Abjat-sur-Bandiat (okzitanisch Ajac de Bandiat; ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016 Aquitanien). Sie gehört zum Arrondissement Nontron und zum Gemeindeverband Périgord Nontronnais. Die Einwohner werden als Abjacois bzw. Abjacoises bezeichnet.
Die Gemeinde erhielt 2024 die Auszeichnung „Eine Blume“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Ortschaften verliehen wird.
Etymologie Abjat, okzitanisch Ajac, wird schriftlich erstmals im Jahr 1185 als Abjac erwähnt. Auch auf der Cassini-Karte der Jahre 1756 bis 1789 wird dieser Name beibehalten, jedoch ist im Jahr 1760 bereits eine Vereinfachung zu Ajac zu erkennen. Im Jahr 1864 hieß die Gemeinde dann Abjat-de-Nontron, sodann nur Abjat und seit 1975 schließlich Abjat-sur-Bandiat.
Abjat dürfte sich von einem gallorömischen Eigennamen der Form Apicius oder Avitius herleiten, welchem das Suffix -acum angehängt wurde – und somit auf einen Eigner oder auch auf einen Besitzer verweist. Die Endung -ac hat hierbei eine phonetische Änderung zum jetzigen -at erfahren, wie dies insbesondere in der Auvergne und auch im Limousin der Fall ist. Somit kann der Name als „Gut des Apicius bzw. Avitius“ übersetzt werden.
Der Zusatz -sur-Bandiat gibt die simple geographische Tatsache zu erkennen, dass der Ort oberhalb des Bandiats gelegen ist, welcher sich weiter unterhalb in den Granodiorit eingeschnitten hat. Zur Etymologie von Bandiat sei auf den verwiesen.
Geographie
Abjat-sur-Bandiat ist Grenzgemeinde zum Département Haute-Vienne und liegt rund 47 Kilometer südwestlich von Limoges und etwa 45 Kilometer nördlich von Périgueux. Der Ortskern ist zehn Kilometer (Luftlinie) von dem im Südwesten gelegenen Nontron entfernt, bis Piégut-Pluviers im Nordwesten sind es sieben Kilometer. Die Gemeinde befindet sich in der Région naturelle des Nontronnais, Teil des touristisch benannten Périgord vert.
Abjat-sur-Bandiat wird von folgenden acht Gemeinden umgeben:
mini|Topographische Karte von Abjat-sur-Bandiat
Das Gemeindegebiet von Abjat-sur-Bandiat umfasst folgende Weiler, Gehöfte, Mühlen, Schlösser, ein Gut und Geländepunkte:
Barthouleix, Belle Vue, Bigaumont, Bois d’en Pied, Bois de la Croix, Bois de Lestrade, Bois de Mirandon, Bois de Rhins, Bois des Charelles, Bois des Landes, Bois du Mas, (Le) Bost du Play, Chabanas, Chachat, Chantecor(ps), Château de l’Étang, Chez Gouyout, Chez Tarlat, Domaine de la Malignie, Étang Blanchet, Étang de la Forêt, Étang des Chasseries (Étang de l'Échasserie), Étang du Moulin de Lestrade, Étang Millau, Fargeas, Forêt de la Malignie, Grafeuille, Gros Puy (Grospuy), La Blanchardie, La Chapelle Verlaine, La Charelle, La Collina, La Combette, La Juvénie, La Mazaurie, La Ripole, La Rivière, La Roderie, La Vigeonie, Labrousse (La Brousse), Laulandie, Le Bouchage, Le Chatenet, Le Grand Gollier, Le Moulin de Gros Puy (Le Moulin de Grospuy), Le Moulin de Masfrolet, Le Moulin de Rhins, Le Petit Fargeas, Le Petit Peyrat, Les Arnaudies, Les Aumèdes, Les Bardeaux, Les Cautas, Les Chasseries (L'Échasserie), Les Granges, Les Landes (zwei unterschiedliche Weiler desselben Namens), Les Petits Bardeaux, Masfrolet, Maumont, Ménesplier, Petit Masfrolet, Peyrat, Pont Chaulet, Pont de la Vigeonie, Puizillout (Puyzillout), Puyfromental, Quartier de Bel-Air, Rhins und Savanat.
Der topographisch tiefste Punkt des Gemeindegebietes liegt mit über dem Meer bei Le Bouchage am Bandiat im Südwesten. Der höchste Punkt mit über dem Meer befindet sich in der Nähe von La Chapelle Verlaine im Südosten. Die absolute Höhendifferenz beträgt 159 Meter. Der Ortskern befindet sich auf Meereshöhe.
