Die Gefechte in Mogadischu seit 2010 beschreiben einen seit August 2010 andauernden bewaffneten Konflikt in Mogadischu zwischen den Kämpfern der al-Shabaab-Milizen und den Truppen der somalischen Regierung als auch ihrer Verbündeten im Rahmen des somalischen Bürgerkrieges. Der Konflikt ist geprägt von vereinzelten militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktparteien und Anschlägen der al-Shabaab im Stadtgebiet von Mogadischu.

Offensive der al-Shabaab Die al-Shabaab startete eine Offensive am 23. August 2010, als ihre Kämpfer begannen, verstärkt Truppen der Übergangsregierung Somalias und der Mission der Afrikanischen Union in Somalia in Mogadischu anzugreifen. Diese wurden von den Milizen der al-Shabaab als Invasoren betrachtet.BBC: Somali MPs killed in hotel suicide attack Laut dem AU-Kommando war die Offensive gescheitert und die Anführer der al-Shabaab flohen nach dem Ramadan aus der Stadt.

Kämpfe 2010 Angriff auf das Hotel Mona

Bei einem Angriff auf ein Hotel in Mogadischu wurden am 24. August 2010 mindestens 32 MenschenTAZ: Dutzende Tote bei Selbstmordanschlag getötet, darunter sechs Abgeordnete, vier Regierungsmitarbeiter und der stellvertretende Regierungschef, Abdirahman Hadschi Adab Ibbi.

Am 7. September 2010 teilten die Vereinten Nationen mit, dass bei den Kämpfen bisher mindestens 230 Menschen umgekommen sind. 20.000 Menschen sind aus der Stadt geflüchtet.ORF: Mindestens 230 Tote bei Kämpfen in Mogadischu

Angriff auf Flughafen Am 9. September 2010 wurde der Flughafen Mogadischu angegriffen. Erst sprengte sich ein Selbstmordattentäter an einem Checkpoint vor dem Flughafen in die Luft. Danach kam es zu einem Schusswechsel zwischen zusätzlichen Angreifern und UN-Soldaten und das Flughafengelände wurde mit einem Mörser beschossen. Die AMISOM spricht von fünf getöteten Angreifern und zwei toten Soldaten der Friedenstruppe und einem Zivilisten. Ein Journalist der AFP berichtete von zwei zusätzlich getöteten Frauen. Zum Zeitpunkt des Anschlags hielten sich die Somalia-Sondergesandten der UNO und der AU, Augustine Mahiga und Boubacar Gaoussou Diarra am Flughafen auf.NZZ: Zehn Tote bei Anschlag am Flughafen von Mogadiscio

Markt Am 17. November 2010 wurden bei Kämpfen um den belebten Bakara-Markt im Süden der Stadt sechzehn Zivilisten getötet. Truppen der AU nahmen den Markt unter Granatfeuer, da einer ihrer Konvois von einem am Straßenrand deponierten Sprengsatz getroffen wurde. Nach Informationen eines lokalen Händlers schlugen mindestens neun Granaten ein. Am selben Tag starben fünf weitere Zivilisten an anderen Orten in der Stadt im Kreuzfeuer.

Kämpfe 2011 Festival Im Februar kam es bei einem, von Bürgermeister Mohamoud Ahmed Nur organisierten, Musikfestival zu Schießereien, bei denen drei Zivilisten starben. Das Feuer eröffneten fünf von der somalischen Übergangsregierung ausgebildete Soldaten. Laut Ahmed Nur handelten sie auf Befehl des Kriegsfürsten und ehemaligen Bürgermeisters von Mogadischu Mohammed Omar Habeb Dhere der anschließend von Soldaten der Afrikanischen Union verhaftet wurde.

Fazul Abdullah Muhammad

Laut Angaben der somalischen Übergangsregierung wurde am 8. Juni Fazul Abdullah Muhammad, der mutmaßliche Anführer der al-Qaida in Ostafrika, bei einem Feuergefecht an einer Straßensperre im Süden der Stadt getötet. Vermutlich aus Rache darauf tötete eine Selbstmordattentäterin den somalischen Innenminister Abdi Shakur Sheikh Hassan.

Hilfslieferungen

Am 28. Juli kam es zu schweren Gefechten zwischen der AMISOM und al-Shabaab. Es wurden, laut Amisom-Sprecher Paddy Akunda, um die Hilfslieferungen nach vorherigen Provokationen im Zuge der Hungerkrise zu schützen, Truppen der al-Shabaab um den zentral gelegenen Bakaara-Markt mit schwerem Gerät beschossen. Dabei wurden fast 30 Zivilisten verletzt. Die AMISOM eroberte dem Bericht nach drei Stellungen und kontrolliert die gesamte südliche Stadthälfte. Von den 16 Stadtteilen wurden drei von al Shabaab gehalten. In acht hatte die AMISIOM die Kontrolle. Die übrigen fünf waren Schauplatz von Gefechten.

