Spar (Eigenschreibweise SPAR) ist der weltweit größte freiwillige Zusammenschluss von Händlern zu einer Handelskette, die unter gleichem Namen und mit einheitlichem Logo auftreten, rechtlich jedoch eigenständige Gesellschaften sind (Franchise).
Der Name ist das Akronym des niederländischen Mottos „Door Eendrachtig Samenwerken Profiteren Allen Regelmatig“ (dt.: „Durch einträchtiges Zusammenarbeiten profitieren alle regelmäßig“) De Spar („Die Tanne“). Daher trägt die Marke für Fleisch- und Wurstwaren im deutschsprachigen Raum den Namen Tann.
Von Anfang an in den Niederlanden erfolgreich, verbreitete sich das Modell ab Ende der 1940er-/zu Beginn der 1950er-Jahre schnell in Europa. Später wurden auch in Afrika, Ostasien und Australien Spar-Organisationen gegründet. 2019 gehörten der Gruppe über 13.620 Filialen an, die nach eigenen Angaben täglich 14,5 Millionen Kunden bedienen.
Geschichte mini|Weltkarte mit aktiven Spar-Gesellschaften (in grün) sowie ehemaligen Spar-Gesellschaften (in grau), 2022 Spar wurde am 28. Juni 1932 von Adriaan van Well in Zoetermeer in den Niederlanden gegründet. Selbständige Groß- und Einzelhändler schlossen sich damals zu einer freiwilligen Handelskette zusammen.
Das erklärte Ziel dieses Zusammenschlusses war die „Konzentration der Kräfte“, die dem Druck einer immer stärker werdenden Konkurrenz entgegengestellt werden sollte. Vom Zusammenwirken dieser Kräfte sollten alle Mitglieder profitieren; die wirtschaftliche Existenz sollte sichergestellt werden.
Als erstes Land neben den Niederlanden wurden 1947 in Belgien Spar-Gesellschaften gegründet, im selben Jahr wurde der Name von Despar auf Spar gekürzt. 1952 folgte die Expansion nach Deutschland, nur zwei Jahre später Österreich und Dänemark. 1957 wurde der erste internationale Spar-Kongress abgehalten. Ziel des Kongresses war die Stärkung des losen Verbundes und der Austausch zwischen den Landesorganisationen. Zu diesem Zweck wurde 1953 die Spar International mit Sitz in Amsterdam gegründet. 1959 war Spar bereits in neun Ländern vertreten. Mit der Lizenzvergabe nach Südafrika expandierte Spar ab 1963 nach Afrika. Ab 1977 wurde mit der Expansion nach Japan auch Asien erschlossen, 1994 folgte Australien und später Südamerika. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs etablierte sich Spar auch in osteuropäischen Staaten.
Aufgrund der Weiterentwicklung im Lebensmitteleinzelhandel suchte auch Spar nach neuen Vertriebslinien und erweiterte diese mit der Eröffnung des ersten Eurospar-Marktes im Jahr 1968 sowie ein Jahr später durch die Eröffnung des ersten Interspar-SB-Warenhauses. In den 1990er-Jahren wurde zudem das Convenience-Konzept Spar Express entwickelt.
Deutschland mini|Einer der letzten seiner Art: Ein Spar-Markt in der Bremer Neustadt, seit Dezember 2018 ebenfalls Edeka
Die ersten Spar-Märkte wurden 1952 in der Bundesrepublik eröffnet, die Spar Handels AG wurde 1985 als Dachgesellschaft gegründet. Ab 1995 befand sich die deutsche Spar zunehmend in einer Krise, die eine umfassende Sanierung nach sich zog, u. a. gehörte Spar Deutschland ab 1997 zum französischen Konzern ITM Entreprises.
2005 wurde die in eine GmbH umgewandelte Gesellschaft durch die Edeka übernommen. Im Anschluss wurden alle größeren Spar-Märkte auf Edeka umgeflaggt. Einige kleinere Spar-Märkte behielten ihren Namen oder operieren unter der Vertriebslinie nah & gut. Neueröffnungen gibt es nur noch unter dem Namen und Konzept von Spar Express. Bereits 1998 hatte man sich im Rahmen der Sanierung von der Vertriebslinie Interspar getrennt und 74 Märkte an Walmart verkauft und die bei der Spar verbliebenen Interspar-Standorte auf Eurospar umgeflaggt.
