mini|Aspiration des ausgewählten Spermiums mit der Stechkanüle mini|Punktion der Eizelle. Diese wird links von einer Saugkanüle festgehalten, rechts wird sie mit der Stechkanüle punktiert (Kreis). Die Zellmembran dellt sich schon weit nach innen ein, ist aber noch nicht durchstochen.

Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist eine Methode der künstlichen Befruchtung, die in Kinderwunschzentren angewendet wird, welche auch In-vitro-Fertilisation anbieten.

Die erste Geburt nach Intrazytoplasmatischer Spermieninjektion fand 1992 am Universitätskrankenhaus Brüssel in Jette statt.Thirty years ago, the very first ICSI baby was born in UZ Brussel. Artikel von Helen Critchley vom 31. Januar 2022 in der Zeitung Brussels Morning (englisch)

Anwendungsgebiet mini|Injektion des Spermiums durch die Stechkanüle in das Ooplasma. Dieser Vorgang ist noch nicht mit der Befruchtung identisch, diese erfolgt später von selbst (oder – in bis 20 % – nicht). Die Methode kann bei allen vollreifen Eizellen angewendet werden. Die auch als „Mikroinjektion“ bezeichnete Behandlung, kommt insbesondere bei sehr eingeschränkter Samenqualität des Mannes zum Einsatz. Der Grenzwert unterhalb von welchem eine einfache IVF-Behandlung nicht mehr erfolgversprechend ist, liegt bei 500.000 bis 600.000 vorwärtsbeweglichen Spermien.Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) Universitätsklinikum Bonn, abgerufen am 4. November 2024.

Vorgehensweise und Erfolgsaussichten Bei der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird ein einzelnes Spermium mit Hilfe einer sehr feinen hohlen Glasnadel direkt in die Eizelle injiziert, die zuvor dem Eierstock der Frau entnommen wurde. Selbst bei sehr schlechter Spermienqualität und Spermienzahl, sind die Erfolgsaussichten vergleichsweise gut und mit denen einer normalen IVF-Behandlung vergleichbar. Bei mehr als 70 Prozent der Eizellen, in die mittels ICSI ein Spermium eingebracht wurde, kommt es zu einer Befruchtung. Dabei erfolgt die Spermiengewinnung (wenn möglich) durch Masturbation. Sollten gar keine Spermien im Ejakulat vorhanden sein, beispielsweise nach erfolgter Sterilisationsbehandlung, ist auch die Gewinnung aus dem Nebenhoden oder Hoden möglich, wobei entweder Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA) oder Testikuläre Spermienextraktion (TESE) angewendet werden.Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) BZgA, abgerufen am 4. November 2024.

Inzwischen wird ICSI in Deutschland bei unerfülltem Kinderwunsch häufiger eingesetzt als die herkömmliche In-vitro-Fertilisation (IVF). Im Jahr 2014 kam das Verfahren bei fast 75 % aller künstlichen Befruchtungen zur Anwendung.

Obwohl der Embryonentransfer (in Deutschland) bei rund 93 Prozent der Fälle erfolgreich ist, liegt die Schwangerschaftsrate durchschnittlich bei nur 33 Prozent. Die Geburten- oder so genannte „Baby Take Home Rate“, liegt jedoch bei maximal 23 Prozent (andere Quellen geben sogar nur 15–20 Prozent anKünstliche Befruchtung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, abgerufen am 4. November 2024.). Dabei sinkt sowohl die Chance auf eine Schwangerschaft als auch die Wahrscheinlichkeit einer Geburt mit steigendem Alter der Frauen und ihrer Partner. Nach vier Behandlungsversuchen sind die Hälfte der Paare Eltern geworden, während die andere Hälfte weiterhin ungewollt kinderlos ist.Baby Take Home Rate. Abschied vom Kinderwunsch Bayerischer Rundfunk, abgerufen am 4. November 2024.