Am 5. August stürmten Truppen der Übergangsregierung eine Lebensmittelverteilungsstation des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) im Flüchtlingslager Badbaado, plünderten zwei Transporter und erschossen mindestens zehn Menschen.

Rückzug der al-Shabaab mini|Ein Casspir-Panzerfahrzeug der Afrikanischen Union auf dem Bakaara-Markt im September 2011 mini|Ein AMISOM-Soldat im Stadion von Mogadischu im September 2011|alternativtext=Ein AMISOM-Soldat im Stadion von Mogadischu im September 2011

Am 5. August um circa 23:00 Uhr startete die al-Shabaab eine Offensive um Stellungen am Stadion in Yaadshiid sowie am Baraka-Markt im Stadtteil Hawl Wadaag zurückzuerobern. Die beiden Gebiete waren eine Woche zuvor von der AMISOM erobert worden. Sie fügte der al-Shabaab schwere Verluste zu, schlug den Angriff zurück und startete am 6. August um 3:00 Uhr morgens, eine Gegenoffensive die mit der Einnahme der zwei Positionen endete. Das Stadion ist strategisch wichtig, weil hier alle Ausfallstraßen zusammenlaufen. Der Baraka-Markt ist durch die Abgaben der Händler und des dort etablierten Systems des Bargeldtransfers eine wichtige Einnahmequelle. In der Folge übernahm die AMISOM kampflos den Rest von Mogadischu. Sämtliche Stellungen der Miliz waren komplett geräumt und es wurden weder Waffen noch Munition gefunden. Auf Seiten der AMISOM wurde der Verdacht geäußert, die Angriffe in der Nacht seien ein Ablenkungsmanöver gewesen, um den Rückzug zu decken.

Laut Aussagen der al-Shabaab ist der Rückzug die Folge einer geänderten Strategie. Regierungssprecher bezeichneten die Entwicklung allerdings als „goldenen Tag“ und reklamierten den Abzug als Sieg der Regierungstruppen. Beobachter vermuten auch Finanzierungs- und Rekrutierungsprobleme der Miliz als Folge der Hungerkrise.

Laut Augenzeugen soll sich die al-Shabaab nach Baidoa, der Provinzhauptstadt von Afgoye, zurückgezogen haben.

In der Nacht zum 8. August kam es immer wieder zu einzelnen Feuergefechten in Mogadischu. Wenige Kilometer außerhalb Mogadischus explodierte, ebenfalls am 8. August, ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug.

Am 17. August kam es zu Gefechten in der Stadt, wobei auch Granaten und Flugabwehrgeschütze eingesetzt wurden. Infolgedessen musste ein SOS-Kinderdorf und die dazugehörige Klinik wegen Beschuss evakuiert werden.

Attentat auf Bildungsministerium Am Morgen des 4. Oktober fand ein Anschlag auf das in einem Regierungskomplex liegende Bildungsministerium statt. Ein mit Sprengstoff beladener LKW explodierte an einem Kontrollposten in einer Menschenmenge. Dabei starben mindestens 82 Menschen, vor allem Studenten hielten sich dort auf, um ein Türkei-Stipendium zu beantragen. Unter den Toten finden sich außerdem Soldaten und Zivilisten. Über 150 Personen wurden verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich al-Shabaab, durch ihren Sprecher Ali Mohamud Rage. Das Hauptgebäude des Regierungskomplexes wurde zerstört.

Staatspräsident Sheikh Sharif Ahmed kündigte eine Reaktion der Übergangsregierung an und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte den Anschlag.

Kämpfe und Massaker in Dayniile Am 11. Oktober gab Fred Mugisha, ein General der AMISOM, bekannt, dass das gesamte Zentrum von Mogadischu in der Hand der UN-Soldaten sei. Bei Kämpfen um die letzte Stellung seien ein AU-Soldat und acht Zivilisten getötet worden. Es gäbe aber noch Aktivitäten in den Außenbezirken im Osten und Norden der Stadt.

