Gerhard Friedrich (* 20. August 1908 in Jodszen, Kreis Pillkallen; † 18. Januar 1986 in Kiel) war ein deutscher evangelischer Theologe, der sich als Professor und Lehrstuhlinhaber besonders dem Neuen Testament widmete.
Leben Gerhard Friedrich, geboren in Ostpreußen als Sohn von Anna Friedrich, geborener Lemhöfer, und des Gutsbesitzers Johannes Friedrich, besuchte die Friedrichsschule Gumbinnen, ein Gymnasium. Nach dem Abitur 1928 studierte er an den Universitäten Königsberg, Marburg und Tübingen. Nach 1933 schloss er sich keiner nationalsozialistischen Organisation an, was die Tätigkeit als Assistent an der Universität Tübingen erschwerte. Er ging in dieser Zeit zurück nach Ostpreußen und engagierte sich in der Bekennenden Kirche. Ab 1935 war er Inspektor des Predigerseminars dieser Kirche, von 1937 bis 1945 Pfarrer im ostpreußischen Großheidekrug. Im Zweiten Weltkrieg wurde er Soldat, konnte jedoch 1939 noch seine Dissertation abschließen wurde im selben Jahr zum Dr. theol. promoviert. Danach war er als Assistent der Tübinger Universität tätig. 1944 geriet er in englische Kriegsgefangenschaft. Er leitete das YMCA-Lager Norton (Norton Camp) der Theologischen Schule für Kriegsgefangene in England und Irland.Friedrich, Gerhard. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 336.
Im Jahr 1947 wurde er als Dozent auf einen Lehrstuhl für Neues Testament an der Theologischen Schule in Bethel berufen. 1953 wechselte er als außerordentlicher Professor zur Universität Kiel, 1954 als ordentlicher Professor zur Universität Erlangen, deren Rektor er von 1964 bis 1966 war. Von 1968 bis zu seiner Emeritierung 1976 lehrte er als ordentlicher Professor für Theologie wieder an der Universität Kiel.
Gerhard Friedrich war ab 1937 verheiratet mit Ruth Friedrich, geborener Hilgenstock, und hatte sieben Kinder, darunter Gotthard, Johannes, Christiana und Gotthard Matern sowie drei früh verstorbene und ein Pflegekind. Der 1948 geborene Johannes Friedrich wurde ebenfalls Theologe und wirkte als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
Werk und Bedeutung Seit 1948 gab Gerhard Friedrich in der Nachfolge von Gerhard Kittel das Theologische Wörterbuch zum Neuen Testament heraus, von dem bis dann bereits die ersten vier Bände erschienen waren. Dieses Werk wurde 1979 vollendet. Dieses Wörterbuch wurde in mehrere Sprachen übersetzt, z. B. Englisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch und Französisch. Außerdem betätigte er sich als Mitherausgeber des elfbändigen Werkes Das Neue Testament deutsch. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Bücher, unter anderem Utopie und Reich Gottes (1974), Sexualität und Ehe: Rückfrage an das Neue Testament (1977), Ökologie und Bibel: Neuer Mensch und alter Kosmos (1982) und Die Verkündigung des Todes Jesu im Neuen Testament (1982).
Ehrungen Friedrich wurde 1959 Theologische Ehrendoktor (D.) der Universität Kiel, erhielt 1969 den Bayerischen Verdienstorden und 1980 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
Veröffentlichungen (Auswahl) als Hrsg.: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament. 1948 ff. Amt und Lebensführung. Eine Auslegung von 2. Kor. 6,1-10 (= Biblische Studien. Band 39). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1963. Philipperbrief. 1965 (1972 erschienen auch in spanischer Sprache) Wer ist Jesus? Die Verkündigung des vierten Evangelisten, dargestellt an Johannes 4,4-42. Calwer Verlag, Stuttgart 1967. Was heißt das, Liebe? Calwer Verlag, Stuttgart 1972, ISBN 3-7668-0368-9. Utopie und Reich Gottes. Zur Motivation politischen Handelns. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1974, ISBN 3-525-33368-4. 1. und 2. Thessalonicher Brief. 1976. Sexualität und Ehe. Rückfragen an das Neue Testament (= Biblisches Forum. Band 11). Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1977, ISBN 3-460-08111-2. Auf das Wort kommt es an. Gesammelte Aufsätze zum 70. Geburtstag. Hrsg. von Johannes H. Friedrich. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1978, ISBN 3-525-58113-0. Die Verkündigung des Todes Jesu im Neuen Testament (= Biblisch-theologische Studien. Band. 6). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1982, ISBN 3-7887-0673-2; 2. Auflage 1985. Ökologie und Bibel. Neuer Mensch und alter Kosmos. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007703-1.
Festschrift Horst Balz (Hrsg.): Das Wort und die Wörter. Festschrift Gerhard Friedrich zum 65. Geburtstag. Kohlhammer, Stuttgart 1973, ISBN 3-17-001473-0 (Bibliographie Gerhard Friedrich S. 231–235).
Literatur Friedrich, Gerhard. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 336.
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Einzelnachweise
Kategorie:Person der Bekennenden Kirche Kategorie:Rektor (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) Kategorie:Neutestamentler Kategorie:Evangelischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Hochschullehrer (KiHo Wuppertal/Bethel, Standort Bielefeld) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Standort Erlangen) Kategorie:Hochschullehrer (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1908 Kategorie:Gestorben 1986 Kategorie:Mann Kategorie:Ehrendoktor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel