Der Erlebnis-Zoo Hannover ist ein zoologischer Garten im Stadtteil Zoo in Hannover. Er wurde am 4. Mai 1865 als achter deutscher ZooGeschichte von Breslau, Vorgeschichte des Breslauer Zoos. . Abgerufen am 18. November 2021. gegründet und umfasst eine Fläche von 22 Hektar. Im Januar 2024 beherbergte die Anlage etwa 1473 Tiere in 158 Arten. Das Unternehmen beschäftigt in der Hauptsaison knapp über 400 Mitarbeiter, von denen der Großteil für die Betreuung der Besucher zuständig ist. In: zoo-hannover.de, abgerufen am 5. Oktober 2016.
Seine Fläche mit konventioneller Tierpräsentation wurde besonders um die Jahrtausendwende erheblich weiterentwickelt. Dabei entstanden sieben Themenwelten, die an den natürlichen Lebensraum oder Kulturkreis der Tiere angelehnt sind, ihnen Rückzugsmöglichkeiten bieten und gleichzeitig den Besuchern Begegnungen ohne Gitter ermöglichen.
Geschichte Adolf Schütte (1865) mini|links|Ehemaliger Eingang des Zoos am Schiffgraben, links, 1908 mini|hochkant|Postkartenmotiv mit dem Zoo vor 1900
Der Zoo Hannover wurde am 4. Mai 1865 aus privaten Mitteln gegründet und ist der achtälteste Zoo Deutschlands. Die Anregung zum Bau erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts durch Hermann Schläger und Mitglieder der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover, die bereits das Naturhistorische Museum gegründet hatte. Die Naturhistorische Gesellschaft Hannover richtete eine dreiköpfige Kommission ein, die Gespräche mit dem Magistrat der Stadt Hannover führte. Am 25. Februar 1863 fand eine Generalversammlung der Zoointeressenten statt und im Sommer des gleichen Jahres wurde mit dem Bau eines zoologischen Gartens begonnen. Da man sich auf umfangreiche Kosten für die Haltung der wilden Tiere einstellte, wurde eine Aktiengesellschaft gegründet. Laufende Kosten sollten durch Jahresabonnements und Einnahmen an der Tageskasse gedeckt werden. Im Mai 1865 wurde der Zoologische Garten Hannover eröffnet. Der damalige Zoo-Assistent aus Köln, Adolf Schütte, wurde als erster Zoodirektor vom Verwaltungsrat berufen und war maßgeblich für den Aufbau des Tierbestands im Zoo Hannover verantwortlich.
Wilhelm Niemeyer (1865–1874) Schüttes Nachfolger war gelernter Landwirt und besuchte vor seinem Amtsantritt mehrere Zoos, um sich tiergärtnerische Kenntnisse anzueignen. Seine Leidenschaft galt der Vogelhaltung, was sich deutlich im hannoverschen Tierbestand widerspiegelte: die artenreiche Fasanensammlung genoss überregionale Bekanntheit und Anerkennung. Niemeyer verfasste den ersten Zooführer für den Zoo Hannover, in dem er die Tiere nach Tierhäusern und Gehegen geordnet beschrieb.
Im Zentrum der Anlage befand sich eine Felsenanlage mit Greifvogel-Voliere, Aquarium sowie Grotten für Raubtiere.
Christian Kuckuck (1874–1893) Mit Christian Kuckuck übernahm 1874 ein studierter Tierarzt die Leitung des Zoos. Er schloss sein Studium bereits 1865 an der Königlichen Tierarzneischule Hannover ab und sammelte bis zu seinem Amtsantritt Erfahrungen als Veterinär. In den Anfangsjahren mussten die Gründer mit vielen Schwierigkeiten kämpfen. Der Anspruch war hoch, doch konnte man auf keine praktischen Erfahrungen der Wildtierhaltung zurückgreifen. Die Folge waren hohe Verluste. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Zoo Hannover zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt, auch wenn die angestrebte Bedeutung des zoologischen Gartens als naturkundliche Bildungseinrichtung in den Hintergrund trat.
Ernst Schäff (1893–1910) Der studierte Biologe war vor seiner Berufung zum hannoverschen Zoodirektor Assistent am Zoologischen Institut der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule. Der wissenschaftliche Bereich des Zoos war ihm wichtig. Er hielt z. B. Biologievorlesungen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und setzte sich verstärkt dafür ein, dass der Zoo als Bildungsinstitut anerkannt wurde. Während der Amtszeit Schäffs erreichte der Tierbestand in Hannover seinen bis dahin qualitativen und quantitativen Höhepunkt.
