L’Alessandro ist eine Komödie von Alessandro Piccolomini in fünf Akten. Sie wurde Anfang 1544 abgefasst und sollte in der Karnevalszeit desselben Jahres uraufgeführt werden. Die früheste urkundlich bezeugte Aufführung fand in der Karnevalszeit 1545 in Bologna statt, im selben Jahr, in dem L’Alessandro erstmals als Buch veröffentlicht wurde.
Inhalt Erster Prolog
Beim ersten Prolog handelt es sich um den Prolog, der bei der Erstaufführung vorgetragen wurde. Die Schauspiel- und Autorengruppe der Intronati hat sich offenbar von ihrem Publikum, das hauptsächlich aus Frauen besteht, entzweit, was daran liegt, dass Letztere sich an derben Späßen zu erfreuen begannen und die Komödien der Intronati nicht mehr zu schätzen wussten. Diese Geschmacksverirrung der Frauen habe Siena mit seinen (angeblich) besonders schönen und tugendhaften Frauen um den guten Ruf gebracht. Die Intronati hätten es sich deshalb zur Aufgabe gemacht dieser Tendenz Einhalt zu gebieten. Die Komödie sei dementsprechend nützlich (der Nutzen von Theaterstücken wurde auch in Trissinos La Sophonisba gepriesen). Die Väter sollten aus dem Stück beispielsweise die Lehre ziehen, ihren Söhnen gegenüber nachsichtig, die Söhne hingegen ihren Vätern gegenüber gehorsam und respektvoll zu sein; die Alten sich ihrer Habgier entledigen und sich in Höflichkeit gegenüber jungen Menschen üben. Die jungen Menschen wiederum sollten wegen ihrer Leidenschaften, insbesondere der Liebe nicht ihre Ehre und ihr Leben opfern; die Frauen sich mit Keuschheit und Höflichkeit schmücken. Wie in Machiavellis Mandragola (1518) und Pietro Aretinos erster Fassung von La Cortigiana (1524) wird eventueller Kritik einiger „Pedanten“ begegnet – nicht jedoch inhaltlich. Stattdessen wird versucht, die Kritiker aufgrund ihrer Heuchelei bloßzustellen. Offenbar wird in der sich nun zunehmend gegenreformatorischen Stimmung auf Komödiendichter erheblicher Druck ausgeübt, da Piccolomini den Schauspieler des Prologs gegen die Erbauung durch Gebete innerhalb der Komödie argumentieren lässt. Der Mensch sei im Gegensatz zu Engeln nun einmal aus Erde geschaffen und könne deshalb nicht sein ganzes Leben unentwegt in der Anschauung Gottes verbringen, ohne dadurch körperlich Schaden zu nehmen. Der Geist müsse sich von der Anschauung Gottes erholen. Komödien seien zu ebendieser Erholung bestens geeignet. Allein die Tatsache, dass sich unter dem Publikum mehrere Dutzend der potenziellen Kritiker der Komödie befänden und nicht, wie eigentlich zu erwarten wäre, in der Kirche ihrer Frömmigkeit nachgehen würden, bestätige, dass es sich bei ihnen um Heuchler handele. Diese Heuchler hätten bei einigen Frauen großen Schaden angerichtet, da nun einige Frauen dazu übergegangen seien, die Intronati dafür zu tadeln, dass sie ihre Einkünfte nicht einem Ordensbruder spendeten. Auch an den Ordensbrüdern lässt der Prolog kein gutes Haar, zumal die Komödie als nützlicher gepriesen wird als deren „Gefasel“ der Predigt. Was für die Heuchler gelte, gelte auch für die Frömmlerinnen, die durch ihre Anwesenheit bewiesen hätten, wie ernst sie es mit der Ablehnung der Komödie meinten. Des Weiteren wird der Name der Komödie vorgestellt. Warum die Komödie nach einer Person benannt wird, die in ihr relativ selten auftritt, soll an anderer Stelle geklärt werden (was allerdings nicht geschieht). Die Komödie sei harmlos, allerdings komme in ihr die Liebe vor. Wem dies bereits zu viel sei, solle besser gehen. Dass sich in L’Alessandro die Handlung um die Liebe dreht, wird damit begründet, dass die Liebe eine der höchsten Gaben der Menschen sei und es die Menschen ohne sie längst nicht mehr gebe. Da die zum Gehen aufgeforderten blieben (sie könnten genauso gut auch gegangen sein – möglicherweise behält sich der Vortragende vor, die eine oder andere Passage der Situation anzupassen), gäben sie sich zusätzlich der Lächerlichkeit preis. Neben dem genannten entspringe der Komödie ein weiterer Nutzen, nämlich der, dass diese aufzeige, dass die Liebe nicht allen unter Jugendlichen und Alten möglich sei, sondern auch unter den Kindern, die diese mit der Muttermilch mitbekamen. Schließlich wird L’Alessandro zum besseren Verständnis der Handlung vorab zusammengefasst: Der Ort der Handlung sei Pisa. In Pisa befinde sich das Haus Vincezio Pisanos. In dessen Haus wohne neben seinem Sohn Cornelio ein gewisser Aloisio, der allerdings Frauengewänder trage und sich als Vincenzios Nichte Lampridia ausgebe. Lucrezia hingegen wohne unter dem Namen Fortunio bei einem gewissen Monsignor Flisco. Warum Aloisio und Lucrezia mit falscher Identität bei Vincenzio bzw. Fisco wohnten, solle erst im Laufe der Komödie beantwortet werden. Auf der Bühne stehe außerdem das Haus eines gewissen Gostanzo Naspis, dessen Tochter von Cornelio geliebt werde. Außerdem wird ein gewisser Kapitän vorgestellt. Der Vortragende des Prologs geht ab, um Vincenzio und einem nach Pisa berufenen Doktor aus Sizilien Platz zu machen.
