Die Höfats ist ein hoher Berg in den Allgäuer Alpen. Nahe Oberstdorf gelegen, trennt sie, zusammen mit dem Rauheck und weiteren kleineren Gipfeln, das Oytal vom Dietersbachtal. Sie ist als der markanteste Allgäuer Grasberg mit sehr steilen Flanken einzigartig in den Ostalpen.
Lage und Umgebung Die Höfats hat insgesamt vier beinahe gleich hohe Gipfel, daher wurde sie in der Vergangenheit wegen ihrer schlanken und aufstrebenden Linien mit einem gotischen Dom verglichen.Ernst Zettler, Heinz Groth: Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen. Bergverlag Rudolf Rother, München 1951, S. 214
Die vier Gipfel der Höfats teilen sich in zwei Gipfelpaare auf, die durch die Höfatsscharte () voneinander getrennt sind. Zwischen den Gipfeln der beiden Gipfelpaare befinden sich kleinere Einschnitte (ca. und ). Alle Gipfel sitzen auf dem Kamm, der vom Rauheck nach Nordwesten zieht.Ernst Zettler, Heinz Groth: Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen. Bergverlag Rudolf Rother, München 1951, S. 214f
miniatur|hochkant|Höfatsnadel Vom Ostgipfel () zieht ein Grat nach Südosten zum Alpelsattel sowie eine Kante nach Ostsüdosten, die im mittleren Bereich einen überhängenden Zacken enthält (Höfatszahn). Zwischen dem Grat und der Kante befindet sich die Südostwand des Ostgipfels. Des Weiteren entsendet der Ostgipfel einen unbedeutenden Grat nach Südwesten, der den Bergangertobel im Osten von der Höfatswanne im Westen trennt.
Der auf den Ostgipfel folgende Mittelgipfel () ist eigentlich nur eine ca. 20 m lange, waagrechte Schneide, die außer den beiden Hauptgraten nur einen nach Südwesten abfallenden Grat besitzt, der in der Höfatswanne wie ein Pfeiler endet. Am Fuße dieses Grates liegt eine Höhle (Höfatsgufel bzw. Gufel). Auf der Ostseite fehlt dem Mittelgipfel ein entsprechender Grat. Stattdessen fällt hier die Wand mehrere hundert Meter teilweise überhängend in das Rote Loch ab.
An dem nach der Höfatsscharte folgenden Zweiten Gipfel (), dem Hauptgipfel, löst sich nach Nordosten der längste Grat im Bereich der Höfats. Dieser fällt zunächst steil ab bis in die Scharte (Schärtele) zwischen Höfats und Kleiner Höfats und hat im Nordostgrat der Kleinen Höfats seine Fortsetzung. Die Nordwände des Zweiten Gipfels fallen teilweise senkrecht in den Rauhen Hals hinab. Unterhalb des Wandfußes befindet sich eine markante Felsnadel, die Höfatsnadel.
Der Westgipfel () ist mit dem Zweiten Gipfel durch einen wenig eingescharteten Grat verbunden. Nach Norden entsendet der Westgipfel den Nordgrat, der steil auf dem Rauhenhalsgrat aufsetzt. Der nach Südwesten ziehende, mit Felstürmchen besetzte Grat begrenzt die Höfatswanne im Westen.
Namensgebung Die Bedeutung des Namens Höfats Dem Namen Höfats (in der Oberstdorfer Mundart []) galten schon viele Deutungsversuche. Er wurde vielfach als Name mit romanischem Ursprung interpretiert. Der Flurnamenforscher Ludwig Mayr glaubte, der Name sei auf einen Namen Herfart (Harifrid) zurückzuführen, der eine Alpe an der Höfats angelegt habe, die dem Berg schließlich den Namen gegeben habe.Georg Frey: Allgäuer Grasberge. Jahrbuch des DAV 1963, S. 29Thaddäus Steiner: Höfats – Versuch einer Namendeutung. In: Unser Oberstdorf, Blätter zur Oberstdorfer Heimatgeschichte. Heft 50/2007, S. 1847 Ebenso war früher eine Deutung des Namens als Die Hoffärtige (wegen der majestätischen Formen des Berges) weit verbreitet, was allerdings bereits im Alpenvereinsführer 1951 als „gewagt“ bezeichnet wurde.