Verkehrsanbindung Abjat-sur-Bandiat liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Den Ortskern durchquert die Departementsstraße D 87 (bzw. D 64 im Département Haute Vienne) von Marval nach Nontron in südwestlicher Richtung. Es kreuzt ferner die nordwest-südöstlich verlaufende D 96 von Piégut-Pluviers nach Saint-Saud-Lacoussière. Das Gemeindegebiet berührt am Nordrand die D 93 (bzw. D 75) von Piégut-Pluviers nach Marval. Den Südostrand berührt die D 85 von Nontron in Richtung Châlus.
Fernwanderwege Durch Abjat-sur-Bandiat verläuft der Fernwanderweg GR 4 in Ost-West-Richtung. Von ihm zweigt bei La Mazaurie der GR 654 nach Süden in Richtung Saint-Saud-Lacoussière ab (Verbindung zum GR 36); der GR 654 bildet Teil des Jakobswegs (Via Lemovicensis).
Klima Die Gemeinde Abjat-sur-Bandiat besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima (Cfb-Klima nach Köppen und Geiger), das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Die Angaben von Temperatur, Niederschlag, Regentag und Luftfeuchtigkeit basieren auf Daten von 1991 bis 2021, Sonnenstunden auf Daten von 1999 bis 2019.
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 48 Kilometer entfernten Wetterstation am Flughafen von Limoges-Bellegarde das langjährige Jahresmittel von 11,2 °C für 1971–2000 über 11,4 °C für 1981–2010 auf 11,8 °C für 1991–2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,6 °C innerhalb von 20 Jahren. Für die Zukunft können die für 2030, 2050 und 2100 nach verschiedenen Szenarien geschätzten Klimaparameter der Gemeinde auf einer speziellen Website eingesehen werden, die von Météo-France im November 2022 veröffentlicht wurde.
Hydrographie mini|Hydrografie und Infrastruktur von Abjat-sur-Bandiat Das Gemeindegebiet wird von Nordost nach Südwest vom Bandiat durchquert, Fließrichtung ist gen Südwest in Richtung Nontron. Der Bandiat besitzt zwar viele kleinere, insbesondere linke Seitenarme, die aber alle – mit Ausnahme des Gamorets – namenlos und meist zu einer Abfolge von Weihern aufgestaut sind.
Entlang der Südostgrenze der Gemeinde verläuft die Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet des Bandiats im Norden, der zum Flusssystem der Charente gehört, und dem Einzugsgebiet Isle-Dronne. Die Wasserscheide reicht nur minimal auf das Gemeindegebiet herein.
Die Gesamtlänge des Entwässerungsnetzes in Abjat-sur-Bandiat beträgt 25 Kilometer.
Geologie mini|Geologische Karte von Abjat-sur-Bandiat
Abjat-sur-Bandiat liegt vollständig auf dem variszischen Grundgebirge des nordwestlichen Massif Central. Der größte Teil des Gemeindegebiets wird vom Piégut-Pluviers-Granodiorit eingenommen. Er tritt vorwiegend in seiner grobkörnigen Normalfazies (γ3M) auf. Im äußersten Südosten steht auch noch der Saint-Mathieu-Leukogranit (γ2M) an. Der Kontaktbereich zwischen den beiden Granitoiden ist überwiegend feinkörnig ausgebildet. Der Leukogranit enthält bei Chachat und bei La Chapelle Verlaine größere Enklaven von Glimmerschiefern (ξ1) der Parautochthonen Glimmerschiefereinheit. Im Süden bei Belle Vue und Savanat werden Plagioklas-führende Paragneise (ζ1–2) angetroffen, die bei Chabanas als Enklave im Granodiorit eingeschlossen sind. Die Streichrichtung ihrer Foliation zeigt in Nordrichtung. Die Paragneise sind höher metamorph als die Glimmerschiefer, sie befinden sich in der Sillimanitfazies, wohingegen die Glimmerschiefer nur den Staurolithgrad überschritten haben.
Bei Le Chatenet tritt ein Lamprophyrgang (ν) auf, der dem Kontakt der beiden Granitoide in Nord-Süd-Richtung folgt. Auch Mikrogranitgänge (μγ) sind vorhanden, vor allem im Granodiorit (bei Chez Gouyout, Labrousse und Rhins). Sie streichen Nordost. Der Mikrogranitgang am Château de l’Étang folgt dem Kontakt der Granitoide in Richtung Nordnordost. Im Granodiorit ist ferner ein Quarzgang (Q) zu verzeichnen, der nördlich von Chabanas Nordnordwest streicht. Auch mehrere Störungen durchziehen den Granodiorit mit typisch variszischen Streichrichtungen (NNW, N, NNO und OSO).