Am 20. Oktober eroberten die Regierungstruppen nach eigenen Angaben Deynile, einen im Nordwesten liegenden Stadtteil. Dabei gab es mehrere Verletzte. Es wurde von massiven Fluchtbewegungen aus dem betroffenen Stadtteil berichtet. Laut Aussage der AMISOM befand sich Deynile nach den Kämpfen größtenteils unter ihrer Kontrolle. Tags darauf, am 21. Oktober, präsentierte die al-Shabaab in Alameda, 18 Kilometer von Mogadischu entfernt, Leichen mit Uniformen der AMISOM. Zeugenaussagen zufolge sollen es mindestens 63 sein. Ali Mohamud Rage, sprach von 70 bis 150 getöteten Soldaten die mehrheitlich aus Burundi stammen sollen. Es sei eine Panzerfahrzeugkolonne in Dayniile in einen Hinterhalt gelockt und die beschossen worden. Die AU bestätigte lediglich zehn tote AMISOM-Soldaten und sprach von verkleideten somalischen Opfern.

Angriffe In der Nacht vom 17. auf den 18. November griffen Soldaten der al-Shabaab vier Stellungen in Mogadischu an. Bei den darauffolgenden Kämpfen wurden Maschinengewehre und Mörsergranaten eingesetzt. Laut Aussage der Übergangsregierung schlugen sie die Angreifer zurück.

Kämpfe 2012 Eroberung eines Stadtteils durch die AMISOM Am 2. März eroberte die AMISOM laut eigenen Angaben ein am Stadtrand gelegenes Stadtviertel von der al-Shabaab zurück. Das Viertel wurde erst mit Artillerie beschossen und danach mit Panzern und Bodentruppen besetzt. Als Grund für die Angriffe wurde der Schutz von Zivilisten angegeben die von dem Viertel aus angegriffen worden sein sollen.

Anschläge auf Präsidentenpalast Am 14. März sprengte sich ein Selbstmordattentäter auf dem Gelände des Präsidentenpalasts in die Luft. Während al-Shabaab den Tod von 30 Menschen bekanntgabe, sprach AMISOM von vier und die örtliche Polizei von fünf Toten.

In der Nacht vom 18. auf den 19. März starben, laut Shabelle Media Network, bei einem Angriff auf den Präsidentenpalast mindestens sechs Zivilisten. Die Mörsergranaten verfehlten ihr Ziel und schlugen in einem nahegelegenen Flüchtlingslager ein.

Selbstmordanschlag auf Theater Eine Selbstmordattentäterin sprengte sich am 4. April auf der Einjahresfeier zur Errichtung eines somalischen TV-Satellitennetzwerks in die Luft und tötete mindestens sieben Menschen. Die Zeremonie fand in dem erst im März nach 20 Jahren wiedereröffneten historischen Nationaltheater statt. Ministerpräsident Abdiweli Mohamed Ali, der im Moment der Zündung eine Rede hielt, und mehrere seiner Minister überstanden den Anschlag unversehrt. Unter den Toten befinden sich aber laut Regierungsangaben der Präsident des Somalischen Olympischen Komitees, Aden Yabarow Wiish, und der Chef des nationalen Fußballverbandes, Said Mohamed Nur.

Attentat auf den Komödianten Abdi Jeylani Malaq Marshale Am 31. Juli erschossen Unbekannte den Radiomoderator Abdi Jeylani Malaq Marshale beim Verlassen seines Arbeitsplatzes beim Radiosender Kulmiye. Marshale war unter anderem für seine Witze über die al-Shabaab-Milizen bekannt. Außerdem war er an verschiedenen Jugendinitiativen beteiligt und arbeitete beim somalischen Exilsender Universal TV. mini|AMISOM-Soldat am Hafen von Mogadischu im August 2012

Verfassungsänderung Am 1. August beschloss die Verfassungsgebende Versammlung in Mogadischu eine neue Übergangsverfassung für Somalia. Damit wurde der Weg für die Wahl einer neuen Übergangsregierung bereitet. Das Föderale Übergangsparlament wurde durch das Bundesparlament Somalias ersetzt. Am 10. September 2012 wählte es Hassan Sheikh Mohamud zum neuen Präsidenten.

Anschlag auf den Präsidenten Auf das Hotel, in dem der neue Präsident Hassan Sheikh Mohamud residierte, wurde am 12. September ein Anschlag verübt. Zu dem Zeitpunkt hielten sich auch kenianische Abgeordnete und der kenianische Außenminister Sam Ongeri Mohamud in dem Gebäude auf. Der Präsident und die kenianische Delegation wurde bei den beiden Explosionen nicht verletzt. Es wurde ein ugandischer und zwei somalische Soldaten getötet. Die AMISOM ging von drei Selbstmordattentätern aus. al-Shabaab bekannte sich zu dem Anschlag.

Doppelanschlag auf Restaurant