mini|Die italienischen Weltmeisterinnen bei einem Empfang am Monumento a Vittorio Emanuele II Die Volleyball-Weltmeisterschaft der Frauen 2002 fand vom 30. August bis 15. September in Deutschland statt. Zum ersten Mal war der DVV damit Gastgeber des globalen Turniers, das in acht Städten ausgetragen wurde. Die italienische Frauen, die als Vize-Europameister mit Ambitionen angetreten waren, besiegten im Endspiel über fünf Sätze die Vereinigten Staaten und gewannen zum ersten Mal den Titel. Die Amerikanerinnen hatten zuvor im Viertelfinale den Titelverteidiger Kuba entthront. Für die deutsche Auswahl war das Turnier nach der zweiten Runde, in der sie sieglos blieb, beendet.
Modus Die 24 Teilnehmer spielten in der ersten Runde in vier Sechsergruppen. Für einen Sieg gab es zwei Punkte und für eine Niederlage einen Punkt. Bei Punktgleichheit entschied das Satzverhältnis über die Rangfolge. Die drei besten Mannschaften jeder Vorrundengruppe kamen in die zweite Runde, die in drei Vierergruppen ausgetragen wurde. Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe und die zwei besten Gruppendritten der zweiten Runde erreichten das Viertelfinale. Die Verlierer des Viertelfinales spielten um die Plätze fünf bis acht. Die Sieger des Viertelfinales ermittelten im Halbfinale und Endspiel den neuen Weltmeister. Im finalen Klassement belegte der schlechteste Gruppendritte der zweiten Runde den neunten Rang vor den anderen drei Teams, die in dieser Runde ausschieden und gleichberechtigt Platz zehn belegten. Den dreizehnten Rang teilten sich die Mannschaften, die in der ersten Runde als Gruppenvierte aus dem Turnier ausschieden. Die Gruppenfünften und -sechsten der Vorrunde belegten jeweils gemeinsam den siebzehnten und 21. Rang.
Teilnehmer mini|Jekaterina Gamowa, die längste Spielerin des Turniers Die Kader und weitere Informationen zu allen Mannschaften gibt es auf der Unterseite Teilnehmer.
An der Weltmeisterschaft in Deutschland nahmen 24 Mannschaften aus allen Kontinentalverbänden teil. Dazu gehörten alle bisherigen Weltmeister und einige weitere Medaillengewinner früherer Turniere. Titelverteidiger Kuba und die Mannschaft des Gastgebers, die öffentlich den achten Platz als Ziel ausgab, zählten ebenso zu den Favoriten wie Russland, das sich in der Vorbereitung in herausragender Form präsentierte. Außerdem wurden den traditionell starken Teams aus den USA, Brasilien und China sowie dem Vize-Europameister Italien gute Chancen auf eine vordere Platzierung zugesprochen.
Auslosung Die Auslosung fand am 21. September 2001 in Berlin statt. Der Gastgeber und die elf Teilnehmer, die in der Volleyball-Weltrangliste die besten Platzierungen aufwiesen, waren dabei gesetzt. Deutschland bildete den Kopf der Gruppe A; die drei am besten platzierten Teilnehmer standen an der Spitze der anderen drei Gruppen. Die weiteren gesetzten Mannschaften wurden gleichmäßig auf die vier Gruppen verteilt. Bei der Zulosung der nicht gesetzten Teilnehmer gab es keine Einschränkungen bezüglich der Zugehörigkeit zu Kontinentalverbänden.
Spielplan Erste Runde mini|Angelina Grün war beste Scorerin der Vorrunde Während Italien und Bulgarien mit ungefährdeten Siegen in der Gruppe A starteten, mussten die deutschen Frauen gegen Tschechien zweimal in knappen Sätzen den Ausgleich hinnehmen, ehe sie sich im Tiebreak mit 15:13 durchsetzten. Nach einem weiteren Erfolg gegen Japan mussten sich die Gastgeber am dritten Spieltag trotz einer kämpferischen Leistung den Bulgarinnen geschlagen geben. Die Italienerinnen, die bis zum Ende der ersten Runde ohne Satzverlust blieben, sorgten für die zweite deutsche Niederlage. Da Japan am letzten Spieltag jedoch Tschechien unterlag, erreichte das DVV-Team mit einem abschließenden Sieg gegen Mexiko, das alle Spiele verlor, als Gruppendritter punktgleich mit Bulgarien die zweite Runde.
In Gruppe B gab es einen Fehlstart für den Titelverteidiger aus Kuba, der zum Auftakt in fünf Sätzen gegen Südkorea unterlag und anschließend gegen Kanada erst nach zweimaligem Rückstand gewann. Die Asiatinnen blieben anschließend ungeschlagen und der Favorit aus der Karibik sorgte mit einem 3:0 für die erste Niederlage der Niederlande. Mit weiteren Siegen kamen die Kubanerinnen mit ihrer erfolgreichen Angreiferin Yumilka Ruiz noch auf den zweiten Rang vor der niederländischen Auswahl, die sich mit einem glatten Sieg gegen Kanada den dritten Rang sicherte.
