mini|Pressekonferenz der Grünen vor der Bundestagswahl 1983, ganz links Jürgen Reents, ganz rechts Rainer Trampert, beide gehörten zum Leitungsgremium der „Gruppe Z“ Die Gruppe Z, auch Z-Gruppe oder Zentrumsfraktion genannt, war eine Abspaltung des Kommunistischen Bundes (KB), die sich 1980 den Grünen anschloss. Innerhalb der Grünen bildete die Gruppe Z eine Fraktion, die den Hamburger Landesverband bis 1987 dominierte, über erheblichen Einfluss bei den Grünen in Schleswig-Holstein verfügte und durch Einzelpersonen in den Landesverbänden Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vertreten war. Bekannteste Z-Akteure waren Thomas Ebermann, Jürgen Reents und Rainer Trampert. Ebermann und Trampert traten 1990 aus der Bundespartei Die Grünen aus, bevor die sich als Bündnis 90/Die Grünen neu formierte. Reents versuchte gemeinsam mit Michael Stamm, die grüne Bundespartei näher an die PDS heranzuführen, als das misslungen war, verließ er die Grünen 1991.

Zentrumsfraktion und Spaltung des KB Ab 1978 gab es im KB nach einer Austrittswelle heftige Kontroversen um die künftige Ausrichtung des Bundes. Eine an den Kontroversen beteiligte Gruppe war die stark strukturierte Zentrumsfraktion. Deren Selbstbezeichnung hob darauf ab, dass ihre oberen und mittleren Kader in bislang für den KB zentralen Arbeitsbereichen tätig gewesen waren. Es handelte sich bei diesen Arbeitsbereichen um den Betriebsbereich Chemie und den Regionalbereich Eimsbüttel.Vgl. Michael Steffen: Geschichten vom Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991. Berlin 2002, S. 79. „Willi“ Klaus GoltermannKlaus Goltermann (Deckname „Willi“) (* 14. November 1943 in Hamburg; † 2. Mai 2016 in Portugal) war Initiator des Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrums (SALZ), einer der Vorgängerorganisationen des KB, und gehörte im KB bis zur Spaltung stets dem Zentralen Leitungsgremium an. Er bildete zusammen mit Knut Mellenthin und Hartmut Wojahn (Kadername „Heinz“) die informelle Spitze des Bundes. Öffentlich trat er nie auf, seine vielfältige Autorenschaft im Arbeiterkampf blieb unsichtbar. Erst nach der Abspaltung der Gruppe Z publizierte er in Rundbriefen und später in der Monatszeitschrift Moderne Zeiten (MOZ) unter Angabe des Namens Willi. K. Goltermann. Funktionen in den Grünen übernahm er nie. 1982 zog er sich vollständig aus der Politik zurück, gründete und betrieb in Hamburg den Plattenladen Zardoz und siedelte später nach Portugal um, wo er verstarb und in Loulé beigesetzt wurde. Vgl. biografische Notiz in: Michael Steffen, Geschichten vom Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991. Berlin 2002, S. 302 f. sowie Nachruf im Neuen Deutschland vom 21. Mai 2016. bildete den Kopf der informellen Fraktionsleitung, der außerdem Eva Hubert, Achim Kienle, Thomas Ebermann, Bettina Hoeltje, Ingo Borsum, Jürgen Reents und Marion Pein angehörten.

mini|Thomas Ebermann (links) und Rainer Trampert 2006 bei einer Veranstaltung in Karlsruhe Der Konflikt eskalierte an der Frage, wie sich gegenüber der entstehenden grünen Partei zu verhalten sei. Die KB-Mehrheit befürwortete eine Strategie, einen bunt-alternativen Block als äußeres Druckmittel im Bildungsprozess der damals bürgerlich dominierten Ökopartei einzusetzen. Ziel war es, bürgerlich-ökologische Formierungen zu einer Linksabgrenzung zu bewegen. Die KB-Mehrheit wollte die eigene Arbeit auf Alternative Listen als Parteien eines bunt-alternativen Blocks konzentrieren. Die Zentrumsfraktion favorisierte hingegen eine entristische StrategieGerd Koenen: Das rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967–1977. 5. Auflage, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-596-15573-6, S. 309. innerhalb der grün-bunten Wahlbewegung: Einfluss sollte durch Parteieintritte und Parteiarbeit innerhalb der grünen Parteiformationen genommen werden. Mitte Dezember 1979 spaltete sich die Zentrumsfraktion mit ca. 200 Mitgliedern organisatorisch vom KB abMichael Steffen: Geschichten vom Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991. Berlin 2002, S. 242 ff. und konstituierte sich als Gruppe Z. Mitglieder der Gruppe traten einzeln in die bundesweite Vorgängerorganisation der Grünen ein.

