mini|SchoellerwappenSchoeller ist der Name einer ursprünglich rheinischen, mehrheitlich reformierten Familie, die sich durch ihre weit verzweigten Unternehmertätigkeiten einen hohen Stellenwert im In- und Ausland erworben hat. In älteren Urkunden werden sie unter anderem auch: Scolere, Scollere, Scholer, Scholere, sowie Schoeler geschrieben, wobei die Schreibweise mit „oe“ mit wenigen Ausnahmen durchweg in allen Linien erhalten geblieben ist.

Allgemeine Familiengeschichte Nachweislich ab Joris Schoeler zu Wißgen (ca. 1500 bis ca. 1552) gingen die meisten Angehörigen der Familie zunächst als Reidemeister in der Eifel ihrer Arbeit nach und traten ab Beginn des 18. Jahrhunderts hauptsächlich als Gründer, Gesellschafter und Manager zahlreicher bedeutender Unternehmen der Textil-, Papier-, Zucker- und Stahlindustrie sowie der Verpackungstechnik in Erscheinung. Auch ein eigenes Handels- und Bankhaus, die 1833 zunächst als Großhandelshaus gegründete Schoellerbank in Wien, gehörte zu ihrem Wirtschaftsimperium. Weiterhin waren sie an Unternehmen im Steinkohlenbergbau, im Bau- und Eisenbahnbaugewerbe, an Brauhäusern, sowie an weiteren Bank- und Handelshäusern beteiligt. Zu den wichtigsten Unternehmensstandorten zählten neben ihren ursprünglichen Heimatorten Schleiden, Gemünd und Hellenthal in der Eifel hauptsächlich im Raum Düren-Jülich, die Orte Eitorf, Osnabrück sowie Breslau, Edelény, Prag, Brünn, Zürich, Bregenz, Ternitz, Berndorf, Wien und zahlreiche weitere Standorte weltweit.

An ihren jeweiligen Firmenstandorten spielten sie dabei eine bedeutende soziale und wirtschaftliche Rolle in der Gesellschaft. So waren sie beispielsweise für den Vertrieb ihrer Produkte maßgeblich an der Planung und am Ausbau der Infrastruktur, besonders im Eisenbahnbau, beteiligt. Mit ihren Unternehmen, wo sie zum Teil mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigten, setzten sie sich darüber hinaus schon früh für firmeneigene Angestellten-Pensionskassen, Arbeiter- und Betriebskrankenkassen sowie sonstige soziale Vergünstigungen für ihre Arbeitnehmer und deren Familien ein. Dazu zählten unter anderem der Bau ganzer Wohnsiedlungen oder auch der Erwerb landwirtschaftlicher Güter zum Anbau von Grundnahrungsmitteln für den Eigenbedarf. Allerdings beschäftigten sie in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges auch zahlreiche Zwangsarbeiter, wofür sie im Jahr 2001 im Rahmen der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ aufgefordert wurden, sich an entsprechenden Entschädigungszahlungen zu beteiligen. (PDF; 1,6 MB)

Ein Großteil der Familienangehörigen engagiert sich bis heute außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit in öffentlichen oder politischen Ämtern. Dazu zählten Berufungen als Stadträte, als Abgeordnete des preußischen Abgeordnetenhauses oder des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats, als Vorstandsmitglieder in Handels- und Gewerbekammern, als Honorarkonsuln, oder als Mitglieder in zahlreichen Aufsichts- und Verwaltungsräten sowie Unternehmensvorständen.

Zur Ehrung ihrer öffentlichen und gesellschaftlichen Verdienste wurden in den Städten Düren, Osnabrück, Eitorf, Leverkusen und Neunkirchen in Niederösterreich jeweils eine Straße nach der Familie Schoeller benannt. In Düren werden Alexander von Schoeller und in Osnabrück Lothar (1883–1957) und Gerhard Schoeller (1886–1970), Söhne von Felix Hermann, mit einem Straßennamen geehrt. Darüber hinaus wurde 1909 in Wien-Leopoldstadt (2. Bezirk) die Schoellerhofgasse nach der um 1840 erbauten Zinshaus-Anlage „Schoellerhof“ des Großindustriellen Alexander von Schoeller benannt.

Für ihre außerordentlichen Verdienste wurden mehrere Angehörige des „Brünner“ und des „Wiener Zweiges“ mit dem Titel eines Ritters in den erblichen österreichischen Adelsstand sowie Sir Paul Eduard von Schoeller (1853–1920) als Knight Bachelor in den britischen Adelsstand erhoben. Allerdings wurden 1919 alle noch betroffenen lebenden Familienmitglieder und deren Nachkommen dazu verpflichtet, auf Grund des im gleichen Jahr erlassenen Adelsaufhebungsgesetzes die Zusätze Ritter und von aus ihrem Namen zu streichen, sofern sie die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen hatten.

