Eva Fiebig (* 21. Mai 1900 in Berlin; † 21. Oktober 1984 in Hamburg) war eine deutsche Schauspielerin, Hörspielsprecherin und Synchronsprecherin.
Leben Eva Emma Margarethe Fiebig wurde als Tochter des Ministerial-Kanzleirats Eduard Fiebig und seiner Gattin Anna, geb. Bolle, geboren.Johann Caspar Glenzdorf: Glenzdorfs internationales Film-Lexikon. Biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen. Band 1: A–Heck. Prominent-Filmverlag, Bad Münder 1960, , S. 401. Sie begann im Alter von 14 Jahren ihre Ausbildung zur Schauspielerin und erhielt, ohne Wissen der Familie, Schauspielunterricht in Berlin bei Helene Thimig, deren einzige Privatschülerin sie war.Die neuen Kräfte des Staatstheaters. Eva Fiebig. In: Karlsruher Tagblatt vom 14. September 1935. Seite 3.Eva Fiebig. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 5. September 1929. Seite 4 Nach ihrer Abschlussprüfung am Lehrerinnenseminar erhielt sie zur Spielzeit 1918/19 ihr erstes Engagement als „jugendliche Komikerin“ an den Münchner Kammerspielen. Zur Spielzeit 1919/20 wurde sie von Albert Steinrück als Schauspielvolontärin für das Rollenfach der „Sentimentalen“ an das Nationaltheater München verpflichtet.Eva Fiebig. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1920. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. 31. Jg., Berlin 1920, S. 543 [München I] und S. 725 [Register]. Sie spielte dort u. a. die Klara in Maria Magdalena und die Eliza in Pygmalion. In der Spielzeit 1920/21 gehörte sie zum Ensemble des „Münchner Lustspielhauses“.Eva Fiebig. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1921. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. 32. Jg., Berlin 1921, S. 537 [München VII] und S. 720 [Register]. Anschließend wurde sie von Max Reinhardt für die Rolle der Helena in Ein Sommernachtstraum nach Berlin engagiert und war in Berlin an den Reinhardt-Bühnen, u. a. am Deutschen Theater, zu sehen. Im August 1921 spielte sie am Theater in der Königgrätzer Straße die Schwester Melitta in der Erstaufführung von Hermann Sudermanns Schauspiel Notruf.Hans Flemming: Notruf. Aufführungskritik. In: Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 19. August 1921. Seite 2/3. In der Spielzeit 1921/22 war sie als Gast am Stadttheater Minden verpflichtet, wo sie im Oktober 1921 als Titelheldin in Judith von Friedrich Hebbel auftrat.Eva Fiebig. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1922. Eintrag unter Minden i.W., Stadttheater. Seite 544.Über die Eröffnung des Mindener Stadttheaters. Aufführungskritik. In: Westfälische Neueste Nachrichten vom 14. Oktober 1921. Seite 2. Zur Spielzeit 1921/22 wurde sie an das „Intime Theater“ in Berlin engagiert.Aus den Theaterbureaus. In: Berliner Börsen-Zeitung vom 15. Oktober 1922. Seite 4. Aufgrund der Inflation in Deutschland nahm Fiebig für sie „reizvolle Angebote in valutastarke Länder“ an und gastierte drei Jahre mit deutschen Wanderbühnen in Rumänien (im deutschsprachigen Siebenbürgen), in Südamerika und in den Vereinigten Staaten. In New York trat sie, als „The German Tragedien“ angekündigt, unter anderem als Titelheldin in Fedora von Victorien Sardou (Frazee Theatre, 1924) und in Gier unter Ulmen von Eugene O’Neill am Broadway auf.
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland folgte ein Engagement am Lobe-Theater in Breslau (1925). Im September 1926 spielte sie bei der „Deutschen Volksbühne“ im Theater in der Kommandantenstraße an der Seite von Hans Leibelt die Rolle der Hélène in Melchior Lengyels Schauspiel Taifun.J. Kn.: Melchior Lengyels Japanerstück. Aufführungskritik. In: Berliner Börsen-Zeitung vom 25. September 1926. Seite 3.Die deutsche Volksbühne. Aufführungskritik. In: Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 27. September 1926. Seite 4.