Den eigentlich ersten professionellen Deutungsversuch des Namens lieferte August Kübler bereits im Jahre 1909.August Kübler: Die Orts-, Wasser- und Bergnamen des alpinen Iller-, Lech- und Sannengebietes. Amberg 1909, S. 387 Seiner Ansicht nach ist der Name das „part. preaes. neutrum des Verbes heben …“ mit der Bedeutung „Wo alles sich hebt, wo alles emporragt“. Diese Interpretation konnte allerdings Thaddäus Steiner in seiner Dissertation aus dem Jahre 1972 aufgrund seiner detaillierten Kenntnisse der Grammatik der Oberstdorfer Mundart widerlegen. Steiner konnte damals keine einwandfreie Deutung des Namens liefern.Thaddäus Steiner: Die Flurnamen der Gemeinde Oberstdorf im Allgäu, Band II. Selbstverlag des Verbandes für Flurnamenforschung, München 1972, S. 152
Erst im 21. Jahrhundert schlug Thaddäus Steiner eine plausible Interpretation vor, die den Namen mit ziemlicher Sicherheit richtig erklärt. Seine Interpretation stützt sich auf die Tatsache, dass die unteren Bereiche der Höfats viele Jahrhunderte der Ortschaft Gerstruben als Geißweide (d. h. Weide für Ziegen) dienten und in der Walsermundart das Wort Atz Weide bedeutet (Gerstruben ist eine alte Walsersiedlung). Zusammen mit der bereits in seiner Dissertation 1972 beschriebenen Tatsache, dass in der Oberstdorfer Mundart ein mittelhochdeutsches -ch häufig als -f gesprochen wird, ergibt sich damit unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass in der Oberstdorfer Mundart ein langes -ö- als gesprochen wird die Bedeutung Höchatz (= hochgelegene Weide). Von dieser hochgelegenen Weide wurde der Name auf den Berg übertragen.
Namen der Einzelgipfel Die Namen der einzelnen Gipfel sowie die Höhenangaben variieren in der Literatur sowie in den einzelnen Kartenwerken. Die Höhenangaben sind in der Alpenvereinskarte „Allgäuer Alpen West“ am detailliertesten. Von Nordwesten nach Südosten besteht der Gipfelaufbau der Höfats ihr zufolge aus den folgenden Einzelgipfeln: Westgipfel, Zweiter Gipfel, Mittelgipfel, und Ostgipfel.
Bis zum 19. Jahrhundert war für die Namensgebung ausschlaggebend, dass die Bewirtschaftung der steilen Grasflanken im unteren Bereich des Berges von der Ortschaft Gerstruben aus erfolgte. Da Gerstruben westlich der Höfats liegt, hieß damals der Westgipfel Vorderer Gipfel, der Zweite Gipfel Nebengipfel und der Ostgipfel wurde als Hinterer Gipfel bezeichnet.Anton Spiehler: Erschließung der Ostalpen. Berlin 1893, S. 82 Lediglich der Mittelgipfel hatte früher die gleiche Bezeichnung. Erst nach dem Erscheinen der ersten Alpenvereinskarte „Allgäuer Alpen West“ im Jahre 1906 wurden die Bezeichnungen Westgipfel, Zweiter Gipfel und Ostgipfel verwendet.
Die neue Ausgabe des Alpenvereinsführers aus dem Jahr 2004 lehnt die bisher gebräuchlichen Bezeichnungen „Westgipfel“ und „Ostgipfel“ ab. Als passendere Bezeichnung wird „Nordwestgipfel“ sowie „Südostgipfel“ vorgeschlagen. Da die Literatur und auch die meisten Karten überwiegend die Bezeichnungen Westgipfel und Ostgipfel verwenden, verwendet auch dieser Artikel diese Namen.
Geologie Die Höfats ist aus grauen Aptychenkalken aufgebaut, die der jüngeren Juraperiode entstammen. Diese Aptychenkalke sind von einer Schicht kieselreicher, roter Hornsteinkalke umlagert, die beiderseits der Höfatsscharte den Gipfelgrat erreichen und die bei dem nach Osten abstürzenden Roten Loch für dessen Rotfärbung verantwortlich sind. Unterhalb der Hornsteinschichten tritt der Sockel aus Lias-Fleckenmergel hervor, was beim Aufstieg aus der Wanne zum Westgipfel deutlich erkennbar ist. Die Aptychenschichten bauen an der Höfats die verwegenen Zacken (beispielsweise an der Höfatsnadel) und scharfen Grate auf.Ernst Zettler, Heinz Groth: Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen. Bergverlag Rudolf Rother, München 1984, S. 398Volker Jacobshagen: Vom geologischen Aufbau der Allgäuer Kalkalpen. Jahrbuch des DAV 1966, S. 42
Botanik und Naturschutz miniatur|links|Zeltposten der Bergwacht in den 1960er Jahren Die Höfats ist für ihre Pflanzenvielfalt weit über das Allgäu hinaus bekannt. Aufgrund des Kieselgehalts der Hornsteine und der Aptychenkalke an der Höfats ist der Artenreichtum hoch. Hier findet man neben Enzian, Aurikel und Anemone auch die Edelraute, das Federgras sowie die Straußglockenblume und das Edelweiß, das früher hier sehr zahlreich vorkam und der Höfats zu großer Bekanntheit verhalf.