Zweiter Prolog
Der zweite Prolog folgt nicht, wie man zunächst vermuten möchte, dem ersten Prolog, sondern ersetzt diesen. Er wurde eigens für die zweite Aufführung von L’Alessandro abgefasst. Im Unterschied zum ersten Prolog wird hier begründet, warum sich dieser ausschließlich auf Frauen bezieht. Dies liege nicht daran, dass das Publikum überwiegend männlich sei, sondern weil ausschließlich die Frauen im Publikum angesprochen würden. Die zweite Aufführung erfolge nämlich auf Bitten der Frauen hin. Es ist des Weiteren von der Ungezügeltheit der jungen Hofmänner gegenüber den jungen Damen die Rede, die den Intronati missfalle, zumal dieses Verhalten im restlichen Publikum eine große Aufregung verursacht habe. Offenbar sollen die jungen Damen das ungestüme Verhalten der jungen Männer durch Liebesentzug bestrafen. Bei der neuen Aufführung sei die Kritik des Publikums berücksichtigt worden, allerdings habe man sich vorbehalten, allein vernünftiger Kritik zu folgen. „Pedantische“ Kritik sei hingegen ignoriert worden. Unter Pedanten werden unter anderem solche Kritiker verstanden, die Plautus nicht kennen. Außerdem wird der als Pedanten geschmähten Gruppe von Kritikern vorgehalten, sie könne das Wort „Komödie“ nicht einmal buchstabieren. Dabei sei die Komödie wichtiger als die Tragödie. Es werden zuvor einige der von Pedanten geäußerten Kritikpunkte wiedergegeben (sie sollen hier nicht im Einzelnen wiederholt werden). Paradoxerweise bedeutet das beanstandete Nichtvorhandensein der von den Kritikern aufgezählten Elemente (wie z. B. der Pedant) gewissermaßen eine Emanzipation des zuvor als Vorbild genannten Plautus. Außerdem distanziert sich der Vortragende des Prologs von Aretino. Statt sich auf Aretino (der damals wohl als Maßstab für gute Komödien galt) zu versteifen, sollten die Kritiker für rhetorisch und poetologische Belange besser bei einem gewissen Boezio in Lehre gehen (auch Callimaco aus Machiavellis Mandragola war bei einem gewissen Boezio bzw. Buezio in Lehre gegangen). Komödien seien ein Spiegel der Gesellschaft, in denen die allgemeinen Laster offenbar würden, was wiederum dazu diene, diese in Zukunft zu meiden. Dass manchen die Kritik der Komödie zu heftig sei, liege daran, dass einem die eigenen Laster dadurch unerträglich würden. Die beste Behandlung für große bzw. schwere Wunden sei jedoch eine möglichst schmerzhafte Behandlung. Menschen, die kein lasterhaftes Leben führten, hätten hingegen den Nutzen der Komödie sehr wohl erkannt. Ein weiterer Kritikpunkt bestehe darin, dass die Komödie mehrere Male aufgeführt werde (was damals wohl nicht üblich gewesen sein mag). Als Gegenargument wird Terenz angeführt, der im alten Rom seine Komödien mehrere Male aufführen musste, damit diese erst zur Geltung kamen. Wie im ersten Prolog wird zum Schluss zum besseren Verständnis der Handlung dieselbige zusammengefasst und das Bühnenbild erklärt, und der Vortragende macht – wie im ersten Prolog – Vincezio und einem nach Pisa berufenen Doktor aus Sizilien Platz.
