mini|Hermann Fehling, vor 1899 Hermann Fehling (* 14. Juli 1847 in Stuttgart; † 11. November 1925 in Baden-Baden) war ein deutscher Gynäkologe und Geburtshelfer sowie Hochschullehrer.

Herkunft Hermann Fehling wurde als Sohn des Chemikers Hermann Christian von Fehling, Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart, geboren. Hermann Fehlings Mutter Sophie Fehling geb. Cleß (* 1822; † 1888) war eine Tochter des Theologen Karl von Cleß und eine Enkelin von Christian Elben.

Leben und Wirken Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart studierte Fehling zunächst an der Technischen Hochschule Naturwissenschaften, danach Medizin an der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Universität Leipzig. In Tübingen machte er die Bekanntschaft mit Hermann Burkhardt und Erwin Bälz.

Er nahm am Deutsch-Französischen Krieg teil und wurde mit der Württembergischen Verdienstmedaille ausgezeichnet. 1872 trat er als Assistenzarzt unter Carl Siegmund Franz Credé in die Universitätsfrauenklinik Leipzig an. Dort wurde er zum Dr. med. promoviert. Studienreisen führten ihn nach Wien, Prag, London, Glasgow und Edinburgh. 1876 habilitierte er sich in Leipzig.

Unter Credé wirkte er an mehreren wissenschaftlichen Studien mit und präsentierte seine Ergebnisse in der Geburtshilflich-gynäkologischen Gesellschaft zu Leipzig (später Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie zu Leipzig), deren Ehrenmitglied er blieb.Paul Zweifel. Hermann Johannes Karl Fehling (Nachruf und Würdigung). In: »Zentralblatt für Gynäkologie« 49.1925, S. 2865–2874

Im Jahr 1877 wurde er als Dozent an die Württembergische Landeshebammenschule in Stuttgart berufen. Bereits im selben Jahr übernahm er die Leitung der Schule. 1883 erhielt Fehling einen Lehrauftrag an der Universität Tübingen. 1887 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Geburtshilfe an der Universität Basel. Als Direktor des Frauenspitals konzipierte er einen Neubau, der damals als einer der modernsten der Welt galt. 1894 wurde Fehling als ordentlicher Professor für Geburtshilfe und Direktor der Frauenklinik an die Friedrichs-Universität Halle berufen. Den Ruf der Universität Tübingen lehnte er 1897 ab. 1900 folgte er dem Ruf an die Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg. 1908/09 war er ihr Rektor.Rektoratsrede (HKM)Rektoratsrede: Wundinfektion und Wundbehandlung im Wandel der Zeiten und Anschauungen.

Als Generaloberarzt koordinierte er während des Ersten Weltkrieges die Tätigkeit der zu Reservelazaretten umgewandelten Universitätskliniken in Straßburg. Ende 1918 wurde er mit den anderen deutschen Professoren der Universität aus Frankreich ausgewiesen und ließ sich in Baden-Baden nieder. Dort starb der Geheimrat Fehling 1925 im Alter von 77 Jahren. Der Gynäkologe Karl Franz war sein Schwiegersohn.

Hermann Fehling gründete 1877 mit Heinrich Fritsch das Centralblatt für GynäkologieEine bis 1930 reichende digitale Ausgabe des »Zentralblatts für Gynäkologie« findet sich in der Wikisource. Als Herausgeber des Zentralblatts agierte nur Heinrich Fritsch, weshalb auch nach dessen Tod und der Übernahme der Herausgeberschaft durch Walter Stoeckel im Untertitel Begründet von Heinrich Fritsch nur an Fritsch erinnert wurde. Nach Fehlings Tod 1925 brachte das Zentralblatt jedoch einen langen Nachruf des nur ein Jahr jüngeren und 2 Jahre nach Fehling verstorbenen Schweizer Gynäkologen Paul Zweifel (»Zentralblatt für Gynäkologie« 49.1925, S. 2865–2874) . 1897 wurde er Geheimer Medizinalrat.

Ein wesentliches Forschungsgebiet Fehlings war der Stoffumsatz im Fötus und jungen Baby, womit der Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind, und zwar sowohl im Mutterleib, als auch beim Stillen gemeint ist.in der Übersicht in der Wikisource die Artikel 7, 11, 17, 19 und 37 Weiterhin publizierte er über die Entstehung des rachitischen Beckens, die sogenannte Schwangerschaftsniere, die Braxton Hicks-Wendung,H. Fehling: Die kombinirte Wendung nach Braxton Hicks bei Einleitung der künstlichen Frühgeburt. In: Centralblatt für Gynäkologie. Band 10, Nr. 10, 6. März 1886, S. 145–148. 1887 die Kastration zur Heilung der Osteomalazie und die Eklampsie. Das Fehlingsche Röhrchen, das zum Abfluss des Eiters bei einer Pyometra in die Cervix uteri eingelegt wird, trägt seinen Namen.

Familie Hermann Fehling war seit 1878 verheiratet und Vater von vier Töchtern. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1902 erneut. Die zweite Ehe blieb kinderlos.Andreas Abel: Die Nachkommen des Regierungsrats Carl F. Feuerlein. Todt-Druck, Villingen-Schwenningen 2007, S. 181

Schriften (Auswahl) eine ausführliche Zusammenstellung seiner Arbeiten findet sich in der Wikisource

Lehrbuch der Geburtshilfe für Hebammen. 1883. Über neuere Kaiserschnittmethoden. 1884. Das Dasein vor der Geburt. Ferdinand Enke, Stuttgart 1887. Handbuch der Geburtshilfe. 1888. Physiologie und Pathologie des Wochenbetts. 1890. Die Bestimmung der Frau, ihre Stellung zu Familie und Beruf. 2. Auflage. Ferdinand Enke, Stuttgart 1892. Lehrbuch der Frauenkrankheiten. 1900. Diagnostische und therapeutische Irrtümer und deren Verhütung in der Schwangerschaft. 1921, Reprint VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-8364-4024-0. Entwicklung der Geburtshilfe und Gynäkologie im 19. Jahrhundert. Berlin 1925, Reprint VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-8364-4025-7.

Ehrungen Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1884) Präsident (1907–1909) und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Literatur Hans Ludwig, Walter Jonat: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe – Vom Programm zur Botschaft. A short history (1886–2008) of the German Society of Gynecology and Obstetrics reviewing its 57 congresses. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Düsseldorf 2002, ISBN 3-00-009676-0.

Weblinks

s:Zentralblatt für Gynäkologie

Einzelnachweise

Kategorie:Gynäkologe, Geburtshelfer Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Rektor der Kaiser-Wilhelms-Universität Kategorie:Hochschullehrer (Eberhard Karls Universität Tübingen) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Basel) Kategorie:Hochschullehrer (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Straßburg) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (19. Jahrhundert) Hermann Kategorie:Träger der Württembergischen Militärverdienstmedaille Kategorie:Person im Deutsch-Französischen Krieg Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Generaloberarzt Kategorie:Württemberger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1847 Kategorie:Gestorben 1925 Kategorie:Mann Kategorie:Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Kategorie:Absolvent der Universität Leipzig