Zur Spielzeit 1926/27 wurde sie, von der „Deutschen Volksbühne“ kommend, an die Wiener Kammerspiele verpflichtet, wo sie im November 1926 als Herzogin von Marlborough in Marcel Achards Schauspiel Marlborough zieht in den Krieg debütierte. Im Dezember 1926 wirkte sie an den Wiener Kammerspielen in der deutschsprachigen Erstaufführung der Komödie Der Familienhäuptling von John Galsworthy mit. Ab Januar 1927 war sie neben Paul Verhoeven (Petrell) als Desirée in Krankheit der Jugend (Regie: Franz Wenzler) zu sehen, wo sie „sehr fein alle Sehnsucht nach Erfüllung des Lebens, das Flirrende, Vergebliche, Selbstvergessene der Gestalt, ihren Kopfsprung in die Sexualität“ traf. Ab Februar 1927 spielte sie an der Seite von Heinz Leo Fischer die englische Sekretärin Elizabeth Brown in der Uraufführung der Posse Venus im Völkerbund von Rolf Lauckner. Im März 1927 war sie als „Verbrechermädel von rührseligem Kinotypus“ Partnerin von Hans Moser in der Detektivkomödie Nr. 17 von Jefferson Farjeon. Im April 1927 spielte sie an der Seite von Erika Gläßner in der Komödie Modellhaus Crevette von Leo Walther Stein. Ab Ende April 1927 stand sie in den Wiener Kammerspielen u. a. gemeinsam mit Peter Lorre und Heinz Leo Fischer in der Revue Alles verkehrt auf der Bühne. Im Juni 1927 übernahm sie, an der Seite von Maria Orska und Gustav Dießl, die Rolle der lesbischen Freundin Abel in der Komödie Kameraden von August Strindberg.
Nach ihrer Rückkehr aus Wien spielte sie 1928 am „Kleinen Theater“ in Berlin.„Frau Käte läßt sich verführen“. Kleines Theater. Aufführungskritik. In: Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 13. April 1928. Seite 4. Es folgte zur Spielzeit 1928/29 ein Engagement als „Salondame und Liebhaberin“ am Stadttheater Dortmund, wo sie im Oktober 1928 kurzfristig für ihre erkrankte Kollegin Lore Semmt die Rolle der Leonore in Die Verschwörung des Fiesco zu Genua übernahm.Stadttheater Dortmund. Das künstlerische Personal der Städtischen Bühnen Dortmund. In: Dortmunder Zeitung vom 30. August 1928. Seite 7.Stadttheater Dortmund. In: Dortmunder Zeitung vom 9. Oktober 1928. Seite 5. Sie trat am Stadttheater Dortmund außerdem als Adelhaid [sic!] in Die Journalisten von Gustav Freytag, als Agda Kjerulf in der Komödie Hokuspokus von Curt Goetz, als Königin im Weihnachtsstück Dornröschen und als Marion in Dantons Tod auf.Dortmund. In: Kölnische Zeitung vom 23. Oktober 1928. Seite 2.Dortmunder Kunstbrief. In: Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung vom 2. November 1928. Seite 3.Städtische Bühnen Dortmund. In: Dortmunder Zeitung vom 8. Dezember 1928. Seite 5.Städtische Bühnen Dortmund. In: Dortmunder Zeitung vom 8. Februar 1929. Seite 5. Im November 1928 spielte sie am Burgwall-Theater Dortmund die „flotte“ frühere Sekretärin Olly Frey in der Komödie Arm wie eine Kirchenmaus von Ladislas Fodor.Burgwall-Theater Dortmund. In: Dortmunder Zeitung vom 7. November 1928. Seite 10. Im Juli 1929 gab sie in der Titelrolle des Kriminalstücks Der Prozeß der Mary Dugan von Bayard Veiller ihre Abschiedsvorstellung am Stadttheater Dortmund.Abschiedsvorstellung für Eva Fiebig. In: Dortmunder Zeitung vom 5. Juli 1929. Seite 10.
