Der Tillyhügel (früher Teepenbarg) ist eine Anhöhe auf dem Gebiet der Gemeinde Wardenburg. Auf dem Gipfel des Tillyhügels befindet sich ein Kriegsdenkmal. Außerdem wurde am Tillyhügel ein Naturlehrpfad angelegt.
Lage und Umgebung mini|Höhenschichtung um den Tillysee – der Tillyhügel liegt nordöstlich WardenburgsDer Hügel liegt in der östlichen Hunte-Leda-Moorniederung.Bundesamt für Naturschutz: Er ist mit 11 Metern ü. NN die höchste Erhebung des großteils bewaldeten Höhenzuges, der sich westlich und südlich des Tillysees erstreckt und in die Delmenhorster Geest übergeht. Im Gegensatz zu den unmittelbar angrenzenden, tiefer gelegenen feuchten Flurstücken wurde der Tillyhügel jahrhundertelang als Eschland genutzt.Gemeinde Wardenburg: Durch den Sandabbau im 20. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Hügelkette weitgehend abgetragen. Erhalten geblieben ist im Wesentlichen nur der Tillyhügel. Nicht weit vom Hügel fließt die Hunte entlang.
Der Iburgsweg verläuft unmittelbar südlich des Hügels und verbindet Wardenburg mit der Siedlung Bei der Iburg. Südlich des Iburgswegs befinden sich der 1998 angelegte Hochzeitswald sowie eine vom Bürgerverein gepflegte Obstwiese. An der Ostseite des Hügels liegt ein Parkplatz für das Naherholungsgebiet rund um den Tillysee. Die umliegenden Flächen werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt oder sind bewaldet.
In unmittelbarer Nähe befinden sich die Überreste des Tungeler Schießstands, der 1937 bis 1945 in Betrieb war und heute Teil des Naherholungsgebietes ist.
Geschichte
Belagerung im Dreißigjährigen Krieg Der Hügel ist nach dem Feldherren Johann T’Serclaes von Tilly benannt, nachdem dieser 1623 im Dreißigjährigen Krieg sein Lager dort aufschlug. Auf einer Hinweistafel am Fuße des Tillyhügels kann folgendes gelesen werden:
mini|Hinweistafel am Fuße des Tillyhügels (2011) Graf Anton Günther erreichte durch diplomatische Verhandlungen, dass Feldherr Tilly seinen Vormarsch nach Ostfriesland nicht fortsetzte, sondern den Rückzug antrat. Dadurch blieb auch die Stadt Oldenburg von unmittelbaren Kriegshandlungen verschont. Im Gegenzug erhielt Tilly unter anderem wertvolle oldenburgische Pferde als Geschenke.
Der Aufenthalt der Truppen hatte erhebliche Auswirkungen auf die Region. Die Versorgung des Heeres führte zu einer weitgehenden Erschöpfung der Lebensmittelvorräte im Raum Wardenburg und Hatten. Zeitgenössischen Berichten zufolge wurden Getreide, Vieh und anderes Nutzgut in großem Umfang beschlagnahmt oder verbraucht, was zu einer Hungersnot in der Region beitrug.
In der Nähe des Hügels wird ein von den Truppen eingerichteter Festplatz vermutet. Darauf deutet der bis heute bestehende Straßenname Danzmeesterweg hin, der für das plattdeutsche Wort für Tanzmeister steht.
Kriegsdenkmal im 20. Jahrhundert Nach dem Ersten Weltkrieg wurde entschieden, ein Ehrenmal für die Gefallenen aus der Gemeinde Wardenburg zu errichten. Im Frühjahr 1923 erwarb die Gemeinde das Gelände um den Teepenbarg vom Landwirt Hermann Fangmann, welches zu diesem Zeitpunkt nur spärlich bewaldet war. Das Geld wurde durch freiwillige Spenden der Bevölkerung sowie durch den Erlös einer Lotterie aufgebracht.
Zu dieser Zeit wechselte der Hügel im Volksmund allmählich seinen Namen von Teepenbarg zu Tillyhügel. Bereits im Jahr 1922 erwähnte der von 1898 bis 1924 amtierende Wardenburger Pastor Ernst Friedrich Wilhelm Rodenbrock (1866–1931) den Namen Tillyhügel.
