Pol Espargaró Villà (* 10. Juni 1991 in Granollers, Katalonien) ist ein spanischer Motorradrennfahrer, der zuletzt für das Tech3 GasGas Factory Racing Team in der MotoGP-Klasse an den Start ging. Seit 2024 ist er Test- und Ersatzfahrer für das Red Bull KTM Factory Racing.

Seine bisher größten Erfolge sind der Gewinn der Moto2-Weltmeisterschaft in der Saison 2013 sowie der zweimalige Gewinn des 8-Stunden-Rennens von Suzuka in den Jahren 2015 und 2016.

Karriere Spanische Motorrad-Meisterschaft Pol Espargaró begann seine Laufbahn in der Spanischen Straßenmeisterschaft, in der er 2006 auf Derbi vor Esteve Rabat und Jonas Folger den Titel in der 125-cm³-Klasse gewann. Beim Großen Preis von Katalonien 2006 startete er auf einer 125-cm³-Derbi als Wildcard-Pilot erstmals in die Motorrad-Weltmeisterschaft. Er erreichte den 13. Platz und wurde damit zum jüngsten Fahrer, der je WM-Punkte holte. Bei den letzten sechs Rennen der Saison ersetzte er den verletzten Andrea Iannone im Team Campetella Racing Junior und fuhr beim letzten Rennen des Jahres, dem Großen Preis von Valencia auf den sechsten Platz, was ihm in der Gesamtwertung den 20. Rang einbrachte.

Motorrad-Weltmeisterschaft 125-cm³-Klasse (2006–2010) mini|Pol Espargaró in Assen, 2010 mini|Pol Espargaró (l.) zusammen mit Marc Márquez (m.) und Nicolás Terol (r.) beim Großen Preis von Australien 2010 In der folgenden Saison fuhr Espargaró, weiterhin auf einer Aprilia des Campetella -Teams mit dem dritten Platz beim Großen Preis von Portugal zum ersten Mal aufs Podest und beendete das Jahr auf dem neunten Rang. Zurück auf Derbi holte er 2008 den dritten Platz in Italien, sowie die zweiten Plätze in Katalonien und Indianapolis und wurde wiederum Neunter in der Gesamtwertung.

2009 konnte Espargaró in Indianapolis seinen ersten Grand-Prix-Sieg feiern, im portugiesischen Estoril errang er später sogar den zweiten. Des Weiteren wurde er dreimal Dritter und beendete die Saison an vierter Stelle. 2010 siegte er bei den Großen Preisen von Spanien, Frankreich und Aragonien, fuhr auf den zweiten Platz in Großbritannien, Tschechien, Malaysia, Australien und Valencia und wurde Dritter in Italien, bei der Dutch TT, in Katalonien und in Indianapolis. In der Gesamtwertung belegte der Spanier damit hinter Marc Márquez und Nicolás Terol den dritten Platz.

Moto2-Klasse (2011–2013) In der Saison 2011 ging Pol Espargaró für das Team Tuenti Speed Up auf FTR in der Moto2-Klasse der Motorrad-WM an den Start. Die Saison verlief chaotisch, mit zwei Podestplätzen, aber auch vielen Stürzen und einem 13. Gesamtrang. Seinem Teamkollegen Andrea Iannone unterlag er mit 177 zu 75 Punkten deutlich.

2012 wechselte Espargaró für zwei Jahre zum Team Pons 40 HP Tuenti von Sito Pons und pilotierte fortan eine Kalex an der Seite von Esteve Rabat. Im vorherigen Jahr war auch sein Bruder Aleix, der inzwischen in die MotoGP-Klasse zurückgekehrt war, für dasselbe Team an den Start gegangen. In jedem der ersten drei Rennen belegte Espargaró das Podest, inklusive eines ersten Sieges beim Großen Preis von Spanien. Im vierten Saisonrennen, dem Großen Preis von Frankreich, belegte er nur Platz sechs, übernahm jedoch trotzdem die WM-Führung. Er gewann noch drei weitere Rennen im weiteren Saisonverlauf und wurde Vizeweltmeister hinter Marc Márquez.

2013 schließlich wurde Espargaró Weltmeister mit sechs Siegen. Er hatte auf seinen ärgsten Verfolger Scott Redding 40 Punkte Vorsprung.

MotoGP-Klasse (2014–2023) Yamaha (2014–2016)

2014 stieg Espargaró in die MotoGP-Klasse auf und pilotierte im Tech-3-Team eine Yamaha, zunächst mit einem Zweijahresvertrag. Sein Deal wurde im Sommer 2013 bekannt gegeben, nachdem Tech-3-Stammfahrer Cal Crutchlow seinen Wechsel zu Ducati Corse verkündet hatte. Sein Teamkollege war der Brite Bradley Smith. Die Saison lief großartig. Zwar gelang es ihm im Gegensatz zu Smith nie, aufs Podium zu fahren, mit dem vierten Platz beim Großen Preis von Frankreich als bestes Resultat. Dennoch fuhr er in 18 Rennen 14-mal in die Top 10 und schloss die Saison als Gesamtsechster und bester Rookie und Satellitenfahrer ab. Smith hatte er teamintern mit 136 zu 121 Punkten hinter sich gelassen.

