Gerhard Jagschitz (* 27. Oktober 1940 in Wien; † 30. Juli 2018 ebenda) war ein österreichischer Historiker und Universitätsprofessor für Neuere Geschichte an der Universität Wien.
Leben Jagschitz studierte Geschichte, Deutsche Philologie, Volkskunde und Ägyptologie an der Universität Wien. Im Jahr 1968 promovierte er zum Dr. phil. und wurde anschließend Assistent bei Ludwig Jedlicka am 1966 gegründeten Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. 1978 erfolgte die Habilitation mit einer Arbeit über den Juliputsch. 1985 wurde er Professor für Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, dessen Vorstand er auch von 1994 bis 2001 war. 2002 ging er in Pension.
Seine Forschungsschwerpunkte waren u. a. der Nationalsozialismus, Terror und Vernichtung im nationalsozialistischen Deutschland, die Zweite Republik Österreich und die Österreichische Identität.Biografie auf den Seiten der Universität Wien (PDF; 50 kB).
Daneben engagierte sich Jagschitz für die Institutionalisierung der Sammlung audiovisueller Quellen und baute ein bedeutendes Bildarchiv auf, das sich jetzt im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek befindet. Er war auch der erste, der im deutschen Sprachraum den Begriff Visual History verwendete. Gerhard Jagschitz war ein überzeugter Kritiker der EU.
Mit der Mediathek des Technischen Museums betrieb er ab 2008 das Oral History Projekt „Menschenleben“, für das mehrstündige lebensgeschichtliche Gespräche mit über 1500 Menschen geführt und aufgezeichnet wurden.
Gerhard Jagschitz’ Großvater war der Offizier Maximilian Ronge.ZEIT Online: Mein Großvater, der Mörder. Artikel vom 22. März 2007, abgerufen am 2. September 2017.
Jagschitz starb am 30. Juli 2018 in Wien an Komplikationen in Folge einer Operation.Zeithistoriker Gerhard Jagschitz verstorben orf.at, 1. August 2018, abgerufen am 1. August 2018. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof bestattet.Grabstelle Gerhard Jagschitz, Wien, Zentralfriedhof, Gruppe 34, Erweiterung G, Nr. 12.
Sein Sohn Florian Jagschitz führt Lehrveranstaltungen an der Uni Wien durch und ist aktiv im Genossenschaftswesen (Forschungsverein und Coop-Verband).Einladung zur 15. Tagung zur Genossenschaftsgeschichte, Hamburg 5. November 2021.
Werke (Auswahl) Der Putsch. Die Nationalsozialisten 1934 in Österreich. Verlag Styria, Graz / Wien / Köln 1976, ISBN 3-222-10884-6.Ö1: Prof. Gerhard Jagschitz analysiert den Juli-Putsch 1934. Abgerufen am 10. September 2010. mit Verena Moritz und Hannes Leidinger: Im Zentrum der Macht. Die vielen Gesichter des Geheimdienstchefs Maximilian Ronge. Residenz-Verlag, Wien 2007, ISBN 978-3-7017-3038-4.
Auszeichnungen 2012 Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich
Weblinks Ton- und Videodokumente mit Gerhard Jagschitz (Analysen, Interviews, Radiosendungen …) im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek
Zeithistoriker Gerhard Jagschitz gestorben science.orf.at, 1. August 2018. Nachruf von Oliver Rathkolb auf der Website des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien.
Einzelnachweise
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