Österreich
Spar Österreich wurde von der niederländischen Sparte des Spar-Systems 1954 in Amsterdam gegründet. 1970 erfolgte der Zusammenschluss aller damaligen zehn Großhandelsfirmen zur Spar Österreichische Warenhandels-AG. Im Jahre 1990 wurde die ASPIAG (Austria SPAR International AG) gegründet, die heute ihren Sitz in Widnau in der Schweiz hat. Unter ihrer Beteiligung und fachlichen Führung entstanden in Italien, Slowenien, Ungarn, Tschechien und Kroatien eigene Spar-Landesorganisationen. Spar Österreich ist nach wie vor eigenständig und die größte Spar-Gesellschaft der Welt. Im Lebensmitteleinzelhandel hält Spar in Österreich 2021 einen Marktanteil von 36 % und ist damit Marktführer vor der Rewe International AG.
Schweiz
Die SPAR Holding AG ist ein 1989 gegründetes Schweizer Detailhandelsunternehmen mit Sitz im sankt-gallischen Gossau. Das Familienunternehmen erwarb die Spar-Lizenz für die gesamte Schweiz von Spar International. 2016 verkaufte die Familie 60 % (mit Option auf die weiteren 40 % des Kapitals) an den irischen Sparbetreiber BWG (mit SPAR Geschäften in Irland und in England), der wiederum im Jahr 2014 von der südafrikanischen SPAR Group übernommen wurde.SPAR Group: Spar acquires Spar Holding, Pressemitteilung vom 10. März 2016, abgerufen am 19. Oktober 2018 (pdf, englisch) 2025 erfolgte der Verkauf an eine Schweizer Investorengruppe.
Niederlande mini|Im Inneren eines Spar-Marktes in Nijmegen, 1959 Im Ursprungsland ist Spar seit 1932 vertreten. Nach Gründung von Despar entstand 1934 durch Zusammenschluss der angeschlossenen Großhändler die niederländische Zentrale (Spar Centrale). Zuständig für die Verkaufspläne der Importeure wurde ein Vorstand einbestellt und ein Aufsichtsrat eingerichtet. 1941 wurde der nationale Despar-Verband gegründet, mit dem Ziel sich auf verschiedenen Ebenen (Ladenbesitzer, Großhändler und Zentrale) monatlich über die allgemeinen Interessen auszutauschen. In den 1960er-Jahren waren mehr als 2000 Geschäfte an die niederländische Spar angeschlossen. Um 1960 hatte Spar in seinem Gründungsland einen Marktanteil von mehr als 13 % und gehörte zu den größten Lebensmittelkonzernen des Landes. In den Folgejahren spürte man auch bei der niederländischen Spar den wachsenden Druck durch die Eröffnung von großflächigen Supermärkten, die Aufhebung der vertikalen Preisbindung im Jahr 1970 sowie beginnende Übernahmen. Auch bei der Spar selbst kam es zu Übernahmen. So fusionierten bis in den 1980er-Jahren die Großhändler zu drei Spargruppen: Die Verenigde Distributiebedrijven B.V. (kurz VDB) in Den Bosch mit acht Spargroßhändlern, das Unternehmen von Van Well in Zevenhuizen mit vier Spargroßhändlern und das Unternehmen Van Silfhout in Amersfoort. Durch die Bildung der Gruppen wurde die Zusammenarbeit auf nationaler Ebene zunehmend erschwert. Auch die Anzahl der Filialen ging zurück, so bestanden 1982 nur noch 1.937 Standorte. mini|Spar-Markt in Bredevoort im Jahr 2012|linksMitte 1985 konnte das Handelsunternehmen Schuitema B.V., das auf dem niederländischen Markt mit seiner Supermarktkette C1000 vertreten war, das Unternehmen von Van Well übernehmen. Zwei Jahre später verkaufte Van Silfhout seine Spar-Großhandelsgeschäfte an Unigro, mit Zusatz in Houten, zwei Jahre später übernahm Unigro zudem das Geschäft der VDB. So war die Spar-Zentrale ab 1990 vollständig in den Händen der beiden Konkurrenten. In der Folge kam es zwischen Schuitema und Unigro, die nicht zusammenarbeiten wollten, zu Kontroversen. Bereits im März 1989 kam es zu einer Untersagung der Informationsweitergabe an Schuitemas Anteilsangeber Ahold. Auferlegt von der niederländischen Zentrale drohte Geschäften, die die Untersagung missachten eine Geldstrafe von einer Million Gulden pro Tag. Unabhängig von den Streitigkeiten begann bei beiden Unternehmen ein Umflaggungsprozess auf