mini|300px|Verbreitung der slawischen Sprachen in Europa

Vornamen slawischer Herkunft leiten sich etymologisch von den slawischen Sprachen ab und sind demzufolge in den slawischsprachigen Ländern weit verbreitet.

Slawen bewohnen seit dem 6. Jahrhundert vor allem das östliche Mitteleuropa, Osteuropa und Südosteuropa. Die slawischen Sprachen zählen zur indogermanischen Sprachfamilie. Slawische Vornamen haben oft einen vorchristlichen oder mittelalterlichen Ursprung und können eine friedfertige oder eine kriegerische Bedeutung haben. Im Unterschied zu anderen Kulturkreisen beziehen sie sich nicht direkt auf Götter oder Waffen. Als Ausnahmen gelten Mieczysław (von „Miecz“, das Schwert) sowie Namen mit dem Präfix/Suffix „Bog, Boh“ (Gottheit, z. B. Bogdan).

Slawische Vornamen bezeichnen in der Regel Charaktereigenschaften, verbunden mit dem Wunsch für ein glückliches Leben des Namensträgers.

Geschichte der slawischen Vornamen In vorchristlicher Zeit hatten Kinder bis zum Alter von sieben bis zehn Jahren einen „Ersatzvornamen“, z. B. Niemój („nicht von mir“), Nielub („nicht geliebt“), was den Wert des betreffenden Kindes herabsetzen sollte, um es vor bösen und übelwollenden Mächten zu schützen. Der Grund dafür war die hohe Sterblichkeitsrate der Kinder in dieser Zeit. (polnisch) Ein Kind, das sieben bis zehn Jahre überlebte, erhielt den „Erwachsenenstatus“ durch das Ritual des Haarschnittes.Obrzędy związane z narodzinami. (polnisch)

Vornamen slawischer Herkunft dominierten bis zum Konzil von Trient (1545–63), als das katholische Konzil beschloss, dass jeder Christ einen christlichen Vornamen tragen sollte.

Vornamen in Polen In Polen versuchte der Adel, vor allem die Protestanten, traditionelle Vornamen, z. B. Zbigniew und Jarosław, zu bewahren. Die anderen wählten Vornamen aus dem christlichen Kalender, der nur wenige Heilige slawischer Herkunft, wie Kazimierz (St. Kasimir), Stanisław (St. Stanislaus), Wacław (St. Wenzel) und Władysław (St. Ladislaus), beinhaltet.Imiona słowiańskie. (polnisch) Zusätzlich waren Vornamen mit Gottesbezug (z. B. Bogdan, Bogumił) erlaubt. (polnisch)

Vornamen in Russland Eine ähnliche Situation gab es in Russland. Altrussische Vornamen waren oft Spitznamen. Im 13. Jahrhundert, als die Anzahl der christlicher und nichtchristlicher Vornamen fast gleich war, ließ die Popularität der altrussischen Vornamen nach, sie wurden aber gelegentlich zu Spitznamen oder als zweite Vornamen gewählt. Altrussische Vornamen gab es bis ins 17. Jahrhundert, im Adelsstand wurden sie als „Alltagsnamen“ verwendet.Personal Names: Name Frequency in the Novgorod Birch-Bark Letters.

Slawische Vornamen heute Während der nationalen Wiederbelebung in Polen und Russland gewannen traditionelle Vornamen, vor allem von früheren Herrschern und historischen Helden, an Popularität. In Polen lebten alte Vornamen, wie Bronisław, Bolesław, Dobiesław, Dobrosław, Jarosław, Mirosław, Przemysław, Radosław, Sławomir, Wiesław, Zdzisław, Zbigniew, wieder auf und neue wurden erstellt, z. B. Lechosław, Wieńczysław. Heute werden traditionelle slawische Vornamen auch bei christlichen Taufen akzeptiert.

Bedeutung von slawischen Vornamen (Beispiele) Einstämmige Namen Weibliche Vornamen:

Vera (Glaube), Nadia (Hoffnung), Vesela (glücklich), Duša (Seele), Zlata (golden), Zora (Dämmerung), Sveta (Licht, heilig oder stark), Mila (Liebe, Güte), Dobra (gute), Ljuba (Liebe), Kveta, Cveta (Blume), Vesna (Frühling), Slava (Ruhm), Mira (Frieden), Rada (glücklich), Brana (zu verteidigen), Živa (lebendige), Żywia (Leben), Miluša (nett), Snežana (Schneefrau), Jasna, Jagoda (Beere), Kalina (Eberesche)...