Das Leitungsgremium der Gruppe Z bildeten Thomas Ebermann, „Willi“ K. Goltermann, Jürgen Reents und Michael Stamm.Michael Stamm war einer der ganz wenigen Z-Mitglieder, die nicht dem KB entstammten. Er hatte seine „erste politische Karriere“ als Chefideologe einer Organisation an der Universität Marburg gemacht, aus der später die Marxistische Gruppe hervorging. Stamm bewarb sich in den Grünen nie um ein Parlamentsmandat. Vgl. Joachim Raschke (Hrsg.): Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind. Köln 1993, S. 324, Anmerkung 168. Faktisch zählte auch Rainer Trampert zur Z-Leitung.Vgl. Joachim Raschke: Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind. Köln 1993, S. 148, Anmerkung 21. Dieses Leitungsgremium bestand auch nach der Gründung der Initiative Sozialistische Politik (ISP; siehe nächster Abschnitt) separat weiter; die Gesamtgruppe löste sich aber in die ISP auf. Es blieb ein Z-Telefon-Netzwerk, das auch die kurze ISP-Lebenszeit überdauerte.Vgl. Joachim Raschke: Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind. Köln 1993, S. 324, Anmerkung 168.

Zeitschrift Z Die Zentrumsfraktion gründete die Zeitschrift Z, anfangs unterbetitelt Zentrumsfraktion im Kommunistischen Bund, dann bloß Zentrumsfraktion und nach dem Ausscheiden aus dem KB ohne Untertitel. Die Zeitschrift erschien von 1979 bis 1981 in 12 regulären Ausgaben, davon eine Doppelnummer, sowie weiteren vier Sonderausgaben mit einer durchschnittlichen Auflage von 2.000 Exemplaren. Die Zeitschrift Z diente der Z-Gruppe eingangs zur Begründung ihrer Konstitution als Fraktion im KB und im weiteren Verlauf zur Formulierung und öffentlichen Diskussion ihrer Politik in der im Entstehungsprozess befindlichen grünen Partei und nahestehenden Alternativkandidaturen.Vorläufige Plattform der Zentrumsfraktion, in: Z, nr.0, 14. Dezember 1979, S. 30–33.

Rolle in der grünen Bundespartei Früher Einfluss als Gruppe Z Im Folgenden nahm sowohl der Rest-KB wie die Gruppe Z Einfluss auf den Gründungsprozess der Grünen. Der zunehmende Beitritt Linker in die grüne Partei schien der Gruppe Z Recht zu geben: Beim grünen Gründungsparteitag am 12. und 13. Januar 1980 in Karlsruhe bestand keine bürgerlich-ökologische Mehrheit. Es hatte sich hingegen eine gemäßigte Mehrheit gebildet, die sowohl den bürgerlich-ökologischen wie den links-alternativen Flügel (zu dem auch Vertreter des Rest-KB zählten) jeweils in Minderheitspositionen geraten ließ.

Auf dem Programmparteitag im März 1980 in Saarbrücken ging die Gruppe Z ein taktisches Bündnis mit den Gemäßigten ein. Als Folge musste der bürgerlich-ökologische Flügel eine fast vollständige Niederlage hinnehmen. Letztlich führte diese Niederlage zum Austritt der Parteirechten um Herbert Gruhl und Baldur Springmann und zur Gründung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). Auch der Rest-KB spielte künftig keine Rolle mehr in der Bundespartei.

Doch schon in Saarbrücken deutete sich eine Ausdifferenzierung der verbliebenen Parteilinken in zwei Flügel an. Die Z-Frau Bettina Hoeltje bewarb sich um ein Sprecheramt im Bundesvorstand. Sie scheiterte aber an einer taktischen Gegenkandidatur von Jan Kuhnert, Mitglied der Gruppe Basisdemokratische undogmatische Sozialist/inn/en in den GRÜNEN (BUS), und zog lediglich als Beisitzerin in den Vorstand ein.Vgl. biografische Notiz zu Bettina Hoeltje in: Michael Steffen, Geschichten vom Trüffelschwein. Politik und Organisation des Kommunistischen Bundes 1971 bis 1991. Berlin 2002, S. 305

Die BUS beantragte 1980 gemeinsam mit Doppelmitgliedern aus der Grünen Liste Schleswig-Holstein und einigen hamburgischen Ökologen einen gegen die Gruppe Z gerichteten Unvereinbarkeitsbeschluss. Eine daraufhin vom Bundesvorstand zögerlich eingesetzte Untersuchungskommission entschied 1981: „Die Mitgliedschaft in der Gruppe Z ist gegenwärtig nicht unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der Partei DIE GRÜNEN.“Vgl. Joachim Raschke: Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind. Köln 1993, S. 147f.

