Die KraussMaffei Group mit Sitz in Parsdorf bei München ist ein deutsches Unternehmen der Maschinenbaubranche und ein weltweit tätiger Anbieter von Maschinen und Anlagen für die Produktion und Verarbeitung von Kunststoffen und Kautschuk. Das Unternehmen zählt zu den führenden Herstellern in den Bereichen Spritzgieß-, Extrusions- und Reaktionstechnik. Der Konzern hat seine Wurzeln in dem 1838 in München gegründeten Eisenwerk Hirschau, der späteren Lokomotiven- und Maschinenfabrik J.A. Maffei, die 1931 von der 1867 gegründeten Lokomotivfabrik Krauss & Comp. übernommen wurden.
Geschichte Gründung Nachdem Georg Krauß als Leitender Maschinenmeister bei der Schweizerischen Nordostbahn in Zürich erste Erfahrungen im Lokomotivbau gesammelt hatte, beschloss er, in München eine Lokomotivfabrik zu gründen. Zu diesem Zweck reiste Krauß im Mai 1865 nach München und Augsburg, um die Finanzierung zu klären. Joseph Anton von Maffei, der Gründer und Inhaber der Eisenwerke Hirschau, der späteren Lokomotiven- und Maschinenfabrik J.A. Maffei, widersetzte sich diesem Vorhaben. Aus diesem Grund konnte Krauß erst nach langen Verhandlungen ein 16,5 Hektar großes Grundstück an der Ecke Arnulfstraße/Maillingerstraße auf dem sogenannten Marsfeld unweit des Hauptbahnhofs erwerben.
Nachdem am 9. März 1866 die Genehmigung zum Bau der Fabrik erteilt worden war, wurde am 17. Juli 1866 der Grundstein gelegt. An diesem Tag wurde auch die Kommanditgesellschaft Lokomotivfabrik Krauss & Comp. gegründet. Zunächst entstanden Dreherei, Schlosserei, Hammerschmiede, eine Montagehalle und Lackiererei. Am 6. November 1866 fand die offizielle Gründungsfeier statt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Konkurrent J.A. Maffei bereits 600 Lokomotiven ausgeliefert.
Unternehmen im 19. Jahrhundert mini|Die „Landwührden“, die erste von Krauss & Comp hergestellte Lokomotive mini|hochkant|Schuldverschreibung der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. AG vom 22. Mai 1920 Am 15. März 1867 wurde die erste Lokomotive, die „Landwührden“, an die Großherzoglich Oldenburgische Staatseisenbahn ausgeliefert. Zwei Tage zuvor hatte Krauß ein bayerisches Patent auf das sogenannte „System Krauß“ erhalten, dessen wesentliches Merkmal der Wasserkastenrahmen war. Dieses System wurde in der Folgezeit zum Markenzeichen von Krauss & Comp. Auf der Weltausstellung Paris 1867 erhielt die „Landwührden“ mit der Großen Goldenen Medaille die höchste Auszeichnung unter den ausgestellten Lokomotiven. Dieser Erfolg führte zum internationalen Durchbruch von Krauss & Comp., vor allem im Bau von Schmalspur- und Kleinbahn-Lokomotiven. Am 28. Januar 1871 wurde von Krauss & Comp. die 100. Lokomotive ausgeliefert. Ende 1872 wurde die 200. Lokomotive verkauft und Mitte 1875 die 500.
Um den steigenden Bedarf an Schmalspurlokomotiven zu decken, errichtete Krauß 1872 ein Zweigwerk am Münchner Südbahnhof. Die Grundsteinlegung fand am 31. Mai 1872 an der Lindwurmstraße statt. Als Österreich-Ungarn neue Schutzzölle einführte und somit der Verlust eines wichtigen Marktes drohte, gründete Krauß am 1. September 1880 als drittes Werk die Lokomotivfabrik Krauss & Comp. Linz in Linz an der Donau.
Im Mai 1882 wurde die 1000. Lokomotive ausgeliefert. Es war eine große Personenzug-Tenderlokomotive, die 1882 auf der I. Bayerischen Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung Nürnberg 1882 ausgestellt und daraufhin von der Gotthardbahn-Gesellschaft angekauft wurde. Die 2000. Lokomotive verließ die Werkstätten 1888. Außer der bekannten Rahmenkonstruktion wurden durch Krauss folgende wesentliche technische Verbesserungen beim Lokomotivbau eingeführt: ein vereinfachter Kesselbau mit höherem Arbeitsdruck, ein einfacher Injektor, vereinfachte Stangenköpfe und Steuerung, eine Luftbremse, eine Schienenwascheinrichtung, eine lenkbare Kuppelachse. Außerdem produzierte Das Unternehmen um 1888 eine Doppellokomotive, eine Tunnellokomotive, einen Dampfomnibus sowie eine Zahnrad- und eine Feldbahnlokomotive.Zeitungsbericht über Krauss München in. Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen, 28. Jahrgang 1888.
