La favorite (deutsch: Die Favoritin: italienische Fassung: La favorita) ist eine Grand opéra in vier Akten von Gaetano Donizetti; das Libretto schufen Alphonse Royer, Gustave Vaëz und Eugène Scribe. Sie wurde am 2. Dezember 1840 an der Pariser Oper uraufgeführt.

Die Vorlage für das Libretto ist nicht bekannt, nur der vierte Akt im Kloster basiert auf der Erzählung Les amans malheureux, ou Le comte de Comminges (1790) von François-Thomas-Marie de Baculard d’Arnaud.William Ashbrook: Donizetti and his Operas (2. edition), Cambridge University Press, Cambridge, 1983, S. 155

La favorite war und ist – sowohl im französischen Original als auch in der italienischen Übersetzung – eine der erfolgreichsten und langlebigsten Seria-Opern von Donizetti und wurde selbst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht komplett vergessen, ähnlich wie Lucia di Lammermoor und Lucrezia Borgia.William Ashbrook: Donizetti and his Operas (2. edition), Cambridge University Press, Cambridge, 1983, S. 156

Handlung Historischer Hintergrund der Oper ist die Liebesbeziehung von Leonor de Guzmán (1310–1351) und König Alfons XI. (1311–1350) von Kastilien. Die Handlung spielt in Santiago de Compostela (Akt I,1 und Akt IV), im Alcázar von Sevilla (Akt 2 und 3) und auf einer sogenannten Löweninsel (Akt I,2).

Erster Akt (Die folgende Inhaltsangabe folgt dem französischen Originallibretto. Zu Unterschieden in der traditionellen italienischen Version siehe unten: Italienische Fassungen.) Szene 1 Im Kloster zu Santiago de Compostela

Die Mönche des Klosters von Santiago begeben sich zum Gebet in die Kapelle (Chor der Mönche „Pieux monastère“). Der Novize Fernand und Prior Balthazar bleiben zurück, und Fernand gesteht, dass er kürzlich beim Gebet in der Kirche einer unbekannten Frau, schön wie ein Engel, begegnete, in die er sich unsterblich verliebte (Romanze „A l’autel que saint Jacques protège“). Balthazar reagiert mit Unverständnis und Ärger und erinnert Fernand, dass dieser später sein Nachfolger als Prior werden sollte. Doch alle Vorhaltungen und Warnungen nützen nichts, Fernand will das Kloster verlassen und bittet Balthazar um seinen Segen (Duett Fernand/Balthazar „Va-t’en, insensé, téméraire!“).

Szene 2 Am Ufer der Löweninsel

Inez und andere Hofdamen besingen die Schönheit und Freuden der Natur („Rayons dorés … Doux zéphir sois lui fidèle“), als Fernand mit verbundenen Augen auf einer Barke herangebracht wird. Es ist ihm inzwischen gelungen, Kontakt zu der von ihm geliebten Dame aufzunehmen, die seine Gefühle erwidert. Aber deren Identität und Name sind ihm nach wie vor unbekannt, und auch Inez beantwortet ihm keine Fragen. Da erscheint Léonor zu dem geheimen Stelldichein, überglücklich, Fernand zu sehen (Duett Leonor, Fernand „Mon idole“). Doch seinen Fragen weicht sie aus, und als er sie bittet, ihn zu heiraten, entgegnet sie zu seiner Enttäuschung, sie würde nichts lieber tun, aber das könne und dürfe sie nicht. Ihre Liebe habe keine Chance, und er müsse sie verlassen. In dem Moment wird der König gemeldet. Léonor bricht in Panik aus, übergibt Fernand zum Abschied ein Dokument und eilt davon. Fernand glaubt nun, dass er zu unbedeutend, Léonor gesellschaftlich zu weit unterlegen und sie daher für ihn unerreichbar sei. Da erkennt er, dass er durch das von ihr erhaltene Dokument einen Adelstitel und ein Kapitänspatent bekommen hat. Er beschließt, sich ihrer würdig zu erweisen und sich im Kampf Ruhm und Ehre zu verdienen, damit er sie am Ende doch heiraten kann (Arie Fernand „Oui, ta voix m’inspire“).

Zweiter Akt Offene Galerie mit den Gärten des Alcazar von Sevilla im Hintergrund

Fernand hat sich inzwischen im Kampf gegen die Mauren bewährt, und König Alphonse XI. beabsichtigt, den Sieger während eines Festes zu belohnen. Als dem lustwandelnden König ein wichtiges Schreiben des Papstes angekündigt wird, ahnt Alphonse bereits, dass es etwas mit seiner ehebrecherischen Beziehung zu Léonor zu tun hat. Er ist entschlossen, allen Feinden zum Trotz zu seiner Geliebten zu stehen („Léonor viens… Léonor, mon amour brave“).