Die Angehörigen der Familie Schoeller haben sich zu einem Familienverband organisiert, der sich in regelmäßigen Abständen zum Gedankenaustausch und zur Pflege ihrer Traditionen trifft. Hierzu arbeiten sie mit einem renommierten Geschichtsbüro zusammen, das sowohl die Familiengeschichte insgesamt als auch die jeweiligen Firmenchroniken ständig neu aufarbeitet.

Wappen Mit Erhebung in den österreichischen Adelsstand im Jahre 1863 schuf sich die Familie Schoeller ein neues Familienwappen, wobei sie das alte und überlieferte Schoellerwappen als Grundlage wählte, das nur ein einteiliges Wappenschild mit gold-schwarzen Querstreifen besaß. Dieses wurde unter anderem noch um das Emblem eines goldenen Kammrades und eines Ankers als altes Zeichen des Handels erweitert. Dieser Anker wurde Namensgeber und Firmenlogo für die Anker-Teppichboden-Fabrik.

Das neue Wappenschild ist geviertelt: im Feld 1 und 4 befinden sich in Gold drei schwarze Balken; im Feld 2 in Blau ein goldenes Kammrad; im Feld 3 in Blau pfahlweise ein goldener Anker mit Querholz. Auf diesem Schild sind zwei Helme aufgetragen, auf dem rechten Helm mit schwarz-goldenen Decken eine goldene Lilie zwischen offenem schwarzen Flug, auf dem linken mit blau-goldenen Decken ein offener, je mit einer auffliegenden goldenen Biene belegter blauer Flug.

Ursprünge Die Familienchronik und die meisten Quellen gehen davon aus, dass sich die hier beschriebene Familie aus einer Nebenlinie der alten rheinischen Adelsfamilie von Schöller mit Sitz auf dem Rittergut Schöller im Wuppertaler Ortsteil Schöller gebildet haben könnte. Ein Zweig dieser Familie scheint sich Anfang des 15. Jahrhunderts zunächst im Ort Weiler, dem heutigen Gereonsweiler bei Jülich, niedergelassen zu haben, bevor dann rund hundert Jahre später ein Nebenzweig dieser Linie nach Belmen bei Jüchen weiter zog. Nachdem sich die Nachkommen dieses Zweiges zum lutherischen Glauben bekannt hatten, zogen einige Familienangehörige auf Grund der anschließenden wirtschaftlichen Benachteiligungen und des rigiden Zunftrechts unter Ablegung ihres alten Adels in das Schleidener Tal. Dort erwarb jetzt erstmals nachweisbar ein oben erwähnter Jöris Schoeler zu Wißgen Anteile in Erbpacht an einem herzoglichen Eisenwerk zu Gemünd, das zur Keimzelle der industriellen Entwicklung der Familie Schoeller werden sollte. Ein anderer Zweig ließ sich im Düren-Jülicher Raum nieder, von der wiederum Heinrich Wilhelm Schoeller (1724–1771) Mitte des 18. Jahrhunderts nach Düsseldorf zog und dort die Düsseldorfer Linie der Familie begründete. Dieser Linie gehörten unter anderem der spätere preußische Oberbürgermeister Philipp Schöller mit leicht veränderter Schreibweise sowie in neuerer Zeit der Botschafter Franz Jochen Schoeller an.

Eifeler Hauptlinie Die Nachkommen von Jöris und seiner Frau Maria aus der ebenfalls im Schleidener Tal ansässigen Reidemeister- und späteren bedeutenden Düsseldorfer Großindustriellenfamilie Poensgen wurden mehrheitlich ebenfalls Reidemeister, übernahmen jeweils die elterlichen Betriebe oder erwarben noch weitere in der näheren Umgebung hinzu. Ein Ururenkel von Jöris, Philipp Dietrich Schoeller (1645–1707), setzte sich darüber hinaus als Schöffe und Ältester der evangelischen Kirchengemeinde von Gemünd maßgeblich für die Belange der evangelischen Mitbürger ein, gewährte Verfolgten Unterschlupf und gestattete Gottesdienste in seinem Hause. Dessen Ururenkel Johann Ludolf Schoeller (1760–1841) erwarb erstmals eine Eisenhütte in Hellenthal, in der sein Sohn Wilhelm Arnold (1792–1875), ebenfalls verheiratet mit einer Poensgen, die maschinelle Fertigwarenherstellung einführte und damit offiziell im Jahre 1827 das bis heute bestehende und sich in Familienbesitz befindende Schoeller Werk GmbH Hellenthal gründete.

