8′3. Lieblich Gedackt 8′4. Quintadena 8′5. Principal 4′6. Blockflöte 4′7. Nasard ′8. Principal 2′9. Rohrflöte 2′10. Terz ′11. Sifflöte ′12. Septime ′13. Octävchen 1′14. Mixtur IV–VI 15. Cromorne 8′ (E)16. Trompete 8′ (E) Tremulant Glockenspiel II Hauptwerk C–a317. Principal (Pr.) 16′18. Metalloctave 8′ (N)19. Holzoctave 8′20. Grobgedackt 8′21. Große Quinte ′22. Octave 4′23. Spillflöte 4′24. Große Terz ′25. Quinte ′26. Superoctave 2′27. Mixtur VI–VIII (N)28. Acuta IV 29. Cornet V (N)30. Trompete 16′31. Trompete 8′ (N)32. Trompete 4′ (N) III Récit (schwellbar) C–a333. Principal 8′34. Gedacktflöte 8′35. Spitzgedackt 8′36. Principal 4′37. Querflöte 4′38. Schwegel 2′39. Rauschpfeife II–III 40. Mixtur V–VI 41. Fagott 16′42. Trompette harmonique 8′43. Hautbois 8′44. Clairon 4′ (E) Tremulant IV Schwellwerk C–a345. Gedacktpommer 16′46. Holzprincipal 8′47. Rohrflöte 8′48. Gamba 8′ (E)49. Vox coelestis 8′ (N)50. Octave 4′51. Quintadena 4′52. Hohlflöte 2′53. Sesquialter II 54. Mixtur IV 55. Terzcymbel III–IV 56. Regal 16′57. Rohrschalmey 8′58. Vox humana 8′ Tremulant Pedal C–g159. Untersatz 32′60. Offenflöte (Pr.) 16′61. Principalbass 16′62. Subbass 16′63. Octavbass 8′64. Rohrgedackt 8′65. Tenoroctave 4′66. Spitzflöte 4′67. Octave 2′68. Mixtur VI 69. Hintersatz IV 70. Contraposaune 32′71. Posaune 16′ (N)72. Bombarde 16′73. Trompete 8′74. Clarine 4′ Koppeln: I/II, III/II, IV/II, III/I, IV/I, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P.