Erster Akt
Messer Fabrizio ist ein alter Studienfreund Vincenzios. Nun, da Messer Fabrizio nach Pisa berufen wurde, erhofft sich Vincenzio, dass dieser ihm dabei helfe, seinen einzigen Sohn, Cornelio, von seinem ausschweifenden Leben abzubringen. Cornelio, der einst als besonders fleißiger Student galt, hat sich in eine Frau verliebt, vernachlässigt seitdem sein Studium und widmet sich den Freuden des Lebens. Fabrizio schlägt Vincenzio vor seinen Sohn mit der bzw. einer Frau zu verheiraten, damit dieser wieder zur Ruhe komme. Vicenzio entgegnet ihm, er habe versucht, seinen Sohn mit der Tochter eines gewissen Gostanzo zu verheiraten, Gostanzo jedoch wolle nichts davon wissen. Da Vincenzo sich über das Los seines Sohnes beklagt, erzählt ihm Fabrizio die Geschichte seiner Tochter Lucrezia. Fabrizio sei 1533 aus Gründen, die nicht näher genannt werden (wohl, weil das Wissen darum beim Publikum vorausgesetzt wird), aus Sizilien vertrieben bzw. verbannt worden. Seine Tochter Lucrezia habe er seinem Bruder anvertraut. 1537 habe in Sizilien ein Aufstand stattgefunden, an dem sich der Bruder Fabrizios beteiligt habe. Nach der Niederschlagung des Aufstands, habe der Bruder zusammen mit der Tochter Fabrizios Sizilien verlassen müssen. Seitdem habe Fabrizio keine Nachricht von den beiden. Am Ende des Gesprächs erblicken beide Gostanzo. Von Gostanzo erfährt Vincezio, dass er sich mit seinen 65 Jahren wieder verliebt habe – in die Frau des Capitano Malagigis. Im Laufe der Unterhaltung bittet Vincenzio Gostanzo Lucilla mit Cornelio zu verheiraten. Gostanzo lehnt ab. Indessen begibt sich Lampridia mit ihrer Dienerin Niccoletta zu einer Nonne, die Neuigkeiten aus Sizilien haben soll. Seit sieben Jahren lebe Lampridia als Frau verkleidet bei Vincenzio. Auf dem Weg zur Nonne erzählt Lampridia Niccoletta ihre Lebensgeschichte. Der Vater Lampridias sei ein Rebell gewesen und habe Sizilien verlassen müssen. Lampridia sei zu ihrem Schutz als Frau verkleidet worden. Als Lampridias Vater in Frankreich gestorben sei, habe dieser Lampridia in die Obhut eines gewissen Bellisario gegeben. Bellisario habe zwar gewusst, dass Lampridia in Wirklichkeit ein Mann sei, habe jedoch darauf verzichtet, Vincenzio Lampridias wahre Identität zu verraten. Lampridia erinnert sich wehmütig an ihre bzw. seine Geliebte Lucrezia, die sie bzw. er in Frankreich habe zurücklassen müssen. Nun mache ein gewisser Fortunio, ein Fremder, Lampridia den Hof. Lampridia flirte gerne mit ihm, da Fortunio ihrer bzw. seiner Lucrezia etwas ähnele. Cornelio wiederum, lässt einen gewissen Querciuola zwischen ihm und seiner Angebeteten vermitteln – jedoch zunächst ohne Erfolg. Als Cornelio Lucilla ein Geschenk übergeben lässt, ist ihre Reaktion jedoch überaus positiv. Sie bekundet in einem Brief Interesse an einen Besuch Cornelios. Allerdings müsse Cornelio dafür sorgen, dass ihr Vater sich außer Haus befinde und anschließend von der Hinterseite des Hauses kommen, wo er mit einer Leiter unbeobachtet zum Fenstergitter ihres Zimmers hochklettern könne. Gostanzo abzulenken ist Querciuola ein Leichtes, da er zudem zwischen Gostanzo und dessen Angebeteter vermittelt. Indessen wird Cornelio eine Strickleiter besorgen und sich mit Alessandro beraten. Zur gleichen Zeit begibt sich Capitano Malagigi mit seinem Diener Fagiuolo wiederum zum Herzog, zu dem er zum Mittagessen eingeladen worden ist.
Zweiter Akt