Als Erdbebenlichter oder Erdbebenleuchten werden seltene, meist bläuliche, manchmal aber auch infrarote Leuchterscheinungen bezeichnet, die vor, während und gelegentlich auch nach Erdbeben auftreten. Solche Erscheinungen wurden schon in der Antike von Aristoteles in seinem Werk MeteorologicaAristoteles: , 350 vor Chr., übersetzt von E. W. Webster, abgerufen am 20. September 2017 und vom römischen Schriftsteller Seneca beschrieben. Sie sind nicht auf die unmittelbare Nähe des Epizentrums beschränkt, sondern können auch in hunderten Kilometern Entfernung beobachtet werden. Die Existenz des Phänomens galt lange Zeit als umstritten.Bizarre Earthquake Lights Finally Explained

Erforschung Für die Ursache der Erdbebenlichter gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Ende der 1990er Jahre wurde diskutiert, ob piezoelektrische Aufladungen in den Quarzbestandteilen der Gesteinsschichten nahe der Erdoberfläche, die durch den hohen Druck tektonischer Bewegungen hervorgerufen werden, ein Auslöser für entsprechende elektrische Entladungen sein könnten.

Ein weiterer Erklärungsversuch zielt auf örtliche Unstetigkeiten im Magnetfeld der Erde oder in der Ionosphäre, die dann unter Umständen als Rekombinationsleuchten beziehungsweise als erdoberflächennahe Aurora sichtbar werden könnten., Pressemitteilung NASA, 7. Dezember 2001, abgerufen am 31. August 2014.

Im Januar 2014 konnten Forscher des Quebec Ministry of Natural Resources ein Muster hinter den Beobachtungen feststellen: 95 % der weltweiten seismischen Aktivitäten finden entlang der Grenzen zwischen zwei tektonischen Platten statt. 85 % der Erdbeben mit Erdbebenlichtern gehören jedoch zu den restlichen 5 %, die innerhalb von tektonischen Platten stattfinden. Ebenso konnte im Labor nachgewiesen werden, dass negativ geladene Sauerstoffionen, die durch hohen Druck aus den Peroxiden in bestimmten Gesteinsarten herausgelöst werden können, ein leuchtendes Plasma erzeugen.R. Theriault, F. St-Laurent, F. T. Freund, J. S. Derr: Prevalence of Earthquake Lights Associated with Rift Environments. In: Seismological Research Letters. 85, 2014, S. 159, doi:10.1785/0220130059.

Ferner könnte aus der Erdkruste austretendes Radon die Atmosphäre bereits Tage vor einem Erdbeben stark ionisieren.Atmosphere-Ionosphere Response to the M9 Tohoku Earthquake Revealed by Joined Satellite and Ground Observations. Preliminary results.

In Küstennähe wird auch Sonolumineszenz im Meerwasser als Ursache diskutiert.

Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) in Wien im Jahr 2015 wurden von Wissenschaftlern um Eric Ferré von der Southern Illinois University (USA) Forschungsergebnisse vorgestellt, wonach durch Bohrungen Pseudotachylite mit einer gleichmäßigen Ausrichtung von eisenhaltigen Partikeln gefunden wurden, die nur durch einen enormen Stromfluss tief im Untergrund entstanden sein konnten. Nach der Theorie der Wissenschaftler wird durch ein Erdbeben entlang der Kollisionszone der Felsgesteine ein derart hoher Druck aufgebaut, dass die Strukturen der Minerale zerstört werden. Hierdurch entstehe eine elektrische Spannung, so dass im Ergebnis Strom durch die Minerale fließt. An der Erdoberfläche kann sich die Spannung entladen, so dass es wie bei einem Gewitter zu Blitzen oder zu den bislang beschriebenen Leuchterscheinungen kommen kann.

Beobachtungen Auswahl an Erdbeben, bei denen diese Lichter beobachtet wurden, in chronologischer Reihenfolge:

Helike und Bura, 373 v. Chr. Erdbeben vor Kreta 365 Neuseeland 1888Hutton (1888). „The Earthquake in the Aimuri“. Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand 1868–1961 21: 269–353. Idu, Japan 1930Lane, F. W.: The Elements Rage (David & Charles 1966), pp. 175–6 Matsushiro, Japan 1966 Kalapana, Hawaii 1975 Erdbeben in Tangshan, China, 28. Juli 1976Tangshan: The Deadliest Earthquake1976 Worst modern earthquakeCHINA – Tangshan Earthquake of July 28,1976 Kanada 1988 Erdbeben von Gölcük 1999 bei İzmit, Türkei Gujarat, Indien 2001 Erdbeben in Peru 2007Light in the Sky (Luz) during Earthquake in Lima – Peru Tianshui, Gansu, China 2008Glowing lights around an earthquake’s epicentre Erdbeben von L’Aquila 2009, ItalienFidani, C. (2010). „The earthquake lights (EQL) of the 6 April 2009 Aquila earthquake, in Central Italy“. Natural Hazards and Earth System Science 10 (5): 967–78. doi:10.5194/nhess-10-967-2010Fidani, C.: . Bollettino di Geofisica Teorica ed Applicata, März 2012 (englisch) Napa Valley, Kalifornien, 2014Some Bay Area Residents Report Mysterious Flashes In The Sky During Napa QuakeEarthquake lights Santa Rosa / Napa Earthquake, 24. Aug 2014, 03Uhr12 youtube.com, Video (01:11), veröffentlicht 27. Aug 2014, zuletzt abgerufen am 27. Oktober 2015 Erdbeben in Mexiko am 8. September 2017Light Show during Mexico's 8.4 quake Acapulco, Mexiko, 8. September 2021 Jinchang, Gansu, China, 8. Januar 2022 Sendai, Japan, 16. März 2022 Kahramanmaraş, Türkei, 6. Februar 2023 Erdbeben in Marokko 2023Some say the sky lit up before Morocco’s earthquake. It’s a real [email protected], abgerufen am 13. September 2023.

Siehe auch Hessdalen-Lichter Irrlicht Lunar Transient Phenomena

Weblinks Blitze aus dem Boden: Geologen entdecken Ursprung der Erdbebenlichter Artikel in: Spiegel Online vom 8. Juni 2015 mit Video der Lichtphänomene

Einzelnachweise

Kategorie:Erdbeben Kategorie:Elektrometeor