Anschließend war sie, wie bereits zuvor schon in Breslau und Dortmund, als „1. Salondame“ und „Liebhaberin“ am Nationaltheater Mannheim (1929–1931) engagiert.Eva Fiebig. In: Dortmunder Zeitung vom 27. November 1929. Seite 7.Die neue Spielzeit kündet sich an. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 4. Juli 1929. Seite 4. Ihre erste Hauptrolle am Nationaltheater Mannheim war im September 1929, an der Seite von Willy Birgel und Ida Ehre, die Titelrolle in der Gesellschaftskomödie Finden Sie, daß Constanze sich richtig verhält? von W. Somerset Maugham.„Finden Sie, daß Constanze sich richtig verhält?“. Aufführungskritik. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 23. September 1929. Seite 2. Weitere Rollen Fiebigs in der Spielzeit 1929/30 waren die Imperiali in Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, die böse Königin im Märchenspiel Schneewittchen von Hildegard Neuffer-Stavenhagen, die Olympia in Ferenc Molnárs gleichnamigen Theaterstück, die Berta von Bruneck in Wilhelm Tell und die Hetäre Phrynia in Timon von Athen.„Mannheimer Nationaltheater: Fiesko“. Aufführungskritik. In: Neckar-Bote vom 29. Oktober 1929. Seite 3.Schneewittchen. Besetzung. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 14. Dezember 1929. Seite 22.Molnars „Olympia“. Aufführungskritik. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 10. Januar 1930. Seite 3.Wilhelm Tell. Besetzung. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 17. Februar 1930. Seite 8.Timon von Athen. Besetzung. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 14. Juni 1930. Seite 8.
Zur Eröffnung der Spielzeit 1930/31 trat sie am Nationaltheater Mannheim, an der Seite von Willy Birgel als Weislingen, als Adelheid von Walldorf in Götz von Berlichingen auf, erhielt für ihre Darstellung jedoch von der Lokalpresse eher kritische Bewertungen.Theaterbeginn: Götz von Berlichingen. Aufführungskritik. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 8. September 1930. Seite 2.Götz von Berlichingen. Aufführungskritik. In: Badische Presse vom 11. September 1930. Seite 2. Ab Dezember 1930 spielte sie mit „gütiger Bescheidenheit“ die „kluge“ Frau Stadtrat in der Erstaufführung der Komödie Sturm im Wasserglas von Bruno Frank.„Sturm im Wasserglas“. Aufführungskritik. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 13. Dezember 1930. Seite 2. Im März 1931 übernahm sie die Rolle der Friederike in einer Neuinszenierung der Operette Der fidele Bauer.„Der fidele Bauer“. Aufführungskritik. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 21. März 1931. Seite 2. Im Mai 1931 folgte die „sprachlich wohltemperierte, am Schluß zu echter Tragik emporwachsende“ Circe in der Uraufführung des phantastischen Märchenspiels Ueber allem Zauber Liebe (nach Calderon) von Wilhelm von Scholz.Ueber allen Zauber Liebe. Besetzung. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 23. Mai 1931. Seite 19.Ueber allem Zauber Liebe. Aufführungskritik. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 26. Mai 1931. Seite 2. Mit der Rolle der Circe, die sie „mit schönen sprachlichen Ausdruck und überlegener Führung“ darstellte, gab Fiebig Ende Juni 1931 auch ihrer Mannheimer Abschiedsvorstellung.Zwei Künstlerinnen nehmen Abschied. In: Neue Mannheimer Zeitung 1. Juli 1931. Seite 19.
Ab der Spielzeit 1931/32 war sie bis 1935 am Stadttheater Bremen [ab 1933 Staatstheater Bremen] verpflichtet, wo sie auch als Regisseurin für Lustspiele hervortrat. Im März 1933 spielte sie am Stadttheater Bremen die Titelrolle in der Uraufführung des Schauspiels Berenize (nach Racine) von Rudolf Alexander Schröder.Karl Lerbs: Schröder verdeutscht Racine. Aufführungskritik. In: Hamburger Fremdenblatt vom 29. März 1933. Seite 3. Im Oktober 1934 übernahm sie am Staatstheater Bremen die Titelrolle in der Uraufführung des Lustspiels Annemarie gewinnt das Freie von Heinrich Lilienfein.Ein Lustspiel von Lilienfein. Aufführungskritik. In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 11. Oktober 1934. Seite 2.