Männliche Vornamen:

Lech, Vlad (Macht, herrschen), Ognjen (Feuer), Dušan (Seele), Vuk (Wolf), Radost (Glück), Miłosz, Miloš (Liebe), Borya (Kampf), Zdravko (Gesundheit), Dragan (Kostbare, geliebte), Gniew (Wut, wütend), Darko (Geschenk), Nemanja (ohne Besitz), Nebojša (furchtlos), Goran, Lasota (Waldmann), Nayden (gefunden), Plamen (Feuer), Yasen (Aschenbaum), Mladen (jung)…

Zweistämmige Namen Zweistämmige Namen sind Namen, die aus zwei gleichberechtigten Lexemen bestehen, wie zum Beispiel der Name Bogdan, der sich zusammensetzt aus Bog (Gott) + dan (gegeben). Weibliche Äquivalente enden normalerweise mit dem Vokal 'a' (z. B. Bogusław - Bogusława).

Präfix oder Suffix Bedeutung Beispielebog, bohGott, Schicksal, reich, GlückBogna, Bogdan, Bohumil, BogusławborKampf, KämpferBorislaw, Velibor, Ratibor, Samborbron, branverteidigen, kämpfenBronisław, Branimir, Barnimciech, tech, tješglücklich, GenussWojciech, Sieciech, Božetech, Tješimircze, cti, ča, čeEhreCzesław, Ceslaus, Ctibordan, darGabe, GeschenkBožidar, Damir, Slobodandobrogut, GüteDobrogost, Dobroslav, DobrawadomHausDomasław, Domoľub, Domamirdrag, droh, drohkostbar, geliebtPredrag, Dragutin, Dragan, Dragoslav, Drogomysłgnev, hnev, gniewWut, wütendZbigniew, Gniewomir, SpytihněvgostGastRadogost, Dobrogost, GostomysljarSonne, Frühling, scheinenJaromir, Jaroslav, Jaropolk, Jarmilalub, ljub, l'ubLiebe, BevorzugungLjubomir, Luboš, Ljubow, Slawoljublud, ljudMenschenLudmila, Ludomirmil, miłLiebe, BevorzugungMilena, Milan, Miloš, Ludmila, Jarmilamir, měr, mierzFrieden, Welt, PrestigeWladimir, Jaromir, Sławomir, Ljubomir, Kasimir, Miroslavmysl, mysłGedankePremysl, Gostomysl, Przemysławpolk, pluk, pełkHeerSvätopluk, Jaropolk, JaropełkradFreude, BemühenRadomir, Radosław, Radmila, Miloradslav, sławRuhmStanisław, Bronisław, Wladyslaw, Boleslaw, Rostislaw, Zdzisław, Mieczysławsvjat, svet, svätLicht, heilig, starkSwjatoslaw, Svätopluk, Swetlanavjače, wence, vac, więcemehr, großWizlaw, Václav, Vjačeslav, Wiesławvlad/volod/władMacht, herrschenWladimir, Wladyslaw, Wsewolod, Rogwolodvoj, wojKrieg, KriegerWojciech, Vojislav

In Deutschland: Obersorbische Beispiele Obersorbische Vornamen sind beispielsweise:

Weibliche Vornamen:

Božena, Dobysława, Lubina, Ludmila, Měrana, Milena, Milenka, Mječisława, Rodźisława, Wjacława, Wojćisława...Diskussion:Obersorbische Vornamen#Obersorbische Vornamen (Beispiele)

Männliche Vornamen:

Bohuměr, Bronisław, Česćiměr, Dobysław, Horisław, Jaroměr, Milan, Mirko, Mirosław, Mječisław, Radoměr, Stani, Stanij, Stanisław, Wjacław, Wjeleměr, Wójsław...Diskussion:Obersorbische Vornamen#Obersorbische Vornamen (Beispiele)

Fußnoten

Literatur A. Cieślikowa (red.): Słownik etymologiczno-motywacyjny staropolskich nazw osobowych. T. 1, Kraków 2000, ISBN 83-87623-23-7 A. Cieślikowa: Derywacja paradygmatyczna w staropolskiej antroponimii. Kraków 1991, ISBN 83-900261-7-1 A. Brückner: Słownik etymologiczny języka polskiego. Warszawa 1985 M. Malec: Imię w polskiej antroponimii i kulturze. Kraków 2001, ISBN 83-87623-27-X M. Malec: Obraz rodziny w słowiańskich imionach złożonych. Rozprawy slawistyczne, Nr. 16, Słowiańskie composita antroponimiczne, Lublin 2000

Weblinks Vladimíra Darvašová, Slovanská antroponymie v zrcadle etymologie, Diplomarbeit, Masaryk-Universität 2008 (tschechisch)

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