Kosten und Kostenübernahme Preise für Kinderwunschbehandlung unter Anwendung der ICSI-Methode variieren stark. In Deutschland sind die Kosten im internationalen Vergleich eher hoch. Das Fertilitätszentrum des Universitätsklinikum Frankfurt verlangt pro Versuch etwa 3.700 EuroKlinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Kosten einer Kinderwunschtherapie Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, abgerufen am 4. November 2024., an der Universitätsmedizin Mainz ist mit Kosten zwischen 4.200 und 4.400 Euro zu rechnen. Das Angebot wendet sich nicht nur an homosexuelle Paare, Frauenpaare können sich ebenfalls behandeln lassen, müssen die Kosten jedoch (außer in Saarland und Rheinland-Pfalz, wo sich auch alleinstehende Frauen behandeln lassen könnengleichgeschlechtliche Partnerschaften und alleinstehende Frauen IVF-Saar, abgerufen am 4. November 2024.) komplett selbst tragen.Wie viel Geld müssen lesbischen Paare für eine Kinderwunschtherapie aufwenden? Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, abgerufen am 4. November 2024.

Derzeit werden in Deutschland drei ICSI-Versuche zur Hälfte von gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Dies gilt allerdings (fast überall) nur für verheiratete Paare, die Kinderwunschbehandlung ohne Eizell- oder Samenspende durchführen lassen. Außerdem gelten Altersgrenzen: Für Bezuschussung durch die Krankenkasse müssen beide Ehepartner über 25 Jahre alt sein, wobei die Frau nicht älter als 40, der Mann nicht älter als 50 sein darf.Künstliche Befruchtung: Wer trägt die Kosten? BZgA, abgerufen am 4. November 2024.

In den USA liegen die Kosten, die zusätzlich zur IVF-Behandlung für ICSI anfallen, zwischen 800 und 2.200 US-Dollar (etwa 730 bis 2.200 Euro).What Does ICSI Cost? fertilityiq.com, abgerufen am 4. November 2024. Die Kosten der IVF-Behandlung betragen mehr als 20.000 US-Dollar pro Behandlungszyklus (ca. 18.000 Euro).IVF - In Vitro Fertilization. Costs of IVF fertilityiq.com, abgerufen am 4. November 2024.

Selbst wenn die Kosten für ICSI noch zusätzlich berechnet werden, ist der finanzielle Aufwand für eine IVF-Behandlung (mit eigenen Eizellen) in Europa, zwischen 1.500 und 7.000 Euro pro Zyklus, deutlich geringer als in den USA. Zu Ländern, die so günstig sind, dass sie für Paare aus Deutschland oder Frankreich attraktiv sind, zählen Estland, Lettland und Slowakei.IVF Cost Calculator fertilityclinicsabroad.com, abgerufen am 4. November 2024.

Diskussion Laut einer Pressemeldung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) vom Juli 2008 wird die ICSI in Europa zu häufig angewendet. Bei Paaren ohne stark ausgeprägte männliche Infertilität verspricht die ICSI keine besseren Chancen auf eine Schwangerschaft als die In-vitro-Fertilisation (IVF). In einer großen multizentrischen, randomisierten Studie mit über 2300 Paaren zeigte Wang et al. (2023), dass die Lebendgeburtenrate nach dem ersten Embryotransfer bei ICSI nicht höher war als bei konventioneller IVF (33,8 % vs. 36,6 %; adjustiertes Risikoverhältnis 0,92; p=0,16). Auch Dang et al. (2021) fanden bei Paaren mit nicht-schwerer männlicher Infertilität keinen Vorteil von ICSI gegenüber IVF in Bezug auf die Lebendgeburtenrate. Eine weitere Analyse von Berntsen et al. aus Dänemark ergab, dass die kumulative Lebendgeburtenrate bei IVF sogar leicht höher lag als bei ICSI (47,3 % vs. 43,2 %), ohne statistisch signifikanten Unterschied.

Siehe auch

Weblinks

Erläuterungen zum Ablauf einer ICSI. im Portal familienplanung.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Künstliche Befruchtung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Einzelnachweise

Kategorie:Reproduktionsmedizin