eigene Vertriebslinie. Schuitema ersetzte Spar im vollen Umfang durch andere Vertriebslinie. Der Einzelhandelsverband VDB wurde dadurch zum Spar-Einzelhändlerverband. In den 1990er-Jahren trennte sich Schuitema dann von seinen Anteilen (30 %) an der Spar-Zentrale, sodass Konkurrent Unigro alleiniger Eigentümer der niederländischen Spar wurde. Unigro selbst fusionierte im Oktober 1996 mit De Boer zu De Boer Unigro. Nach der Integration betrieb man 380 Supermärkte mit den Vertriebslinien De Boer, Cirkel, Super und Spar und hielt einen Marktanteil von über 10 %. Im Mai 1998 kam es wiederum zur Fusion von De Boer Unigro und der Vendex Food Group, im September 1998 folgte die Umbenennung in Laurus. Durch den Zusammenschluss stieg der Marktanteil des neuen Unternehmens, inklusive der Vertriebssparte Spar, auf 24 %. Die Zahl der Spar-Märkte war bis zu diesem Zeitpunkt drastisch zurückgegangen und betrug 1999 nur noch 160. Im Folgejahr wurde durch Laurus bekannt gegeben, das Spar-Geschäft in den Niederlanden zu veräußern. Neben dem niederländischen Spar-Verband interessierte sich auch die Sligro Food Group an dem Geschäft. Es folgte der Verkauf an Sperwer (Muttergesellschaft der niederländische Supermarktkette Plus), am 1. Februar 2002 konnten 90 % vom inzwischen von der Insolvenz bedrohten Unternehmen Laurus übernommen werden, 10 % hielten inzwischen die unabhängigen Spar-Kaufleute des Landes. Am 17. Mai 2005 wurde in Groningen der landesweit erste Spar Express-Markt eröffnet. 2007 wurden 45 % der Anteile an Spar von Sperwer an Sligro Food verkauft.
Der Eurospar-Standort in Putte wurde zum 8. Januar 2011 in Emté umgeflaggt. Im Januar 2012 schloss der letzte Eurospar-Markt des Landes, der sich in Westkapelle befand. An seiner Stelle eröffnete ein Spar-Markt. Anfang Januar 2018 gab die niederländische Spar das Ziel bekannt insgesamt 130 Spar Express-Märkte an Texaco-Tankstellen der EG Group auszurollen. Im Oktober 2019 wurde dieses Ziel mit der Eröffnung des insgesamt 150. Standortes in Eemnes übertroffen. Bereits im Vorjahresmonat fand die Eröffnung des 75. Standortes des Landes in Broerdijk in der Provinz Noord-Holland statt. In den Niederlanden hat Spar (Stand: 1. Februar 2025) einen Marktanteil von 30 %. Die Märkte sind dabei kleiner als 500 m². Die niederländische Spar gehört heute zu je 45 % zu Sligro Food und Sperwer sowie zu 10 % den unabhängigen niederländischen Spar-Einzelhändlern.
Vereinigtes Königreich mini|Ein alter Spar-Markt in England 1956 wurde eine erste britische Lizenz für Spar erteilt. Unter den ersten Unternehmen waren dabei die Großhandelsunternehmen Capper & Co. Ltd und James Hall & Co. Ltd. 1960 erhielt die Henderson Group für Nordirland eine Spar-Lizenz. Bereits 1966 bildeten Spar und die britische Vivo eine Partnerschaft, um eine Auflösung der Vivo verhindern zu können. 1968 trat die Appleby Westward Group der britischen Spar bei. Das Unternehmen A.F. Blakemore & Son Ltd. folgte 1975 im Zuge der Vivo-Spar-Fusion und wurde Teil der Spar National Guild Großhandelslieferant für die West Midlands. Auch das Unternehmen CJ Lang & Son Limited kam über die Vivo zur Spar und belieferte Märkte in Schottland. Nach der Fusion mit der Vivo war die britische Spar in 29 Gilden unterteilt, hatte rund 4.200 Mitglieder und wurde von 17 Großhändlern beliefert. Zu diesem Zeitpunkt bestanden in Schottland 102 Märkte unter den Namen Spar. John Irish, damaliger Marketingdirektor und 1981 Geschäftsführer der britischen Spar, etablierte Anfang der 1980er-Jahre den Slogan „Eight till Late“ (dt.: Acht bis spät). Der erste Standort mit diesem Konzept wurde 1981 von Kent Stores in Preston eröffnet. Angelehnt an das Konzept mit längeren Öffnungszeiten und verbesserten Ladenstandards konnte sich Spar zum damaligen Zeitpunkt an die Spitze im Bereiche Convenience Store setzen.