mini|Sergio Albeverio (2005) Sergio Albeverio (* 17. Januar 1939 in Lugano, Schweiz) ist ein schweizerischer Mathematiker und mathematischer Physiker, der in zahlreichen Gebieten der Mathematik und ihrer Anwendungen tätig ist. Er ist bekannt für seine Arbeiten zur Wahrscheinlichkeitstheorie, Analysis (einschl. unendlich-dimensionaler Analysis, Nichtstandardanalysis und stochastischer Analysis), mathematischen Physik und sowohl in den Gebieten der Algebra, Geometrie und Zahlentheorie als auch in den Anwendungsgebieten der Mathematik und Physik in Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaft.
Karriere Sergio Albeverio ist der Sohn von Olivetta Albeverio Brighenti, geborene Brighenti (1910–1968), und des auf dem Gebiet der Sanitär- und Heizungsanlagen tätigen Luigi «Gino» Albeverio (1905–1968). Er wuchs in Lugano (Schweiz) auf und besuchte dort das Liceo Cantonale. Er studierte danach an der ETH Zürich Physik, wurde dort 1962 Diplom-Physiker, war dort von 1962 bis 1966 Assistent und von 1966 bis 1967 Forschungsassistent am Institut für Theoretische Physik, und wurde, ebenfalls in Zürich, 1967 zum Dr. rer. nat. promoviert. 1966 hatte er in Zürich auch den Befähigungsausweis für das Höhere Lehramt erhalten. Von 1967 bis 1968 war Albeverio Visiting Lecturer an der Universität London, von 1968 bis 1968 lehrte er an Luganorer Liceo Cantonale und erhielt ein Forschungsstipendium vom Schweizerischen Nationalfonds. Von 1970 bis 1972 war er Visitung Research Fellow an der Princeton University, 1973 bis 1974 Assistant Professor der Universität Oslo und Professor der Postgraduate School der Universität Neapel, 1974 bis 1977 erhielt er in Norwegen ein Forschungsstipendium der NAVF, des Norwegischen Allgemeinwissenschaftlichen Forschungsrats in Oslo.
Von 1977 bis 1979 war Albeverio Wissenschaftlicher Rat und Professor für Mathematik an der Universität Bielefeld und erhielt dort von 1979 bis 1983 einen Lehrauftrag. 1977 bis 1978 war er zudem Professor am Centre de Physique Théorique des CNRS der Universität d’Aix-Marseille II im Marseiller Vorort Luminy.
Im Jahr 1979 wurde er Professor für Mathematik an der Ruhr-Universität Bochum. Er initiierte (mit Raphael Høegh-Krohn) eine systematische mathematische Theorie der Feynman Pfadintegrale und unendlich-dimensionaler Dirichlet-Formen und den damit zusammenhängenden stochastischen Prozessen (mit Anwendungen insbesondere in den Gebieten der Quantenmechanik, der statistischen Mechanik und der Quantenfeldtheorie). Er leistete überdies wesentliche Beiträge zur Entwicklung der Gebiete p-adischer Funktional- und stochastischer Analysis einerseits und andererseits der singulären Störungstheorie für Differentialoperatoren. Weitere wichtige Beiträge leistete er in den Bereichen der konstruktiven Quantenfeldtheorie und der Darstellungstheorie unendlich-dimensionaler Gruppen. Er begründete darüber hinaus einen durch stochastische Mechanik inspirierten neuen Ansatz zur Untersuchung der Formationen von Galaxien und Planeten.
Leben und Werdegang Studium der Mathematik und Physik an der ETH Zürich, Diplomarbeit (1962) bei Markus Fierz und David Ruelle, Dissertation (1966) bei Res Jost und Markus Fierz. Assistent an der ETH Zürich (1962–67), Gastdozent am Imperial College (1967–68, R. F. Streater). Einladung von Irving Segal als Mitarbeiter (MIT, 1968–69), wegen familiärer Gründe durch einen einjährigen Aufenthalt als Dozent am Liceo Cantonale, Lugano ersetzt. Albeverio ist katholisch, seit 1970 mit der 1939 geborenen Schweizer Kunstmalerin und Schriftstellerin Solvejg Albeverio-Manzoni verheiratet und hat mit ihr eine Tochter, die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Aglaja Mielikki Albeverio. Research Fellowship an der Princeton University (1970–72, A. S. Wightman). Gastprofessuren an den Universitäten Oslo (1973–77, R. Høegh-Krohn), Neapel (1973–74, Gianfausto Dell’Antonio) und Aix-Marseille II (1976–77, Daniel Kastler, Raymond Stora). Seit 1977 ordentliche Professuren in Deutschland: 1977–79 Universität Bielefeld 1979–97 Inhaber des Lehrstuhls für Wahrscheinlichkeitstheorie und mathematische Physik, Ruhr-Universität Bochum Seit 1997: Inhaber des Lehrstuhls für Wahrscheinlichkeitstheorie und mathematische Statistik, Universität Bonn (emeritiert seit 2008). Mitglied des Hausdorff Center for Mathematics seit dessen Gründung (2006). 1997–2009: Professor und Direktor der Abteilung Mathematik an der Accademia di Architettura, USI, Mendrisio; 2011–2015 Chair Professorship in Mathematik, King Fahd University of Petroleum and Minerals (KFUPM), Dhahran. Längere Forschungs- und Gastprofessuren an zahlreichen Universitäten und Forschungszentren in Europa, China, Japan, Mexiko, UdSSR/Russland, und den USA.