Adolf Fritze (1910–1923) Als Adolf Fritze die Leitung 1910 übernahm, befand sich der Zoo auf dem Weg in eine finanzielle Krise. Viele direkte Konkurrenten, z. B. moderne Waldwirtschaften in Zoonähe oder die 1913/14 erbaute Stadthalle waren für Besucher attraktiver. Durch die Folgen des Ersten Weltkrieges geriet die Aktiengesellschaft in finanzielle Not – obwohl die Stadtverwaltung seit 1905 jährlich einen Zuschuss zahlte. Durch immer steigende Zuschüsse sicherte die Stadtverwaltung den Betrieb des Zoos, bis sie den Tiergarten 1920 schließlich übernahm. Als der Zoo finanziell nicht mehr tragbar war, wurde er am 1. Oktober 1922 geschlossen.
Otto Müller (1924–1933) Eine Bürgerinitiative setzte sich für eine Wiedereröffnung des Zoos ein. Durch öffentlichen Druck und privates Engagement wurde der Zoo 1924 von der Tierhandelsfirma Ruhe aus Alfeld mit einer Löwenschlucht, einem Raubtierhaus und einem Affenfelsen wieder eröffnet. Otto Müller war die treibende Kraft hinter dieser Initiative und wurde als neuer Zoodirektor berufen. Vor seiner Amtszeit war er Oberlehrer für Naturwissenschaften an der Leibnizschule in Hannover und bei seinen Schülern für seine unkonventionellen Unterrichtsmethoden beliebt. So rief er etwa ein Schulkino ins Leben (eines der ersten in Deutschland) und nutzte Terrarien in den Klassenräumen, um den Schülern lebendiges Anschauungsmaterial im Biologieunterricht zu zeigen. Als Zoodirektor war er darauf bedacht, den Zoo wieder als gesellschaftlichen Ort zu etablieren, indem er Konzerte, Freilichtkinos, Theateraufführungen, Maskenbälle oder Gartenfeste im Zoo veranstaltete.
Hermann Ruhe sen. (Pächter) (1931–1961) Hermann Ruhe besaß eine Tierhandelsfirma in Alfeld und arbeitete bereits lange mit dem Zoo Hannover zusammen. Ab 1931 nutzte er den Zoo als „Schaufenster“ für seine Tierhandlung. 1932 übernahm Ruhe den Zoo komplett. Nachdem der Zoo im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört worden war, wurde er bis 1946 provisorisch aus den Mitteln der Firma Ruhe wieder betriebsbereit hergerichtet. Bis zum Neubeginn in den 1950er Jahren waren nur wenige Tiere im Zoo. In den folgenden Jahren wurden Häuser für Nashörner, Elefanten, Giraffen und Antilopen sowie eine Robben- und Pinguinanlage gebaut. Seit dem Ende der 1950er Jahre entstand dann mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt ein damals moderner Freiflächenzoo. In dieser Zeit war der Zoo bekannt für seine Elefantenzucht: zehn asiatische und drei afrikanische Elefanten wurden geboren. In Fachkreisen war der Zoo auch für seinen Bestand an Antilopen bekannt. Aus den Zeiten des Tierhandels stammte eine Vielzahl Arten aus Afrika wie Säbel-, Pferde-, Rappen- und Addaxantilopen. Verschiedene Ducker, diverse Kuhantilopenarten, Gnus und die amerikanische Pronghornantilope wurden gezüchtet.
Hermann Ruhe jr. (Pächter) (1961–1971) Hermann Ruhe jr. etablierte schmale Gräben als symbolische Gehegebegrenzung, das später als hannoversches Grabenprinzip bekannt wurde. Er beobachtete verschiedene Huftierarten und stellte fest, dass auch sie eine starke Bindung an ihre vertraute Umgebung haben und diese symbolischen Grenzen nur in Extremfällen überwinden.
Lothar Dittrich (1972–1993) 1972 ging der Zoo wieder in den Besitz der Stadt Hannover über und Lothar Dittrich übernahm die Leitung. Aus Kreisen der hannoverschen Politik und Wirtschaft erfolgte die Gründung des Fördervereins Zoofreunde Hannover e. V., die in den folgenden Jahren eine Reihe neuer Tieranlagen errichteten. Höhepunkt war der Neubau des Urwaldhauses für Menschenaffen. Ab 1974 wurden Walrosse gezeigt und es entstand die Streichelwiese mit vielen Haustieren. 1978 erfolgte die erste Geburt eines Drills nach dem Krieg. Seinerzeit war der Zoo Hannover der einzige Zoo weltweit, in dem regelmäßig diese bedrohte Primatenart aus Westafrika aufwuchs. Hier erfolgte auch die Gründung des Zuchtbuchs für die Drills. Mittlerweile gibt es auch einen Förderverein zum Schutz dieser Affen in ihrer Heimat.