In der Saison 2015 wurde Espargaró Gesamtneunter, verlor allerdings diesmal teamintern gegen Smith, mit 181 zu 114 Punkten, was jedoch ausreichend war, um auch im nächsten Jahr im Team zu verbleiben. 2016 schloss Espargaró die Saison als Achter und damit zum dritten Mal hintereinander in den Top 10 ab und besiegte dieses Mal Smith mit 134 zu 62 Punkten wieder deutlich. Im Frühsommer wurde bereits bekannt, dass beide nächstes Jahr fürs neue KTM Factory Racing Team antreten sollten.

KTM (2017–2020) 2017 war Espargarós erste Saison als Werksfahrer im neuen Werksteam von KTM. Zwei neunte Plätze waren Espargarós beste Platzierungen. Er wurde 17. der Gesamtwertung und besiegte Smith teamintern mit 55 zu 29 Punkten. In der Saison 2018 holte Pol Espargaró in Valencia sein erstes Podest in der MotoGP-Klasse sowie das erste Podest für KTM in der Königsklasse überhaupt. Dennoch sammelte er mit 51 Punkten weniger als in jeder MotoGP-Saison zuvor, verbesserte sich allerdings trotzdem auf Gesamtrang 14. Schon im Frühling war sein Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert worden.

2019 hatte Pol Espargaró erstmals in seiner MotoGP-Karriere nicht Bradley Smith als Teamkollegen, sondern den zweifachen Moto2-Weltmeister Johann Zarco, der ihn zwei Jahre vorher bei Tech3 ersetzt hatte. Diese Saison war für den Spanier die bisher mit Abstand beste auf KTM – er sammelte 100 Punkte beendete die Saison auf Platz elf. Zarco kam nur auf 27 Punkte und war sechs Rennen vor Schluss gegen Testfahrer Mika Kallio ausgetauscht worden, der sieben Punkte gesammelt hatte.

mini|Espargaró #44 auf der KTM RC16 hinter Álex Márquez #73 beim Großen Preis von Teruel 2020 2020 bestritt Espargaró seine letzte Saison für KTM, da noch vor dem MotoGP-Saisonbeginn, der aufgrund der COVID-19-Pandemie auf den 19. Juli verzögert wurde, bekannt wurde, dass er 2021 an der Seite seines früheren 125-cm³- und Moto2-Rivalen sowie zu diesem Zeitpunkt sechsmaligen MotoGP-Weltmeisters Marc Márquez für das Repsol-Honda-Werksteam in der MotoGP-Klasse an den Start gehen würde. Sein Teamkollege für 2020 war der frühere Moto3-Weltmeister Brad Binder. Die Saison 2020 begann für Espargaró mit dem sechsten Platz beim Großen Preis von Spanien in Jerez, es folgte der siebte Platz beim Großen Preis von Andalusien auf derselben Strecke. Beim Großen Preis von Tschechien lieferte sich Espargaró mit den Franzosen Johann Zarco und Fabio Quartararo einen Dreikampf um den dritten Platz, wurde in der dritten Runde von Zarco, der mittlerweile zu Avintia-Ducati gewechselt war, zu einem Sturz gezwungen und musste das Rennen aufgeben. Im selben Rennen sorgte Binder für den ersten KTM-Sieg in der Königsklasse. Beim Großen Preis von Österreich führte Espargaró mehrere Runden lang, bis das Rennen aufgrund eines heftigen Zwischenfalls zwischen Zarco und Franco Morbidelli abgebrochen wurde. Nach dem Neustart konnte Espargaró nicht mehr der gleiche Pace geben. Er lag an fünfter Stelle, bis das Rennen nach einem Sturz in der neunten Runde (nach dem Restart), bei dem er zudem Tech 3-KTM-Fahrer Miguel Oliveira abräumte, endgültig beendet war. Beim Großen Preis der Steiermark sicherte sich Espargaró seine erste Pole-Position. Da sein älterer Bruder Aleix zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Poles eingefahren hatte, wurde Pol zum ersten Bruder eines Polesetters in der Königsklasse, der ebenfalls eine Pole-Position einfahren konnte. Beim Start verlor er zunächst mehrere Plätze, erneut wurde das Rennen nach einem heftigen Sturz von Maverick Viñales abgebrochen. Der Restart brachte ihm diesmal einen Vorteil, vier Runden vor Schluss übernahm er wieder die Führung. Zu Beginn der letzten Runde führte der Spanier knapp vor Pramac-Ducati-Pilot Jack Miller und Oliveira, doch zu Mitte der Runde überholte ihn der Australier. Es kam zu einer der dramatischsten Schlussphasen der MotoGP-Geschichte. Drei Kurven vor Schluss ging der KTM-Werkspilot erneut in Führung, sofort versuchte Miller zu kontern. In der letzten Kurve berührten sich die beiden und verließen ihre Linie; Espargaró geriet neben die Strecke. Dadurch gewann Oliveira das Rennen vor Miller, während Espargaró den dritten Platz ins Ziel rettete. Beim GP von Europa in Valencia holte er seine zweite Pole der Saison. Mit vier weiteren dritten Plätzen wurde Espargaró WM-Fünfter. Er schlug seinen Teamkollegen Binder mit 135 zu 87 Punkten deutlich.

