Salzbergen ist eine Gemeinde an der Ems im Landkreis Emsland in Niedersachsen, nördlich von Rheine.

Wirtschaftliche Bedeutung erlangte Salzbergen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Eisenbahnknotenpunkt und durch die Gründung einer Erdölraffinerie im Jahre 1860. Die Raffinerie Salzbergen ist die älteste noch aktive der Welt und gleichzeitig eine der modernsten.

Salzbergen ist heute ein Industriestandort, am bedeutendsten sind die Sparten Windenergie, Erdöl, Maschinenbau und Textil.

Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt im südlichen Teil des Landkreises an der Ems. Sie liegt an der Grenze zum westfälischen Teil von Nordrhein-Westfalen und unweit der Grenze zu den Niederlanden.

Nachbargemeinden Im Norden grenzt die Gemeinde an die Gemeinde Emsbüren, im Osten an die Samtgemeinde Spelle, im Süden an die Stadt Rheine und die Gemeinden Neuenkirchen und Wettringen im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen und im Westen an die Samtgemeinde Schüttorf in der Grafschaft Bentheim.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Salzbergen ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus dem Kernort Salzbergen und weiteren drei Ortschaften gemäß NKomVG: Holsten-Bexten, Hummeldorf und Steide.

links|160px Holsten-Bexten Hummeldorf Salzbergen (Kernort) Steide

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gebiet der Gemeinde gehört hydrologisch zum Flusssystem der Ems.

Neben der Ems verläuft im Gemeindegebiet auch der Dortmund-Ems-Kanal als künstliche Bundeswasserstraße. Kleinere Gräben, Entwässerungsgräben und Nebengewässer ergänzen das lokale Gewässernetz und dienen vor allem der Entwässerung der Niederungs- und Auenbereiche.

Das Gemeindegebiet ist durch die Niederungslandschaft der Ems sowie durch kleinere Moor- und Feuchtflächen geprägt. Historisch entstanden im Emsland zahlreiche Nieder- und Übergangsmoore auf grundwassernahen Standorten, insbesondere in den Auen- und Niederungsbereichen entlang der Ems. In Salzbergen selbst besitzen vor allem feuchte Grünlandbereiche, Altarme, Entwässerungsgräben und Auenreste ökologische Bedeutung als Lebensräume für wassergebundene Pflanzen- und Tierarten. Im Gemeindegebiet gibt es überwiegend kleinräumige Feuchtgebiete und Niedermoorstandorte.https://www.emsland.de/das-emsland/kreisbeschreibung/naturraeume-siedlungen-und-wirtschaft/naturraeume-siedlungen-und-wirtschaft.html

Geschichte Der Name Salzbergen (alt: Saltesberch, Saltesberg) wird vom hier abgebauten Salzvorkommen abgeleitet. 1172 wird ein Edelhof in Salzbergen erwähnt. Die Brüder Wiebold (1171–1193) und Theodorich (1171–1215) machten eine Schenkung, was der Bischof Ludwig von Münster besiegelte: … duobus fratribus, de Saltesberch, Theodorico et Wibaldo. 1177 bestätigte Bischof Hermann II. von Münster förmlich eine Schenkung des Edlen Sigvin und seiner Gattin Bartradis an die Domkirche zu Münster. Darin heißt es: In Salzbergen hat Rabodo ein Erbe zu Lehen. Die Familie scheint spätestens 1254 ausgestorben zu sein, da sie nach dieser Zeit nicht mehr erwähnt wird. Die Burganlage soll auf Lempkers Kämpe gestanden haben.

Seit dem 13. Jahrhundert gehörte Salzbergen zum Oberstift Münster. Im Gegensatz zum übrigen Oberstift fiel es nach dem Wiener Kongress 1815 nicht an Preußen, sondern an Hannover. Dort gehörte es zum Amt Lingen, nach der preußischen Annexion Hannovers 1866 zum Landkreis Lingen. 1977 wurde der Landkreis Lingen aufgelöst und Salzbergen wurde eine Gemeinde des Landkreises Emsland.