Gruppe A in Münster Platz Team Sätze Punkte BPQ BPQ = Ballpunktquotient 1. 15:0 10 1,326 2. 10:6 8 1,086 3. 9:9 8 1,065 4. 8:10 7 1,002 5. 8:12 7 0,938 6. 2:15 5 0,708
30. August Italien Japan 3:0 Tschechien Deutschland 2:3 Mexiko Bulgarien 0:3 31. August Japan Deutschland 1:3 Italien Mexiko 3:0 Bulgarien Tschechien 3:0 1. September Mexiko Japan 0:3 Deutschland Bulgarien 0:3 Tschechien Italien 0:3 2. September Japan Bulgarien 3:1 Mexiko Tschechien 2:3 Italien Deutschland 3:0 3. September Tschechien Japan 3:1 Bulgarien Italien 0:3 Deutschland Mexiko 3:0 Gruppe B in Schwerin Platz Team Sätze Punkte BPQ 1. 15:3 10 1,272 2. 14:5 9 1,225 3. 9:7 8 1,110 4. 8:9 7 1,019 5. 5:12 6 0,899 6. 0:15 5 0,528 30. August Niederlande Rumänien 3:1 Ägypten Kanada 0:3 Kuba Südkorea 2:3 31. August Niederlande Ägypten 3:0 Kanada Kuba 2:3 Rumänien Südkorea 1:3 1. September Kuba Niederlande 3:0 Südkorea Kanada 3:0 Ägypten Rumänien 0:3 2. September Niederlande Südkorea 0:3 Ägypten Kuba 0:3 Rumänien Kanada 3:0 3. September Südkorea Ägypten 3:0 Kuba Rumänien 3:0 Kanada Niederlande 0:3
mini|Aurea Cruz punktete für Puerto Rico In der Gruppe C dominierten die USA, die lediglich im Duell der Favoriten gegen Russland zwei Sätze abgaben. Das Team um Jekaterina Gamowa sicherte sich anschließend mit drei souveränen Siegen den zweiten Rang. Die Außenseiter aus Puerto Rico hatten zwar gegen diese beiden Spitzenmannschaften keine Chance, kamen aber dank eines Sieges gegen die höher eingeschätzten Argentinierinnen als Gruppendritter weiter. Dem südamerikanischen Vizemeister reichten die Punkte von Carolina Costagrande nicht und durch ein 3:0 zog auch die Dominikanische Republik in der Tabelle noch vorbei. Die Außenseiter aus Kenia entschieden nur einen Satz für sich.
Die Mannschaft aus Thailand schaffte in Gruppe D den ersten Sieg ihrer WM-Geschichte, doch der größte Erfolg gelang Griechenland, das beim WM-Debüt durch ein 3:0 im letzten Spiel gegen die bereits qualifizierten Chinesinnen punktgleich mit den Asiatinnen und Spitzenreiter Brasilien den dritten Rang belegte. Die Südamerikanerinnen hatten am zweiten Tag gegen China verloren. Für Polen, das nur gegen Thailand und Australien gewinnen konnte und den Griechinnen in einem knappen Spiel im Tiebreak unterlag, endete das Comeback bei der Weltmeisterschaft deshalb bereits nach der Vorrunde.
Gruppe C in Riesa und Dresden Platz Team Sätze Punkte BPQ 1. 15:2 10 1,222 2. 14:4 9 1,432 3. 9:9 8 0,901 4. 7:9 7 0,949 5. 5:12 6 0,899 6. 1:15 5 0,736
30. August Kenia Puerto Rico 1:3 Argentinien USA 0:3 Russland Dominikanische R. 3:1 31. August Kenia Argentinien 0:3 USA Russland 3:2 Puerto Rico Dominikanische R. 3:0 1. September Argentinien Puerto Rico 2:3 Dominikanische R. USA 0:3 Russland Kenia 3:0 2. September Kenia Dominikanische R. 0:3 Argentinien Russland 0:3 Puerto Rico USA 0:3 3. September USA Kenia 3:0 Russland Puerto Rico 3:0 Dominikanische R. Argentinien 3:0 Gruppe D in Leipzig Platz Team Sätze Punkte BPQ 1. 13:3 9 1,216 2. 12:5 9 1,211 3. 12:6 9 1,030 4. 8:9 7 0,987 5. 4:13 6 0,864 6. 2:15 5 0,777
30. August Polen Brasilien 0:3 China Australien 3:0 Thailand Griechenland 0:3 31. August Brasilien China 1:3 Thailand Polen 0:3 Griechenland Australien 3:1 1. September China Thailand 3:1 Australien Brasilien 0:3 Polen Griechenland 2:3 2. September Griechenland Brasilien 0:3 Thailand Australien 3:1 Polen China 0:3 3. September Brasilien Thailand 3:0 China Griechenland 0:3 Australien Polen 0:3
Zweite Runde mini|Antonina Setowa brachte Bulgarien in die nächste Runde Zum Auftakt der zweiten Runde beendete Kuba in Gruppe E den bisher erfolgreichen Auftritt der Neulinge aus Griechenland, die sich danach ebenso Russland und Italien geschlagen geben mussten. Die beiden letztgenannten Mannschaften hatten zuvor im direkten Duell fünf Sätze gespielt, in denen die Italienerinnen zweimal den Ausgleich schafften, bevor die Russinnen mit 15:13 siegten. Das Team von Nikolai Karpol bezwang schließlich noch in einer Neuauflage des olympischen Endspiels den Titelverteidiger und sicherte sich den Gruppensieg.
In Gruppe F ging es knapp zu, obwohl fast alle Spiele in drei Sätzen entschieden wurden. China musste nach zwei 3:0-Siegen den Südkoreanerinnen den ersten Platz überlassen, weil diese das direkte Duell gewannen. Bulgarien zog mit einem Erfolg gegen Puerto Rico nach Punkten gleich und erreichte als bester Gruppendritter das Viertelfinale.
Die deutsche Mannschaft gewann in ihrem Auftaktspiel der Gruppe G den ersten Satz gegen die Niederlande und verlor das Nachbarschaftsduell trotzdem mit 1:3. Da die DVV-Auswahl in den beiden weiteren Begegnungen gegen Brasilien und die nach wie vor ungeschlagenen US-Amerikanerinnen keinen Satz mehr für sich entscheiden konnte, fand das Viertelfinale ohne die Gastgeber statt. Die Niederländerinnen zwangen die USA zwar in den Tiebreak, verpassten aber ebenfalls den Einzug in die KO-Runde.
Gruppe E in Bremen Platz Team Sätze Punkte BPQ 1. 9:3 6 1,192 2. 7:5 5 0,975 3. 6:6 4 1,046 4. 1:9 3 0,794
6. September Kuba Griechenland 3:1 Italien Russland 2:3 7. September Griechenland Russland 0:3 Kuba Italien 3:1 8. September Italien Griechenland 3:0 Russland Kuba 3:1 Gruppe F in Stuttgart Platz Team Sätze Punkte BPQ 1. 7:3 5 1,121 2. 6:3 5 1,256 3. 6:4 5 1,118 4. 0:9 3 0,587
6. September Bulgarien China 0:3 Südkorea Puerto Rico 3:0 7. September China Puerto Rico 3:0 Bulgarien Südkorea 3:1 8. September Puerto Rico Bulgarien 0:3 Südkorea China 3:0
Gruppe G in Riesa Platz Team Sätze Punkte BPQ 1. 9:2 6 1,126 2. 6:4 5 1,054 3. 6:7 4 0,941 4. 1:9 3 0,904
6. September Brasilien USA 0:3 Deutschland Niederlande 1:3 7. September Brasilien Deutschland 3:0 USA Niederlande 3:2 8. September Niederlande Brasilien 1:3 Deutschland USA 0:3
Platzierungsspiele mini|Danielle Scott führte die USA ins Finale Im Viertelfinale konnte Titelverteidiger Kuba den Siegeszug der USA nicht beenden und verpasste in drei Sätzen das Halbfinale. Während die Italienerinnen erstmals unter die besten Vier kamen und auch Russland 3:0 gewann, entwickelte sich zwischen China und Brasilien ein umkämpftes Spiel, in dem die Asiatinnen nach einer 1:0-Führung in Rückstand gerieten und erst im Tiebreak triumphierten. Die Südamerikanerinnen unterlagen einen Tag später gegen Südkorea erneut in fünf Sätzen und beendeten das Turnier schließlich auf dem siebten Rang. Der entthronte Weltmeister von 1998 sicherte sich gegen die Koreanerinnen den fünften Platz.
Im ersten Halbfinale trafen die USA und Russland nach ihrem Duell in der Vorrunde erneut aufeinander und wieder waren die Frauen aus den Vereinigten Staaten in einem Spiel über die volle Distanz erfolgreich. Beim zweiten Halbfinale hatte Elisa Togut großen Anteil daran, dass sich Italien gegen die junge chinesische Mannschaft durchsetzen konnte. Somit kann es beim Spiel um Bronze zur gleichen Paarung wie einige Wochen zuvor im Finale des Grand Prix und erneut gewann Russland mit 3:1 gegen China. Das Endspiel der Weltmeisterschaft begann mit einem Rückschlag für Italien, das den Amerikanerinnen den ersten Satz mit 18:25 überlassen musste. Mit 25:18 und 25:16 drehte der Vize-Europameisterschaft das Spiel und obwohl die USA mit 25:22 noch einmal den Ausgleich schafften, verwandelte Togut als beste Scorerin den Matchball zum 15:11, mit dem Italien zum ersten Mal in seiner Geschichte Weltmeister wurde.
Endstand Platz Mannschaft 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. in der zweiten Runde ausgeschieden 9. 10. in der ersten Runde ausgeschieden 13. 17. 21.