Im Steinbruch von Abjat-sur-Bandiat entlang der rechten Talseite des Bandiats wird die Rotfazies (aγ3M) des Piégut-Pluviers-Granodiorits abgebaut und hauptsächlich zu Schotter und Granulat weiterverarbeitet; der Schotter (Splitt) ist wegen seiner kräftigen Färbung ein beliebter Rohstoff für den Wege- und Straßenbau.
Die Gesteine des Grundgebirges werden an mehreren Stellen im Gemeindegebiet von tiefgründigen Alteriten (A) verhüllt.
Vor La Roderie talabwärts verbreitert sich das Bandiattal – der Fluss hat hier holozänes Alluvium (Fz) abgelagert.
Bodenbedeckung mini|Bodenbedeckung in Abjat-sur-Bandiat
Die Bodenbedeckung der Gemeinde Abjat-sur-Bandiat schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
Wälder – 55,2 % heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 36,8 % Wiesen – 7,1 % baulich beansprucht – 0,9 %.
Die Wälder und seminaturellen Ländereien stehen 2018 im Vordergrund. Sie sind mit 55,2 % gegenüber 1990 (55,9 %) nur minimal zurückgegangen.
Naturrisiken mini|Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Abjat-sur-Bandiat
Naturrisiken manifestieren sich in Abjat-sur-Bandiat als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen entlang der Flussläufe Dürren Stürme Bodensetzungen.
In den Jahren 1982, 1983 und 1999 kam es aufgrund erhöhter Niederschläge zu Überschwemmungen, größeren Bodenbewegungen und Rutschungen (insbesondere 1999).
Ein Dürrejahr war 1989. In diesem Jahr herrschte erhöhte Waldbrandgefahr.
Ein herausragendes Wintersturmereignis war das Sturmtief Martin im Dezember 1999, das enorme Schäden an den Wäldern und auch an der Infrastruktur hinterließ. Die Zerstörungen in den Wäldern sind selbst im Jahr 2025 noch zu erkennen.
Wie die Risikokarte zeigt, ist Abjat-sur-Bandiat zu 27,1 % seines Gemeindegebietes mittelmäßig bis relativ stark von der Gefahr durch Bodensetzungen betroffen. Verursacher der Setzungen sind tiefgründige, mobile, grusige Alterite des Granodiorits und des Leukogranits sowie die parautochthonen Glimmerschiefer im Osten (nur mittelmäßig).
Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Massif Central sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt.
Auch Abjat-sur-Bandiat ist wie die Nachbargemeinde Champs-Romain bereits einer signifikativen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 3 zugeordnet.
Ökologie mini|Schutzgebiete des Typus 1
Naturpark Die Gemeinde Abjat-sur-Bandiat bildet seit 1998 einen integralen Bestandteil des Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.
Schutzgebiet Unter Naturschutz stehen das gesamte Bandiattal und die Unterläufe zweier rechter Nebenbäche. Diese Gebiete sind als kontinentale ZNIEFF-Naturzone des Typus 1 unter der Bezeichnung Vallées du réseau hydrographique du Bandiat ausgewiesen. Ihre Flora besteht aus über 100 Pflanzenarten mit Großer Odermennig (Agrimonia procera) und Atlantisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) als Indikatorpflanzen.
Geschichte Die Fundamente einer Villa wurden in der Nähe des Weilers Savanat entdeckt; dort wurden Bruchstücke roter Ziegel und Tongefäße gefunden. Nicht weit davon entfernt, in Chabanas, wurde nach dem Abriss eines alten Hauses eine sechs bis sieben Zentimeter große Platte aus Bronze entdeckt, in deren Mitte ein nubischer Kopf eingeprägt war. Diese Platte scheint Teil eines Gürtels gewesen zu sein und muss von den Legionen stammen, die aus Nubien (Nordafrika) kamen. Die Römer hinterließen deutliche Spuren im Gebiet, da 100 Meter vom besagten Dorf entfernt, in der Gegend, die als „Plätze“ bekannt ist, zahlreiche römische Ziegel aufgelesen wurden.
Nach der Herrschaft der Wisigoten im 5. Jahrhundert drohte eine neue Invasion: die der Sarazenen aus Spanien. Karl Martell, verbündet mit Eudo von Aquitanien, der sie vor den Mauern von Toulouse besiegt hatte, vernichtete sie 732 bei Poitiers. Auf dem Rückweg nach Süden, so die Überlieferung, lagerten die Überlebenden in der Nähe des Weilers Rhins, wo ein schwerer Stein die Grabstätte eines ihrer Anführer kennzeichnete. Früher wurde sie von den Einheimischen als „Grab der Sarazenen“ bezeichnet.