Léonor tritt ein und gesteht dem König, dass sie unglücklich sei. Er habe sie glauben lassen, dass er sie zur rechtmäßigen Frau nehmen werde, aber so lebe sie in Schande und werde von aller Welt verachtet (Duett Léonor-Alphonse: „Quand j’ai quitté“). Alphonse denkt immer noch, dass sie wie „auf Blumen gebettet“ sei, muss jedoch traurig erkennen, dass ihre Liebe abgekühlt ist und sie ihn verlassen möchte („Quoi! Mon amour, stérile flamme“). mini|hochkant|Kostümentwürfe für Baldassare und Ines von Filippo Peroni (1809–1878) In dem Moment erscheint der ganze Hofstaat, und ein rauschendes Fest beginnt, bei dem spanische Tänzerinnen und maurische Sklaven Tänze aufführen (Ballett). Nach dem Tanz zeigt Don Gaspar dem König einen abgefangenen Liebesbrief an Léonor und bezichtigt diese der Untreue. Léonor bestätigt tapfer, dass sie den Adressaten liebe, weigert sich aber, dessen Namen zu nennen. Alphonse ist wütend und droht gar mit Folter. Da tritt Balthazar als Gesandter des Papstes ein und droht dem König mit Exkommunikation, wenn er sich nicht dem päpstlichen Willen füge und sich von Léonor trenne. Der König ist empört und erklärt – obwohl er ja mittlerweile weiß, dass Léonor einen anderen liebt –, es sei seine Absicht, sich von seiner Gemahlin zu trennen und Léonor zur Königin zu erheben. Balthazar, die Bulle des Papstes in den erhobenen Händen, verflucht den König, Léonor und den ganzen Palast, wenn diese nicht bis zum nächsten Tag vom Hofe verjagt werde.

Dritter Akt Ein Saal im Alcazar

Der ahnungslose Fernand ist mittlerweile im Palast angekommen, voller Hoffnung, dass er nun bald am Ziel seiner Träume ist. Der König gibt Anweisung, Léonor kommen zu lassen und ihre „Komplizin“ Inez gefangen zu nehmen. Als der König Fernand empfängt und ihm Belohnung für seine Verdienste verspricht, bittet der junge Mann um die Hand einer „noblen Dame“, die er liebe, und deutet auf die eintretende Léonor. Der König verbirgt heuchlerisch seinen Ärger und fordert in einer Mischung aus echtem Großmut und ironischer Hinterlist Léonor auf, den Antrag von Fernand anzunehmen (Terzett „Pour tant d’amour“).

Als Léonor allein zurückbleibt, ist sie hin- und hergerissen zwischen Glück und der traurigen Erkenntnis, dass Fernand gar nicht weiß, dass sie die von allen verachtete Mätresse des Königs ist und dass sie dem von ihr geliebten Mann nur Schande bereite („O mon Fernand…“). Um zu verhindern, dass Fernand durch andere die Wahrheit erfährt, und in der Hoffnung, dass er ihr vergibt und sie vielleicht dennoch heiratet, gibt sie Inez den Auftrag, Fernand über alles aufzuklären. Doch kaum ist Léonor gegangen, wird Inez von Don Gaspar abgefangen und auf Wunsch des Königs arrettiert.

Der überglückliche Fernand wird vom König vor den versammelten Edelmännern zum Marquis erhoben und mit einem Orden geehrt. Léonor tritt im Hochzeitsgewand ein, voller Sorge, ob ihre Nachricht Fernand erreichte. Bei seinem Eintritt wagt sie kaum, ihn anzusehen, doch er reicht ihr freudig und stolz seine Hand, um mit ihr zur Hochzeitszeremonie zu schreiten. Léonor glaubt, dass er alles weiß und ihr vergeben habe.

Don Gaspar und die zurück gebliebenen Hofleute zerreißen sich inzwischen das Maul über die „unehrenhafte“ Heirat, und als Fernand als frischgebackener Ehemann wieder erscheint, wundert er sich über das verächtliche Verhalten der Männer, die ihn nunmehr als entehrt betrachten. Balthazar kommt hinzu. und Fernand erfährt erst jetzt von Léonors Vergangenheit. Er fühlt sich von ihr und dem König hintergangen. Als Alphonse und Léonor eintreten, zerbricht Fernand demonstrativ seinen Degen und wirft ihn und die Ordenskette dem König vor die Füße. Léonor bittet um Gnade für Fernand, der zusammen mit Balthazar den Saal verlässt.