Repsol Honda (2021–2022) mini|Espargaró auf der Honda RC213V beim Großbritannien-Grand-Prix 2022 Der Wechsel zu Repsol Honda geschah in einer Zeit, als die Maschine zunehmend von der Konkurrenz überholt wurde. Espargaró war bereits der dritte Teamkollege von Márquez innerhalb von drei Jahren. Er wurde als Nachfolger von Marcs Bruder Álex Márquez verpflichtet, während dieser zum Kundenteam LCR transferiert wurde. In der ersten Saisonhälfte gelangen Espargaró mehrere Platzierungen in den besten Zehn, er fiel jedoch auch zweimal aus. Zudem schnitt er bei beiden Rennen auf dem Red Bull Ring mit je Platz 16 ungewöhnlich schlecht ab. Beim Grand Prix von Großbritannien erreichte er seine erste Pole-Position auf Honda und wurde im Rennen Fünfter. Seine einzige Podestplatzierung der Saison fuhr Espargaró mit Rang zwei beim Großen Preis der Emilia-Romagna ein. Er schloss seine Debütsaison bei Honda auf Platz zwölf mit 100 Punkten ab und musste sich erst zum zweiten Mal in seiner MotoGP-Karriere dem Teamkollegen geschlagen geben. Márquez erreichte 142 Punkte und drei Siege, obwohl er verletzungsbedingt vier von 18 Rennen ausgelassen hatte.

Anfang der Saison 2022 informierte Honda Espargaró, dass ihm kein neuer Vertrag angeboten würde. Die Saison verlief für Espargaró katastrophal. Er fuhr nur halb so viele Punkte wie in der Saison zuvor ein. Sein bestes Einzelergebnis war der dritte Platz direkt beim Saisonauftakt in Katar. Im Saisonverlauf traten die Defizite der Honda immer mehr zu Tage. Sein einziges weiteres Top-10-Resultat gelang ihm beim Großen Preis von Portugal mit Rang neun. Ansonsten hatte Espargaró Mühe, überhaupt in die Punkteränge zu fahren, wenn er nicht durch Stürze ausschied. Seinem Teamkollegen Márquez erging es nicht viel besser. Im Gegensatz zu Espargaró holte dieser wesentlich mehr Punkte, obwohl er aufgrund einer geplanten Operation sechs Rennen auslassen musste. Espargaró verlor teamintern mit 56 zu 113 Punkten gegen Márquez.

Tech 3 KTM (2023) Zur Saison 2023 wechselte Espargaró zurück zu Tech 3, das inzwischen Maschinen von KTM einsetzte. Teamkollege war Augusto Fernández, der im Vorjahr die Moto2-Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Die Saison begann für Espargaró schwer. Er verletzte sich beim Saisonauftakt in Portimão so schwerwiegend, dass er die nächsten acht Rennen auslassen musste. Infolge seiner langen Verletzungspause schaffte er es nicht, sich an die RC16 so anzupassen, um konkurrenzfähig zu sein. Er holte nur einmal im neu eingeführten Sprintrennen Punkte (Österreich) und seine beste Platzierung in einem Grand Prix war Rang zwölf bei seinem Comeback in Großbritannien.

Obwohl Espargaró einen Zweijahresvertrag besaß, musste er am Ende der Saison 2023 seine Platz für Pedro Acosta räumen. KTM hatte sich gegen ihn und für Fernández als Fahrer neben Acosta entschieden.

Test- und Ersatzfahrer bei KTM (seit 2024) mini|Espargaró während des Malaysia-Grand-Prix 2025 Seit 2024 ist Espargaró neben Dani Pedrosa und Jonas Folger Test- und Ersatzfahrer von KTM und bestreitet hauptsächlich die Renneinsätze bei Bedarf. In der Saison 2024 absolvierte Espargaró Wildcard-Einsätze in Mugello, auf dem Red Bull Ring und in Misano. Mit insgesamt zwölf Punkten holte er fast so viele Zähler, wie in der Saison zuvor, als er noch als Stammfahrer aktiv gewesen war.