Sein Bruder Friedrich Wilhelm Schoeller (1801–1871) gründete 1845 zusammen mit seinem Schwager Albert Poensgen unter dem Namen Poensgen & Schoeller in Mauel bei Gemünd eine Fabrik für schmiedeeiserne Gasröhren, womit sie mit dieser Produktion die ersten Unternehmer auf dem europäischen Markt waren.Lutz Hatzfeld: Die Begründung der deutschen Röhrenindustrie durch die Firma Poensgen & Schöller, Mauel 1844–1850 Im Jahre 1850 übernahm Albert Poensgen die Anteile Schoellers und wurde Alleinbesitzer.

Dürener Linie und unternehmerische Expansion Johann Paul Schoeller (1700–1754), einem Sohn aus zweiter Ehe von Philipp Dietrich, entschloss sich nach Abschluss einer kaufmännischen Ausbildung in Elberfeld in der Dürener Tuchfabrik von Johann Wilhelm Schoeller, einem Verwandten aus der alten Jülicher Linie, zu arbeiten und sich wenig später im gleichen Ort selbstständig zu machen. Dadurch wurde Johann Paul zum Stammvater der Dürener Hauptlinie (siehe dazu Stammtafeln unter Einzelnachweise). Durch seine Heirat mit Magdalena von Scheven (1705–1794), der Tochter des Papierfabrikanten Rütger von Scheven, wurden seine Söhne auf Grund von Schevens Kinderlosigkeit zudem Erbberechtigte der Schevensmühle, aus der sich später die Papierfabrik Schoellershammer entwickelte. Damit war die Ausgangslage für die zukünftige Spezialisierung eines Großteils seiner Nachkommen auf die Produktion und dem Vertrieb hochwertiger Tuche und Spezialpapiere geschaffen.

Ihnen kam dabei aus kaufmännischer Sicht zugute, dass nach der französischen Revolution das Zunftrecht aufgehoben und damit die Handels- und Gewerbefreiheit eingeführt wurde. Ferner spielte in ihrer weiteren wirtschaftlichen Entwicklung die Aufhebung der Kontinentalsperre im Jahr 1814 ebenso eine wichtige Rolle wie die darauf folgende Handelssperre des Königreichs Lombardo-Venetien, das zuvor ein bedeutendes Absatzgebiet für ihre Tuche gewesen war. mini|hochkant|Heinrich Leopold Schoeller Aus diesem Grunde ergriff Johann Pauls Enkel Heinrich Leopold Schoeller (1792–1884) die Initiative, mit zwei seiner Brüder im Verlauf des Aachener Monarchenkongresses 1818 bei Kaiser Franz I. von Österreich einen Antrag für eine Konzession zur Errichtung einer Tuchfabrik im mährischen Brünn zu stellen, um sich dadurch neue Absatzmärkte im Kaisertum Österreich zu eröffnen. Am 19. März 1819 schließlich genehmigte der Kaiser die Gründung der Gebr. Schoeller k. k. Feintuch- und Wollwarenfabrik, womit die unternehmerische Auslandstätigkeit der Familie ihren Anfang nahm. Die Leitung des Unternehmens wurde 1820 ihren gemeinsamen Neffen Philipp Wilhelm von Schoeller (1797–1877) übertragen, der dieses später erbte und darüber hinaus 1863 zum österreichischen Ritter geadelt wurde.Adelserhebung Philipp von Schoeller Philipp Wilhelm wurde dadurch gemeinsam mit seinem Bruder Adolph (1804–1860) zum Begründer des Brünner Zweigs der Familie, der sich vom ersten Sohn des Johann Paul, Philipp Rütger Schoeller (1725–1805) abgetrennt hatte und bis heute fortbesteht. mini|hochkant|links|Alexander von Schoeller Zwischenzeitlich ließ sich ein weiterer Neffe Heinrich Leopolds, Alexander von Schoeller (1805–1886, ebenfalls 1863 geadelt), ebenfalls in Österreich nieder. Dort gründete er 1833 zunächst ein Handels- und Bankhaus und anschließend Stahlfabriken in Ternitz und in Berndorf mit Alfred Krupp die später bekannt gewordene Berndorfer Metallwarenfabrik. Zusätzlich war er zum Teil zusammen mit seinen Brüdern Heinrich Eduard (1803–1879, geadelt 1867) und Johann Paul von Schoeller (1808–1882, geadelt 1867) am Kohlebergbau und an der Gründung mehrerer Zuckerfabriken, unter anderem in Edelény in Ungarn, Čakovice bei Prag (Böhmen) und der Leipnik-Lundenburger in Wien, beteiligt. Diese Unternehmen wurden zunächst an die Söhne seiner beiden Brüder übergeben, die diese sie dann auf Grund ihrer eigenen Kinderlosigkeit an Vettern aus dem Brünner Zweig vererbten, die darüber hinaus noch im Brauereisektor und in Gerstenfabriken investierten.