Im Jahre 1864 wurde ein hölzerner Steg als erste Emsbrücke zwischen Holsten-Bexten und Salzbergen errichtet. Nach dem Bau des Listruper Emswehres 1828 wurde die ohnehin schwierige Passage der Ems durch eine Furt unmöglich, sodass bis zur Errichtung der ersten Brücke eine Fähre verkehrte. Der hölzerne Steg wurde 1912 durch eine Eisenbrücke ersetzt, welche im April 1945 durch die zurückweichenden deutschen Truppen gesprengt wurde. Eine neue Brücke wurde erst 1951 dem Verkehr übergeben. 1985 wurde die Brücke um einen Fuß- und Radweg ergänzt, in dieser Zeit musste der Verkehr über eine Ponton-Behelfsbrücke fließen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Dorf Salzbergen mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe. Grund waren die Erdölraffinerie sowie der Eisenbahnknotenpunkt. Kurz vor Ende des Krieges erfolgte am 6. März 1945 um die Mittagszeit der verheerendste Angriff, bei dem in knapp 20 Minuten ca. 4.000 Bomben von mehreren hundert Bombern abgeworfen wurden. Die Raffinerie und das Dorf wurden dabei zerstört. Es gab 40 Tote, darunter viele Kinder.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren das Sägewerk und die Milchwirtschaft die wichtigsten Erwerbsmöglichkeiten im Ort. 1954 eröffnete ein großer landwirtschaftlicher Versuchsbetrieb, in dem der Anbau und die Lagerung von Futtermitteln erprobt und verbessert wurden. In den frühen 1970er Jahren siedelten sich einige Elektrotechnik- und Förderanlagenbetriebe an und leiteten einen beginnenden Strukturwandel ein, der nach Schließung des landwirtschaftlichen Versuchsbetriebs 1976 und mit der Rationalisierung der Landwirtschaft die wegfallenden landwirtschaftlichen Arbeitsplätze kompensierte. Nach Schließung des Versuchsbetriebs wurden zudem einige kleine Familienbetriebe aus der Ortsmitte in die einstige Versuchsanlage umgesiedelt, so dass ab 1981 eine Umgestaltung der Ortsmitte beginnen konnte, in deren Verlauf die heute noch genutzten Dienstleistungs- und Gewerbezentren entstanden.

Namensherleitung der Ortsteile Holsten Das Bestimmungswort hol steht für Holz, vgl. niederdeutsch holt; das Grundwort sete bedeutet fester Wohnsitz, Siedlung. Zusammen: Sitz im Gehölz. Sete kam vor 1000 nicht vor und trat nur im südlichen Teil des Emslandes auf. Das lässt nach Hermann Abels auf einen jüngeren Ort mit rein sächsischem Ursprung schließen, da die Sachsen erst zu diesem Zeitpunkt im Emsland voll sesshaft geworden sein sollen. Bexten Ehemals Feilbexten (alt: Falbeki = fahler, gelber Bach) wurde als Teil des Venkigaus bereits um 890 im Werdener Urbar erwähnt. Athalgrim in Falbeki zahlte an das Kloster Werden 18 Scheffel Korn, den Heerschilling und 16 Denare. Hummeldorf (alt: Humilathorpe). Das Bestimmungswort humil bedeutet mager, dürr; das Grundwort thorpe, torpe steht für Dorf. Zusammen: Dorf mit magerem Boden. Hummeldorf wurde ebenfalls 890 im Werdener Heberegister als Teil des Venkigaus erwähnt. Der Ort grenzt an Bentlage. Auf dem Hof Barwick wurde früher das Salzberger Holzgericht, das dem Bischof von Münster gehörte, durch den Amtmann von Rheine abgehalten. Steide Um 1300 erwähnt. Die Herkunft des Namens ist unsicher. Stovern ist ein altes Rittergut, um 1230 wurde ein Arnold von Stovern genannt. Etwa seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Familie von Twickel.

Eingemeindungen Am 19. August 1965 erfolgte die Gründung der Samtgemeinde Salzbergen mit den Gemeinden Hummeldorf, Salzbergen, Steide und Stovern. Am 1. März 1974 wurde im Zuge der kommunalen Gebietsreform die Einheitsgemeinde Salzbergen aus den Gemeinden Salzbergen, Holsten, Hummeldorf und Steide und aus Teilen der Gemeinden Bexten-Listrup, Ahlde und Mehringen gebildet.

Einwohnerentwicklung Die Gemeinde hat heute über 8.100 Einwohner auf einer Fläche von 5.330 ha, davon ca. 1.400 ha Wald und ca. 2.638 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Mehrere Neubaugebiete wurden seit den 1990er Jahren erschlossen. Weitere Baugebiete befinden sich im Ausbau und in der Planung.

Einwohner 1880 1900 1925 1933 1939 1950 1962 2012 2018 Salzbergen 7181.0521.4331.5491.7722.3932.8005.5875.840 Hummeldorf 219273321350363479k. A.261258 Holsten 192262345390409524k. A.1.5371.596 Steide 343425443425409524k. A.425416

Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Salzbergen besteht aus 20 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 7001 und 8000 Einwohnern., abgerufen am 2. September 2013. Die 20 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Nach den Ergebnissen der letzten Kommunalwahl 2026 vom 13. September 2026 ergab sich folgende Sitzverteilung im Gemeinderat:Gemeindewahl 13.09.2026 - Gemeinde Salzbergen auf votemanager.de, abgerufen am 19. September 2026

Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober. §47 NKomVG-Wahlperiode

Stimmberechtigt im Gemeinderat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Andreas Kaiser von der CDU.

Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Salzbergen ist seit 2005 Andreas Kaiser (CDU). Bei der letzten Bürgermeisterwahl 2026 wurde er mit 80,31 Prozent der Stimmen als alleiniger Kandidat wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,21 Prozent.

seit 2005: Andreas Kaiser (CDU) 1996 – 2005: Anni Brinker (CDU) 1972 – 1996: Hermann Niemeyer (CDU)https://www.salzbergen.de/magazin/artikel.php?menuid=235&topmenu=41&artikel=1688 Nachruf der Gemeinde Salzbergen für Hermann Niemeyer; abgerufen am 24. September 2018

Ortsbürgermeister/-vorsteher Ortschaft Ortsbürgermeister/ -vorsteher Holsten-Bexten Franz-Josef Evers (CDU) Steide Hermann Hermeling (CDU) Hummeldorf Helmut Bültel Bei den Kommunalwahlen werden in zwei Ortschaften Ortsräte gewählt: Holsten-Bexten und Steide. Für Hummeldorf beruft der Rat einen Ortsvorsteher. Bei der letzten Kommunalwahl 2021 wurden die in der Tabelle aufgeführten Ortsbürgermeister/-vorsteher gewählt bzw. berufen.

Wappen Das Wappen der Gemeinde Salzbergen zeigt auf rotem Grund einen silbernen und mit einem blauen Wellenbalken belegten Dreiberg, der auf das Salzvorkommen hinweist, darüber nebeneinander gestellt drei goldene Tropfen, die auf die örtliche Ölverarbeitung anspielen, und der blaue, geschwungene Balken versinnbildlicht die Ems, an der Salzbergen liegt.Hauptsatzung der Gemeinde Salzbergen (PDF; 92 kB), abgerufen am 10. Juli 2016

Flagge und Banner Die Flagge der Gemeinde Salzbergen ist rot/weiß/rot im Verhältnis 1:3:1 waagerecht gestreift, in der Mitte belegt mit dem Gemeindewappen. Das Banner der Gemeinde Salzbergen ist rot/weiß/rot im Verhältnis 1:3:1 senkrecht gestreift, in der Mitte der oberen Hälfte belegt mit dem Gemeindewappen.

Partnergemeinde , seit Mai 2006

Kultur und Sehenswürdigkeiten rechts|miniatur|Kirche St. Cyriakus mit neuem Turm mini|Rückseite der Kirche St. Cyriakus mini|Museumslok, Ansicht von der Straßenseite mini|Museumslok

Museen Das 1993 eröffnete Feuerwehrmuseum Salzbergen zeigt Feuerwehrexponate aus aller Welt. Der Feuerwehrmuseumsverein verfügt über eine Anzahl von Fahrzeugen, Handdruckspritzen, Geräten und Kleinteilen. Unter anderem sind Helme aus aller Welt, Kappen und Mützen, Uniformen, Ärmelabzeichen, Orden und Ehrenzeichen, Stahlrohre, Feuerlöscher, Atemschutzgeräte, alte Urkunden und Dokumente ausgestellt und zeigen die Geschichte des Feuerlöschwesens auf. Ein Höhepunkt ist eine Dampfdruckspritze aus dem Jahre 1901, die als einzige in Deutschland noch immer betrieben werden darf. Seit 2010 gehört das Feuerwehrmuseum zur Route der Industriekultur im Nordwesten.Feuerwehrmuseum auf www.salzbergen.de, abgerufen am 18. September 2016

Musik Musikverein Salzbergen Kirchenchor St. Cyriakus Kirchenchor St. Marien Jugendchor Salzbergen „MissKlang“ – Frauenchor Salzbergen

Bauwerke miniatur|Gut Stovern (2013)

Die neugotische katholische Kirche St. Cyriakus wurde in der jetzigen Form in den Jahren 1897–1903 erbaut. An derselben Stelle befand sich bereits eine Kirche, die für den Neubau abgerissen wurde. Im Jahre 2002 erhielt die Kirche ihren ursprünglichen Kirchturm zurück, der im Zweiten Weltkrieg wegen der Nähe zur Fliegerkaserne Bentlage (wegen der Einflugschneise) abgetragen wurde. Sehenswert ist die „Klünsche“ Madonna, ein Gnadenbild in der Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert.