Panthea gilt als die erste deutsche regelgerechte Tragödie einer Frau, und folgt somit den Grundsätzen des klassischen Dramas von Aristoteles: es gibt nur wenige Figuren (alle adelig) und Einheit von Ort, Zeit und Handlung besteht. Das Stück ist im Alexandriner verfasst, mit einem Jambus als Metrum. Es ist das einzige Trauerspiel von Louise Adelgunde Victoria Gottsched, die sonst vor allem für Komödien bekannt ist, und erschien 1744. Eine Überarbeitung wurde 1772 veröffentlicht.

Inhalt

Erster Aufzug Das Stück spielt über den Zeitraum eines Tages im Lager von Cyrus, dem König der Perser, der versucht durch den Kampf gegen Assyrien deren Reich einzunehmen. In einem vorherigen Kampf gegen das Volk der Susianer, das von Abradat als König regiert wurde, nahm Cyrus Panthea, die Gemahlin des Abradats, gefangen und gewann den Kampf und somit das Reich der Susianer. Abradat wird nach dem Kampf zu Cyrus’ Freund, da er in ihm einen tugendhaften Helden und guten Herrscher sieht. Zudem will Abradat Cyrus helfen noch mehr Reiche einzunehmen, um weiteren Völkern die Freude zu bescheren, von Cyrus regiert zu werden, und kämpft somit an Cyrus’ Seite im bevorstehenden Kampf gegen die Assyrer.

Panthea wird als so schön, tugendhaft und weise beschrieben, dass Cyrus sich während ihrer Gefangenschaft scheut sie zu sehen, um ihrer Schönheit nicht zu erliegen. Des Weiteren ist Cyrus entschlossen Panthea die Freiheit zu schenken und sie mit ihrem geliebten Abradat wieder zu vereinen, um Abradat vor dem Kampf Mut zu schenken und seine Freundschaft Abradat gegenüber zu beweisen. Hystaspes, ein persischer Feldherr, rät Cyrus jedoch, sie aufgrund ihrer Schönheit für sich zu behalten. Cyrus wendet ein, dass Panthea bereits mit Abradat vermählt ist, während er bereits mit Cassandanen verheiratet ist. Hystaspes’ Lösung dieses Problems sieht vor, Abradat durch eine List auf dem Schlachtfeld im heutigen Kampf umkommen zu lassen. Außerdem wendet er ein, dass ein Fürst wie Cyrus sich nicht an das Gesetz halten muss. Cyrus ist erschrocken über Hystaspes’ Vorschlag und wirft ihm Lasterhaftigkeit vor. Hystaspes entschuldigt sich und Cyrus beschließt, er solle seinen Vorschlag durch besondere Bemühungen im heutigen Kampf wieder gut machen. Cyrus schickt Hystaspes los Abradat zu holen, damit er ihm mitteilen kann, dass er Panthea noch heute zurückbekommen soll, während Cyrus, der sein Vertrauen über den Ausgang des Kampfes in den Himmel und das Schicksal legt, den Göttern eine Opfergabe widmen will.

Hystaspes fühlt sich von Cyrus ungerecht behandelt und sieht Cyrus’ Kritik an ihm für unberechtigt.

Hystaspes trifft auf Abradat und redet ihm neben Zweifeln an Pantheas Liebe auch ein, dass er Cyrus davon abgehalten habe Panthea zu sehen und somit verhindert habe, dass Cyrus ihm Panthea wegnimmt. Nach kurzem Zweifel glaubt Abradat Hystaspes und bedankt sich bei ihm für seine Dienste.

Während Hystaspes Panthea holt, bekundet Abradat, dass er in diesem Kampf alles geben will, um Cyrus zum Sieg zu verhelfen. Beide bekunden sich gegenseitig Respekt und Lob.

Panthea trifft ein und will sich zunächst bei Cyrus mit einem persischen Brauch bedanken, indem sie sich vor ihm auf die Knie wirft, doch Cyrus hält sie davon ab. Er begründet dieses Handeln damit, dass auch ein Gefangener ihm ebenbürtig sei, solange er so tugendvoll wie sie sei. Panthea bedankt sich bei Cyrus und lobt ihn für seine Ehrbarkeit. Außerdem dankt sie Cyrus für seinen Schutz gegen Araspes’ List: Während Cyrus sie zum eigenen Schutz nicht sehen wollte, bat Araspes Cyrus darum, ihr Wächter zu werden. Aufgrund ihrer Schönheit konnte Araspes sich nur kurze Zeit beherrschen, bevor die Lust ihn überkam. Als Cyrus von Araspes Vergehen hörte, schickte er ihn als Strafe zu den Assyrern, um die Feinde und deren Streitkraft und Kampfbereitschaft auszuspähen und ihn von Panthea fernzuhalten.

Cyrus schenkt den Liebenden, Abradat und Panthea, vor der Schlacht noch einen Moment für sich. Abradat nutzt diesen Moment, um die ihm von Hystaspes eingeredeten Zweifel an Pantheas Liebe vorzutragen. Panthea ist erschrocken von Abradats Vorwürfen und versichert ihm ihre ungebrochene Liebe und Treue. Abradat beginnt ihr zu glauben und entschuldigt sich: Er habe sein Reich und seine Krone in so kurzer Zeit verloren, dass er Angst hatte sie auch zu verlieren. Panthea berichtet Abradat anschließend von Araspes’ Bedrängung ihr gegenüber und verkündet, sie würde ihn auf ewig hassen. Abradat ist erfreut über Pantheas Treue und beide versichern sich ihre gegenseitige Liebe. Abradat geht anschließend zu Cyrus’ Opfergabe.

Zweiter Aufzug Araspes kehrt verfrüht von den Feinden zurück und verkündet Hystaspes, er sei zuversichtlich, dass sie den Kampf gewinnen würden. Hystaspes berichtet ihm im Gegenzug, dass Cyrus Panthea und Abradat wiedervereint habe. Araspes bezeichnet Cyrus daraufhin als „[g]rausam“ (S. 52) und Abradats und Pantheas Liebe als blind und triebhaft. Hystaspes bekundet sein Mitleid über Araspes’ Leiden und beteuert, er würde helfen, wenn er könne. Araspes erwidert, er habe Hoffnung dieser Tag wäre der letzte, der ihm Erleichterung erschaffen könne, als Cyrus hinzukommt und das Gespräch unterbricht.

Araspes versteckt seine Trauer über die Wiedervereinigung von Panthea und Abradat und zeigt sich Cyrus gegenüber erfreut ihn wiederzusehen. Cyrus erkundigt sich sofort nach des Feindes Heer. Araspes berichtet das Heer der Assyrer sei dreimal so groß wie das der Perser, aber deren Schwachstelle sei, dass sie keine Einheit bilden würden. Der Grund dafür sei Crösus, der die Verdienste seiner Helden nicht angemessen belohne und einige sich nun von ihm abwenden und auf Cyrus’ Seite wechseln wollen, darunter auch Gobrias. Außerdem seien die Assyrer unvorbereitet, da keiner von ihnen an den Krieg denke. Cyrus verspricht Lohn und Dank für Araspes’ Bericht und ordnet an, dass Araspes während der Schlacht nicht kämpfen darf. Araspes empfindet dies als Strafe und Schande und bittet Cyrus seine Meinung zu ändern, doch Cyrus sieht diese Entscheidung zu Araspes’ Schutz als notwendig an.

Hystaspes kommt hinzu und verkündet, dass Gobrias, einer der ehemaligen Verbündeten der Assyrer, mit Cyrus zu sprechen wünscht. Hystaspes erläutert Gobrias sei sehr ehrenhaft und aus Rache zu Cyrus gewechselt. Außerdem habe er eine schöne Tochter. Cyrus lässt Gobrias rufen.

Gobrias erklärt er wolle trotz seiner assyrischen Herkunft Rache nehmen und gegen die Assyrer kämpfen. Der Grund dafür sei, dass Neriglossor, der ursprünglich seiner Tochter zum Mann versprochen war, seinen einzigen Sohn umgebracht habe, obwohl er Neriglossors Vater immer treu gewesen sei.

Gobrias erklärt er war Neriglossors Vater immer treu, doch nach diesem Vorfall sei er der Rache verpflichtet. Außerdem verspricht er Cyrus nach seinem Tod solle sein Reich an ihn übergehen und seine Tochter stehe ihm zur Heirat zur Verfügung. Cyrus lehnt ab, da er schon verheiratet ist, verspricht Gobrias Tochter, Nikothris, stattdessen Araspes zum Mann. Cyrus will helfen den Mord an Gobrias zu rächen, verspricht, Nikothris einen Brautschatz mitzugeben, und nimmt Gobrias auf seiner Seite auf. Des Weiteren ordnet Cyrus an, Nikothris zu Panthea zu führen, damit sie von ihrer Tugend lernen kann.

Im Gespräch mit Hystaspes behauptet Araspes, er könne Panthea trotz seiner versprochenen Braut Nikothris nicht vergessen und wolle nur sie. Araspes verkündet Hystaspes, dass er einen Anschlag auf Abradat plant, bei dem Abradat im Kampf getötet werden soll, um so nicht den Verdacht zu erwecken es sei Mord. Hystaspes wendet zwar ein, dass Panthea Abradat auch nach seinem Tod treu sein werde, doch stimmt am Ende zu, mitzumachen, da Araspes auf ihn angewiesen ist, da dieser nun nicht mehr mit in den Kampf ziehen darf. Araspes weiß, dass die Truppe, die Abradat führt, ihm nicht wohl gesonnen ist, deshalb soll Arbaz Abradat die Waffe abnehmen und ihn umbringen. Hystaspes erklärt er habe Abradats Tod schon vor Araspes’ Vorschlag gewollt. Cyrus habe Abradat in Schutz genommen, während er Hystaspes als jahrelang treuen Diener gekränkt habe.

Dritter Aufzug Vor der Schlacht werden noch einige Arrangements gemacht: Gobrias bittet Cyrus, sich im Falle seines Todes um seine Tochter zu kümmern, Cyrus bittet Panthea, Nikothris in ihre Obhut zu nehmen, und Cyrus befiehlt Araspes, während des Kampfes auf Panthea, Nikothris und Cassandanen aufzupassen und sie im Falle einer Niederlage in Sicherheit zu bringen.

Panthea verabschiedet sich wehmütig von Abradat und würde aus Sorge am liebsten mit ihm in den Kampf ziehen. Abradat bittet sie, Vertrauen in die Götter zu haben, doch Panthea ist nicht von ihrer Befürchtung abzubringen, dass Abradat mit seinem Leben für Cyrus’ Sieg bezahlen werde. Abradat wendet ein, es sei seine Pflicht Cyrus gegenüber zu kämpfen, und bittet Nikothris, sich während seiner Abwesenheit um die verzweifelte Panthea zu kümmern. Panthea verkündet vor Abradats Abschied, sie werde sich das Leben nehmen, wenn Abradat im Kampf sterben solle.

Als Abradat gegangen ist, wiederholt Panthea ihre Bereitschaft zu sterben, falls Abradat sterben sollte. Nikothris versucht ihr einzureden, dass Abradat das niemals gewollt hätte und ihm das nur Kummer bereiten würde und versucht, ihr Hoffnung zuzusprechen.

Vierter Aufzug Panthea rät Nikothris in ihrer Angst um Abradat, nie jemanden zu lieben, um nie einen Geliebten verlieren zu können. Nikothris erwidert, sie habe bereits ihren geliebten Bruder verloren; Panthea will zur Ablenkung von ihren Qualen erfahren, wie Nikothris’ Bruder gestorben ist. Nikothris erzählt, dass Assyriens Monarch Neriglossor mit ihrem Bruder auf der Jagd war, als ein Bär sie angreifen will. Der Prinz verfehlte den Bären mit seinem Schuss, während ihr Bruder den Bären mit einem Schuss erlegte. Der Prinz unterdrückte seine Wut darüber zunächst, doch bald darauf griff ein Löwe sie an. Abermals verfehlte Neriglossor, während Nikothris’ Bruder den Löwen mit einem Pfeil tötete. Daraufhin wurde der Prinz so zornig, dass er den Dolch eines Sklaven nahm und verkündete: „Für die Geschicklichkeit nimm diesen Stahl zum Lohne“ (S. 116), während er Nikothris’ Bruder umbrachte. Der tote Bruder wurde dem Vater gebracht. Außerdem erzählt Nikothris, sie sei dem Mörder ihres Bruders vorher versprochen worden, doch sie weigert sich ihn zu heiraten. Nikothris folgert aus dem Geschehen, dass eine Niederlage für Cyrus unmöglich sei, da der Himmel den Mörder ihres Bruders sicherlich gerecht bestrafen werde.

Panthea erklärt Nikothris daraufhin, dass Araspes, den Cyrus ihr als Mann versprochen hat, auch nicht tugendhaft sei, wie sie selbst bezeugen könne. Araspes kommt hinzu und teilt den Frauen mit, dass er zu ihrem Schutz beauftragt sei. Panthea bezeichnet ihn daraufhin als feige, da er nicht in der Schlacht kämpft. Araspes beruft sich auf Cyrus’ Anordnung und behauptet, er würde durch ihre Verurteilung mehr leiden als im Kampf. Panthea erwidert, dass Cyrus ihn nur im Lager zurückgelassen habe, da er seine Schwäche erkannt habe. Araspes bittet um Pantheas Mitleid, doch diese sagt, sie trauere erst um ihn, wenn er im Kampf gestorben sei. Araspes geht, doch droht, sie werde noch heute Abend die Konsequenzen ihres Zornes zu spüren bekommen.

Panthea berichtet Nikothris anschließend ausführlich von Araspes’ Vergehen gegen sie, als sie gefangen genommen wurde, und kritisiert Cyrus für seine Naivität, die ihn glauben ließ, dass Araspes’ Strafe, zu den Feinden geschickt zu werden, aus ihm einen besseren Mann gemacht habe, während sie erkenne, dass Araspes seine Reue nur vorgespielt habe und nun zu den gleichen Fehlern bereit sei. Nikothris erwidert darauf, dass sie lieber sterbe, als Araspes zu heiraten.

Ein erster Bote trifft ein und berichtet, dass der Himmel Cyrus den Sieg versage. Des Weiteren wisse er nicht, ob Abradat und Cyrus noch am Leben sein. Nur über Gobrias ist er sicher, er lebe noch.