Nachdem 1885 der einzige Sohn von Georg Krauß tödlich verunglückte, wandelte er Ende 1886 die Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft um. Krauß zog sich aus der aktiven Unternehmensführung zurück, verblieb jedoch bis zu seinem Tod im Jahr 1906 Aufsichtsratsvorsitzender.
Die Lokomotivfabrik Krauss & Comp. stellte bis zur Jahrhundertwende in Summe etwa 4100 Lokomotiven her. Davon wurden rund 2500 in Deutschland und etwa 1100 in Österreich-Ungarn verkauft.
Bau und Betrieb von Lokalbahnen Als mit der Großen Depression ab 1873 der Absatz von Lokomotiven stark zurückging, entschied sich Krauß für den Bau von Lokalbahnen als weiteres Standbein. Mitte der 1870er Jahre waren die wichtigsten Hauptstrecken gebaut und man begann mit der Erschließung des ländlichen Raums. Auch wurden zu dieser Zeit die Pferdestraßenbahnen durch Dampfstraßenbahnen abgelöst. Durch den Bau von Lokalbahnen konnte Krauß den Absatz der eigenen Lokomotiven fördern.
So errichtete Krauss & Comp. ab 1878 die schmalspurige Feldabahn im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch das bayerische Gesetz über den Bau von Secundärbahnen von 1882. 1887 übertrug Krauss & Comp. die bis dahin gebauten Bahnstrecken und deren Betrieb an die neu gegründete Lokalbahn Aktien-Gesellschaft (LAG). Diese kaufte in der Folge ausschließlich Krauss-Lokomotiven.
Unternehmen im 20. Jahrhundert mini|Firmengebäude in Allach mini|Technische Daten Strassenschlepper mini|Schild der Lokomotivfabrik J. A. Maffei an einer Dampflok (18 478) mini|Aktie über 1000 RM der Krauß-Maffei AG vom Oktober 1940Ab Ende der 1920er Jahre beschäftigte sich Krauss – in Kooperation mit der schweizerischen Berna – mit der Konstruktion von Lastkraftwagen.
Mitte der 1920er Jahre sanken die Auftragseingänge im deutschen Lokomotivenbau auf weniger als ein Viertel des Vorkriegsniveaus. Nachdem die Übernahme der Lokomotiven- und Maschinenfabrik J.A. Maffei durch Henschel & Sohn nach der Aufdeckung der Bilanzfälschung von Maffei rückabgewickelt war, übernahm Krauß am 20. Januar 1931 den Namen und das Geschäft von Maffei. Die Werksanlagen in München-Hirschau und die Mitarbeiter von Maffei waren nicht Teil der Übernahme. Es entstand die Lokomotivfabrik Krauß & Comp. – J.A. Maffei A.-G., rund 1500 Arbeiter und Angestellte von Maffei wurden entlassen. 1935 wurde der neue, rund 60 ha große Standort München-Allach bezogen. Auf dem ehemaligen Gelände auf dem Marsfeld steht heute der Kronebau.
Ab 1940 firmierte das Unternehmen als Krauss-Maffei.
Während der NS-Diktatur wurden, neben den sogenannten „Ostarbeitern“, aus den über 400 Lagern und Unterkünften im Großraum München Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit verpflichtet. Sie machten den Großteil der Belegschaft aus. Zum Jahresende 1942 wurden 8849 Beschäftigte gezählt. Davon waren 3943 deutsche Belegschaftsangehörige. Man zählte 3543 dienstverpflichtete Ausländer, darunter viele Italiener. Es wurden 1363 Kriegsgefangene, insbesondere Franzosen (ab 1940) und Russen (ab 1941) beschäftigt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Krauss-Maffei von der US-Militärverwaltung die Anordnung zum Bau von Omnibussen in den unzerstört gebliebenen Fabrikanlagen in München-Allach. Am 14. November 1945 wurde die Produktionsgenehmigung für 200 Fahrzeuge erteilt. Der Bereich Konstruktion und Bau von Omnibussen war bis in die 1960er Jahre ein wichtiges Geschäftsfeld.Jürgen Jacobi: Omnibusse von Krauss-Maffei. In: Omnibus-Magazin. Hefte 10–12, Verlag Wolfgang Zeunert, Gifhorn 1978, Aber auch die Instandsetzung von Lokomotiven sowie der Neubau von Kleinlokomotiven und 30 Zugmaschinen fand direkt nach dem Krieg statt.