Forschungsinteressen Albeverios Hauptinteressen liegen in den Bereichen der Wahrscheinlichkeitstheorie (stochastische Prozesse, stochastische Analysis, stochastische partielle Differentialgleichungen), Analysis (Funktional- und unendlich-dimensionale Analysis, Nichtstandardanalysis, p-adische Analysis), mathematischen Physik (klassische und Quantenphysik, insbesondere Hydrodynamik, statistische Physik, Quantenfeldtheorie, Quanteninformation und Astrophysik), Geometrie (Differentialgeometrie, nichtkommutative Geometrie), Topologie (Konfigurationsräume, Knotentheorie), Operatoralgebren, Spektraltheorie, Fraktale, Zahlentheorie (analytische und p-adische), Darstellungstheorie, Algebra, Informationstheorie und Statistik, mathematische Anwendungen in der Biologie, den Geowissenschaften, der Wirtschaftswissenschaft, den Ingenieurwissenschaften, der Physik, den Sozialwissenschaften, im Bereich der Modelle urbaner Systeme, der Erkenntnistheorie und allgemeiner auf den Gebieten philosophischer und kultureller Fragestellungen.
Mitgliedschaften Albeverio wurde Mitglied vieler Gremien, Komitees und Gesellschaften, unter anderem: Komitee der International Association of Mathematical Physics Beirat des Doppler-Instituts, Prag Beirat des CFM, Lissabon Wissenschaftlicher Beirat des mathematischen Forschungsinstituts, Linné-Universität, Växjö Komitee zur Evaluation der Forschung (CIVR), Rom Diskussionsteilnehmer der ERC Synergy Nucleo di Valutazione (Aufsichtsrat) der Università di Roma III Jurymitglied für die Universitá di Roma I, La Sapienza Evaluationsgremium des mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach Wissenschaftlicher Direktor des Forschungszentrums für Mathematik und Physik (CERFIM), Locarno, und des MACS-Lab (USI, Mendrisio) Komitee des Instituts für wissenschaftliche und interdisziplinäre Studien (ISSI), Locarno Internationale Forschungsgruppe bzw. Wissenschaftliches Komitee am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF), Universität Bielefeld Wissenschaftlicher Direktor am interdisziplinären Zentrum für komplexe Systeme (IZKS), Universität Bonn Esperto am Liceo Cantonale, Bellinzona Ehrenmitglied der Società Matematica Svizzera Italiana (SMASI) Gastgeber für 30 Alexander von Humboldt Fellows; über 30 Promotionsvorhaben betreut Organisator von über 70 internationalen Konferenzen, Symposia und Workshops 2021 wurde er ordentliches Mitglied der Academia EuropaeaEintrag auf der Internetseite der Academia Europaea
Auszeichnungen und Preise 1992: Max-Planck-Forschungspreis Mathematik (mit Z. M. Ma und M. Röckner) 1998: Nominierung Professor per Chiara Fama, Università degli studi di Roma Tor Vergata 2000: Konferenz zu Ehren S. Albeverios anlässlich seines 60. Geburtstags, Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, Leipzig, über stochastische Prozesse, Physik und Geometrie 2002: Doctor honoris causa der Universität Oslo anlässlich des 200. Geburtstags von Niels H. Abel 2002: Langzeitprofessur per chiara fama, Universität Trient 2002: Moderator der Plenarsitzung auf dem Internationalen Mathematikerkongress (ICM), Peking Seit 2002: Aufgeführt in den ISI Highly Cited 2003: Preis für ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, Universität Bonn 2015: Direktor (mit A. B. Cruzeiro und D. Holm) des Research Semester on Geometric Mechanics, Variational and Stochastic Methods at Centre Interfacultaire Bernoulli (CIB), EPFL Über 250 Vorträge auf internationalen Konferenzen in Mathematik, Physik und Anwendungen, darunter: Plenarvortrag auf dem International Congress of Mathematical Physics (ICMP): Rom 1977, Boulder 1983, Marseille 1986, Swansea 1988; Organisation einer Sitzung in Lissabon 2003 1994: N. Wiener Memorial Symposium, East Lansing 1995: S. Lefschetz Memorial Lecture, Mexiko-Stadt 2000: Vorträge in Saint-Flour anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Saint-Flour Lectures in Probability 2005: Plenarvortrag auf der Konferenz anlässlich des 90. Geburtstags von K. Itō, Oslo Plenarvorträge auf Symposia/Konferenzen zu Ehren von: G. da Prato (1996), G. F. Dell’Antonio (2003 und 2013), L. Gross (2010), E. Balslev (2010), F. Guerra (2013), H. Holden (2016), D. Holm (2017)
Veröffentlichungen (Auswahl) Albeverio war an über 900 Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften oder Konferenzbänden beteiligt, insbesondere der Fachgebiete Mathematik und Physik.