Neuformierung als Initiative Sozialistische Politik (ISP) Auf die inner-grünen Widerstände reagierte die Gruppe Z 1981 mit einer Teilrevision ihrer damals leninistischen Programmatik hin zum Ökosozialismus. Mit der Teilrevision ging eine organisatorische Neugestaltung einher. Die Gruppe Z ging in der neuen Initiative Sozialistische Politik (ISP) auf, die etwa 360 Mitglieder hatte, davon die Hälfte aus dem Z-Umfeld. Andere ISP-Mitglieder, wie kurzzeitig Ralf Fücks, stammten aus der KBW-Abspaltung Komitee für Demokratie und Sozialismus, der Sozialistischen Initiative (einer eurokommunistischen Abspaltung der SEW) und aus der traditionalistischen Revier-Gruppe. Die ISP verstand sich als „besondere Organisation der Marxisten“ in den Grünen.Vgl. Joachim Raschke: Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind. Köln 1993, S. 148.

Zeitschrift Moderne Zeiten (MoZ) Die ISP gab die Monatszeitschrift Moderne Zeiten (MoZ) heraus, die von 1981 bis 1984 in 30 Monats- oder Zweimonatsausgaben sowie drei weiteren Sonderausgaben mit einer Auflage von 3.000–4.000 Exemplaren erschien. Die MoZ-Redaktion setzte sich aus dem Z-Leitungsgremium sowie Einzelpersonen aus anderen linken Gruppen oder Parteien zusammen. Die MoZ verstand sich als eine Zeitschrift, die darauf zielt, inmitten des politischen Zerfalls der westdeutschen Linken eine neue und gemeinsame Initiative zu entwickeln.Es ist Zeit zu handeln Initiative sozialistische Politik, in: MoZ 10/812, p.80.

Auflösung 1984 wurde die MOZ von der ISP-Mehrheit mit Michael Stamm in die Zeitschrift Kommune überführt. Dem waren finanzielle Probleme der Herausgeber und eine Spaltung des RedaktionsquartettsGoltermann war nicht mehr dabei, er hatte sich aus der Politik zurückgezogen. in zwei politische Tandems vorausgegangen: Ebermann/Trampert und Reents/Stamm.Vgl. Joachim Raschke: Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind. Köln 1993, S. 157 f. Der zur Spaltung führende Konflikt betraf die Positionierung in den Grünen. Ebermann und Trampert setzten laut Raschke euphorisch auf die Grünen, weil sie von ihren persönlichen Erfolgen in Partei und Parlament beeindruckt waren. Reents und Stamm beharrten hingegen darauf, die eigene Minderheitenposition in Kernfragen deutlich zu machen.Vgl. Joachim Raschke: Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind. Köln 1993, S. 158

Mit dem Ende der MOZ endete auch die ISP und damit das letzte Projekt der Gruppe Z. Die noch aktiven ehemaligen Z-Mitglieder orientierten sich anschließend an den Ökosozialisten. Es kam zu einer Zusammenarbeit mit dem kleinen Kreis um Jutta Ditfurth, der in Frankfurt längst an den Rand gedrängt worden war.Vgl. Joachim Raschke: Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind. Köln 1993, S. 166.

In der Phase der Zuspitzung von Strömungskämpfen in den Grünen am Ende der 1980er/zu Beginn der 1990er Jahre orientierten sich Reents/Stamm mit wenigen Gefolgsleuten aus Hamburg am reformistischen Linken Forum in den Grünen. 1991 verließen sie die Partei in Richtung PDS.Reents machte als Pressesprecher und parteinaher Journalist Karriere, Stamm zog sich nach einer Episode als PDS-Berater für die Westlinke aus der Politik zurück. Ebermann/Trampert radikalisierten ihre Haltung innerhalb der Grünen in lockerer Zusammenarbeit mit den Ökosozialisten und unter dem Druck schwindenden Einflusses. Sie traten 1990 gemeinsam mit Christian Schmidt, Regula Schmidt-Bott und 40 weiteren ehemaligen hamburgischen Z-Aktiven aus den Grünen aus.Vgl. Jürgen Oetting, Grüne: Leiser Abgang statt Spaltung, die tageszeitung, 9. April 1990, S. 1. Ihre schleswig-holsteinischen Gefolgsleute inszenierten wenige Wochen später einen Gruppenaustritt auf einem Landesparteitag in Kiel.Vgl. Jürgen Oetting, Öko-SozialistInnen kehren Partei den Rücken, die tageszeitung, 21. Mai 1990, S. 4.