miniatur|Edelweißstock an der Höfats. Im Hintergrund Trettachspitze und Mädelegabel Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Edelweiß an der Höfats beinahe ausgerottet, obwohl der Berg bereits seit 1911 Pflanzenschutzgebiet war. Besonders zur Zeit der Inflation 1923 wurde das Edelweiß büschelweise gepflückt, um es dann in Oberstdorf am Bahnhof den Touristen verkaufen zu können.Trillerpfeife warnte vor der Versuchung, Beitrag in der Süddeutschen Zeitung über den Bergwacht-Posten, 9. September 1996 Mitte der 1920er Jahre betrug daher der Edelweißbestand an der Höfats nur noch 10 % des Bestandes des Jahres 1900. Diese Entwicklung veranlasste die Allgäuer Bergwacht unter Federführung von Georg Frey, ab dem Jahre 1935 einen Zeltposten auf einer waagrechten Rippe unterhalb der Höfatsgufel auf ca. 2.000 m Höhe einzurichten, der von Juni bis September ständig durch zwei Bergwachtmänner (bei wöchentlicher Ablösung) besetzt wurde. Diese überwachten die steilen Flanken der Höfats nach Bergsteigern, die Edelweiß sammelten. Wenn notwendig mussten sie den vermutlichen Edelweißräubern nachstellen und sie gegebenenfalls vom Pflücken abhalten. Dadurch konnten die letzten Edelweiß-Restbestände vor der endgültigen Ausrottung bewahrt werden. Außerdem gingen durch die ständige Präsenz der Bergwacht die tödlichen Abstürze rapide zurück. Im Jahre 1959 wurde das Gebiet der Höfats zum Naturschutzgebiet erklärt. Dank der ständigen Bewachung der Edelweißbestände sind diese bis zu Beginn der 1970er Jahre wieder auf 80 % des Standes des Jahres 1900 angewachsen.Georg Frey: Allgäuer Grasberge. Jahrbuch des DAV 1963, S. 31 Mittlerweile gibt es an der Höfats wieder Edelweißstöcke mit 30 oder mehr Blüten.
Da der Aufenthalt für die Bergwachtmänner bei Schlechtwetter, Gewittern oder sommerlichen Wintereinbrüchen in dem Zeltposten alles andere als angenehm war, reifte Ende 1960er Jahre bei dem Kemptner Bergwachtmann Wolfgang Bedau, dem damaligen Bereitschaftsleiter Kurt Bogner und dem Bergwacht-Abschnittsgeschäftsführer Georg Frey die Idee, anstelle des Zeltes eine Biwakschachtel aufzustellen. Im Jahre 1969 wurde die Aluminium-Biwakschachtel zusammen mit Mitgliedern der Neu-Ulmer Bergwacht gebaut und unter Zuhilfenahme eines Hubschraubers auf dem Platz unterhalb der Höfatsgufel aufgestellt.
In Erinnerung an die Verdienste von Georg Frey heißt der Bergwacht-Stützpunkt an der Höfats mittlerweile Georg-Frey-Stützpunkt.Michael Munkler: Bergwacht 65 Jahre im Dienste des Naturschutzes. In: Allgäuer Anzeigeblatt, 4. Oktober 1994
Da sich inzwischen die Edelweißbestände erholt haben und das Umweltbewusstsein der Bergsteiger eine permanente Überwachung nicht mehr erforderlich macht, ist der Bergwachtstützpunkt seit dem Jahre 2007 nicht mehr besetzt.
Alpinismus Bergsteigerische Erschließung Die bergsteigerische Erschließung der Höfats kann in vier Epochen eingeteilt werden. Die erste Epoche umfasste den Teil der Ersteigungsgeschichte, den Anton Spiehler (* 1848 in Bayreuth; † 18. Juni 1891 in Memmingen) in seiner Abhandlung über die Erschließung der Ostalpen beschreibt.Anton Spiehler: Erschließung der Ostalpen. Berlin 1893, S. 78ff Die zweite Epoche ist diejenige, die Fritz Schmitt als Allgäuer Schule bezeichnet und die untrennbar mit den Gebrüdern Enzensperger verknüpft ist.Fritz Schmitt: Allgäuer Bergsteiger-Chronik. Jahrbuch des DAV 1963, S. 18f In der dritten Epoche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlagerten sich die Aktivitäten in die Nordwände, wo wieder vermehrt Einheimische die Erstbegehungen durchführten. Schließlich ist die vierte Epoche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuerst durch eine spektakuläre Winterbegehung gekennzeichnet und gegen Ende des 20. Jahrhunderts durch die Wiederentdeckung der extremen Anstiege in den Nordwänden durch Allgäuer Sportkletterer.
Die Besteigungsgeschichte bis 1890