Monographien mit Raphael Høegh-Krohn: Mathematical Theory of Feynman Path Integrals (= Lecture Notes in Mathematics. Band 523). Springer Verlag, 1976; 2. Auflage (mit Raphael Høegh-Krohn und Sonia Mazzucchi) ebenda 2008. mit Raphael Høegh-Krohn, Jens Erik Fenstad und Tom Lindstrøm: Nonstandard methods in stochastic analysis and mathematical physics. Academic Press, 1986; Dover, 2009; russische Übersetzung von A. K. Svonskin und M. A. Shubin: Mir, Moskau 1990. mit Fritz Gesztesy, Raphael Høegh-Krohn und Helge Holden: Solvable Models in Quantum Mechanics. Springer, 1988; 2. Auflage: American Mathematical Society Chelsea Publishing, 2005; russische Übersetzung von Yu. A. Kuperin, K. A. Makarov, V. A. Geilerk, Mir, Moskau 1990. mit Raphael Høegh-Krohn, Jean A. Marion, Daniel Testard und Bruno Torrésani: Noncommutative distributions: unitary representations of gauge groups and algebras. Marcel Dekker, 1993. mit Jürgen Jost, Sylvie Paycha und Sergio Scarlatti: A mathematical introduction to String Theory. Variational Problems, Geometric and Probabilistic Methods. Cambridge University Press, 1997. mit Pavel Kurasov: Singular perturbations of differential operators. Solvable Schrödinger type operators (aus der Reihe London Mathematical Society Lecture Notes). Cambridge University Press, 2000. mit Franco Flandoli und Yakov G. Sinai: SPDEs in hydrodynamics: recent progress and prospects. Lectures given at the C.I.M.E. Summer School held in Cetraro, 29 August–3 September 2005. Hrsg. von Giuseppe Da Prato und Michael Röckner: Lecture notes in mathematics, 1942. Springer, Berlin; Fondazione C.I.M.E., Florenz 2008. mit Yuri Kondratiev, Yuri Kozitsky und Michael Röckner: The statistical mechanics of quantum lattice systems. A path integral approach (= EMS Tracts in Mathematics. Band 8). European Mathematical Society, Zürich 2009. mit Ruzong Fan und Frederik S. Herzberg: Hyperfinite Dirichlet forms and stochastic processes. Springer, Berlin 2010. mit Andrei Khrennikov und Vladimir M. Shelkovich: Theory of p-adic distributions: linear and nonlinear models. Cambridge University Press, 2010. mit Leonard Gross und Edward Nelson: Mathematical Physics at Saint-Flour. Springer, Berlin 2012 (Nachdruck der Saint-Flour Lecture 2000, erstveröffentlicht in Sergio Albeverio, Walter Schachermayer, Michel Talagrand (Hrsg.): Lectures in Probability and Statistics. Lectures from the 30th Summer School in Probability Theory held in Saint-Flour, 2000. Springer, Berlin 2003).
Herausgaben mit anderen: Feynman Path Integrals. Proceedings of the International Colloquium Held in Marseille, May 1978 (= Lecture Notes in Physics. Band 106). Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1979. mit Philippe Combe und Monique Sirugue-Collin: Stochastic methods in quantum theory and statistically mechanics. Proceedings of the International Colloquium Held in Marseille, 1981. 1982.