Der für das Denkmal verwendete Findling wurde 1925 vom Korsorsberg in Achternmeer nach Wardenburg transportiert. Hierzu wurde er auf einer Feldbahnlore über eine rund acht Kilometer lange Strecke befördert. Da die Feldbahngleise fortlaufend umgesetzt werden mussten, wurden die Schienenstränge während des Transports etwa 1000 Mal hinter der Lore aufgenommen und vor ihr erneut verlegt. Der Findling wiegt rund sieben Tonnen, für den Transport waren 22 Männer erforderlich.
Die Hebung des Findlings sowie den Transport organisierte die Schachtmeisterei Walter, die an der Thülsfelder Talsperre ansässig war. Die Transportmittel wurden von einem Transporteur Berger zur Verfügung gestellt. mini|Kriegsdenkmal auf dem Tillyhügel (2011) Der Sockelstein trägt die Inschrift: „Errichtet in kameradschaftlicher Treue vom 'Stahlhelm' Ortsgruppe Wardenburg 1925.“ Der Findling selbst ist zunächst mit der Inschrift „1914–1918, 214 Söhne der Gemeinde Wardenburg fielen für des Vaterlandes Schutz und Ehre.“ versehen. Das Denkmal wurde am 12. Juli 1925 unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht. Die Festrede hielt Gemeindevorsteher Diedrich Dannemann, die Weiherede der Pastor Friedrich Thorade.
In der Zeit des Nationalsozialismus diente das Denkmal als Ort für propagandistische Veranstaltungen der Wardenburger NSDAP. Bereits kurz nach der Machtübernahme veranstaltete die Partei am 21. März 1933 anlässlich ihres Wahlsieges einen Fackelzug vom Schützenplatz zum Tillyhügel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal im Jahr 1945 um eine weitere Inschrift ergänzt. Sie lautet: „1939–1945. 439 Brüder und Schwestern der Gemeinde Wardenburg und der vertriebenen Deutschen gaben ihr Leben für ihre Heimat.“
Am Denkmal findet jährlich anlässlich des Volkstrauertags eine Gedenkveranstaltung statt. Im Vorfeld organisiert der Bürgerverein eine Pflegeaktion, bei der Ehrenamtliche das Gelände reinigen und instand halten.
Kritik Der Umgang der Gemeinde Wardenburg mit der Erinnerung an ihre ehemaligen jüdischen Einwohner ist auch im Zusammenhang mit dem Kriegsdenkmal auf dem Tillyhügel Gegenstand von Kritik. So weist Werner Meiners darauf hin, dass in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts keine öffentliche Form des Gedenkens an die im Holocaust größtenteils ermordete Wardenburger Familie Kugelmann erfolgte. Während am Denkmal jährlich der Gefallenen der Weltkriege gedacht wird, blieb eine ausdrückliche Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung zunächst aus.
Auch die nach 1945 ergänzte Inschrift des Denkmals wurde kritisch bewertet. Sie erinnert an die Toten des Zweiten Weltkriegs, nimmt jedoch keinen Bezug auf die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung, auf die auch in Wardenburg geschehene Zwangsarbeit oder auf die nationalsozialistischen Verbrechen. Kritiker sehen darin eine Erinnerungskultur, die den Opfertod hervorhebt, ohne die Ursachen und Verantwortlichkeiten des Nationalsozialismus ausdrücklich zu benennen. Thematisiert wird zudem, dass die Rolle der rechtsnationalen Stahlhelm-Organisation im Zusammenhang mit der Errichtung des Denkmals nicht näher eingeordnet oder historisch kontextualisiert wird.
Trivia Der Name Tilly findet sich in Wardenburg auch an weiteren Stellen wieder. Neben dem Tillyhügel und dem Tillysee trugen unter anderem ein Grillrestaurant und eine Apotheke den Namen Tilly. Darüber hinaus veranstaltete der Wirtschaftsförderungsverein von Wardenburg bis 2005 das Tillyfest.
Literatur Ernst Andreas Friedrich: Der Tillyhügel bei Wardenburg - Wenn Steine reden könnten. Band II. Landbuch-Verlag, Hannover 1992, ISBN 3-7842-0479-1, S. 144–145.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Wardenburg) Kategorie:Johann T’Serclaes von Tilly Kategorie:Berg in Niedersachsen Kategorie:Wardenburg