1975 war ein Rekordjahr mit 980.000 Tagesbesuchern, in den 1980er Jahren gab es in Hannover große Zuchterfolge und der Zoo beteiligte sich an diversen Auswilderungsprogrammen. Lothar Dittrich engagierte sich dafür, dass der Zoo als Bildungseinrichtung wahrgenommen wurde. Er hielt Vorlesungen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Die Biologie und Haltung der Zootiere) und übernahm die wissenschaftliche Betreuung des Fernsehmagazins Tele Zoo.
Klaus-Michael Machens (1994–2011) mini|Eingangsbereich des Zoos, 2009 mini|Neugestalteter Zooeingang, 2019
Anfang der 1990er Jahre befand sich der Zoo in einer Krise. Die Besucherzahlen sanken, der öffentliche Betriebskostenzuschuss wurde gekürzt. Daraufhin beschloss die Stadt einen Neuanfang. Das städtische Amt Zoo wurde 1994 in eine GmbH umgewandelt und symbolisch für eine Mark an den Kommunalverband Großraum Hannover veräußert. Der Jurist und stellvertretende Direktor des Kommunalverbandes Großraum Hannover, Klaus-Michael Machens, übernahm die Geschäftsführung.
1995 untersuchte ein interdisziplinäres Planungsteam Stärken und Schwächen des Zoos. Es kam zu dem Ergebnis, dass der Zoo sich dem Wettbewerb mit einem neuen Konzept stellen müsse. Zoofachleute, Architekten und Freizeitforscher entwickelten daraufhin in enger Kooperation das Konzept „Zoo 2000“, mit dem sich der Zoo am Ideenwettbewerb der Weltausstellung Expo 2000 beteiligte. Das Konzept trägt Machens’ Handschrift und wurde nach der Methodik Design Thinking erstellt. In: Financial Times Deutschland, 6. August 2010 1996 wurde der Zoo als „Projekt Expo 2000“ offiziell anerkannt, zunächst aber vor allem in Fachkreisen misstrauisch beäugt. In: Focus, 8. Juni 1998
Die Philosophie des neuen Zoos lautet: „Nur was Menschen kennen, werden sie lieben. Nur was Menschen lieben, werden sie schützen.“ Die herkömmliche Tierpräsentation in Gehegen wurde weitgehend aufgegeben. Die natürlichen Lebensräume der Tiere wurden vielmehr in Szenarien detailgetreu nachgebildet. Für eine Gesamtinvestition von 54,7 Millionen Euro wurden vier als europaweit einzigartig geltende Erlebniswelten geschaffen: die Afrikalandschaft „Sambesi“, der Gorillaberg, der indische Dschungelpalast und Meyers Hof. Die Distanzen zwischen Mensch und Tier wurden auf ein Mindestmaß reduziert, erforderliche Sicherheitsbarrieren in die Landschaft eingebaut.
2005 wurde der Zoo mit dem deutschen Tourismuspreis geehrt.Deutscher Tourismuspreis – Sonderpreis Permanente Innovation 2005 Seit dem Jahre 2000 besuchten jährlich über eine Million Gäste den Zoo. 2005 zur Adventszeit öffnete zum ersten Mal der „Winter-Zoo“, 2007 wurde das Kinderland „Mullewapp“ eröffnet, im Frühjahr 2010 das australische „Outback“ und im Mai 2010 die siebte Erlebniswelt, das kanadische „Yukon Bay“.
Der Erfolg des Konzeptes Zoo 2000 wird von einigen Kommentatoren wie folgt bewertet: Financial Times Deutschland: „Machens hat – in Vollzeit gerechnet – fast 250 neue Arbeitsplätze geschaffen und die Besucherpreise mehr als verdreifacht. Obwohl Hannovers Zoo mit 23 Euro Eintritt für Erwachsene der teuerste Deutschlands ist, kommen doppelt so viele Gäste wie 1994. Der Tierpark verkauft fast 20-mal mehr Jahreskarten, nämlich mehr als 100.000 Stück, und die Eintrittserlöse stiegen um 555 Prozent.“zitiert nach In: Financial Times Deutschland, 6. August 2010 Bund der Steuerzahler: „Die unbestreitbaren wirtschaftlichen Erfolge gehen zu einem großen Teil auf den langjährigen Geschäftsführer Machens und seine engagierten Mitarbeiter zurück“. Erfolge, „die nicht etwa der Regionspolitik zuzurechnen sind.“Bund der Steuerzahler, zitiert nach In: haz.de