Vierter Akt Kreuzgang des Klosters zu Santiago de Compostela

Während einige Mönche ihr eigenes Grab ausheben, schickt Balthazar ein Gebet zum Himmel („Les cieux s’emplissent d’étincelles“). Fernand ist wieder ins Kloster eingetreten und kurz davor, sein ewiges Gelübde abzulegen. Doch zuvor bittet er Gott darum, Léonor vergessen zu können („Ange si pur“; ital.: „Spirto gentil“), dann folgt er Balthazar und den Mönchen in die Kapelle.

Léonor erscheint im Büßergewand. Sie ist nach Santiago gepilgert, von der Reise völlig entkräftet und fühlt sich dem Tode nahe. Ihre einzige und letzte Hoffnung ist, dass Fernand ihr vergebe. Da hört sie von innen die Klänge der heiligen Messe und die Stimme Fernands, der sein Ordensgelübde ablegt. Sie will fliehen, bricht jedoch kraftlos zusammen. Da kommt Fernand aus der Kirche und will dem am Boden liegenden Menschen zu Hilfe eilen. Doch als er Léonor erkennt, schreckt er zurück und fordert sie auf, zu gehen. Léonor erklärt Fernand, dass sie ihm vor ihrer Heirat die Wahrheit durch Inez sagen lassen wollte, aber dass dies durch deren Verhaftung verhindert wurde. Dann fleht sie ihn um Vergebung an („Fernand, imite la clémence“). Fernand will sie zuerst nicht hören, doch dann steigen seine alten Gefühle für sie wieder hoch, und er möchte mit ihr fliehen und ein neues Leben beginnen („Viens! je cède éperdu“). Doch es ist zu spät, Léonor stirbt in seinen Armen.

Orchester Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:Norbert Miller: La Favorite. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2: Werke. Donizetti – Henze. Piper, München/Zürich 1987, ISBN 3-492-02412-2, S. 29–33.

Holzbläser: Piccoloflöte, zwei Flöten, zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten, zwei Fagotte Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, zwei Trompeten à pistons, drei Posaunen, Altposaune à pistons, Ophikleide Pauken, Schlagzeug: große Trommel, Becken, Triangel Orgel Harfe Streicher Bühnenmusik: zwei Trompeten, Tambour

Musiknummern Französische Originalversion (Alle Bezeichnungen („chœur“, „récit“ etc.) sind original, so wie Donizetti sie in der französischen Partitur verwendete.)William Ashbrook: Donizetti and his Operas (2. edition), Cambridge University Press, Cambridge, 1983, S. 692 (siehe auch: S. 691, Fußnote 14) Ouverture Erster Akt Introduction, chœur et récit: „Pieux monastère“ Romance (Fernand): „Une ange, une femme inconnue“ Duo (Fernand, Balthasar): „Sais-tu“ Air et chœur (Ines): „Rayons dorés … Doux zéphir sois lui fidèle“ Duo (Léonor, Fernand): „Mon idole“ Air (Fernand): „Oui, ta voix m’inspire“

Zweiter Akt Récit et air (Alphonse): „Jardins de l’Alcazar… Léonor viens… Léonor, mon amour brave“ Duo (Léonor, Alphonse): „Quand j’ai quitté“ Airs de danse (Ballet) Finale

Dritter Akt Prélude et trio (Alphonse): „Pour tant d’amour“ Récit et air (Léonor): „L’ai-je bien entendu? … Ô mon Fernand… Mon arrêt descend du ciel“ Chœur: „Déja dans la chappelle“ Finale

Vierter Akt Prélude et chœur (mit Balthazars „Les cieux s’emplissent d’étincelles“) Romance (Fernand): „Ange si pur“ Récit et chœur: „Que de très-haut“ Duo (Léonor, Fernand): „Va-t-en d’ici … Viens, viens, je cède éperdu“

Italienische Fassung

Erster Akt Nr. 1 – Introduzione: Bell’alba foriera (Chor, Fernando, Baldassarre) Nr. 2 – Chor und Duett Leonora und Fernando: Bei raggi lucenti – Ah mio ben! un dio ti invia (Chor, Ines, Leonora, Alfonso) Nr. 3 – Arie des Fernando: Sì, che un tuo solo accento. Zweiter Akt Nr. 4 – Cavatine des Alfonso: Vien, Leonora, a’ piedi tuoi Nr. 5 – Duett Leonora und Alfonso: Sì, Alfonso, me traviata, avvilita Nr. 6 – Finale I: Paventa del furor (Baldassarre, Leonora, Alfonso, Gasparo, Coro, Ines) Dritter Akt Nr. 7 – Arie der Leonora: Oh mio Fernando! della terra il trono Nr. 8 – Finale III: Già nell’augusta cella (Chor, Fernando, Alfonso, Gasparo, Leonora, Baldassarre) Vierter Akt Nr. 9 – Arie des Baldassarre: Splendon più belle (Baldassarre, Chor) Nr. 10 – Arie des Fernando: Spirto gentil ne’ sogni miei