Seit 1957 baute Krauss-Maffei Spritzgießmaschinen, die entsprechende Abteilung hatte seit 1986 die Rechtsform einer GmbH. Zu dieser Zeit wurden einige Spezialfirmen aus der Spritzguss- und Extrusionsindustrie im Unternehmen integriert, unter anderem die Maschinenfabrik Seidl GmbH, ein Spezialist für Gummi- und Rundläuferspritzgießen. Zum Januar 1998 wurde dieser Bereich der Mannesmann Plastics Machinery GmbH (MPM), München, zugeordnet.
1992 übernahm Krauss-Maffei die Aktien-Mehrheit der Netstal-Maschinen AG, Schweiz. 1998 erwarb Krauss-Maffei die Mehrheit der Berstorff GmbH.
Das Unternehmen gehörte zum Buderus-Konzern (K. F. Flick-Konzern) in Wetzlar, wurde danach stufenweise zwischen 1989 und 1996 durch den Mannesmann-Konzern erworben und fusionierte 1999 mit Mannesmann DEMAG zur Mannesmann Demag Krauss-Maffei.
Unternehmen im 21. Jahrhundert Die Mannesmann Demag Krauss-Maffei wurde im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone mit ihrer Muttergesellschaft Atecs Mannesmann AG an ein Konsortium aus Siemens und Bosch verkauft, bevor sie 2002 an die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR weiterveräußert wurde.
MPM (Mannesmann Plastics Machinery) wurde 2006 an die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Madison Capital Partners veräußert und firmiert seit Ende 2007 unter dem Namen KraussMaffei AG bzw. deren operativen Tochter KraussMaffei Technologies GmbH.northdata.de.
Von 2012 bis 2016 gehörte die neue KraussMaffei AG dem kanadischen Finanzinvestor Onex Corporation.
Seit 2016 in chinesischem Besitz Seit April 2016 ist Krauss-Maffei im Besitz der chinesischen Staatsfirma ChemChina. Seit Ende 2018 ist das Unternehmen als KraussMaffei Company Ltd. an der Börse in Shanghai börsennotiert. Nach der Transaktion hielt ChemChina gut 60 Prozent der Anteile, ein weiterer chinesischer Staatsfonds rund 15 Prozent, und der Rest war Streubesitz. Gleichzeitig wurde die Produktion in China forciert: Zusätzlich übernahm die ChemChina-Mehrheitsbeteiligung Qingdao Tianhua Institute of Chemistry Engineering (THY) ein ChemChina-Werk in Sanming, das Spritzgussmaschinen für den chinesischen Markt baut.
Im November 2018 wurde das Unternehmen Opfer eines Ransomware-Angriffs. Im Jahr 2019 kam es zu einer Neuaufstellung der operativen Bereiche und zur Bündelung in den Geschäftsfeldern: Spritzgießtechnik, Extrusionstechnik und Reaktionstechnik. So wurden die Marken Krauss-Maffei und Netstal unter der Dachmarke vereint, aber Netstal als Produktname erhalten. Netstal-Maschinen (Näfels/Schweiz) trat ab einem gewissen Zeitpunkt unter dem Namen Krauss Maffei High Performance AG auf. Auch Krauss-Maffei Berstorff wurde in die Dachmarke überführt und agiert unter dem Namen Krauss Maffei Extrusion GmbH.
2023 verließ das Unternehmen nach 90 Jahren seinen Standort in Allach und verlegte seinen Firmensitz an den neuen Standort im Gewerbegebiet der Gemeinde Vaterstetten nördlich der Ortschaft Parsdorf. Krauss-Maffei baute bis 2023 weltweit 510 Stellen ab, der Großteil davon in Deutschland, wie das Unternehmen Anfang 2020 meldete.
Die Entscheidung, Netstal-Maschinen unter dem Namen Krauss Maffei High Performance AG anzubieten, sorgte für Verwirrung und wurde wieder rückgängig gemacht; im Jahr 2021 wurde der Name auf NETSTAL Maschinen AG geändert. Am 29. Januar 2024 meldete die Krones AG die Kaufabsicht für Netstal, mit Wirkung zum 28. März wurde der Verkauf vollzogen, das Unternehmen sitzt weiterhin in Näfels.netstal.com.
Geschäftsfelder und Standorte Das Produktportfolio von KraussMaffei umfasst Maschinen und Systeme für unterschiedliche Verfahren der Kunststoff- und Kautschukverarbeitung: Spritzgießtechnik, Extrusionstechnik, Reaktionstechnik, Automation und Systemlösungen sowie Digitale Lösungen.
Die Technologien von KraussMaffei werden in verschiedenen Branchen und Industriezweigen eingesetzt:
Automobilindustrie Chemieindustrie Isolation und Weiße Ware Konsumgüter Verpackungsindustrie und Logistik Medizin, Pharma und Kosmetik Infrastruktur und Bau Elektronik und Haushaltsgeräte Personentransport und Güterverkehr Werkstoffe und Kreislauf